Hänsel und Gretel

von Brüder Grimm

~14 Min

Vor einem grossen Walde wohnte ein armer Holzhack­er mit sein­er Frau und seinen zwei Kindern; das Bübchen hiess Hänsel und das Mäd­chen Gre­tel. Er hat­te wenig zu beis­sen und zu brechen, und ein­mal, als grosse Teuerung ins Land kam, kon­nte er das tägliche Brot nicht mehr schaf­fen. Wie er sich nun abends im Bette Gedanken machte und sich vor Sor­gen herumwälzte, seufzte er und sprach zu sein­er Frau: Was soll aus uns wer­den? Wie kön­nen wir unsere armen Kinder ernähren da wir für uns selb­st nichts mehr haben?“ – Weisst du was, Mann,“ antwortete die Frau, wir wollen mor­gen in aller Frühe die Kinder hin­aus in den Wald führen, wo er am dick­sten ist. Da machen wir ihnen ein Feuer an und geben jedem noch ein Stückchen Brot, dann gehen wir an unsere Arbeit und lassen sie allein. Sie find­en den Weg nicht wieder nach Haus, und wir sind sie los.“ – Nein, Frau,“ sagte der Mann, das tue ich nicht; wie sollt ich’s übers Herz brin­gen, meine Kinder im Walde allein zu lassen! Die wilden Tiere wür­den bald kom­men und sie zer­reis­sen.“ – Oh, du Narr,“ sagte sie, dann müssen wir alle viere Hungers ster­ben, du kannst nur die Bret­ter für die Särge hobeln,“ und liess ihm keine Ruhe, bis er ein­willigte. Aber die armen Kinder dauern mich doch,“ sagte der Mann.

Die zwei Kinder hat­ten vor Hunger auch nicht ein­schlafen kön­nen und hat­ten gehört, was die Stief­mut­ter zum Vater gesagt hat­te. Gre­tel weinte bit­tere Trä­nen und sprach zu Hänsel: Nun ist’s um uns geschehen.“ – Still, Gre­tel,“ sprach Hänsel, gräme dich nicht, ich will uns schon helfen.“ Und als die Alten eingeschlafen waren, stand er auf, zog sein Röck­lein an, machte die Untertüre auf und schlich sich hin­aus. Da schien der Mond ganz hell, und die weis­sen Kiesel­steine, die vor dem Haus lagen, glänzten wie lauter Batzen. Hänsel bück­te sich und steck­te so viele in sein Rock­täschlein, als nur hinein woll­ten. Dann ging er wieder zurück, sprach zu Gre­tel: Sei get­rost, liebes Schwest­erchen, und schlaf nur ruhig ein, Gott wird uns nicht ver­lassen,“ und legte sich wieder in sein Bett.

Als der Tag anbrach, noch ehe die Sonne aufge­gan­gen war, kam schon die Frau und weck­te die bei­den Kinder: Ste­ht auf, ihr Faulen­z­er, wir wollen in den Wald gehen und Holz holen.“ Dann gab sie jedem ein Stückchen Brot und sprach: Da habt ihr etwas für den Mit­tag, aber esst’s nicht vorher auf, weit­er kriegt ihr nichts.“ Gre­tel nahm das Brot unter die Schürze, weil Hänsel die Steine in der Tasche hat­te. Danach macht­en sie sich alle zusam­men auf den Weg nach dem Wald. Als sie ein Weilchen gegan­gen waren, stand Hänsel still und guck­te nach dem Haus zurück und tat das wieder und immer wieder. Der Vater sprach: Hänsel, was guckst du da und bleib­st zurück, hab acht und ver­giss deine Beine nicht!“ – Ach, Vater,“ sagte Hänsel, ich sehe nach meinem weis­sen Kätzchen, das sitzt oben auf dem Dach und will mir Ade sagen.“ Die Frau sprach: Narr, das ist dein Kätzchen nicht, das ist die Mor­gen­sonne, die auf den Schorn­stein scheint.“ Hänsel aber hat­te nicht nach dem Kätzchen gese­hen, son­dern immer einen von den blanken Kiesel­steinen aus sein­er Tasche auf den Weg geworfen.

Als sie mit­ten in den Wald gekom­men waren, sprach der Vater: Nun sam­melt Holz, ihr Kinder, ich will ein Feuer anmachen, damit ihr nicht friert.“ Hänsel und Gre­tel tru­gen Reisig zusam­men, einen kleinen Berg hoch. Das Reisig ward angezün­det, und als die Flamme recht hoch bran­nte, sagte die Frau: Nun legt euch ans Feuer, ihr Kinder, und ruht euch aus, wir gehen in den Wald und hauen Holz. Wenn wir fer­tig sind, kom­men wir wieder und holen euch ab.“

Hänsel und Gre­tel sassen um das Feuer, und als der Mit­tag kam, ass jedes sein Stück­lein Brot. Und weil sie die Schläge der Holza­xt hörten, so glaubten sie, ihr Vater wär‘ in der Nähe. Es war aber nicht die Holza­xt, es war ein Ast, den er an einen dür­ren Baum gebun­den hat­te und den der Wind hin und her schlug. Und als sie so lange gesessen hat­ten, fie­len ihnen die Augen vor Müdigkeit zu, und sie schliefen fest ein. Als sie endlich erwacht­en, war es schon fin­stere Nacht. Gre­tel fing an zu weinen und sprach: Wie sollen wir nun aus dem Wald kom­men?“ Hänsel aber tröstete sie: Wart nur ein Weilchen, bis der Mond aufge­gan­gen ist, dann wollen wir den Weg schon find­en.“ Und als der volle Mond aufgestiegen war, so nahm Hänsel sein Schwest­erchern an der Hand und ging den Kiesel­steinen nach, die schim­merten wie neugeschla­gene Batzen und zeigten ihnen den Weg. Sie gin­gen die ganze Nacht hin­durch und kamen bei anbrechen­dem Tag wieder zu ihres Vaters Haus. Sie klopften an die Tür, und als die Frau auf­machte und sah, dass es Hänsel und Gre­tel waren, sprach sie: Ihr bösen Kinder, was habt ihr so lange im Walde geschlafen, wir haben geglaubt, ihr wol­let gar nicht wiederkom­men.“ Der Vater aber freute sich, denn es war ihm zu Herzen gegan­gen, dass er sie so allein zurück­ge­lassen hatte.

Nicht lange danach war wieder Not in allen Eck­en, und die Kinder hörten, wie die Mut­ter nachts im Bette zu dem Vater sprach: Alles ist wieder aufgezehrt, wir haben noch einen hal­ben Laib Brot, her­nach hat das Lied ein Ende. Die Kinder müssen fort, wir wollen sie tiefer in den Wald hine­in­führen, damit sie den Weg nicht wieder her­aus­find­en; es ist son­st keine Ret­tung für uns.“ Dem Mann fiel’s schw­er aufs Herz, und er dachte: Es wäre bess­er, dass du den let­zten Bis­sen mit deinen Kindern teil­test. Aber die Frau hörte auf nichts, was er sagte, schalt ihn und machte ihm Vor­würfe. Wer A sagt, muss B sagen, und weil er das erstemal nachgegeben hat­te, so musste er es auch zum zweitenmal.

Die Kinder waren aber noch wach gewe­sen und hat­ten das Gespräch mitange­hört. Als die Alten schliefen, stand Hänsel wieder auf, wollte hin­aus und die Kiesel­steine aufle­sen, wie das vorige­mal; aber die Frau hat­te die Tür ver­schlossen, und Hänsel kon­nte nicht her­aus. Aber er tröstete sein Schwest­erchen und sprach: Weine nicht, Gre­tel, und schlaf nur ruhig, der liebe Gott wird uns schon helfen.“

Am frühen Mor­gen kam die Frau und holte die Kinder aus dem Bette. Sie erhiel­ten ihr Stückchen Brot, das war aber noch klein­er als das vorige­mal. Auf dem Wege nach dem Wald bröck­elte es Hänsel in der Tasche, stand oft still und warf ein Bröck­lein auf die Erde. Hänsel, was stehst du und guckst dich um?“ sagte der Vater, geh dein­er Wege!“ – Ich sehe nach meinem Täubchen, das sitzt auf dem Dache und will mir Ade sagen,“ antwortete Hänsel. Narr,“ sagte die Frau, das ist dein Täubchen nicht, das ist die Mor­gen­sonne, die auf den Schorn­stein oben scheint.“ Hänsel aber warf nach und nach alle Bröck­lein auf den Weg.

Die Frau führte die Kinder noch tiefer in den Wald, wo sie ihr Leb­tag noch nicht gewe­sen waren. Da ward wieder ein gross­es Feuer angemacht, und die Mut­ter sagte: Bleibt nur da sitzen, ihr Kinder, und wenn ihr müde seid, kön­nt ihr ein wenig schlafen. Wir gehen in den Wald und hauen Holz, und abends, wenn wir fer­tig sind, kom­men wir und holen euch ab.“ Als es Mit­tag war, teilte Gre­tel ihr Brot mit Hänsel, der sein Stück auf den Weg gestreut hat­te. Dann schliefen sie ein, und der Abend verg­ing; aber nie­mand kam zu den armen Kindern. Sie erwacht­en erst in der fin­stern Nacht, und Hänsel tröstete sein Schwest­erchen und sagte: Wart nur, Gre­tel, bis der Mond aufge­ht, dann wer­den wir die Brot­bröck­lein sehen, die ich aus­gestreut habe, die zeigen uns den Weg nach Haus.“ Als der Mond kam, macht­en sie sich auf, aber sie fan­den kein Bröck­lein mehr, denn die viel tausend Vögel, die im Walde und im Felde umher­fliegen, die hat­ten sie weggepickt. Hänsel sagte zu Gre­tel: Wir wer­den den Weg schon find­en.“ Aber sie fan­den ihn nicht. Sie gin­gen die ganze Nacht und noch einen Tag von Mor­gen bis Abend, aber sie kamen aus dem Wald nicht her­aus und waren so hun­grig, denn sie hat­ten nichts als die paar Beeren, die auf der Erde standen. Und weil sie so müde waren, dass die Beine sie nicht mehr tra­gen woll­ten, so legten sie sich unter einen Baum und schliefen ein.

Nun war’s schon der dritte Mor­gen, dass sie ihres Vaters Haus ver­lassen hat­ten. Sie fin­gen wieder an zu gehen, aber sie geri­eten immer tiefer in den Wald, und wenn nicht bald Hil­fe kam, mussten sie ver­schmacht­en. Als es Mit­tag war, sahen sie ein schönes, schneeweiss­es Vögelein auf einem Ast sitzen, das sang so schön, dass sie ste­hen blieben und ihm zuhörten. Und als es fer­tig war, schwang es seine Flügel und flog vor ihnen her, und sie gin­gen ihm nach, bis sie zu einem Häuschen gelangten, auf dessen Dach es sich set­zte, und als sie ganz nahe her­anka­men, so sahen sie, dass das Häuslein aus Brot gebaut war und mit Kuchen gedeckt; aber die Fen­ster waren von hellem Zuck­er. Da wollen wir uns dran­machen,“ sprach Hänsel, und eine geseg­nete Mahlzeit hal­ten. Ich will ein Stück vom Dach essen, Gre­tel, du kannst vom Fen­ster essen, das schmeckt süss.“ Hänsel reichte in die Höhe und brach sich ein wenig vom Dach ab, um zu ver­suchen, wie es schmeck­te, und Gre­tel stellte sich an die Scheiben und knup­perte daran. Da rief eine feine Stimme aus der Stube heraus: 

Knup­per, knup­per, Kneischen,
Wer knup­pert an meinem Häuschen?“

Die Kinder antworteten: 

Der Wind, der Wind,
Das himm­lis­che Kind,“

und assen weit­er, ohne sich irre machen zu lassen. Hänsel, dem das Dach sehr gut schmeck­te, riss sich ein gross­es Stück davon herunter, und Gre­tel stiess eine ganze runde Fen­ster­scheibe her­aus, set­zte sich nieder und tat sich wohl damit. Da ging auf ein­mal die Türe auf, und eine steinalte Frau, die sich auf eine Krücke stützte, kam her­aus­geschlichen. Hänsel und Gre­tel erschrak­en so gewaltig, dass sie fall­en liessen, was sie in den Hän­den hiel­ten. Die Alte aber wack­elte mit dem Kopfe und sprach: Ei, ihr lieben Kinder, wer hat euch hier­her gebracht? Kommt nur here­in und bleibt bei mir, es geschieht euch kein Leid.“ Sie fasste bei­de an der Hand und führte sie in ihr Häuschen. Da ward ein gutes Essen aufge­tra­gen, Milch und Pfannkuchen mit Zuck­er, Äpfel und Nüsse. Her­nach wur­den zwei schöne Bet­tlein weiss gedeckt, und Hänsel und Gre­tel legten sich hinein und mein­ten, sie wären im Himmel.

Die Alte hat­te sich nur fre­undlich angestellt, sie war aber eine böse Hexe, die den Kindern auflauerte, und hat­te das Broth­äuslein bloss gebaut, um sie her­beizu­lock­en. Wenn eins in ihre Gewalt kam, so machte sie es tot, kochte es und ass es, und das war ihr ein Fest­tag. Die Hex­en haben rote Augen und kön­nen nicht weit sehen, aber sie haben eine feine Wit­terung wie die Tiere und merken’s, wenn Men­schen her­ankom­men. Als Hänsel und Gre­tel in ihre Nähe kamen, da lachte sie boshaft und sprach höh­nisch: Die habe ich, die sollen mir nicht wieder entwischen!“ Früh mor­gens, ehe die Kinder erwacht waren, stand sie schon auf, und als sie bei­de so lieblich ruhen sah, mit den vollen roten Back­en, so murmelte sie vor sich hin: Das wird ein guter Bis­sen wer­den.“ Da pack­te sie Hänsel mit ihrer dür­ren Hand und trug ihn in einen kleinen Stall und sper­rte ihn mit ein­er Git­tertüre ein. Er mochte schrein, wie er wollte, es half ihm nichts. Dann ging sie zur Gre­tel, rüt­telte sie wach und rief: Steh auf, Faulen­z­erin, trag Wass­er und koch deinem Brud­er etwas Gutes, der sitzt draussen im Stall und soll fett wer­den. Wenn er fett ist, so will ich ihn essen.“ Gre­tel fing an bit­ter­lich zu weinen; aber es war alles verge­blich, sie musste tun, was die böse Hexe verlangte.

Nun ward dem armen Hänsel das beste Essen gekocht, aber Gre­tel bekam nichts als Kreb­ss­chalen. Jeden Mor­gen schlich die Alte zu dem Ställchen und rief: Hänsel, streck deine Fin­ger her­aus, damit ich füh­le, ob du bald fett bist.“ Hänsel streck­te ihr aber ein Knöch­lein her­aus, und die Alte, die trübe Augen hat­te, kon­nte es nicht sehen und meinte, es wären Hänsels Fin­ger, und ver­wun­derte sich, dass er gar nicht fett wer­den wollte. Als vier Wochen herum waren und Hänsel immer mager blieb, da überkam sie die Ungeduld, und sie wollte nicht länger warten. Heda, Gre­tel,“ rief sie dem Mäd­chen zu, sei flink und trag Wass­er! Hänsel mag fett oder mager sein, mor­gen will ich ihn schlacht­en und kochen.“ Ach, wie jam­merte das arme Schwest­erchen, als es das Wass­er tra­gen musste, und wie flossen ihm die Trä­nen über die Back­en herunter! Lieber Gott, hilf uns doch,“ rief sie aus, hät­ten uns nur die wilden Tiere im Wald gefressen, so wären wir doch zusam­men gestor­ben!“ – Spar nur dein Geplärre,“ sagte die Alte, es hil­ft dir alles nichts.“

Früh­mor­gens musste Gre­tel her­aus, den Kessel mit Wass­er aufhän­gen und Feuer anzün­den. Erst wollen wir back­en,“ sagte die Alte, ich habe den Back­ofen schon einge­heizt und den Teig geknetet.“ Sie stiess das arme Gre­tel hin­aus zu dem Back­ofen, aus dem die Feuer­flam­men schon her­auss­chlu­gen Kriech hinein,“ sagte die Hexe, und sieh zu, ob recht einge­heizt ist, damit wir das Brot hinein­schieben kön­nen.“ Und wenn Gre­tel darin war, wollte sie den Ofen zumachen und Gre­tel sollte darin brat­en, und dann wollte sie’s aufessen. Aber Gre­tel merk­te, was sie im Sinn hat­te, und sprach: Ich weiss nicht, wie ich’s machen soll; wie komm ich da hinein?“ – Dumme Gans,“ sagte die Alte, die Öff­nung ist gross genug, siehst du wohl, ich kön­nte selb­st hinein,“ krabbelte her­an und steck­te den Kopf in den Back­ofen. Da gab ihr Gre­tel einen Stoss, dass sie weit hine­in­fuhr, machte die eis­erne Tür zu und schob den Riegel vor. Hu! Da fing sie an zu heulen, ganz grauselich; aber Gre­tel lief fort, und die got­t­lose Hexe musste elendiglich verbrennen.

Gre­tel aber lief schnurstracks zum Hänsel, öffnete sein Ställchen und rief: Hänsel, wir sind erlöst, die alte Hexe ist tot.“ Da sprang Hänsel her­aus wie ein Vogel aus dem Käfig, wenn ihm die Türe aufgemacht wird. Wie haben sie sich gefreut sind sich um den Hals gefall­en, sind herumge­sprun­gen und haben sich geküsst! Und weil sie sich nicht mehr zu fürcht­en braucht­en, so gin­gen sie in das Haus der Hexe hinein. Da standen in allen Eck­en Kas­ten mit Perlen und Edel­steinen. Die sind noch bess­er als Kiesel­steine,“ sagte Hänsel und steck­te in seine Taschen, was hinein wollte. Und Gre­tel sagte:“ Ich will auch etwas mit nach Haus brin­gen,“ und füllte sein Schürzchen voll. Aber jet­zt wollen wir fort,“ sagte Hänsel, damit wir aus dem Hex­en­wald her­auskom­men.“ Als sie aber ein paar Stun­den gegan­gen waren, gelangten sie an ein gross­es Wass­er. Wir kön­nen nicht hinüber,“ sprach Hänsel, ich seh keinen Steg und keine Brücke.“ – Hier fährt auch kein Schif­fchen,“ antwortete Gre­tel, aber da schwimmt eine weisse Ente, wenn ich die bitte, so hil­ft sie uns hinüber.“

Da rief sie: 

Entchen, Entchen,
Da ste­ht Gre­tel und Hänsel. 
Kein Steg und keine Brücke, 
Nimm uns auf deinen weis­sen Rücken.“

Das Entchen kam auch her­an, und Hänsel set­zte sich auf und bat sein Schwest­erchen, sich zu ihm zu set­zen. Nein,“ antwortete Gre­tel, es wird dem Entchen zu schw­er, es soll uns nacheinan­der hinüber­brin­gen.“ Das tat das gute Tierchen, und als sie glück­lich drüben waren und ein Weilchen fort­gin­gen, da kam ihnen der Wald immer bekan­nter und immer bekan­nter vor, und endlich erblick­ten sie von weit­em ihres Vaters Haus. Da fin­gen sie an zu laufen, stürzten in die Stube hinein und fie­len ihrem Vater um den Hals. Der Mann hat­te keine fro­he Stunde gehabt, seit­dem er die Kinder im Walde gelassen hat­te, die Frau aber war gestor­ben. Gre­tel schüt­telte sein Schürzchen aus, dass die Perlen und Edel­steine in der Stube herum­sprangen, und Hänsel warf eine Hand­voll nach der andern aus sein­er Tasche dazu. Da hat­ten alle Sor­gen ein Ende, und sie lebten in lauter Freude zusam­men. Mein Märchen ist aus, dort lauft eine Maus, wer sie fängt, darf sich eine grosse Pelzkappe daraus machen.