Vom Zornbraten

von Ludwig Bechstein

~17 Min

Es war ein­mal ein Rit­ter, der hat­te neben vielem Geld und Gut ein bös­es Weib, das wußte er nim­mer zu bemeis­tern, und es war schi­er auf Erden kein ärg­er Weib zu find­en. Er aber war ehren­haft und san­ften Muts. Bei­de hat­ten eine einzige Tochter, und die erzog die Mut­ter also in ihren eige­nen bösen Sit­ten und nach ihrem Schlag, daß sie arg und karg, mück­isch und tück­isch wurde . Gle­ich­wohl hat­te Gott das Mai­d­lein zu ein­er schö­nen Jungfrau gebildet, daß wer sie schaute, dem deuchte sie ein Bild voll min­niglich­er Güte, wer aber näher mit ihr bekan­nt wurde, der nahm bald ihre Argheit wahr und mied sie gän­zlich. Nun war die Jungfrau achtzehn Jahre alt und hätte gern einen Mann genom­men, aber kein­er kam, der ihrer begehrt hätte.

Das beküm­merte den Vater mächtiglich, und eines Tages sprach er zu ihr: »Tochter, dein­er Mut­ter Sit­ten und ihr übler Rat machen, daß du ohne Mann bleibest, oder aber, so ein­er dich nimmt, der nicht Lust hat, wie ich, böse Weib­ertück­en geduldig zu tra­gen, so wirst du öfter geschla­gen, als das Jahr Tage zählt, und wird dich noch baß gereuen, daß du so in allen Stück­en dein­er Mut­ter gefol­gt bist und gefol­gt hast.«

Das hörte die Tochter des from­men Rit­ters sehr ungern und sprach zorniglich: »Ei, Herr Vater! Ihr kön­nt viel reden, ehe mir Eur­er Worte auch nur eins gefällt! Ihr habt mein­er Mut­ter auch immer viel zu viel gute Lehren gegeben, die sie Euch nicht dan­ket. Wißt Ihr was? Tut, was Euch gut dün­ket, und las­set mich gewähren. Denn wenn auch schon mor­gen ein Freier käme, der mein begehrte, so wollte ich doch allezeit in der Ehe das län­gere Mess­er tragen.«

»O, meine Tochter!« antwortete der Rit­ters­mann, »das dünkt mich nicht gut, daß du solche Gedanken hast. Du soll­test doch darauf denken, bess­er zu sein als deine arge Mut­ter, son­st kön­nte es wohl kom­men, daß du einen Mann bekämest, der so bieder und fromm ist, daß er dich bezwingt, und du her­nach mit Scham, mit Schimpf und Schande nachgeben mußt.«

»Ei, ja, wohl!« antwortete die Tochter. »Eh der Markt aus ist, gibt es noch mehr sel­ben Kofents zu kaufen!« und solche häßliche Spot­tre­den mehr, die sie dem Vater gab, so daß er zornig aus­rief: »O du böse Chriemhilt! So du deinem Vater nicht fol­gen willst, so soll dir dein Rück­en satt von Schlä­gen wer­den! Wer immer dein begehre, er sei Rit­ter oder Knecht, der soll dich haben und soll dich ziehen nach seinem Willen!« »Oder ich ihn nach dem meinen!« erwiderte trotzig die Tochter und andere Reden mehr, bis dieser Wortwech­sel endete.

Nun saß etwa drei Meilen weit von der Burg dieses guten Rit­ters ein ander­er Rit­ters­mann, der war reich an Geld und Gut und hat­te Freiers­gedanken, war auch hüb­sch vom Angesicht und höflich von Sit­ten, der ver­nahm auf Fra­gen und Sagen, wie schön und wie häßlich zugle­ich jenes Nach­barn Tochter sei, und dachte: ich wag es frei und wende ihr Gemüt zur Tugend und mache sie gut, wo nicht, so will ich sie doch um ihrer Schöne wohl oder übel nehmen. Ritt darauf mit seinen Fre­un­den zum Vater der Maid und bat ihn um seine Tochter. Dieser Rit­ters­mann offen­barte dem jun­gen Wer­ber, wie seine Tochter gesit­tet sei, und jen­er sprach: »Ich habe es wohl ver­nom­men, aber gebt Ihr mir sie nur zur Frau! Will Gott, daß wir nur ein Jahr miteinan­der leben, so sollt Ihr sehen, wie gut sie wird!«

Darauf antwortete der kün­ftige Schwäher: »Gott soll Euch behüten vor ihrem Übel­mut! Hütet Euch, denn wenn sie auf ihrer Mut­ter Spur kommt, so lebt Ihr bei ihr, wie lang sie lebe, nim­mer einen guten Tag.« Der Freier behar­rte aber auf seinem Entschluß, und es ward ein Übereinkom­men getrof­fen und eine Ehe­bere­dung, daß der junge Rit­ter, sobald er wieder käme, die Maid mit sich nehmen und heim­fahren solle.

Die Mut­ter wußte von dieser Ver­hand­lung wed­er viel noch wenig, son­dern gar nicht, daß die Tochter einem Mann ver­lobt war, und als sie’s nun erfuhr, ward sie über­aus zornig, rief die Tochter und sprach: »Tochter, wisse, daß mein Fluch dich trifft, wenn du nicht deinem Manne so wider­stehst, wie deinem Vater ich mit Krieg und har­ter Rede allezeit und an jedem Ort. Höre, was ich dir ansage: Ich war ein kleines Mägdelein, als ich zu deinem Vater kam, viel geringer als du, denn du bist voll­gewach­sen. Drei Wochen lang schlug mich alle Tage dein Vater, daß ich krank wurde, und gab mir Wass­er zur Labe, und doch hab ich meinen Stre­it gewon­nen und mein Recht bis da immer behauptet!«

»Mut­ter!« antwortete das feine Töchter­lein, »ich sage Euch, und sollt ich tausend Jahre leben, so mache ich meinen Mann zum Affen.«

Inzwis­chen kam nun der Tag der Heim­führung; da kam der Rit­ter her­an auf einem schö­nen Roß von hohem Preis, führte auch mit sich ein schlankes Wind­spiel und trug auf der Hand einen wohlge­ta­nen Falken, nahm die Maid in Emp­fang ohne weit­eres und set­zte sie hin­ter sich auf sein Roß, entsandte seine Diener alle, daß ihrer kein­er mit den zweien ritt, und nahm gle­ich Urlaub vom Vater sein­er Braut. Der sprach zum Abschied ein beweglich­es Wort: »Gottes Güte sei mit dir, o Tochter! Er gebe dir Ruhe im Glück und ein friedlicheres Herz, als ich an mein­er Frau gefun­den habe!«

Kaum war diese Rede gesprochen, so schlug die Mut­ter einen Lär­men auf und schrie der Tochter nach: »Vern­imm auch mein Wort! Du sollst alle deine Lebe­tage deinem Mann unter­tan sein, so, wie ich dich gelehret habe!« und die Tochter rief zurück: »Wohl, meine Mut­ter, so soll es geschehen nach dein­er Lehre.«

So rit­ten nun die bei­den ganz allein miteinan­der hin, aber der Rit­ter ver­mied die Straße, um der Braut Argheit willen, und ritt einen unbe­que­men, steilen und engen Seit­en­weg, wohl ein­er Meile lang, doch ritt er rasch, daß er in kurz­er Zeit eine halbe Meile zurück­legte auf dem rauhen, unge­bah­n­ten Steinpfad. Da kamen sie an einen umbuscht­en Werder, und der Falke begann nach sein­er Art mit den Flügeln zu schla­gen und von der Hand zu begehren, weil er auf Rei­her stoßen wollte. Sprach der Rit­ter: »Mit deinem Fed­er­schla­gen laß es gut sein, oder ich reiße dir den Kopf ab.« Bald darauf sah der Falke eine Krähe fliegen, der wollte er nach; da sprach wiederum der Rit­ter: »Du bist bet­ro­gen, wenn du nach Ungemach streb­st und nicht gern in Ruhe dich hältst, und so will ich dir gle­ich dein Recht tun. Stirb, da du nicht meinen Willen hal­ten willst!« Und er erwürgte den Falken wie ein Huhn.

Die Maid erschrak ob dieser Rede und der tödlichen Tat und begann den Rit­ter zu fürcht­en. Nun wurde der Pfad immer enger, steiniger und dorniger, und dem Wind­spiel schmerzten die Füße, und es ver­mochte nicht mehr, sich an des Pfer­des Seite zu hal­ten. Der Rit­ter, der es an einem Riemen führte, mußte es immer nachziehen, das war dem Rit­ter ungele­gen, und er schalt das Wind­spiel: »Du bös­er Hofwart, hab acht, es kommt dir zum Unheil, daß du mir den Arm so zerziehst!« Der arme Hund ver­mochte aber nicht zu fol­gen, und da zog der Rit­ter sein Schw­ert und hieb ihn tot.

Die Maid unter­drück­te einen Schrei des Unwil­lens, aber das Herz in der Brust erschrak ihr, es ward ihr weh zumute, und sie dachte: Herr Gott, welch ein Wüterich ist dieser Mann! Brachte mich denn der Teufel zu ihm!

Der Rit­ter aber behielt das Schw­ert blank in der Hand und begann nun mit seinem Roß zu schel­ten: »Was schnaub­st du? Warum gehst du nicht Paß oder Trab? Du willst wohl nur auf ebnem Plan gehen? Du mußt ster­ben!« Da nun das arme Roß nicht Paß tra­ben kon­nte, welch­er Gang ihm nie gelehrt wor­den war, so sprach der Rit­ter: »Frau, steiget ab!«

Sie sprach: »Ich tue, was Ihr mich heißt.«

Darauf stieg der Rit­ter auch ab und hieb dem Pferd das Haupt vom Rumpfe, sprechend: »Wärest du nach meinem Sinn gegan­gen, so wäre dir nicht der Tod gewor­den. Frau, dies ist geschehen, wie Ihr seht. Mir war das Pferd gar unlieb gewor­den, wie auch Wind­spiel und Falke. Nun aber ist mir ein unge­wohnt und beschw­er­lich Ding, zu Fuße zu gehn, und ich habe des keine Übung. Ich werde nun Euch reit­en!« Und damit begann er, ihr Riemen und Bande anzule­gen, und auch den Sat­tel wollte er ihr aufschnallen.

Sie sprach: »Herr, ich trüge schon genug an Euch, las­set den Sat­tel und die Seile, viel her­zlieber Herre mein, ich trage Euch ja san­fter und bess­er ohne ihn.«

»Ei, Frau, wie stände mir das an, daß ich Euch ritte ohne Sat­tel und Zeug?« fragte der Rit­ter heftig. »Ihr habt böse Sitte, daß Ihr gegen meinen Willen zu reden Euch erküh­net!« Und da ließ sie sich gefall­en, daß er zur Stund sie sat­telte und aufzäumte, wie ein Roß, und ihr Zaum und Gebiß in den Mund legte, und gab ihr den Steig­bügel in die Hände, die stramm zu hal­ten, saß dann auf und ritt sie so eine kleine Weile, etwa dreier Speer­län­gen weit, bis ihr die Ohn­macht zug­ing von der schw­eren Last.

Da stieg der Rit­ter von ihr ab und sprach: »Frau, schnappt Ihr nach Luft?«

»O nein, Herr!« antwortete sie.

Weit­er sprach er: »Das ist ein schönes Feld, da kön­nt Ihr nun im Zelt (Schritt) gehen.«

Sie sprach, indem sie auf Hän­den und Füßen weit­erkroch: »Ich will es gern tun. Auf meines Vaters Hofe laufen viele Pferde, denen hab ich Zelt­gang abgelernt.«

»So wollt Ihr alles tun, was ich will?« fragte der Rit­ter und sie gegenre­dete: »Und wenn ich tausend Jahre leben sollte, so wollte ich tun, was Euch lieb ist!« Da hieß er sie auf­stehn und nahm sie schön an der Hand und führte sie sittsam­lich heim in sein Schloß, wo seine Fre­unde ver­sam­melt waren, die grüßten sie ehrfurchtsvoll und geleit­eten sie in ihr Zim­mer. Das geschah mit großen Freuden, und die Frau war das aller­lieb­ste Weib, ehrbar und wohlge­zo­gen, ohne List und Trug, treu, ruhig, mild, keine Tugend fehlte ihr. Ihre Gäste empf­ing sie fre­undlich und fröh­lich, und ohne Haß und Unwillen erfüllte sie, wie ein biederes Weib tun soll, die Wün­sche ihres Eheherrn.

Als nun sechs Wochen ver­gan­gen waren, fuhren der jun­gen Frau Vater und Mut­ter zu ihrer Tochter hin, zu sehn, wie es ihr erge­he und wie sie sich gehabe. Bald genug erfuhr die Mut­ter, was geschehen war, und wie ihre Tochter ihrem Manne gehor­samte, als sie diese zornig schalt und ihr zurief: »O über dich unseliges Weib! Was ich sehen und hören muß, läßt mich zweifeln, daß du mein Kind bist. Was? Du läss­est deinen Mann deinen Meis­ter sein?« Und dabei schlug die böse Mut­ter die Tochter ins Gesicht und wo sie son­st hinkam und fiel ihr in die Haare und raufte sie, schlug und schalt und trieb einen schreck­lichen Unfug.

Die junge Frau weinte und schrie: »Seid Ihr hergekom­men zu schel­ten, so wartet doch, bis Ihr des Ursach find­et! Ich habe den allerbesten Mann, und er ist gut und bieder, wer aber seinen Willen nicht tut, dem geht er in seinem Zorn gle­ich ans Leben. Darum, Mut­ter, habt weisen Sinn und hütet Euch, Arges wider ihn zu sprechen, denn er ist so zorn­mütig, daß er alles, was seinem Willen ent­ge­gen ist, im Zorn richtet und vernichtet.«

»Hoho! Mor­gen ist auch noch ein Tag!« höh­nte die Mut­ter. »Wie schlimm dein Mann sei, das macht mir den ger­ing­sten Kum­mer! Nicht ein Haar stark acht ich sein­er! Du alberne Trine! Dir muß der Teufel durchs Hirn fahren, daß du wagst, mir, dein­er Mut­ter, mit deinem Mann zu dräuen!«

»Mut­ter, ich dräue Euch ja nicht!« vertei­digte die Tochter sich. »Ich sage Euch ja nur die Wahrheit; ich darf Euch doch wohl rat­en, meinen Mann baß zu grüßen, denn woll­tet Ihr ihm tun, wie meinem Vater, so zerbläut er Euch den Rück­en, und obschon Ihr nicht viel Haares mehr habt, ist’s dessen noch genug, daß er’s Euch ausreißt!«

»Das wäre ein Hauptwerk!« erwiderte böse die Mut­ter. »Ich fürcht ihn nicht, und wenn er so groß wie ein Berg wäre; nicht mehr und nicht weniger fürcht ich ihn wie deinen Vater! Was hat der aus­gerichtet mit mir nun die zwanzig Jahre? Noch heute geb ich ihm um kein Haar bre­it nach!«

Während dieser Schalkrede der ältern Frau standen der Schwäher und der Tochter­mann an ein­er heim­lichen Stelle, wo sie jedes Wort hörten, und der Alte sprach leise zu seinem Schwiegersohn: »Ich bin inniglich froh, daß Ihr mein­er Tochter star­ren Sinn bezwun­gen, und gern hin­ter­lasse ich Euch und ihr mein Hab und Gut, wenn ich dahin­fahre.« Der Schwiegersohn bedank­te sich für die fre­undliche Gesin­nung des Schwähers, der dann wieder zu ihm sprach: »Ratet mir doch, wie ich Eur­er Schwieger tue, die mir allezeit wider­strebt und mir mein Leben so bit­ter­lich vergällt! Wär es nur zu machen, daß sie etwa ein Jahr vor ihrem Tode wenig­stens von ihrer Härte ließe, so hätte ich die son­der­ste Freude und all mein Leid ein Ende!«

Darauf ver­hieß der Schwiegersohn, die Schwiegermut­ter gut zu machen auf seine Weise, wenn der Schwiegervater ihm das nicht wehren wolle. Der sprach: »Ich will Euch nichts ver­wehren, siedet oder bratet sie, so will ich noch Holz dazu tra­gen.« Der Rit­ter nahm als­bald heim­lich vier flinke starke Knechte, ver­maß sich großen Zorns und ging nach der Keme­nate, wo noch die Alte saß und immer­fort auf ihn und ihre Tochter schalt. Als sie ihn kom­men sah, grüßte sie ihn spöt­tisch: »Seid Gott willkom­men, Herr Engelhart!«

»Schön­sten Dank, Frau Schlechthart!« klang sein Gegen­gruß, und dabei trat er fest an sie her­an und sprach: »Frau, laßt Eure Unart, das bitt ich Euch, gegen Euern und meinen Her­rn. Er sollte Euch ungezählte Schläge auf Euern Rück­en mit ein­er eich­enen Elle zumessen, bis Euch so weh würde, daß Ihr ein gut Weib würdet.«

»Ei!« sprach sie, »ich höre wohl, daß Ihr viele so erschla­gen habt, lieber Herr Guguguk! Ich habe aber doch bish­er noch Haut und Haar behal­ten, hoff es auch noch länger zu tra­gen! Was hab ich aber Euch getan?«

»Ihr schel­tet täglich meinen Her­rn, Euern Mann, und ver­lei­det ihm sein eignes Haus!« antwortete der junge Rit­ter; sie war aber gle­ich mit der Gegenrede zur Hand: »In meinem Hause heiße ich Kratz­maus! Ich kann darin sein Meis­ter sein, wie mein eign­er, und es soll ihm Gott, so lang ich lebe, nun keinen einzi­gen guten Tag mehr geben!«

»Und gibt Gott mir Glück«, sprach der Schwiegersohn, »so acht ich, daß Ihr noch, ehe wir voneinan­der gehen, Eure bösen Ränke und Schwänke laßt.«

»Daß es Euch nur nicht mißglücke!« rief sie, »son­st habt Ihr, so mir der große Gott von Schaafhausen, nur Schande und Spott davon!«

»Ich weiß, was Euch so irr und wirr und böse macht«, nahm der Rit­ter wieder das Wort. »Ihr habt zwei Zorn­brat­en hier an jed­er Hüfte, davon kommt’s, daß Ihr so üble Sitte habt, wenn Euch die jemand Auss­chnitte, das wär vortr­e­f­flich gut, denn Ihr würdet fröh­lich­er als jemals eine Frau, und für Euern Mann wär’s nicht min­der gut.«

»Ach! Ich freue mich, daß Ihr so ein guter Arzt seid, lehrt doch Eure Kun­st mein­er Tochter!« war ihre Antwort. »Habt Ihr auch Bertram feil und Nieswurz? Ihr mis­cht wohl Bei­fuß zum Tranke?«

»He! Euer Spott ist groß!« rief der Rit­ter, »aber er wird Euch gle­ich ver­salzen wer­den; sobald wir Eure Zorn­nieren und Zorn­brat­en haben, so werdet Ihr bess­er und from­mer als ein Kind werden!«

»Genug mit Eurem Klaf­fen, Klaf­fer!« schalt die Frau. Da grif­f­en aber die Knechte auf des Rit­ters Wink sie an, war­fen sie nieder, und der Tochter­mann wet­zte ein großes schar­fes Mess­er, das set­zte er ihr an ihre Hüfte und schnitt ihr durch Gewand und Hemde eine lange tiefe Wunde, daß ihr Hohn­lachen ihr ganz verg­ing; dann sprach er, indem er ein Stück Fleisch in ein Gefäß warf: »Seht, Frau, Ihr seid manch­es Jahr ein schlimmes Weib gewe­sen, daran waren Eure Zorn­brat­en Schuld, die kann ich Euch nicht länger lassen.« Sie aber lag trau­rig und schreiend: »Das wußt ich an mir selb­st nicht, aber ich weiß, welch­er Teufel Ihr mich berat­en habt!«

»Ja, Ihr habt noch einen Zorn­brat­en«, sprach der Rit­ter, »an Euerm andern Bein, der muß noch heraus!«

»Ach«, klagte sie fast weinend: »der ist ganz klein, der schadet mir nicht zu viel! Helfe mir Gott! Der, den Ihr schon aus­geschnit­ten habt, der war an allem Schaden Schuld. Ich bin alles Zornes ledig und will still sein, laßt nur den andern ungeschnitten. «

Da sprach die Tochter heit­er zu ihrem Gat­ten: »Beden­ket wohl, was Ihr tut; ich fürchte, wenn auch der andere Zorn­brat­en nicht her­fürkömmt, so ist die große Arbeit an dem einen ver­loren, und am Ende bekommt der andere Zorn­brat­en Junge, so Ihr den nicht auch ausschneidet.«

»Nein, nein, liebe Tochter!« rief die Mut­ter, »sprich ihm doch zu, daß er mich unversehrt lasse, ich will ja gut sein!«

»Frau Mut­ter«, antwortete die junge Frau: »Ihr gabt mir den Rat, wider meinen Mann zu stre­it­en, ihm nicht unter­tan zu sein; darum und daß sie meinem Vater so übel mit­ge­spielt, schnei­det nur ihren Zorn­brat­en aus!«

Und da griff der Rit­ter zum andere an, jene aber schrie»Nein, nein! Es ist mehr als genug! Tochter, denke, daß ich dich unterm Herzen getra­gen, und gewinne mir Frieden von deinem Manne! Ich will beschwören, daß ich gütevoll leben will, und der milde und gerechte Gott behüte mich vor Zorn. Den großen Zorn hat mir der Rit­ter schon genom­men, und der kleine ist keines Eies wert zu achten!«

»Wohl«, sprach der Rit­ter, »begehrt sie Friedens, so lasse ich ab von ihr, doch gelobe sie zur Hand, daß, wenn sie den Zorn nicht mei­det, sie sich aber will schnei­den lassen.« Hier­auf ward sie aufge­hoben und ihre Wunde verbunden .

Und die Frau warf allen Krieg und Had­er unter die Füße, wurde ein gut sit­tig Weib, ließ ab von ihrer bösen Heftigkeit, und als der andere Tag kam, nahm sie Urlaub mit ihrem Mann von dem Schwiegersohn, und er wün­schte ihr, daß Gott sie bewahren möge vor allem Übel.

Wenn sie nun nach der Hand den­noch noch manch­mal etwa ein Wörtlein oder mehr zu ihrem Manne sprach, das ihm leid und unlieb war, so durfte er nur sagen: »Ich kann mir nicht helfen, ich muß nach unserm Tochter­mann senden«, so wurde sie rot vor Furcht und sprach: »Es ist nicht not darum, sein Kom­men wäre mir nicht zum Heile. Ich habe ja Mut und Sinn, zu tun, was Euch lieb ist, und rate auch allen Frauen, daß sie ihren Män­nern das ent­bi­eten, was ich jet­zt dem meinen, so sie näm­lich in Frieden beste­hen wollen.«

Damit hat diese Mär ein Ende, und kann davon eine beliebige Nutzan­wen­dung jed­er Mann und jede Frau sich selb­st machen . Der alte Dichter aber, der diese Mär erzählt, gibt noch fol­gen­den Rat:

Wenn wer ein übel Weib hat, Der tu sich ihr’r in Zeit ab, Empfehl sie dem Rit­ter, Und leg sie auf ein’n Schlit­ten, Und kauf ihr ein Bästchen, Und henk sie an ein Ästchen. Und henk dabei Zwei Wölf oder drei. Wer sah dann ein’n Gal­gen Mit böseren Bal­gen? Es sei denn, daß wer den Teufel fing, Und ihn auch dazwis­chen hing.