Deutsche Märchen & Sagen
zum Lesen und Vorlesen

Däumelinchen

von Hans Christian Andersen

~21 Min

Es war ein­mal eine Frau, die sich sehr nach einem kleinen Kinde sehnte, aber sie wusste nicht, woher sie es nehmen sollte. Da ging sie zu ein­er alten Hexe und sagte zu ihr: Ich möchte her­zlich gern ein kleines Kind haben, willst du mir nicht sagen, woher ich das bekom­men kann?“ Ja, damit wollen wir schon fer­tig wer­den!“ sagte die Hexe. Da hast du ein Ger­stenko­rn; das ist gar nicht von der Art, wie sie auf dem Felde des Land­manns wach­sen oder wie sie die Hüh­n­er zu fressen bekom­men; lege das in einen Blu­men­topf, so wirst du etwas zu sehen bekom­men!“ Ich danke dir!“ sagte die Frau und gab der Hexe fünf Groschen, ging dann nach Hause, pflanzte das Ger­stenko­rn, und sogle­ich wuchs da eine her­rliche, große Blume; sie sah aus wie eine Tulpe, aber die Blät­ter schlossen sich fest zusam­men, ger­ade als ob sie noch in der Knospe wären. Das ist eine niedliche Blume!“ sagte die Frau und küsste sie auf die roten und gel­ben Blät­ter, aber ger­ade wie sie darauf küsste, öffnete sich die Blume mit einem Knall. Es war eine wirk­liche Tulpe, wie man nun sehen kon­nte, aber mit­ten in der Blume saß auf dem grü­nen Samen­grif­fel ein ganz kleines Mäd­chen, fein und niedlich, es war nicht über einen Dau­men bre­it und lang, deswe­gen wurde es Däumelinchen genannt.