Wie der Teufel auf der Flöte blies

von Johann Wilhelm Wolf

~5 Min

Dem Teufel fiel ein­mal in der Hölle die Zeit lang und er wollte eine Lust­fahrt auf die Erde machen. Damit er aber nicht allein sei (denn das ist seine Lei­den­schaft nicht, er liebt die Gesellschaft sehr) nahm er sein jüng­stes Söh­nchen mit, ein kleines, schwarzes, neugieriges Nestquack­elchen. Sie fuhren durch eine Felsen­höh­le her­aus und kamen in einen Wald. Da gefiel es dem kleinen Teufelchen gar nicht übel, es sprang herum, klet­terte auf die Bäume, hing sich an sein Schwänzchen, wie die Meerkatzen tun und trieb aller­lei när­risches Zeug. Sie kamen unter eine große Eiche, wo ein Mann in grünem Rock und grün­er Mütze lag und schlief; neben ihm hing eine Tasche am Baum, daraus guck­ten aller­lei Geti­er, Hasen, Schnepfen und wilde Enten und neben der Tasche stand ein Gewehr. Das Teufelchen lief hinzu und beschaute Alles recht genau, nahm das Gewehr und fragte seinen Vater, was das für ein Ding sei. Der alte Teufel legte die Stirn in Fal­ten und sprach: Das ist eine Flöte mein Sohn, wenn die Men­schen darauf spie­len, dann läuft das wilde Geti­er zu ihnen und sie brauchen es nur zu fan­gen.“ Das muss ich sehen“, rief das Teufelchen, und du sollst nur eins auf­spie­len.“ Dazu gehören ihrer zwei, mein Sohn, ein­er der bläst und der andre, der fin­gert.“ Dann blasé du und ich will fin­gern“, sprach der Nestquack­el und der Alte musste das Rohr an den Mund leg­en, er mochte wollen oder nicht, denn er hat­te den kleinen Kerl sehr ver­zo­gen. Der Alte blies und der Nestquack­el fin­gerte, aber es wollte kein Ton kom­men. Du musst auf die Klap­pen drück­en, dum­mer Junge“ rief der Alte. Das Teufelchen drück­te auf den Hahn, da tat es einen Schlag, dass der Alte zu Boden stürzte, denn die ganze Ladung Schrot war ihm in den Hals gefahren; der Junge aber lief weg vor Schreck­en. Der Alte erholte sich bald wieder und lief seinem Buben nach, denn der Mann war erwacht von dem Knall des Gewehres. Das war kein schön­er Ton“ sprach der Nestquack­el. Du hast auf die unrechte Klappe gedrückt“, sagte der Alte, und die Flöte war staubig, da ist mir all der Staub in den Hals gefahren.“