Rohrdommel und Wiedehopf

von Brüder Grimm

~3 Min

Wo wei­det Ihr Eure Herde am lieb­sten?‘ fragte ein­er einen alten Kuh­hirten. Hier, Herr, wo das Gras nicht zu fett ist und nicht zu mager; es tut son­st kein gut.‘ Warum nicht?‘ fragte der Herr. Hört Ihr dort von der Wiese her den dumpfen Ruf?‘ antwortete der Hirt, das ist der Rohrdom­mel, der war son­st ein Hirte, und der Wiede­hopf war es auch. Ich will Euch die Geschichte erzählen.

Der Rohrdom­mel hütete seine Herde auf fet­ten grü­nen Wiesen, wo Blu­men im Über­fluss standen, davon wur­den seine Kühe mutig und wild. Der Wiede­hopf aber trieb das Vieh auf hohe dürre Berge, wo der Wind mit dem Sand spielt, und seine Kühe wur­den mager und kamen nicht zu Kräften. Wenn es Abend war und die Hirten heimwärts trieben, kon­nte Rohrdom­mel seine Kühe nicht zusam­men­brin­gen, sie waren über­mütig und sprangen ihm davon. Er rief bunt, herüm, (bunte Kuh, herum), doch vergebens, sie hörten nicht auf seinen Ruf. Wiede­hopf aber kon­nte sein Vieh nicht auf die Beine brin­gen, so matt und kraft­los war es gewor­den. Up, up, up!, schrie er, aber es half nicht, sie blieben auf dem Sand liegen. So gehts, wenn man kein Mass hält. Noch heute, wo sie keine Herde mehr hüten, schre­it Rohrdom­mel bunt, herüm,‘ und der Wiede­hopf up, up, up!‘