Vom Büblein, das sich nicht waschen wollte

von Ludwig Bechstein

~5 Min

Es ist ein­mal ein Büblein gewe­sen, das wollte sich schon als ganz kleines Kind immer nicht waschen lassen, und als es größer wurde, so hat sich’s vor dem Wass­er über alle Maßen gegruselt und hat sich vor dem Naßw­er­den ärg­er gefürchtet als vor dem Feuer. Und da hat der unsaubere Geist, der Teufel, Macht genom­men über das Büblein und hat zu ihm gesagt, er wolle es an einen Ort führen, wo es sich sein Leb­tag nicht zu waschen brauche, und wenn es ihm sieben Jahre diene, dann solle es ein gutes Leben haben.

Das war dem Büblein recht, und es ging mit dem Teufel, und der führte es fort, daß keine Seele mehr von ihm wed­er hörte noch sah, und es wurde ganz und gar vergessen.

Nach sieben Jahren aber erschien in des Bübleins Heimat ein Geselle, der sah aus wie des Teufels rußiger Brud­er. Seine Haut war schwarz, sein Haar wirr und ungekämmt, sein Wesen war schweigsam. Aber wenn er Kinder sah, so warnte er sie vor Unrein­lichkeit und ermah­nte sie, daß sie sich ja recht fleißig soll­ten waschen lassen. Nach­her geschah es wohl auch, daß er erzählte, wie er am Höl­len­tore im Dien­ste des unsaubern Geistes habe Wache hal­ten müssen, weil er selb­st so unsauber gewe­sen, und wer alles durch das Tor gekom­men aus dem Dorfe und der ganzen Umge­gend. Wie aber die Leute von den Kindern ver­nah­men, was des Teufels gewe­sen­er Tor­wart erzählte, schal­ten sie ihn einen schwarzen Unhold und liefen haufen­weise zu ihm und gaben ihm vieles Geld, daß er schweige und nicht sage, wessen Vater, Groß­vater, Mut­ter, Schwest­er, Muhme und ganze werte Ver­wandtschaft er in die Hölle habe einziehen sehen. Da nahm er das Geld, wenn ihn aber ein­er wieder zu schel­ten anhub, so sagte er: »Ich wasche meine Hände in Unschuld, ich kann nicht dafür, daß Eure Sipp­schaft in die Hölle spaziert ist, statt in den Him­mel.« Und fing an und wusch sich fleißig, des Tages mehr als ein­mal, und ver­di­ente vieles Geld mit Schweigen, während andere es mit Schwätzen ver­di­enen müssen.