Hurleburlebutz

von Brüder Grimm

~4 Min

Ein König verir­rte sich auf der Jagd, da trat ein kleines weiss­es Män­nchen vor ihn: Herr König, wenn Ihr mir Eure jüng­ste Tochter geben wollt, so will ich Euch wieder aus dem Wald führen.“ Der König sagte es in sein­er Angst zu, das Män­nchen brachte ihn auf den Weg, nahm dann Abschied und rief noch nach: In acht Tagen komm ich und hol meine Braut.“ Daheim aber war der König trau­rig über sein Ver­sprechen, denn die jüng­ste Tochter hat­te er am lieb­sten; das sahen ihm die Prinzessin­nen an und woll­ten wis­sen, was ihm Kum­mer mache. Da musst er’s endlich geste­hen, er habe die jüng­ste von ihnen einem kleinen weis­sen Wald­män­nchen ver­sprochen, und das komme in acht Tagen und hole sie ab. Sie sprachen aber, er solle gutes Muts sein, das Män­nchen woll­ten sie schon anführen. 

Dar­nach, als der Tag kam, klei­de­ten sie eine Kuh­hirt­stochter mit ihren Klei­dern an, set­zten sie in ihre Stube und befahlen ihr: Wenn jemand kommt und will dich abholen, so gehst du mit!“ Sie sel­ber aber gin­gen alle aus dem Hause fort. Kaum waren sie weg, so kam ein Fuchs in das Schloss und sagte zu dem Mäd­chen: Setz dich auf meinen rauhen Schwanz, Hurleburlebutz! hin­aus in den Wald!“ Das Mäd­chen set­zte sich dem Fuchs auf den Schwanz, und so trug er es hin­aus in den Wald; wie sie aber auf einen schö­nen grü­nen Platz kamen, wo die Sonne recht hell und warm schien, sagte der Fuchs: Steig ab und laus mich!“ Das Mäd­chen gehorchte, der Fuchs legte seinen Kopf auf ihren Schoss und ward gelaust; bei der Arbeit sprach das Mäd­chen: Gestern um die Zeit war’s doch schön­er in dem Wald!“ – Wie bist du in den Wald gekom­men?“ fragte der Fuchs. Ei, da hab ich mit meinem Vater die Kühe gehütet.“ – Also bist du nicht die Prinzessin! Setz dich auf meinen rauhen Schwanz, Hurleburlebutz! zurück in das Schloss!“ Da trug sie der Fuchs zurück und sagte zum König: Du hast mich bet­ro­gen, das ist eine Kuh­hirt­stochter, in acht Tagen komm ich wieder und hol mir deine.“ 

Am acht­en Tage aber klei­de­ten die Prinzessin­nen eine Gänse­hirt­stochter prächtig an, set­zten sie hin und gin­gen fort. Da kam der Fuchs wieder und sprach: Setz dich auf meinen rauhen Schwanz, Hurleburlebutz! hin­aus in den Wald!“ Wie sie in dem Wald auf den son­ni­gen Platz kamen, sagte der Fuchs wieder: Steig ab und laus mich!“ Und als das Mäd­chen den Fuchs lauste, seufzte es und sprach: Wo mögen jet­zt meine Gänse sein!“ – Was weisst du von Gänsen?“ – Ei, die hab ich alle Tage mit meinem Vater auf die Wiesen getrieben.“ – Also bist du nicht des Königs Tochter! Setz dich auf meinen rauhen Schwanz, Hurleburlebutz! zurück in das Schloss!“ Der Fuchs trug sie zurück und sagte zum König: Du hast mich wieder bet­ro­gen, das ist eine Gänse­hirt­stochter, in acht Tagen komm ich noch ein­mal, und wenn du mir dann deine Tochter nicht gib­st, so soll dir’s übel gehen.“ 

Dem König ward Angst, und wie der Fuchs wieder kam, gab er ihm die Prinzessin. Setz dich auf meinen rauhen Schwanz, Hurleburlebutz! hin­aus in den Wald!“ Da musste sie auf dem Schwanz des Fuch­ses hin­aus­re­it­en, und als sie auf den Platz im Son­nen­schein kamen, sprach er auch zu ihr: Steig ab und laus mich!“ Als er ihr aber seinen Kopf auf den Schoss legte, fing die Prinzessin an zu weinen und sagte: Ich bin eines Königs Tochter und soll einen Fuchs lausen, sass ich jet­zt daheim in mein­er Kam­mer, so kön­nt ich meine Blu­men im Garten sehen!“ Da hörte der Fuchs, dass er die rechte Braut hat­te, ver­wan­delte sich in das kleine weisse Män­nchen, und das war nun ihr Mann, bei dem musst sie in ein­er kleinen Hütte wohnen, ihm kochen und nähen, und es dauerte eine gute Zeit. Das Män­nchen aber tat ihr alles zuliebe.

Ein­mal sagte das Män­nchen zu ihr: Ich muss fort­ge­hen, aber es wer­den bald drei weisse Tauben geflo­gen kom­men, die wer­den ganz niedrig über die Erde hin­streifen, davon fang die mit­tel­ste, und wenn du sie hast, schneid ihr gle­ich den Kopf ab, hüt dich aber, dass du keine andere ergreif­st als die mit­tel­ste, son­st entste­ht ein gross Unglück daraus.“ Das Män­nchen ging fort; es dauerte auch nicht lang, so kamen drei weisse Tauben daherge­flo­gen. Die Prinzessin gab acht, ergriff die mit­tel­ste, nahm ein Mess­er und schnitt ihr den Kopf ab. Kaum aber lag der auf dem Boden, so stand ein schön­er junger Prinz vor ihr und sprach: Mich hat eine Fee verza­ubert, sieben Jahr lang sollt ich meine Gestalt ver­lieren und sodann als eine Taube an mein­er Gemahlin vor­bei­fliegen, zwis­chen zwei ändern, da müsse sie mich fan­gen und mir den Kopf abhauen, und fange sie mich nicht oder eine unrechte und ich sei ein­mal vor­beige­flo­gen, so sei alles vor­bei und keine Erlö­sung mehr möglich; darum hab ich dich gebeten, ja recht achtzuhaben, denn ich bin das graue Männlein und du meine Gemahlin.“ Da war die Prinzessin vergnügt, und sie gin­gen zusam­men zu ihrem Vater, und als der starb, erbten sie das Reich.