Frau Hollen Teich

von Brüder Grimm

~3 Min

Von dieser Holle erzählt das Volk viel­er­lei, gutes und bös­es. Weiber, die zu ihr in den Brun­nen steigen, macht sie gesund und frucht­bar; die neuge­bor­nen Kinder stam­men aus ihrem Brun­nen und sie trägt sie daraus her­vor. Blu­men, Obst, Kuchen, das sie unten im Teiche hat und was in ihrem unver­gle­ich­lichen Garten wächst, theilt sie denen aus, die ihr begeg­nen und zu gefall­en wis­sen. Sie ist sehr ordentlich und hält auf guten Haushalt; wann es bei den Men­schen schneit, klopft sie ihre Bet­ten aus, davon die Flock­en in der Luft fliegen. Faule Spin­ner­in­nen straft sie, indem sie ihnen den Rock­en besudelt, das Garn wirrt, oder den Flachs anzün­det; Jungfrauen hinge­gen, die fleißig abspin­nen, schenkt sie Spin­deln und spin­nt sel­ber für sie über Nacht, daß die Spuhlen des Mor­gens voll sind. Faulen­z­erin­nen zieht sie die Bettdeck­en ab und legt sie nack­end aufs Steinpflaster; Fleißige, die schon früh­mor­gens Wass­er zur Küche tra­gen in reingescheuerten Eimern, find­en Sil­ber­groschen darin. Gern zieht sie Kinder in ihren Teich, die guten macht sie zu Glück­skindern, die bösen zu Wech­sel­bäl­gen. Jährlich geht sie im Land um und ver­lei­ht den Äck­ern Frucht­barkeit, aber auch erschreckt sie die Leute, wenn sie durch den Wald fährt, an der Spitze des wüten­den Heers. Bald zeigt sie sich als eine schöne weiße Frau in oder auf der Mitte des Teichs, bald ist sie unsicht­bar und man hört blos aus der Tiefe ein Glock­en­geläut und fin­steres Rauschen.