Die Wassernixe

von Brüder Grimm

~3 Min

Ein Brüderchen und ein Schwest­erchen spiel­ten an einem Brun­nen, und wie sie so spiel­ten, plump­sten sie bei­de hinein. Da war unten eine Wassernixe, die sprach jezt habe ich euch, jet­zt sollt ihr mir brav arbeit­en,‘ und führte sie mit sich fort. Dem Mäd­chen gab sie ver­wirrten garsti­gen Flachs zu spin­nen, und es musste Wass­er in ein hohles Fass schlep­pen, der Junge aber sollte einen Baum mit ein­er stumpfen Axt hauen, und nichts zu essen beka­men sie als stein­harte Klösse. Da wur­den zulet­zt die Kinder so ungeduldig, dass sie warteten, bis eines Son­ntags die Nixe in der Kirche war, da ent­flo­hen sie. Und als die Kirche vor­bei war, sah die Nixe, dass die Vögel aus­ge­flo­gen waren, und set­zte ihnen mit grossen Sprün­gen nach. Die Kinder erblick­ten sie aber von weit­em, und das Mäd­chen warf eine Bürste hin­ter sich, das gab einen grossen Bürsten­berg mit tausend und tausend Stacheln, über den die Nixe mit gross­er Müh klet­tern musste; endlich aber kam sie doch hinüber. Wie das die Kinder sahen, warf der Knabe einen Kamm hin­ter sich, das gab einen grossen Kamm­berg mit tausend­mal tausend Zinken, aber die Nixe wusste sich daran festzuhal­ten und kam zulet­zt doch drüber. Da warf das Mäd­chen einen Spiegel hin­ter­wärts, welch­es einen Spiegel­berg gab, der war so glatt, so glatt, dass sie unmöglich darüber kon­nte. Da dachte sie ich will geschwind nach Haus gehen und meine Axt holen und den Spiegel­berg entzwei­hauen.‘ Bis sie aber wiederkam und das Glas aufge­hauen hat­te, waren die Kinder längst weit ent­flo­hen, und die Wassernixe musste sich wieder in ihren Brun­nen trollen.