Frau Trude

von Brüder Grimm

~3 Min

Es war ein­mal ein kleines Mäd­chen, das war eigensin­nig und vor­witzig, und wenn ihm seine Eltern etwas sagten, so gehorchte es nicht: wie kon­nte es dem gut gehen? Eines Tages sagte es zu seinen Eltern: Ich habe so viel von der Frau Trude gehört, ich will ein­mal zu ihr hinge­hen, die Leute sagen, es sehe so wun­der­lich bei ihr aus, und erzählen, es seien so selt­same Dinge in ihrem Hause, da bin ich ganz neugierig gewor­den.“ Die Eltern ver­boten es ihr streng und sagten: Die Frau Trude ist eine böse Frau, die got­t­lose Dinge treibt, und wenn du zu ihr hingehst, so bist du unser Kind nicht mehr.“ Aber das Mäd­chen kehrte sich nicht an das Ver­bot sein­er Eltern und ging doch zu der Frau Trude. Und als es zu ihr kam, fragte die Frau Trude: Warum bist du so ble­ich?“ – Ach,“ antwortete es und zit­terte am Leibe, ich habe mich so erschrock­en über das, was ich gese­hen habe.“ – Was hast du gese­hen?“ – Ich sah auf Eur­er Stiege einen schwarzen Mann.“ – Das war ein Köh­ler.“ – Dann sah ich einen grü­nen Mann.“ – Das war ein Jäger.“ – Danach sah ich einen blutroten Mann.“ – Das war ein Met­zger.“ – Ach, Frau Trude, mir grauste, ich sah durchs Fen­ster und sah Euch nicht, wohl aber den Teufel mit feurigem Kopf.“ – Oho,“ sagte sie, so hast du die Hexe in ihrem recht­en Schmuck gese­hen: ich habe schon lange auf dich gewartet und nach dir ver­langt, du sollst mir leucht­en.“ Da ver­wan­delte sie das Mäd­chen in einen Holzblock und warf ihn ins Feuer. Und als er in voller Glut war, set­zte sie sich daneben, wärmte sich daran und sprach: Das leuchtet ein­mal hell!“