Die Reise des Enteleins

von Josef Haltrich

~5 Min

Das Entelein (sächs. Schnåd­der­intchen) wack­elte fort und wollte eine Reise in die Welt machen, kam das Hutzel­bein (der Frosch, sächs. Hïpertïperchen) und sprach: Wohin, Entelein?“

In die Welt hinein!“
Sagte Entelein.
Darf ich mit, Entelein?“
Fragte Hutzel­bein.
Sitz auf mein Schwänzelein!“
Sprach das Entelein, Da set­zte es sich auf, und nun zogen bei­de fort; kam der dicke Mühlstein und sprach: Wohin, Entelein, Hutzel­bein?“
In die Welt hinein!“
Sprach Entelein, Hutzel­bein.
Darf ich mit, Entelein, Hutzel­bein?“
Fragte der dicke Mühlstein.
Sitz auf mein Schwänzelein!“
Sprach das Hutzel­bein. Der dicke Mühlstein set­zte sich auf, und so ging’s langsam fort; kam die Kohle mit den roten Back­en (sächs. rït Påtzerchen) und sprach: Wohin, Entelein, Hutzel­bein, dick­er Mühlstein?“
In die Welt hinein!“
Sprach Entelein, Hutzel­bein, der dicke Mühlstein.
Darf ich mit, Entelein, Hutzel­bein, dick­er Mühlstein?“
Fragte das rote Kohliglein.
Sitz auf mein Schwänzelein!“

Sprach der Mühlstein. Da set­zte sich das Köhlchen mit den roten Back­en auf und war sehr lustig und froh, daß es die Welt sehen sollte. So zogen sie weit­er fort und kamen an den Fluß (den Mieresch). Das Entelein schwamm hinein, und als es in der Mitte war, sprach es: Nun hal­tet euch, ich soll ein­mal tunken und mir ein Fis­chchen erschnap­pen!“ O weh, da war’s um den Mühlstein und die Kohle geschehen; sie stürzten hinab ins Wass­er, der Mühlstein ging zu Grund und wurde nicht mehr gese­hen, die Kohle blieb zwar oben, aber sie ver­lor gle­ich ihre roten Back­en und wurde schwarz wie der Tod und floß ins Meer.
Nur das Entelein und Hutzel­bein blieben am Leben, weil sie schwim­men kön­nen, und lacht­en sich die Bäuche voll, und so lachen sie noch fort bis auf den heuti­gen Tag. Die Leute aber, welche diese Geschichte nicht wis­sen, sagen nur: Sie schnat­tern und quaken!“