Wie soll ich denn sagen?

von Josef Haltrich

~5 Min

Ein Mann, der zu seinem Zeichen dumm war, mehr als es recht ist und sich schickt, sprach ein­mal zu sein­er Frau: Ich möchte gern die Welt bese­hen, gib mir einen Spruch auf den Weg!“ – Daraus wird nichts!“ sagte diese ganz kurz, denn sie fürchtete, er werde ihr draußen nur Schande machen. Der Mann aber glaubte, das sei der Spruch, lief fort und sprach immer vor sich hin: Daraus wird nichts! Daraus wird nichts!“

Indem kam er an ein Ack­er­feld, da waren Leute, die säeten Korn und sprachen untere­inan­der: Das kann eine gute Ernte geben!“ – Daraus wird nichts!“ rief der Dumme jet­zt, indem er seinen Spruch etwas laut sagte. Als­bald nah­men jene ihre Prügel und fie­len über ihn her und durch­walk­ten ihn tüchtig. Wie soll ich denn sagen, wenn das nicht recht ist?“ seufzte er. Herr, gib mehr!“ sprachen sie. Da lief er weit­er und sprach immer: Herr, gib mehr, Herr, gib mehr!“ Da kam er zu zweien, die lagen sich in den Haaren und schlu­gen sich mit den Fäusten, Herr, gib mehr!“ rief der Dumme. Gle­ich ließen die einan­der aus und kamen über den Frem­den und stießen und schlu­gen ihn, daß es eine Art hat­te. Wie soll ich denn sagen, wenn das nicht recht ist?“ – Gott schei­de euch!“ sprachen sie. Nun lief er weit­er und murmelte immer vor sich hin: Gott schei­de euch, Gott schei­de euch!“ Indem kam er zu einem ver­liebten Paar, die tat­en sich ger­ade schön. Gott schei­de euch!“ rief der Dumme seinen Spruch. Da fie­len bei­de über ihn her; der Jüngling knufeite“ und zer­stieß ihn, die Jungfer zerzauste und zerkratzte ihn rechtschaf­fen. Wie soll ich denn sagen, wenn das nicht recht ist“, heulte er vor Schmerz. Neiget euch zu und küßt einan­der!“ sprachen sie. Nun ging er wieder weit­er und sagte seinen Spruch vor sich hin. Da kam er bei eini­gen vor­bei, die hock­ten unter einem Zaun und mis­teten ger­ade. Neiget euch zu und küßt einan­der! rief der Dumme seinen Spruch. Da wur­den jene ärg­er­lich, sprangen auf und fie­len über den Spöt­ter und zer­ar­beit­eten ihm den Rück­en. Wie soll ich denn sagen, wenn das nicht recht ist?“ – Laßt’s liegen, es stinkt!“ sprachen sie. Nun lief er weit­er und rief immer vor sich hin: Laßt’s liegen, es stinkt l“ So kam er an eine Fleis­chbank, wo viele Leute herum­standen und Fleisch begehrten. Laßt’s liegen, es stinkt!“ rief der Dumme seinen Spruch. Da wur­den die Fleis­chhauer wütend, fie­len über ihn her und ließen mit ihren der­ben Fäusten einen Hagel von welschen Nüssen auf sein Haupt und seinen Rück­en her­ab­fahren, daß ihm darunter das Hören und Sehen verg­ing. Wie soll ich denn sagen, wenn das nicht recht ist?“ fragte er jam­mernd. Nehmt ein Stück und bratet’s!“ sprachen sie.
Nun lief er weit­er und murmelte vor sich seinen Spruch, und so kam er zu einem, der stand um seine tote Kuh und sprach:

Ich armer geschla­gen­er Mann, was soll ich jet­zt machen?“ – Nehmt ein Stück und bratet’s!“ rief der Dumme. Da fiel jen­er über ihn her und schlug ihn mit bei­den Fäusten, daß er zu Boden sank. Sollst du in meinem Unglück mich noch verspot­ten?“ – Aber wie soll ich denn sagen, wenn das nicht recht ist?“ – Gott behüt dich vor Unglück!“ sprach jen­er. Also lief nun der Dumme weit­er und kam mit diesem Spruch über­all unange­focht­en in der Welt durch, endlich zog er wieder nach Hause. Seine Frau hat­te ihn schon lange vergessen und war von Grund ihres Herzens froh, daß sie sein­er los war. Da ging die Türe auf, und ihr Mann trat ein und rief freudig:

Gott behüt dich vor Unglück!“ Sogle­ich lief diese ins Vorhaus, holte den lan­gen Back­ofen­wisch, schlug auf ihn und schrie: So fahre denn zum Teufel, du lebendi­ges Unglück!“ Da lief er in einem fort bis in die Hölle. Die Teufel erbarmten sich sein­er Dummheit, nah­men ihn auf und macht­en ihn zum Feuer­schür­er, und das ist er bis auf den heuti­gen Tag; wer’s nicht glaubt, kann hinge­hen und sich überzeugen.