Von dem Machandelboom

von Brüder Grimm

~17 Min

Das ist nun lange her, wohl an die zweitausend Jahre, da war ein­mal ein reich­er Mann, der hat­te eine schöne fromme Frau, und sie hat­ten sich bei­de sehr lieb, hat­ten aber keine Kinder. Sie wün­scht­en sich aber sehr welche, und die Frau betete darum soviel Tag und Nacht; aber sie kriegten keine. Vor ihrem Hause war ein Hof, darauf stand ein Machan­del­baum. Unter dem stand die Frau ein­st­mals im Win­ter und schälte sich einen Apfel, und als sie sich den Apfel so schälte, da schnitt sie sich in den Fin­ger, und das Blut fiel in den Schnee. Ach,“ sagte die Frau und seufzte so recht tief auf, und sah das Blut vor sich an, und war so recht wehmütig: Hätte ich doch ein Kind, so rot wie Blut und so weiss wie Schnee.“ Und als sie das sagte, da wurde ihr so recht fröh­lich zumute: Ihr war so recht, als sollte es etwas wer­den. Dann ging sie nach Hause, und es ging ein Monat hin, da verg­ing der Schnee; und nach zwei Monat­en, da wurde alles grün; nach drei Monat­en, da kamen die Blu­men aus der Erde; und nach vier Monat­en, da schossen alle Bäume ins Holz, und die grü­nen Zweige waren alle miteinan­der verwach­sen. Da san­gen die Vöglein, dass der ganze Wald erschallte, und die Blüten fie­len von den Bäu­men, da war der fün­fte Monat ver­gan­gen, und sie stand immer unter dem Machan­del­baum, der roch so schön. Da sprang ihr das Herz vor Freude, und sie fiel auf die Knie und kon­nte sich gar nicht lassen. Und als der sech­ste Monat vor­bei war, da wur­den die Früchte dick und stark, und sie wurde ganz still. Und im sieben­ten Monat, da griff sie nach den Machan­del­beeren und ass sie so begehrlich; und da wurde sie trau­rig und krank. Da ging der achte Monat hin, und sie rief ihren Mann und weinte und sagte: Wenn ich sterbe, so begrabe mich unter dem Machan­del­baum.“ Da wurde sie ganz get­rost und freute sich, bis der neunte Monat vor­bei war: da kriegte sie ein Kind so weiss wie der Schnee und so rot wie Blut, und als sie das sah, da freute sie sich so, dass sie starb.

Da begrub ihr Mann sie unter dem Machan­del­baum, und er fing an, so sehr zu weinen; eine Zeit­lang dauerte das, dann flossen die Trä­nen schon sachter, und als er noch etwas geweint hat­te, da hörte er auf, und dann nahm er sich wieder eine Frau.

Mit der zweit­en Frau hat­te er eine Tochter; das Kind aber von der ersten Frau war ein klein­er Sohn, und war so rot wie Blut und so weiss wie Schnee. Wenn die Frau ihre Tochter so ansah, so hat­te sie sie sehr lieb; aber dann sah sie den kleinen Jun­gen an, und das ging ihr so durchs Herz, und es dünk­te sie, als stünde er ihr über­all im Wege, und sie dachte dann immer, wie sie ihrer Tochter all das Ver­mö­gen zuwen­den wollte, und der Böse gab es ihr ein, dass sie dem kleinen Jun­gen ganz gram wurde, und sie stiess ihn aus ein­er Ecke in die andere, und puffte ihn hier und knuffte ihn dort, so dass das arme Kind immer in Angst war. Wenn er dann aus der Schule kam, so hat­te er keinen Platz, wo man ihn in Ruhe gelassen hätte.

Ein­mal war die Frau in die Kam­mer hoch gegan­gen; da kam die kleine Tochter auch her­auf und sagte: Mut­ter, gib mir einen Apfel.“ – Ja, mein Kind,“ sagte die Frau und gab ihr einen schö­nen Apfel aus der Kiste; die Kiste aber hat­te einen grossen schw­eren Deck­el mit einem grossen schar­fen eis­er­nen Schloss. Mut­ter,“ sagte die kleine Tochter, soll der Brud­er nicht auch einen haben?“ Das ver­dross die Frau, doch sagte sie: Ja, wenn er aus der Schule kommt.“ Und als sie ihn vom Fen­ster aus gewahr wurde, so war das ger­ade, als ob der Böse in sie gefahren wäre, und sie griff zu und nahm ihrer Tochter den Apfel wieder weg und sagte; Du sollst ihn nicht eher haben als der Brud­er.“ Da warf sie den Apfel in die Kiste und machte die Kiste zu. Da kam der kleine Junge in die Tür; da gab ihr der Böse ein, dass sie fre­undlich zu ihm sagte: Mein Sohn, willst du einen Apfel haben?“ und sah ihn so jäh­zornig an. Mut­ter,“ sagte der kleine Junge, was siehst du so grässlich aus! Ja, gib mir einen Apfel!“ – Da war ihr, als sollte sie ihm zure­den. Komm mit mir,“ sagte sie und machte den Deck­el auf, hol dir einen Apfel her­aus!“ Und als der kleine Junge sich hinein­bück­te, da riet ihr der Böse; bratsch! Schlug sie den Deck­el zu, dass der Kopf flog und unter die roten Äpfel fiel. Da über­lief sie die Angst, und sie dachte: Kön­nt ich das von mir brin­gen!“ Da ging sie hin­unter in ihre Stube zu ihrer Kom­mode und holte aus der ober­sten Schublade ein weiss­es Tuch und set­zt den Kopf wieder auf den Hals und band das Hal­stuch so um, dass man nichts sehen kon­nte und set­zt ihn vor die Türe auf einen Stuhl und gab ihm den Apfel in die Hand.

Dar­nach kam Mar­lenchen zu ihrer Mut­ter in die Küche. Die stand beim Feuer und hat­te einen Topf mit heis­sem Wass­er vor sich, den rührte sie immer um. Mut­ter,“ sagte Mar­lenchen, der Brud­er sitzt vor der Türe und sieht ganz weiss aus und hat einen Apfel in der Hand. Ich hab ihn gebeten, er soll mir den Apfel geben, aber er antwortet mir nicht; das war mir ganz unheim­lich.“ – Geh noch ein­mal hin,“ sagte die Mut­ter, und wenn er dir nicht antwortet, dann gib ihm eins hin­ter die Ohren.“ Da ging Mar­lenchen hin und sagte: Brud­er, gib mir den Apfel!“ Aber er schwieg still; da gab sie ihm eins hin­ter die Ohren. Da fiel der Kopf herunter; darüber erschrak sie und fing an zu weinen und zu schreien und lief zu ihrer Mut­ter und sagte: Ach, Mut­ter, ich hab meinem Brud­er den Kopf abgeschla­gen,“ und weinte und wollte sich nicht zufrieden geben. Mar­lenchen,“ sagte die Mut­ter, was hast du getan! Aber schweig nur still, dass es kein Men­sch merkt; das ist nun doch nicht zu ändern, wir wollen ihn in Sauer kochen.“ Da nahm die Mut­ter den kleinen Jun­gen und hack­te ihn in Stücke, tat sie in den Topf und kochte ihn in Sauer. Mar­lenchen aber stand dabei und weinte, und die Trä­nen fie­len alle in den Topf, und sie braucht­en kein Salz.

Da kam der Vater nach Hause und set­zte sich zu Tisch und sagte: Wo ist denn mein Sohn?“ Da trug die Mut­ter eine grosse, grosse Schüs­sel mit Schwarzsauer auf, und Mar­lenchen weinte und kon­nte sich nicht hal­ten. Da sagte der Vater wieder: Wo ist denn mein Sohn?“ – Ach,“ sagte die Mut­ter, er ist über Land gegan­gen, zu den Ver­wandten sein­er Mut­ter; er wollte dort eine Weile bleiben.“ – Was tut er denn dort? Er hat mir nicht mal Lebe­wohl gesagt!“ – Oh, er wollte so gern hin und bat mich, ob er dort wohl sechs Wochen bleiben kön­nte; er ist ja gut aufge­hoben dort.“ – Ach,“ sagte der Mann, mir ist so recht trau­rig zumute; das ist doch nicht recht, er hätte mir doch Lebe­wohl sagen kön­nen.“ Damit fing er an zu essen und sagte: Mar­lenchen, warum weinst du? Der Brud­er wird schon wiederkom­men.“ – Ach Frau,“ sagte er dann, was schmeckt mir das Essen schön! Gib mir mehr!“ Und je mehr er ass, um so mehr wollte er haben und sagte: Gebt mir mehr, ihr sollt nichts davon aufheben, das ist, als ob das alles mein wäre.“ Und er ass und ass, und die Knochen warf er alle unter den Tisch, bis er mit allem fer­tig war. Mar­lenchen aber ging hin zu ihrer Kom­mode und nahm aus der unter­sten Schublade ihr bestes sei­denes Tuch und holte all die Beinchen und Knochen unter dem Tisch her­vor und band sie in das sei­dene Tuch und trug sie vor die Tür und weinte blutige Trä­nen. Dort legte sie sie unter den Machan­del­baum in das grüne Gras, und als sie sie dahin gelegt hat­te, da war ihr auf ein­mal ganz leicht, und sie weinte nicht mehr. Da fing der Machan­del­baum an, sich zu bewe­gen, und die zweige gin­gen immer so voneinan­der und zueinan­der, so recht, wie wenn sich ein­er von Herzen freut und die Hände zusam­men­schlägt. Dabei ging ein Nebel von dem Baum aus, und mit­ten in dem Nebel, da bran­nte es wie Feuer, und aus dem Feuer flog so ein schön­er Vogel her­aus, der sang so her­rlich und flog hoch in die Luft, und als er weg war, da war der Machan­del­baum wie er vorher gewe­sen war, und das Tuch mit den Knochen war weg. Mar­lenchen aber war so recht leicht und vergnügt zumute, so recht, als wenn ihr Brud­er noch lebte. Da ging sie wieder ganz lustig nach Hause, set­zte sich zu Tisch und ass. Der Vogel aber flog weg und set­zte sich auf eines Gold­schmieds Haus und fing an zu singen:

Mein Mut­ter der mich schlacht,
mein Vater der mich ass,
mein Schwest­er der Marlenichen
sucht alle meine Benichen,
bindt sie in ein sei­den Tuch,
legt’s unter den Machandelbaum.
Kiwitt, kiwitt, wat vör’n schöön Vagel bün ik!“

Der Gold­schmied sass in sein­er Werk­statt und machte eine gold­ene Kette; da hörte er den Vogel, der auf seinem Dach sass und sang, und das dünk­te ihn so schön. Da stand er auf, und als er über die Türschwelle ging, da ver­lor er einen Pantof­fel. Er ging aber so recht mit­ten auf die Strasse hin, mit nur einem Pantof­fel und ein­er Socke; sein Schurzfell hat­te er vor, und in der einen Hand hat­te er die gold­ene Kette, und in der anderen die Zange; und die Sonne schien so hell auf die Strasse. Da stellte er sich nun hin und sah den Vogel an. Vogel,“ sagte er da, wie schön kannst du sin­gen! Sing mir das Stück noch mal!“ – Nein,“ sagte der Vogel, zweimal sing ich nicht umson­st. Gib mir die gold­ene Kette, so will ich es dir noch ein­mal sin­gen.“ – Da,“ sagte der Gold­schmied, hast du die gold­ene Kette; nun sing mir das noch ein­mal!“ Da kam der Vogel und nahm die gold­ene Kette in die rechte Kralle, set­zte sich vor den Gold­schmied hin und sang: Mein Mut­ter der mich schlacht, mein Vater der mich ass, mein Schwest­er der Mar­lenichen, sucht alle meine Benichen, bindt sie in ein sei­den Tuch, legt’s unter den Machan­del­baum. Kiwitt, kiwitt, wat vör’n schöön Vagel bün ik!“

Da flog der Vogel fort zu einem Schus­ter, und set­zt sich auf sein Dach und sang: Mein Mut­ter der mich schlacht, mein Vater der mich ass, mein Schwest­er der Mar­lenichen, sucht alle meine Benichen, bindt sie in ein sei­den Tuch, legt’s unter den Machan­del­baum. Kiwitt, kiwitt, wat vör’n schöön Vagel bün ik!“

Der Schus­ter hörte das und lief in Hemd­särmeln vor seine Tür und sah zu seinem Dach hin­auf und musste die Hand vor die Augen hal­ten, dass die Sonne ihn nicht blendete. Vogel,“ sagte er, was kannst du schön sin­gen.“ Da rief er zur Tür hinein: Frau, komm mal her­aus, da ist ein Vogel; sieh doch den Vogel, der kann mal schön sin­gen.“ Dann rief er noch seine Tochter und die Kinder und die Gesellen, die Lehrjun­gen und die Mägde, und sie kamen alle auf die Strasse und sahen den Vogel an, wie schön er war; und er hat­te so schöne rote und grüne Fed­ern, und um den Hals war er wie lauter Gold, und die Augen blick­ten ihm wie Sterne im Kopf. Vogel,“ sagte der Schus­ter, nun sing mir das Stück noch ein­mal!“ – Nein,“ sagte der Vogel, zweimal sing ich nicht umson­st, du musst mir etwas schenken.“ – Frau,“ sagte der Mann, geh auf den Boden, auf dem ober­sten Wand­brett, da ste­hen ein paar rote Schuh, die bring mal her!“ Da ging die Frau hin und holte die Schuhe. Da, Vogel,“ sagte der Mann, nun sing mir das Lied noch ein­mal!“ Da kam der Vogel und nahm die Schuhe in die linke Kralle und flog wieder auf das Dach und sang:

Mein Mut­ter der mich schlacht,
mein Vater der mich ass,
mein Schwest­er der Marlenichen
sucht alle meine Benichen,
bindt sie in ein sei­den Tuch,
legt’s unter den Machandelbaum.
Kiwitt, kiwitt, wat vör’n schöön Vagel bün ik!“

Und als er aus­ge­sun­gen hat­te, da flog er weg; die Kette hat­te er in der recht­en und die Schuhe in der linken Kralle, und er flog weit weg, bis zu ein­er Müh­le, und die Müh­le ging: Klippe klappe, klippe klappe, klippe klappe. Und in der Müh­le sassen zwanzig Müh­lk­nap­pen, die klopften einen Stein und hack­ten: Hick hack, hick hack, hick hack; und die Müh­le ging klippe klappe, klippe klappe, klippe klappe. Da set­zte sich der Vogel auf einen Lin­den­baum, der vor der Müh­le stand und sang: Mein Mut­ter der mich schlacht,“ da hörte ein­er auf; mein Vater der mich ass,“ da hörten noch zwei auf und hörten zu; mein Schwest­er der Mar­lenichen“ da hörten wieder vier auf; sucht alle meine Benichen, bindt sie in ein sei­den Tuch,“ nun hack­ten nur acht; legt’s unter,“ nun nur noch fünf; den Machan­del­baum“ – nun nur noch ein­er; Kiwitt, kiwitt, wat vör’n schöön Vagel bün ik!“ Da hörte der let­zte auch auf, und er hat­te ger­ade noch den Schluss gehört. Vogel,“ sagte er, was singst du schön!“ Lass mich das auch hören, sing mir das noch ein­mal!“ – Neun,“ sagte der Vogel, zweimal sing ich nicht umson­st; gib mir den Müh­len­stein, so will ich das noch ein­mal sin­gen.“ – Ja,“ sagte er, wenn er mir allein gehörte, so soll­test du ihn haben.“ – Ja,“ sagten die anderen, wenn er noch ein­mal singt, so soll er ihn haben.“ Da kam der Vogel her­an und die Müller fassten alle zwanzig mit Bäu­men an und hoben den Stein auf, hu uh uhp, hu uh uhp, hu uh uhp!“ Da steck­te der Vogel den Hals durch das Loch und nahm ihn um wie einen Kra­gen und flog wieder auf den Baum und sang:

Mein Mut­ter der mich schlacht,
mein Vater der mich ass,
mein Schwest­er der Marlenichen
sucht alle meine Benichen,
bindt sie in ein sei­den Tuch,
legt’s unter den Machandelbaum.
Kiwitt, kiwitt, wat vör’n schöön Vagel bün ik!“

Und als er das aus­ge­sun­gen hat­te, da tat er die Flügel auseinan­der und hat­te in der echt­en Kralle die Kette und in der linken die Schuhe und um den Hals den Müh­len­stein, und flog weit weg zu seines Vaters Haus.

In der Stube sass der Vater, die Mut­ter und Mar­lenchen bei Tisch, und der Vater sagte: Ach, was wird mir so leicht, mir ist so recht gut zumute.“ – Nein,“ sagte die Mut­ter, mir ist so recht angst, so recht, als wenn ein schw­eres Gewit­ter käme.“ Mar­lenchen aber sass und weinte. Da kam der Vogel ange­flo­gen, und als er sich auf das Dach set­zte, da sagte der Vater: Ach, mir ist so recht freudig, und die Sonne scheint so schön, mir ist ganz, als sollte ich einen alten Bekan­nten wieder­se­hen!“ – Nein,“ sagte die Frau, mir ist angst, die Zähne klap­pern mir und mir ist, als hätte ich Feuer in den Adern.“ Und sie riss sich ihr Kleid auf, um Luft zu kriegen. Aber Mar­lenchen sass in der Ecke und weinte, und hat­te ihre Schürze vor den Augen und weinte die Schürze ganz und gar nass. Da set­zte sich der Vogel auf den Machan­del­baum und sang: Meine Mut­ter die mich schlacht“ – Da hielt sich die Mut­ter die Ohren zu und kniff die Augen zu und wollte nicht sehen und hören, aber es brauste ihr in den Ohren wie der aller­stärk­ste Sturm und die Augen bran­nten und zuck­ten ihr wie Blitze. Mein Vater der mich ass“ – Ach Mut­ter,“ sagte der Mann, da ist ein schön­er Vogel, der singt so her­rlich und die Sonne scheint so warm, und das riecht wie lauter Zin­namom.“ (Zimt) Mein Schwest­er der Mar­lenichen“ – Da legte Mar­lenchen den Kopf auf die Knie und weinte in einem fort. Der Mann aber sagte: Ich gehe hin­aus; ich muss den Vogel in der Nähe sehen.“ – Ach, geh nicht,“ sagte die Frau, mir ist, als bebte das ganze Haus und stünde in Flam­men.“ Aber der Mann ging hin­aus und sah sich den Vogel an – sucht alle meine Benichen, bindt sie in ein sei­den Tuch, legt’s unter den Machan­del­baum. Kiwitt, kiwitt, wat vör’n schöön Vagel bün ik!“

Damit liess der Vogel die gold­ene Kette fall­en, und sie fiel dem Mann ger­ade um den Hals, so richtig herum, dass sie ihm ganz wun­der­schön passte. Da ging er here­in und sagte: Sieh, was ist das für ein schön­er Vogel, hat mir eine so schöne gold­ene Kette geschenkt und sieht so schön aus.“ Der Frau aber war so angst, dass sie lang in die Stube hin­fiel und ihr die Mütze vom Kopf fiel. Da sang der Vogel wieder: Mein Mut­ter der mich schlacht“ – Ach, dass ich tausend Klafter unter der Erde wäre, dass ich das nicht zu hören brauchte!“ – Mein Vater der mich ass“ – Da fiel die Frau wie tot nieder. Mein Schwest­er der Mar­lenichen“ – Ach,“ sagte Mar­lenchen, ich will doch auch hin­aus­ge­hen und sehn, ob mir der Vogel etwas schenkt?“ Da ging sie hin­aus. Sucht alle meine Benichen, bindt sie in ein sei­den Tuch“ – Da warf er ihr die Schuhe herunter. Legt’s unter den Machan­del­baum. Kiwitt, kiwitt, wat vör’n schöön Vagel bün ik!“

Da war ihr so leicht und fröh­lich. Sie zog sich die neuen roten Schuhe an und tanzte und sprang here­in. Ach,“ sagte sie, mir war so trau­rig, als ich hin­aus­ging, und nun ist mir so leicht. Das ist mal ein her­rlich­er Vogel, hat mir ein Paar rote Schuhe geschenkt!“ – Nein,“ sagte die Frau und sprang auf, und die Haare standen ihr zu Berg wie Feuer­flam­men, mir ist, als sollte die Welt unterge­hen; ich will auch hin­aus, damit mir leichter wird.“ Und als sie aus der Tür kam, bratsch! Warf ihr der Vogel den Mühlstein auf den Kopf, dass sie ganz zer­quetscht wurde. Der Vater und Mar­lenchen hörten das und gin­gen hin­aus. Da ging ein Dampf und Flam­men und Feuer aus von der Stätte, und als das vor­bei war, da stand der kleine Brud­er da, und er nahm seinen Vater und Mar­lenchen bei der Hand und waren alle drei so recht vergnügt und gin­gen ins Haus, set­zten sich an den Tisch und assen.