Die Schlickerlinge

von Brüder Grimm

~3 Min

Es war ein­mal ein Mäd­chen, das war schön, aber faul und nach­läs­sig. Wenn es spin­nen sollte, so war es so ver­driesslich, dass, wenn ein klein­er Knoten im Flachs war, es gle­ich einen ganzen Haufen mit her­aus­riss und neben sich zur Erde schlick­erte. Nun hat­te es ein Dien­st­mäd­chen, das war arbeit­sam, suchte den wegge­wor­fe­nen Flachs zusam­men, reinigte ihn, spann ihn fein und liess sich ein hüb­sches Kleid daraus weben. Ein junger Mann hat­te um das faule Mäd­chen gewor­ben, und die Hochzeit sollte gehal­ten wer­den. Auf dem Polter­abend tanzte das fleis­sige in seinem schö­nen Klei­de lustig herum, da sprach die Braut

ach, wat kann dat Mäken springen 
in minen Slickerlingen!‘

Das hörte der Bräutigam und fragte die Braut, was sie damit sagen wollte. Da erzählte sie ihm, dass das Mäd­chen ein Kleid von dem Flachs trüge, den sie wegge­wor­fen hätte. Wie der Bräutigam das hörte und ihre Faul­heit bemerk­te und den Fleiss des armen Mäd­chens, so liess er sie ste­hen, ging zu jen­er und wählte sie zu sein­er Frau.