Wie der Teufel ins Weihwasser fiel

von Richard von Volkmann-Leander

~5 Min

Daß der Teufel öfters Unglück hat, weiß jed­er­mann. Ja, es kommt so häu­fig vor, daß man einen Men­schen, der Zahn­schmerzen hat oder im Win­ter mit zer­ris­se­nen Stiefeln auf der Chaussee Steine klopfen muß oder dem sein Schatz an seinem Geburt­stage einen Brief schickt, in dem kein Glück­wun­sch ste­ht, wohl aber eine Absage auf immer – daß man sie alle drei arme Teufel nennt.

Eines Tages schnup­perte der Teufel im Köl­ner Dome umher, in der Hoff­nung, vielle­icht ein fettes Mönch­lein oder eine alte Betschwest­er zu erhaschen, da stolperte er und – plantsch! – fiel er mit­ten in das Beck­en mit dem Wei­h­wass­er hinein. Da hät­tet ihr sehen sollen, was er für Gesichter schnitt, wie er sprudelte und prustete und wie er flink machte, daß er wieder her­auskam! Und wie er sich nach­her schüt­telte und wie ein begossen­er Pudel davon­schlich! Dabei war es noch um die Wei­h­nacht­szeit, so daß er vor Frost klap­perte, als er vor dem Dome stand, aus dem er schle­u­nigst retiri­ert war, weil er fürchtete, daß die From­men es bemerkt haben und ihn aus­lachen könnten.

Was fang‘ ich nun an?“ sagte er und besah sich von oben bis unten. Zu Haus, in die Hölle, getraue ich mich in dem Aufzuge nicht. Meine Groß­mut­ter würde mir gut den Text lesen. Ich werde auf ein paar Stun­den ins Mohren­land gehen, da ist es warm und ich kann meine Klei­der trock­nen. Außer­dem wer­den heute dort Gefan­gene geschlachtet. Hab ich meinen Opern­guck­er mit?“

Er ging also nach Mohren­land, sah beim Schlacht­en zu, klatschte tüchtig Bra­vo, wenn es ihm gefiel, und als sein Rock völ­lig trock­en war, trollte er sich vergnügt nach Hause, in die Hölle.

Als er aber kaum in die Stube einge­treten war und die Groß­mut­ter sein­er angesichtig wurde, ward sie abwech­sel­nd veilchen­blau und schwe­fel­gelb im Gesicht und rief:

Wonach riechst du wieder ein­mal, und wie siehst du aus, du Lump?! Hast du dich schon wieder in den Kirchen herumgetrieben?“ – Da erzählte der Teufel stot­ternd, was ihm passiert war.

Zieh den Rock aus“, herrschte die Groß­mut­ter ihn an, und leg dich einst­weilen ins Bett.“ Und der Teufel tat, wie ihm befohlen war, und zog sich das blau und rot kari­erte Feder­bett so weit über die Ohren, daß unten die schwarzen Fußspitzen her­aus­guck­ten; denn er schämte sich gewaltig. Die Groß­mut­ter aber faßte den Rock mit zwei Fin­gern an seinem äußer­sten Zipfel wie die Köchin eine tote Maus am Schwanz. Brr!“ sagte sie und schüt­telte sich vor Ekel. Wie der Rock aussieht!“ Dann trug sie ihn in die Gosse, wo der ganze dicke Höl­len­schlamm und das ganze Spül­wass­er aus der Hölle abläuft, zog ihn ein paar­mal durch, weichte ihn ein und wusch ihn in der Gosse. Darauf hing sie ihn über einen Stuhl ans Feuer und ließ ihn trocknen.

Als er ganz trock­en war und der Teufel eben schon ein Bein aus dem Bett her­ausstreck­te, um aufzuste­hen und den Rock anzuziehen, nahm sie den Rock noch ein­mal und beroch ihn:

Pfui!“ sagte sie und nieste, was doch so ein Kirchengeruch schw­er wegzubrin­gen ist“, holte ein Kohlen­beck­en, streute ein paar Hände voll klein gehack­ter Hun­de­haare und geraspel­ter Pfer­de­hufe darauf, und wie es so recht bren­zlig zu riechen begann, hielt sie den Rock darüber. So“, sagte sie zum Teufel, nun ist der Rock rein, nun kannst du dich doch wieder in anständi­ger Gesellschaft sehen lassen! Aber ich ver­bitte mir, daß so etwas wieder vorkommt! Ver­stehst du mich?“