Die Sterntaler

von Brüder Grimm

~3 Min

Es war ein­mal ein kleines Mäd­chen, dem war Vater und Mut­ter gestor­ben, und es war so arm, dass es kein Käm­merchen mehr hat­te, darin zu wohnen, und kein Bettchen mehr hat­te, darin zu schlafen, und endlich gar nichts mehr als die Klei­der auf dem Leib und ein Stückchen Brot in der Hand, das ihm ein mitlei­di­ges Herz geschenkt hat­te. Es war aber gut und fromm. Und weil es so von aller Welt ver­lassen war, ging es im Ver­trauen auf den lieben Gott hin­aus ins Feld.

Da begeg­nete ihm ein armer Mann, der sprach: Ach, gib mir etwas zu essen, ich bin so hun­grig.“ Es reichte ihm das ganze Stückchen Brot und sagte: Gott seg­ne dir’s,“ und ging weit­er. Da kam ein Kind, das jam­merte und sprach: Es friert mich so an meinem Kopfe, schenk mir etwas, wom­it ich ihn bedeck­en kann.“ Da tat es seine Mütze ab und gab sie ihm. Und als es noch eine Weile gegan­gen war, kam wieder ein Kind und hat­te kein Leibchen an und fror: da gab es ihm seins; und noch weit­er, da bat eins um ein Röck­lein, das gab es auch von sich hin. Endlich gelangte es in einen Wald, und es war schon dunkel gewor­den, da kam noch eins und bat um ein Hemdlein, und das fromme Mäd­chen dachte: Es ist dun­kle Nacht, da sieht dich nie­mand, du kannst wohl dein Hemd weggeben,“ und zog das Hemd ab und gab es auch noch hin.

Und wie es so stand und gar nichts mehr hat­te, fie­len auf ein­mal die Sterne vom Him­mel, und waren lauter blanke Taler; und ob es gle­ich sein Hemdlein weggegeben, so hat­te es ein neues an, und das war vom aller­fe­in­sten Lin­nen. Da sam­melte es sich die Taler hinein und war reich für sein Lebtag.