Die Scholle

von Brüder Grimm

~3 Min

Die Fis­che waren schon lange unzufrieden, dass keine Ord­nung in ihrem Reich herrschte. Kein­er kehrte sich an den andern, schwamm rechts und links, wie es ihm ein­fiel, fuhr zwis­chen denen durch, die zusam­men­bleiben woll­ten, oder sper­rte ihnen den Weg, und der Stärkere gab dem Schwächeren einen Schlag mit dem Schwanz, dass er weit weg­fuhr, oder er ver­schlang ihn ohne weit­eres. Wie schön wäre es, wenn wir einen König hät­ten, der Recht und Gerechtigkeit bei uns übte,‘ sagten sie und vere­inigten sich, den zu ihrem Her­rn zu wählen, der am schnell­sten die Fluten durch­stre­ichen und dem Schwachen Hil­fe brin­gen könnte.

Sie stell­ten sich also am Ufer in Rei­he und Glied auf, und der Hecht gab mit dem Schwanz ein Zeichen, worauf sie alle zusam­men auf­brachen. Wie ein Pfeil schoss der Hecht dahin und mit ihm der Her­ing, der Gründling, der Barsch, die Karpfe, und wie sie alle heis­sen. Auch die Scholle schwamm mit und hoffte das Ziel zu erreichen.

Auf ein­mal ertönte der Ruf der Her­ing ist vor! der Her­ing ist vor.‘ Wen is vör?‘ schrie ver­driesslich die plat­te miss­gün­stige Scholle, die weit zurück­ge­blieben war, wen is vör?‘ Der Her­ing, der Her­ing,‘ war die Antwort. De nack­te Hier­ing?‘ rief die Nei­dis­che, de nack­te Hier­ing?‘ Seit der Zeit ste­ht der Scholle zur Strafe das Maul schief.