Hans Dumm

von Brüder Grimm

~3 Min

Es war ein König, der lebte mit sein­er Tochter, die sein einziges Kind war, vergnügt. Auf ein­mal aber brachte die Prinzessin ein Kind zur Welt, und nie­mand wusste, wer der Vater war; der König wusste lang nicht, was er anfan­gen sollte, am Ende befahl er, die Prinzessin solle mit dem Kind in die Kirche gehen, da sollte ihm eine Zitrone in die Hand gegeben wer­den, und wem es die reiche, solle der Vater des Kinds und Gemahl der Prinzessin sein. Das geschah nun, doch war der Befehl gegeben, dass nie­mand als schöne Leute in die Kirche soll­ten ein­ge­lassen wer­den. Es war aber in der Stadt ein klein­er, schiefer und buck­e­lichter Bursch, der nicht recht klug war und darum der Hans Dumm hiess, der drängte sich unge­se­hen zwis­chen den ändern auch in die Kirche, und wie das Kind die Zitrone austeilen sollte, so reichte es sie dem Hans Dumm. Die Prinzessin war erschrock­en, der König war so aufge­bracht, dass er sie und das Kind mit dem Hans Dumm in eine Tonne steck­en und aufs Meer set­zen liess. Die Tonne schwamm bald fort, und wie sie allein auf dem Meere waren, klagte die Prinzessin und sagte: Du garstiger, buck­e­lichter, naseweis­er Bub bist an meinem Unglück schuld, was hast du dich in die Kirche gedrängt, das Kind ging dich nichts an.“ – O ja,“ sagte Hans Dumm, das ging mich wohl etwas an, denn ich habe es ein­mal gewün­scht, dass du ein Kind bekämst, und was ich wün­sche, das trifft ein.“ – Wenn das wahr ist, so wün­sch uns doch was zu essen hier­her.“ – Das kann ich auch,“ sagte Hans Dumm, wün­schte sich aber eine Schüs­sel recht voll Kartof­fel, die Prinzessin hätte gern etwas Besseres gehabt, aber weil sie so hun­grig war, half sie ihm die Kartof­fel essen. Nach­dem sie satt waren, sagte Hans Dumm: Nun will ich uns ein schönes Schiff wün­schen!,“ und kaum hat­te er das gesagt, so sassen sie in einem prächti­gen Schiff, darin war alles zum Über­fluss, was man nur ver­lan­gen kon­nte. Der Steuer­mann fuhr grad ans Land, und als sie ausstiegen, sagte Hans Dumm: Nun soll ein Schloss dort ste­hen!“ Da stand ein prächtiges Schloss, und Diener in Gold­klei­dern kamen und führten die Prinzessin und das Kind hinein, und als sie mit­ten in dem Saal waren, sagte Hans Dumm: Nun wün­sch ich, dass ich ein junger und kluger Prinz werde!“ Da ver­lor sich sein Buck­el, und er war schön und ger­ad und fre­undlich, und er gefiel der Prinzessin gut und ward ihr Gemahl.

So lebten sie lange Zeit vergnügt; da ritt ein­mal der alte König aus, verir­rte sich und kam zu dem Schloss. Er ver­wun­derte sich darüber, weil er es noch nie gese­hen, und kehrte ein. Die Prinzessin erkan­nte gle­ich ihren Vater, er aber erkan­nte sie nicht, er dachte auch, sie sei schon längst im Meer ertrunk­en. Sie bewirtete ihn prächtig, und als er wieder nach Haus wollte, steck­te sie ihm heim­lich einen gold­e­nen Bech­er in die Tasche. Nach­dem er aber fort­gerit­ten war, schick­te sie ein paar Reuter nach, die mussten ihn anhal­ten und unter­suchen, ob er den gold­e­nen Bech­er nicht gestohlen, und wie sie ihn in sein­er Tasche fan­den, bracht­en sie ihn mit zurück. Er schwur der Prinzessin, er habe ihn nicht gestohlen und wisse nicht, wie er in seine Tasche gekom­men sei, darum,“ sagte sie, muss man sich hüten, jemand gle­ich für schuldig zu hal­ten,“ und gab sich als seine Tochter zu erken­nen. Da freute sich der König, und sie lebten vergnügt zusam­men, und nach seinem Tod ward Hans Dumm König.