Gottes Speise

von Brüder Grimm

~3 Min

Es waren ein­mal zwei Schwest­ern, die eine hat­te keine Kinder und war reich, die andere hat­te fünf Kinder und war eine Witwe und war so arm, dass sie nicht mehr Brot genug hat­te, sich und ihre Kinder zu sät­ti­gen. Da ging sie in der Not zu ihrer Schwest­er und sprach meine Kinder lei­den mit mir den grössten Hunger, du bist reich, gib mir einen Bis­sen Brot.‘ Die stein­re­iche Frau war auch stein­hart, sprach ich habe selb­st nichts in meinem Hause,‘ und wies die Arme mit bösen Worten fort. Nach einiger Zeit kam der Mann der reichen Schwest­er heim und wollte sich ein Stück Brot schnei­den, wie er aber den ersten Schnitt in den Laib tat, floss das rote Blut her­aus. Als die Frau das sah, erschrak sie und erzählte ihm, was geschehen war. Er eilte hin und wollte helfen, wie er aber in die Stube der armen Witwe trat, so fand er sie betend; die bei­den jüng­sten Kinder hat­te sie auf den Armen, die drei ältesten lagen da und waren gestor­ben. Er bot ihr Speise an, aber sie antwortete nach irdis­ch­er Speise ver­lan­gen wir nicht mehr; drei hat Gott schon gesät­tigt, unser Fle­hen wird er auch erhören.‘ Kaum hat­te sie diese Worte aus­ge­sprochen, so tat­en die bei­den Kleinen ihren let­zten Atemzug, und darauf brach ihr auch das Herz, und sie sank tot nieder.