Von dem Fischer und seiner Frau

von Brüder Grimm

~16 Min

Es war ein­mal ein Fis­ch­er und seine Frau, die wohn­ten zusam­men in ein­er kleinen Fis­cher­hütte, dicht an der See, und der Fis­ch­er ging alle Tage hin und angelte: und angelte.

So sass er auch ein­mal mit sein­er Angel und sah immer in das klare Wass­er hinein: und so sass er nun und sass.

Da ging die Angel auf den Grund, tief hin­unter, und als er sie her­aufho­he, da holte er einen grossen Butt her­aus. Da sagte der Butt zu ihm: Hör mal, Fis­ch­er, ich bitte dich, lass mich leben, ich bin kein richtiger Butt, ich bin ein ver­wun­sch­en­er Prinz. Was hilft’s dir denn, wenn du mich tötest? Ich würde dir doch nicht recht schmeck­en: Setz mich wieder ins Wass­er und lass mich schwim­men.“ – Nun,“ sagte der Mann, du brauchst nicht so viele Worte zu machen: einen Butt, der sprechen kann, werde ich doch wohl schwim­men lassen.“ Damit set­zte er ihn wieder in das klare Wass­er. Da ging der Butt auf Grund und liess einen lan­gen Streifen Blut hin­ter sich. Da stand der Fis­ch­er auf und ging zu sein­er Frau in die kleine Hütte.

Mann,“ sagte die Frau, hast du heute nichts gefan­gen?“ – Nein,“ sagte der Mann. Ich fing einen Butt, der sagte, er wäre ein ver­wun­sch­en­er Prinz, da hab ich ihn wieder schwim­men lassen.“ – Hast du dir denn nichts gewün­scht?“ sagte die Frau. Nein,“ sagte der Mann, was sollte ich mir wün­schen?“ – Ach,“ sagte die Frau, das ist doch übel, immer hier in der Hütte zu wohnen: die stinkt und ist so eklig; du hättest uns doch ein kleines Häuschen wün­schen kön­nen. Geh noch ein­mal hin und ruf ihn. Sag ihm, wir wollen ein kleines Häuschen haben, er tut das gewiss.“ – Ach,“ sagte der Mann, was soll ich da nochmal hinge­hen?“ – I,“ sagte die Frau, du hat­test ihn doch gefan­gen und hast ihn wieder schwim­men lassen – er tut das gewiss. Geh gle­ich hin!“ Der Mann wollte noch nicht recht, wollte aber auch sein­er Frau nicht zuwider­han­deln und ging hin an die See.

Als er dor­thin kam, war die See ganz grün und gelb und gar nicht mehr so klar. So stellte er sich hin und sagte: 

Männlein, Männlein, Timpe Te,
But­tje, But­tje in der See,
Meine Frau, die Ilsebill,
Will nicht so, wie ich wohl will.“

Da kam der Butt angeschwom­men und sagte: Na, was will sie denn?“ – Ach,“ sagte der Mann, ich hat­te dich doch gefan­gen; nun sagt meine Frau, ich hätt mir doch was wün­schen sollen. Sie mag nicht mehr in der Hütte wohnen, sie will gern ein Häuschen.“ – Geh nur,“ sagte der Butt, sie hat es schon.“

Da ging der Mann hin, und seine Frau sass nicht mehr in der kleinen Hütte, denn an ihrer Stelle stand jet­zt ein Häuschen, und seine Frau sass vor der Türe auf ein­er Bank. Da nahm ihn seine Frau bei der Hand und sagte zu ihm: Komm nur here­in, sieh, nun ist doch das viel bess­er.“ Da gin­gen sie hinein, und in dem Häuschen war ein klein­er Vor­platz und eine kleine reine Stube und Kam­mer, wo jedem sein Bett stand, und Küche und Speisekam­mer, alles aufs beste mit Gerätschaften verse­hen und aufs schön­ste aufgestellt, Zinnzeug und Mess­ing, was eben so dazuge­hört. Dahin­ter war auch ein klein­er Hof mit Hüh­n­ern und Enten und ein klein­er Garten mit Grünzeug und Obst. Sieh,“ sagte die Frau, ist das nicht nett?“ – Ja,“ sagte der Mann, so soll es bleiben; nun wollen wir recht vergnügt leben.“ – Das wollen wir uns bedenken,“ sagte die Frau. Dann assen sie etwas und gin­gen zu Bett.

So ging es wohl nun acht oder vierzehn Tage, da sagte die Frau: Hör, Mann, das Häuschen ist auch gar zu eng, und der Hof und der Garten ist so klein: der Butt hätt uns auch wohl ein grösseres Haus schenken kön­nen. Ich möchte wohl in einem grossen stein­er­nen Schloss wohnen. Geh hin zum Butt, er soll uns ein Schloss schenken.“ – Ach Frau,“ sagte der Mann, das Häuschen ist ja gut genug, warum wollen wir in einem Schloss wohnen?“ -„I was,“ sagte die Frau, geh du man hin, der Butt kann das schon.“ – Nein, Frau,“ sagte der Mann, der Butt hat uns erst das Häuschen gegeben. Ich mag nun nicht schon wieder kom­men, den Butt kön­nte das ver­driessen.“ – Geh doch,“ sagte die Frau, er kann das recht gut und tut es auch gern; geh du nur hin.“ Dem Mann war sein Herz so schw­er, und er wollte nicht; er sagte zu sich sel­ber: Das ist nicht recht.“ Aber er ging doch hin.

Als er an die See kam, war das Wass­er ganz vio­lett und dunkel­blau und grau und dick, und gar nicht mehr so grün und gelb, doch war es noch still. Da stellte er sich hin und sagte: 

Männlein, Männlein, Timpe Te,
But­tje, But­tje in der See,
Meine Frau, die Ilsebill,
Will nicht so, wie ich wohl will.“

Na, was will sie denn?“ sagte der Butt. Ach,“ sagte der Mann, halb betrübt, sie will in einem grossen stein­er­nen Schloss wohnen.“ – Geh nur hin, sie ste­ht vor der Tür,“ sagte der Butt.

Da ging der Mann hin und dachte, er wollte nach Hause gehen, als er aber dahin kam, da stand dort ein gross­er stein­ern­er Palast, und seine Frau stand oben auf der Treppe und wollte hineinge­hen: da nahm sie ihn bei der Hand und sagte: Komm nur here­in.“ Damit ging er mit ihr hinein, und in dem Schloss war eine grosse Diele mit einem mar­mor­nen Estrich, und da waren so viele Bedi­ente, die ris­sen die grossen Türen auf, und die Wände waren alle blank und mit schö­nen Tape­ten aus­ges­tat­tet, und in den Zim­mern lauter gold­ene Stüh­le und Tis­che, und kristal­lene Kro­n­leuchter hin­gen von der Decke; alle Stuben und Kam­mern waren mit Fuss­deck­en verse­hen. Auf den Tis­chen stand das Essen und der allerbeste Wein, dass sie fast brechen woll­ten. Und hin­ter dem Haus war auch ein gross­er Hof mit Pferde- und Kuh­stall, und Kutschwa­gen: alles vom allerbesten; auch war da ein gross­er her­rlich­er Garten mit den schön­sten Blu­men und feinen Obst­bäu­men, und ein her­rlich­er Park, wohl eine halbe Meile lang, da waren Hirsche und Rehe drin und alles, was man nur immer wün­schen mag. Na,“ sagte die Frau, ist das nun nicht schön?“ – Ach ja,“ sagte der Mann, so soll es auch bleiben. Nun wollen wir auch in dem schö­nen Schloss wohnen und wollen zufrieden sein.“ – Das wollen wir uns bedenken,“ sagte die Frau, und wollen es beschlafen.“ Darauf gin­gen sie zu Bett.

Am andern Mor­gen wachte die Frau als erste auf; es war ger­ade Tag gewor­den, und sah von ihrem Bett aus das her­rliche Land vor sich liegen. Der Mann reck­te sich noch, da stiess sie ihn mit dem Ell­bo­gen in die Seite und sagte: Mann, steh auf und guck mal aus dem Fen­ster. Sieh, kön­nen wir nicht König wer­den über all das Land? Geh hin zum Butt, wir wollen König sein.“ – Ach Frau,“ sagte der Mann, warum wollen wir König sein?“ – Nun,“ sagte die Frau, willst du nicht König sein, so will ich König sein. Geh hin zum Butt, ich will König sein.“ – Ach Frau,“ sagte der Mann, was willst du König sein? Das mag ich ihm nicht sagen.“ – Warum nicht?“ sagte die Frau, geh stracks hin, ich muss König sein.“ Da ging der Mann hin und war ganz bedrückt, dass seine Frau König wer­den wollte. Das ist und ist nicht recht, dachte der Mann. Er wollte nicht hinge­hen, ging aber dann doch hin.

Und als er an die See kam, war die See ganz schwarz­grau, und das Wass­er drängte so von unten her­auf und stank auch ganz faul. Da stellte er sich hin und sagte: 

Männlein, Männlein, Timpe Te,
But­tje, But­tje in der See,
Meine Frau, die Ilsebill,
Will nicht so, wie ich wohl will.“

Na, was will sie denn?“ sagte der Butt. Ach,“ sagte der Mann, sie will König wer­den.“ – Geh nur hin, sie ist es schon,“ sagte der Butt.

Da ging der Mann hin, und als er zu dem Palast kam, war das Schloss viel gröss­er gewor­den, mit einem grossen Turm und her­rlichem Zier­at daran: und die Schildwache stand vor dem Tor, und da waren so viele Sol­dat­en und Pauken und Trompe­ten. Und als er in das Haus kam, so war alles von purem Mar­mor und Gold, und sammtne Deck­en und grosse gold­ene Quas­ten. Da gin­gen die Türen von dem Saal auf, wo der ganze Hof­s­taat war, und seine Frau sass auf einem hohen Thron von Gold und Dia­man­ten und hat­te eine grosse gold­ene Kro­ne auf und das Zepter in der Hand von purem Gold und Edel­stein. Und auf bei­den Seit­en von ihr standen sechs Jungfrauen in ein­er Rei­he, immer eine einen Kopf klein­er als die andere. Da stellte er sich hin und sagte: Ach Frau, bist du nun König?“ – Ja,“ sagte die Frau, nun bin ich König.“ Da stand er nun und sah sie an; und als er sie eine Zeit­lang so ange­se­hen hat­te, sagte er: Ach Frau, was ist das schön, dass du nun König bist! Nun wollen wir uns auch nichts mehr wün­schen.“ – Nein, Mann,“ sagte die Frau, und war ganz unruhig, mir wird schon Zeit und Weile lang, ich kann das nicht mehr aushal­ten. Geh hin zum Butt: König bin ich, nun muss ich auch Kaiser wer­den.“ – Ach Frau,“ sagte der Mann, warum willst du Kaiser wer­den?“ – Mann,“ sagte sie, geh zum Butt, ich will Kaiser sein!“ – Ach Frau,“ sagte der Mann, Kaiser kann er nicht machen, ich mag dem Butt das nicht zu sagen; Kaiser ist nur ein­mal im Reich: Kaiser kann der Butt nicht machen.“ – Was,“ sagte die Frau, ich bin König, und du bist doch mein Mann; willst du gle­ich hinge­hen? Gle­ich geh hin! – Kann er Könige machen, so kann er auch Kaiser machen; ich will und will Kaiser sein! Geh gle­ich hin!“ Da musste er hinge­hen. Als der Mann aber hing­ing, war ihm ganz bang; und als er so ging, dachte er bei sich: Das geht und geht nicht gut: Kaiser ist zu unver­schämt, der Butt wird’s am Ende leid. Inzwis­chen kam er an die See. Da war die See noch ganz schwarz und dick und fing an, so von unten her­auf zu schäu­men, dass sie Blasen warf; und es ging so ein Wirbel­wind über die See hin, dass sie sich nur so drehte. Und den Mann ergriff ein Grauen. Da stand er nun und sagte: 

Männlein, Männlein, Timpe Te,
But­tje, But­tje in der See,
Meine Frau, die Ilsebill,
Will nicht so, wie ich wohl will.“

Na, was will sie denn?“ sagte der Butt. Ach, Butt,“ sagte er, meine Frau will Kaiser wer­den.“ – Geh nur hin,“ sagte der Butt, sie ist es schon.“

Da ging der Mann hin, und als er dort ankam, war das ganze Schloss von poliertem Mar­mor mit Fig­uren aus Alabaster und gold­e­nen Zier­at­en. Vor der Tür marschierten die Sol­dat­en, und sie bliesen Trompe­ten und schlu­gen Pauken und Trom­meln; aber in dem Hause, da gin­gen die Barone und Grafen und Herzöge herum und tat­en, als ob sie Diener wären. Die macht­en ihm die Türen auf, die von lauter Gold waren. Und als er hereinkam, da sass seine Frau auf einem Thron, der war von einem Stück Gold und war wohl zwei Meilen hoch; und sie hat­te eine grosse gold­ene Kro­ne auf, die war drei Ellen hoch und mit Bril­lanten und Kar­funkel­steinen beset­zt. In der einen Hand hat­te sie das Zepter und in der andern den Reich­sapfel, und auf bei­den Seit­en neben ihr, da standen die Tra­ban­ten so in zwei Rei­hen, immer ein­er klein­er als der andere, von dem aller­grössten Riesen, der war zwei Meilen hoch, bis zu dem aller­winzig­sten Zwerg, der war so gross wie mein klein­er Fin­ger. Und vor ihr standen viele Fürsten und Herzöge. Da trat nun der Mann zwis­chen sie und sagte: Frau, bist du nun Kaiser?“ – Ja,“ sagte sie, ich bin Kaiser.“ Da stellte er sich nun hin und besah sie sich recht, und als er sie so eine Zeit­lang ange­se­hen hat­te, da sagte er: Ach, Frau, wie ste­ht dir das schön, dass du Kaiser bist.“ – Mann,“ sagte sie, was stehst du da? Ich bin nun Kaiser, nun will ich auch Papst wer­den; geh hin zum Butt.“ – Ach Frau,“ sagte der Mann, was willst du denn nicht alles? Papst kannst du nicht wer­den, ihn gibt’s nur ein­mal in der Chris­ten­heit: das kann er doch nicht machen!“ – Mann,“ sagte sie, ich will Papst wer­den, geh gle­ich hin, ich muss heute noch Papst wer­den.“ – Nein, Frau,“ sagte der Mann, das mag ich ihm nicht sagen, das ist nicht gut, das ist zuviel ver­langt, zum Papst kann dich der Butt nicht machen.“ – Mann, schwatz kein dummes Zeug!“ sagte die Frau. Kann er Kaiser machen, so kann er auch einen Papst machen. Geh sofort hin; ich bin Kaiser, und du bist doch mein Mann. Willst du wohl hinge­hen?“ Da wurde ihm ganz bang zumute, und er ging hin, aber ihm war ganz flau dabei; er zit­terte und bebte, und die Knie und Waden schlot­terten ihm. Und da strich so ein Wind über das Land, und die Wolken flo­gen, und es wurde so düster wie gegen den Abend zu: die Blät­ter weht­en von den Bäu­men, und das Wass­er ging hoch und brauste so, als ob es kochte, und platschte an das Ufer, und in der Ferne sah er die Schiffe, die gaben Notschüsse ab und tanzten und sprangen auf den Wogen. Doch war der Him­mel in der Mitte noch ein biss­chen blau, aber an den Seit­en, da zog es so recht rot auf wie ein schw­eres Gewit­ter. Da ging er ganz verza­gt hin und stand da in sein­er Angst und sagte: 

Männlein, Männlein, Timpe Te,
But­tje, But­tje in der See,
Meine Frau, die Ilsebill,
Will nicht so, wie ich wohl will.“

Na, was will sie denn?“ sagte der Butt. Ach“; sagte der Mann, sie will Papst wer­den.“ – Geh nur hin, sie ist es schon,“ sagte der Butt.

Da ging er hin, und als er ankam, da war da eine grosse Kirche, von lauter Palästen umgeben. Da drängte ersieh durch das Volk; inwendig war aber alles mit tausend und tausend Lichtern erleuchtet, und seine Frau war ganz in Gold gek­lei­det und sass auf einem noch viel höheren Thron und hat­te drei grosse gold­ene Kro­nen auf, und um sie herum, da war so viel geistlich­er Staat, und zu bei­den Seit­en von ihr, da standen zwei Rei­hen Lichter, das grösste so dick und so gross wie der aller­grösste Turm, bis zu dem allerkle­in­sten Küchen­licht. Und all die Kaiser und Könige, die lagen vor ihr auf den Knien und küssten ihr den Pantof­fel. Frau,“ sagte der Mann und sah sie so recht an, bist du nun Papst?“ – Ja,“ sagte sie, ich bin Papst.“ Da ging er hin und sah sie recht an, und da war ihm, als ob er in die helle Sonne sähe. Als er sie so eine Zeit­lang ange­se­hen hat­te, sagte er: Ach Frau, wie gut ste­ht dir das, dass du Papst bist!“ Sie sass aber ganz steif wie ein Baum und rührte und regte sich nicht. Da sagte er: Frau, nun sei zufrieden, dass du Papst bist, denn nun kannst du doch nichts mehr wer­den.“ – Das will ich mir bedenken,“ sagte die Frau. Damit gin­gen sie bei­de zu Bett. Aber sie war nicht zufrieden, und die Gier liess sie nicht schlafen; sie dachte immer, was sie noch wer­den könnte.

Der Mann schlief recht gut und fest, er hat­te am Tag viel laufen müssen; die Frau aber kon­nte gar nicht ein­schlafen und warf sich die ganze Nacht von ein­er Seite auf die andere und dachte immer darüber nach, was sie wohl noch wer­den kön­nte, und kon­nte sich doch auf nichts mehr besin­nen. Indessen wollte die Sonne aufge­hen, und als sie das Mor­gen­rot sah, set­zte sie sich aufrecht im Bett hin und sah da hinein. Und als sie aus dem Fen­ster die Sonne so her­aufkom­men sah: Ha, dachte sie, kann ich nicht auch die Sonne und den Mond aufge­hen lassen? – Mann,“ sagte sie und stiess ihn mit dem Ellen­bo­gen in die Rip­pen; wach auf, geh hin zum Butt, ich will wer­den wie der liebe Gott.“ Der Mann war noch ganz schlaftrunk­en, aber er erschrak so, dass er aus dem Bett fiel. Er meinte, er hätte sich ver­hört, rieb sich die Augen aus und sagte: Ach Frau, was sagst du?“ – Mann,“ sagte sie, wenn ich nicht die Sonne und den Mond kann aufge­hen lassen, das kann ich nicht aushal­ten, und ich habe keine ruhige Stunde mehr, dass ich sie nicht selb­st kann aufge­hen lassen.“ Dabei sah sie ihn ganz böse an, dass ihn ein Schaud­er über­lief. Gle­ich geh hin, ich will wer­den wie der liebe Gott.“ – Ach Frau,“ sagte der Mann und fiel vor ihr auf die Knie, das kann der Butt nicht. Kaiser und Papst kann er machen; – ich bin dich, geh in dich und bleibe Papst.“ Da überkam sie die Bosheit, die Haare flo­gen ihr so wild um den Kopf und sie schrie: Ich halte das nicht aus! Und ich halte das nicht länger aus! Willst du hinge­hen?!“ Da zog er sich die Hose an und lief davon wie unsinnig.

Draussen aber ging der Sturm und brauste, dass er kaum auf den Füssen ste­hen kon­nte. Die Häuser und die Bäume wur­den umgewe­ht, und die Berge bebten, und die Felsen­stücke roll­ten in die See, und der Him­mel war ganz pech­schwarz, und es don­nerte und blitzte, und die See ging in so hohen schwarzen Wogen wie Kirchtürme und Berge, und hat­ten oben alle eine weisse Schaumkro­ne auf. Da schrie er, und kon­nte sein eigenes Wort nicht hören: 

Männlein, Männlein, Timpe Te,
But­tje, But­tje in der See,
Meine Frau, die Ilsebill,
Will nicht so, wie ich wohl will.“

Na, was will sie denn?“ sagte der Butt. Ach,“ sagte er, sie will wer­den wie der liebe Gott.“ – Geh nur hin, sie sitzt schon wieder in der Fischerhütte.“

Da sitzen sie noch bis auf den heuti­gen Tag.