Von der Serviette, dem Tornister, dem Kanonenhütlein und dem Horn

von Brüder Grimm

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Es waren drei Brüder aus dem Schwarzen­fel­sis­chen, von Haus sehr arm, die reis­ten nach Spanien, da kamen sie an einen Berg, der ganz von Sil­ber umgeben war. Der älteste Brud­er machte sich bezahlt, nahm so viel, als er nur tra­gen kon­nte, und ging mit sein­er Beute nach Haus. Die andern zwei reis­ten weit­er fort und kamen zu einem Berg, wo nichts als Gold zu sehen war. Nun sprach der eine zu dem andern: Wie sollen wir es machen?“ Und der zweite nahm sich auch so viel Gold, als er nur tra­gen kon­nte, und ging nach Haus; der dritte aber wollte sein Glück noch bess­er ver­suchen und ging weit­er fort. Nach drei Tagen kam er in einen unge­heuren Wald, da hat­te er sich müde gegan­gen, Hunger und Durst plagten ihn, und er kon­nte nicht aus dem Wald her­aus. Da stieg er auf einen hohen Baum und wollte sehen, ob er Waldes Ende find­en möge, er sah aber nichts als Baum­spitzen; da wün­schte er nur noch ein­mal seinen Leib zu sät­ti­gen und begab sich, von dem Baum herun­terzusteigen. Als er herun­terkam, erblick­te er unter dem Baum einen Tisch mit viel­er­lei Speise beset­zt, da ward er vergnügt, nahte sich dem Tisch und ass sich satt. Und als er fer­tig gegessen hat­te, nahm er die Servi­ette mit sich und ging weit­er, und wenn ihn wieder Hunger und Durst ankam, so deck­te er die Servi­ette auf, und was er wün­schte, das stund darauf. Nach ein­er Tagreise kam er zu einem Köh­ler, der bran­nte Kohlen und kochte Kartof­feln. Der Köh­ler bat ihn zu Gast, er sagte aber: Ich will nicht bei dir essen, aber ich will dich zu Gast bit­ten.“ Der Köh­ler fragte: Wie ist das möglich, ich sehe ja nicht, dass du etwas bei dir hast.“ – Das tut nichts, setz dich nur her,“ damit deck­te er seine Servi­ette auf, da stand alles, was zu wün­schen war. Der Köh­ler liess sich’s gut schmeck­en und hat­te grossen Gefall­en an der Servi­ette, und als sie abgegessen hat­ten, sagte er: Tausch mit mir, ich gebe dir für die Servi­ette einen alten Sol­da­ten­tor­nister, wenn du mit der Hand darauf klopf­st, kommt jedes Mal ein Gefre­it­er und sechs Mann Sol­dat­en mit Ober- und Untergewehr her­aus, die kön­nen mir im Wald nichts helfen, aber die Servi­ette wäre mir lieb.“ Der Tausch ging vor sich, der Köh­ler behielt die Servi­ette, der Schwarzen­felser nahm den Tor­nister mit. Kaum war er aber ein Stück Wegs gegan­gen, so schlug er darauf, da kamen die Kriegshelden her­aus: Was ver­langt mein Herr?“ – Ihr marschiert hin und holet bei dem Köh­ler meine Servi­ette, die ich dort gelassen.“ Also gin­gen sie zurück und bracht­en ihm die Servi­ette wieder. Abends kam er zu einem andern Kohlen­bren­ner, der lud ihn wiederum zum Aben­dessen ein und hat­te des­gle­ichen Kartof­feln ohne Fett. Der Schwarzen­felser aber deck­te seine Servi­ette auf und bat ihn zu Gast, da war alles nach Wun­sch. Als die Mahlzeit vor­bei war, hielt auch dieser Köh­ler um den Tausch an, er gab für die Servi­ette einen Hut, drehte man den auf dem Kopf herum, so gin­gen die Kanonen, als stünde eine Bat­terie auf dem Fleck­en. Als der Schwarzen­felser ein Stück Wegs fort war, klopfte er wieder auf seinen alten Ranzen, und der Gefre­ite mit sechs Mann musste ihm die Servi­ette holen. Nun ging es weit­er fort in dem näm­lichen Wald, und er kam abends zu dem drit­ten Köh­ler, der lud ihn, wie die andern, auf ungeschmälzte Kartof­feln, erhielt aber von ihm ein Trak­ta­ment und ver­tauschte ihm die Servi­ette für ein Hörnchen, wenn man darauf blies, fie­len alle Städte und Dorf­schaften wie auch alle Fes­tungswerke übern Haufen. Der Köh­ler behielt aber die Servi­ette nicht länger als die andern, denn der Gefre­ite mit sechs Mann kam bald und holte sie ab. Wie nun der Schwarzen­felser alles beisam­men hat­te, kehrte er um nach Haus und wollt seine bei­den Brüder besuchen. Diese waren reich von ihrem vie­len Gold und Sil­ber, und wie er nun kam, einen alten zer­ris­se­nen Rock anhab­end, da woll­ten sie ihn nicht für ihren Brud­er erken­nen. Als­bald schlug er auf seinen Tor­nister und liess 150 Mann auf­marschieren, die mussten seinen Brüdern die Hucke (den Buck­el) recht voll schlagen.

Das ganze Dorf kam zu Hülfe, aber sie richteten wenig aus bei der Sache; da ward es dem König gemeldet, der schick­te ein mil­itärisch Kom­man­do ab, diese Sol­dat­en gefan­gen zu nehmen; aber der Schwarzen­felser schlug in einem hin auf seinen Ranzen und liess Infan­terie und Kaval­lerie auf­marschieren, die schlu­gen das mil­itärische Kom­man­do wieder zurück an seinen Ort. Am andern Tag liess der König noch viel mehr Volk aus­marschieren, um den alten Kerl in Ruh zu set­zen. Der aber schlug auf seinen Ranzen so lang, bis eine ganze Armee her­aus­gekom­men, dazu drehte er seinen Hut ein paar Mal, da gin­gen die Kanonen, und der Feind ward geschla­gen und in die Flucht gejagt. Da ward Friede geschlossen und er zum Vizekönig gemacht, wie auch die Prinzessin ihm zur Gemahlin gegeben.

Der Prinzessin aber lag es beständig im Sinn, dass sie so einen alten Kerl zum Gemahl nehmen müsse, und wün­schte nichts mehr, als dass sie ihn wieder loswer­den kön­nte. Sie forschte täglich, in welchen Vorteilen seine Macht beste­he, er war auch so treu und ent­deck­te ihr alles. Da schwätzte sie ihm seinen Ranzen ab und ver­stiess ihn, und als darauf Sol­dat­en gegen ihn marschierten, war sein Volk ver­loren, aber noch hat­te er sein Hütchen, da griff er daran und liess die Kanonen gehen, so schlug er den Feind und ward wieder Friede gemacht. Dar­nach aber liess er sich wieder betrü­gen, und die Prinzessin schwätzte ihm sein Hütchen ab. Und als nun der Feind auf ihn ein­drang, hat­te er nichts als sein Hörnchen, da blies er darauf, als­bald fie­len Dör­fer, Städte und alle Fes­tungswerke übern Haufen. Da war er König allein und blies, bis er gestor­ben ist.