Die Königstochter im Berge Muntserrat

von Johann Wilhelm Wolf

~15 Min

Es war ein­mal ein König der hat­te drei Söhne. Als er schon bei Jahren war, ver­fiel er in eine Krankheit und es wurde von Tag zu Tag schlim­mer mit ihm, bis endlich die Ärzte erk­lärten, es sei ihm nicht mehr zu helfen. Vergebens bot er Geld und Gut im Über­fluss aus, wenn ein­er ihn ret­ten könne, es schien kein Kraut für ihn gewachsen.

Da träumte ihm eines Nachts, weit überm Meere liege der Berg Muntser­rat, dahinein sei König Kar­le­quintes ver­wün­scht. In dem Berge ste­he ein stolzes Schloss und vor dem Schloss sprän­gen drei Brun­nen, davon sei ein­er der Brun­nen der Schön­heit, der andere der Brun­nen des Lebens und der dritte der Brun­nen des Todes. Wenn nun ein­er hingin­ge und Wass­er aus dem Brun­nen des Lebens hole, das sei seine Rettung.

Am fol­gen­den Mor­gen erzählte er seinen Söh­nen den Traum und sprach: Ach wüsste ich doch einen, der mir Wass­er aus dem Brun­nen des Lebens holte, ich gäbe ihm mein halbes Kön­i­gre­ich.“ Als das der älteste von den Söh­nen hörte, sprach er: Ich will hinge­hen und von dem Wass­er holen.“ Er sagte das aber nicht, weil er seinen Vater liebte und ihn vom Tode erret­ten wollte, son­dern weil er fürchtete, die Hälfte des Kön­i­gre­ich­es könne in andere als seine Hände kom­men. Der alte König aber glaubte nicht anders, als das spreche die Liebe aus ihm, und war darum dop­pelt glück­lich darüber. Er ließ alsobald Kisten und Kas­ten voll Klei­der und Geld pack­en und schenk­te sie dem Ältesten, dazu viele Wagen und Pferde mit Kutsch­ern und Bedi­en­ten; dann seg­nete er ihn und fort ging’s in die weite Welt.

Jen­seits des Meeres kam der Königssohn an ein Wirtshaus, das war schön­er als er noch eins gese­hen. Als er abstieg und in das Gastz­im­mer kam, saßen da viele vornehmen Her­ren, die tranken und spiel­ten Karten. Er fragte, ob sie ihn mit­spie­len lassen woll­ten? Jawohl, sprachen die Her­ren, wenn er aber ver­löre und kön­nte nicht bezahlen, dann müsste er ster­ben. Das war ihm recht, denn er meinte, sein Geld könne nicht alle wer­den, und so spielte er ins Blaue drauf los. Er hat­te aber Unglück und ver­lor nicht nur Alles, was er um und an hat­te, son­dern er machte noch Schulden dazu und als er diesel­ben nicht bezahlen kon­nte, wurde er festgenom­men und ins Gefäng­nis geworfen.

Als der Königssohn nicht zurück­kehrte und die Krankheit des alten Königs immer schlim­mer wurde, sprach der zweite Sohn, er wolle nach dem Berg Muntser­rat fahren und das Wass­er des Lebens holen. Er dachte jedoch dabei nicht an die Ret­tung seines Vaters, son­dern nur an das halbe Kön­i­gre­ich. Der alte König aber freute sich, weil er glaubte, das sei pure Liebe und rüstete ihn noch viel schön­er aus, als den Ältesten, gab ihm seinen Segen und fort ging’s, dass das Feuer davon stob.

Überm Meere kam der Königssohn an das­selbe Wirtshaus, wie sein Brud­er. Er set­zte sich auch zu den vornehmen Her­ren an den Tisch und wollte mit ihnen spie­len. Sie sagten ihm, das könne er, aber wenn er ver­liere und nicht bezahle, dann müsse er ster­ben. Damit hat’s gute Wege dachte er und spielte lustig drauf los, bis er Alles ver­spielt und noch Schulden dazu hat­te. Da wurde er eingesteckt und die bei­den Brüder kon­nten sich ihr Leid klagen.

Dem alten Könige wurde die Zeit gar zu lang, denn er kon­nte sich aus Angst vor dem Tode nicht mehr fassen, und sein Leid wurde erst recht groß, als auch der zweite Sohn nicht wieder kehrte. Sprach der Jüng­ste eines Tages: Ich kann die Angst und den Jam­mer nicht mehr anse­hen, ich will Wass­er des Lebens holen.“ Nein“, rief der König, ich lasse dich nicht fort, du sollst mir die Augen zudrück­en, wenn ich sterbe, denn jet­zt ist keine Ret­tung mehr für mich.“ Ich schaffe das Wass­er des Lebens, gehe es wie es wolle“, sprach der Jüng­ste, nahm Abschied von seinem Vater und ritt fort, wie er eben stand und ging, denn es dauerte ihm zu lang, sich erst Wagen, Kisten und Kas­ten bere­it machen zu lassen.

Jen­seits des Meeres kam er an das Wirtshaus, ließ sein Pferd füt­tern und ging hinein. Da saßen die Her­ren, tranken und spiel­ten und er set­zte sich eine Weile zu ihnen, trank auch, aber er spielte nicht, dazu hat­te er keine Lust, denn ihm stand der Sinn nur nach dem Berge Muntser­rat und dem Wass­er des Lebens.

Als er weit­er ritt begeg­nete ihm nahe an dem Berge ein graues Män­nchen, das fragte ihn, wohin er gehe? Zu dem Schlosse im Berge Muntser­rat“, sprach er. Dich habe ich schon lang erwartet“, sprach das graue Män­nchen, und wenn du tust, was ich dir sage, wird es dein Schaden nicht sein.“ Er ver­sprach dies gerne und das Män­nchen gab ihm viele gar guten Rath­schläge mit auf den Weg, warnte ihn beson­ders, nicht zu lange im Schlosse zu ver­weilen und bald zurück­zukehren, es wolle ihn erwarten. Der Jüngling dank­te ihm von Herzen und ritt fröh­lichen Mutes weiter.

Als er an dem Berge ankam, schlug es elf Uhr und zugle­ich krachte es in dem Berg, als solle die Welt verge­hen, dann sprang er in der Mitte von einan­der und da lag das schön­ste Schloss, welch­es man mit Augen sehen kann. Alles daran war von Gold, bis zu den Ziegeln auf dem Dache, die Fen­ster sahen aus, als wären sie lauter große Dia­man­ten und glänzten so sehr, dass man nicht dahin sehen kon­nte. Der Königssohn trat rasch hinzu und durch das große Thor, welch­es sich von sel­ber vor ihm öffnete, in einen weit­en Hof; darin sprangen drei Brun­nen nebeneinan­der. Auf dem ersten stand mit gold­nen Buch­staben: Brun­nen der Schön­heit“, auf dem zweit­en Brun­nen des Lebens“ und auf dem drit­ten Brun­nen des Todes“. In dem ersten wusch er sich, wie ihm das Män­nchen ger­at­en hat­te, und obgle­ich er sehr schön war, fiel es doch wie Schup­pen von sein­er Haut und er wurde noch zehn­tausend­mal schön­er, als er gewe­sen war. Dann füllte er aus jedem der Brun­nen eine Flasche voll und ging in das Schloss, um dies zu bese­hen. Da schienen die größten Her­rlichkeit­en der Welt zusam­menge­tra­gen zu sein und das Schloss seines Vaters kam ihm neben diesem, wie ein schlecht­es Bauern­haus vor; Alles war Gold, Sil­ber und Edelgestein und ein Zim­mer immer schön­er, als das andere. In dem aller­schön­sten Saal aber stand ein Him­mel­bett mit geschlosse­nen Vorhän­gen von Sam­met mit prächti­gen Stick­ereien; vor dem Bette lagen auf einem kristal­lenen Tisch eine goldne Kro­ne, eine goldne Kette, Ohrringe von Dia­man­ten und Arm­bän­der und am Boden standen zwei Frauen­schuhe von gestick­ter Sei­de. Neugierig trat er leise, leise hinzu und schob die Vorhänge ein wenig zurück und siehe, da lag das schön­ste Mäd­chen von der Welt vor ihm. Er küsste sie erst leise, dann küh­n­er, er nahm sie in seine Arme, herzte und drück­te sie an sich und betra­chtete sie mit won­nelachen­den Augen, aber sie schlief so fest, dass sie nicht erwachte. Da war ihm mit einem Male, als hörte er das graue Män­nchen seinen Namen rufen und es fiel ihm ein, dass es die höch­ste Zeit sei, zu eilen, wenn er nicht in den Berg ges­per­rt sein wollte. Rasch erhob er sich, nahm die goldne Kette von dem Kristalltischchen als Andenken und Wahrze­ichen und lief so schnell er kon­nte aus dem Schlosse; kaum war er draußen, da krachte es aber­mals und der Berg sprang wieder zu, so dass man keine Spur mehr von dem Schlosse sah.

Draußen vor dem Berge wartete das graue Män­nchen schon auf ihn. Das war Zeit“, sprach es, du hast viel gewagt, aber nun geht Alles gut, nur musst du meinem Rate weit­er fol­gen.“ Der Jüngling ver­sprach in sein­er Freude Alles. Geh nun ger­aden Weges nach Hause“, fuhr das Män­nchen fort und gib wohl Acht, was ich dir sage: Sieh dich nicht zu viel um, kaufe kein Gal­gen­fleisch und trau nicht der brüder­lichen Liebe.“ Damit nahm das graue Män­nchen Abschied von dem Königssohn und er ritt lustig weiter.

Als er an die Stadt kam, wo das Wirtshaus lag, hörte er das Arm­sün­der­glöckchen läuten. Das schnitt ihm durchs Herz, denn wenn man so recht froh ist, dann möchte man die ganze Welt auch froh sehen. Indem kamen auch schon die Sol­dat­en und die Henker mit den Verurteil­ten her­an und das waren seine eige­nen Brüder. Da ver­gaß er schnell das graue Män­nchen und seinen Rath, ließ den Zug hal­ten und kaufte die bei­den vom Gal­gen los, indem er ihre Schulden bezahlte.

Anfangs war die Freude und Dankbarkeit groß, als er ihnen aber erzählte, wie er das Wass­er des Lebens, der Schön­heit und des Todes in dem Schlosse geholt und so glück­lich sei, dass er seinem Vater das Leben ret­ten könne, und als sie seine wun­der­bare Schön­heit sahen, da fraß der Neid den bei­den Brüdern fast das Herz ab. Sie ver­schworen sich gegen ihn, und als sie im Schiffe auf der See waren, nah­men sie ihm die Flaschen mit dem Wass­er des Lebens und der Schön­heit und stell­ten an ihren Platz zwei Flaschen mit See­wass­er; auf die mit dem Wass­er des Todes aber schrieben sie Wass­er des Lebens.“

Zu Hause angekom­men flüsterten sie dem alten König ins Ohr, der Jüngling wolle ihn vergiften, darum solle er sich in Acht nehmen und nur ihnen trauen. Als der arglose Jüng­ste nun kam und dem Vater seine Flasche brachte, sprach dieser: Gib zuvor dem Hunde von deinem Lebenswass­er, damit ich sehe, wie es wirkt.“ Das tat der Jüngling und kaum hat­te der Hund einen Tropfen von dem Wass­er genom­men, als er tot hin­stürzte. Da tri­um­phierten die bösen Brüder in ihren falschen Herzen, denn der alte König gebot dem Jüngling, sogle­ich das Schloss zu ver­lassen und ihm nie wieder unter die Augen zu kom­men. Er trank nun von dem Wass­er des Lebens, welch­es der Älteste ihm gab, und wurde augen­blick­lich wieder kräftig und gesund; dann trank er auch von dem Wass­er der Schön­heit, welch­es der Zweite ihm reichte und er wurde so blühend und schön, als ob er erst achtzehn Jahre alt wäre.

Der Jüngling irrte unter­dessen in den Wäldern umher und klagte der lieben Sonne und den Ster­nen seine Not, und klagte sich sel­ber als seines Unglücks Schmied an, weil er dem Män­nchen nicht gefol­gt hat­te. Aber es wäre doch auch allzu her­z­los und grausam gewe­sen, wenn er seine eige­nen Brüder zum Gal­gen hätte führen lassen. Das tröstete ihn zulet­zt auch, er fand sich in sein Schick­sal und trat bei einem Förster als Jäger­bursch in Dien­ste. Nun müssen wir ihn in dem Walde bei dem Förster lassen und sehen, wie es mit dem Schloss im Berge Montser­rat steht.

Neun Monate nach­dem der Jüngling in dem Schlosse gewe­sen war, genas die schöne Jungfrau eines Knaben und damit war der Zauber gelöst, welch­er auf dem Schlosse lag. Die Rit­ter und Knechte, welche bis dahin ver­wan­delt gewe­sen waren, beka­men ihre men­schliche Gestalt wieder und das Schloss wurde so lebendig, wie es früher kaum gewe­sen war. Der König wollte aber vor Allem wis­sen, wer der Erlös­er sei und fuhr jeden Tag mit der schö­nen Prinzessin spazieren, ließ alle jun­gen Män­ner im Lande vor sich kom­men und ihre Geschichte erzählen, aber kein­er kon­nte sich erin­nern, je in dem verza­uberten Schlosse gewe­sen zu sein.

Die Prinzessin betrübte sich darüber so sehr, dass sie immer ble­ich­er wurde und gewiss gestor­ben wäre, hätte ihr Vater sie nicht mit dem Wass­er des Lebens erhal­ten. So vergin­gen ihr drei ganz­er Jahr des Kum­mers: sie mochte gar keine Men­schen mehr sehen und fuhr nur auf ein­samen Wegen in wilden Wäldern herum. Da trat eines Tages in der Tiefe des Waldes das graue Män­nchen zu ihr und fragte sie, was ihr fehle? Sie klagte dem Män­nchen offen ihr Leid und da sagte es: Das kommt alles davon, dass er mir nicht gefol­gt hat; aber ich will ihm um euretwillen vergeben.“ Darauf erzählte es ihr Alles, was sich mit dem Jüngling zuge­tra­gen hat­te und ver­sprach ihr, sie solle ihn bald wieder sehn, nur müsse sie tun, was es ihr sage und nichts Anderes. Ach wie war sie da so glück­lich! Sie ver­sprach mit tausend Freuden Alles und sie hielt auch bess­er Wort, wie der Jüngling. Es war aber auch leichter für sie, als es für ihn gewe­sen war.

Zu Hause bat sie ihren Vater, ihr als­bald ein großes Heer und viele Schiffe aus­rüsten zu lassen, dann segelte sie ab und fuhr nach dem Lande, wo ihr Erlös­er zu Hause war. In der Nähe der Haupt­stadt am Walde ließ sie ihre Zelte auf­schla­gen und ring­sherum musste ihr Heer sich lagern. Vor ihrem Gezelt lief eine lange Gasse zwis­chen den Zel­ten der Sol­dat­en her, deren Boden war mit Tep­pichen von Sam­met belegt, worin die kun­stre­ich­sten Stick­ereien zu sehen waren. Nach­dem dies Alles bere­it­et war, sandte sie einen Boten an den König und ließ ihm sagen, er solle ihr als­bald den Prinzen zu Pferde senden, welch­er das Wass­er des Lebens, das Wass­er der Schön­heit und das Wass­er des Todes im Berge Muntser­rat geholt habe, denn durch ihn sei sie erlöst.

Als die Botschaft in der Haupt­stadt ankam, schwang sich der Älteste als­bald zu Ross, denn die Nachricht von der schö­nen Frau mit dem mächti­gen Kriegsheer hat­te sich schnell ver­bre­it­et und der Prinz hätte sie gar zu gern zur Frau gehabt. Als er in vollem Ren­nen an die Gasse kam und die schö­nen Tep­piche sah, da hielt er es für uner­laubt, darüber weg zu reit­en, denn er fürchtete, sie zu verder­ben und er ritt neben­her, wo keine Tep­piche lagen. Als die Frau das aber sah, rief sie ihm schon von ferne ent­ge­gen, er solle nur schnell wieder umkehren, so lieb ihm sein Leben sei, denn er sei nicht der Rechte. Das graue Män­nchen hat­te ihr näm­lich solch­es als Wahrze­ichen gesagt, ihr Erlös­er wurde nicht an die schö­nen Tep­piche denken, son­dern aus lauter Freude sie wiederzufind­en darüber hin­re­it­en, als obs gemeines Gras wäre. Also musste der Älteste von den Prinzen umwen­den und beschämt heimkehren.

Da machte sich der Zweite auf den Weg. Der hat­te Anfangs der Tep­piche nicht Acht und ritt darauf hin, aber sobald er bemerk­te, dass das Pferd weich­er auf­trat und auf den Boden sah, lenk­te er es zur Seite. Als die Frau dies sah, erzürnte sie, befahl ihm sein Pferd an zu hal­ten und trug ihm auf dem Könige zu sagen, wenn er ihr ihren Erlös­er nicht in kürzester Zeit sende, dann werde sie ihn in sein­er Haupt­stadt belagern und die Stadt in Brand schießen lassen. Da wandte der Prinz rasch sein Ross um und ritt nach Hause, wie ein begossen­er Hund, dem König die angenehme Botschaft auszurichten.

Boten flo­gen jet­zt durch das ganze Kön­i­gre­ich und riefen an allen Straße­neck­en aus, der jüng­ste Prinz möge doch gle­ich zum König kom­men; die Prinzessin vom Berge Muntser­rat warte voll Sehn­sucht auf ihn. Das hörte der Förster, als er eines Tages in die näch­ste Stadt kam und erzählte zu Hause davon. Da erhob sich der Jäger­bursch und sprach: Wenn meine liebe Braut da ist, dann kann ich schon nach Hause zurück.“ Der Förster und seine Frau star­rten ihn an, als ob er wahnsin­nig sei, aber er sprach: Ich bin der Königssohn, den man sucht“, set­zte sich auf ein Pferd und ritt davon, während die Förster­sleute und die Knechte vor Schreck­en steif und stumm das­tanden, wie Loths Weib, als sie zum Salzk­lumpen wurde.

Der Jüngling aber sprengte ger­aden Weges zu dem Lager und Zelt der Prinzessin und küm­merte sich nicht einen Deut um die kost­baren Tep­piche. Da trat die schöne Prinzessin aus dem Zelte und trug ihm ihr Kind ent­ge­gen, sie flo­gen einan­der in die Arme und küssten einan­der und wein­ten helle Trä­nen vor lauter Lust und Freude. Dann set­zten sie sich in den gold­e­nen Staatswa­gen der Prinzessin und fuhren zum König, sechs Schwadro­nen Kürassier voran und sechs Schwadro­nen hin­ten­drein. Da trafen sie die bei­den falschen Brüder, welche dem König immer noch vor­logen, sie wären die Recht­en und der Jüng­ste nicht. Als das die Prinzessin hörte sprach sie: der Rechte muss ein Wahrze­ichen haben, woran ich ihn erken­nen kann; er hat meine gold­ene Kette vom Tis­che mitgenom­men, lasst sehn wer sie hat.“ Da holten die bei­den altern Brüder zwei goldne Ket­ten beim Gold­schmied und sagten, das wären sie, aber keine wollte der Prinzessin passen, die eine war ihr viel zu groß, die andere zu klein, so dass sie ihr nicht ein­mal um den Hals ging. Nun zog der Jüng­ste seine Kette her­aus und die passte ihr ger­ade, war wed­er zu eng noch zu weit.

Jet­zt erst gin­gen dem alten König die Augen auf und er ver­ban­nte die Bei­den sogle­ich auf ewige Zeit­en vom Hofe, den Jüngling aber Schloss er an sein Herz und bat ihn tausend­mal um Verzei­hung für das Unrecht, welch­es er ihm getan hat­te. Am fol­gen­den Tage wurde die Hochzeit prächtig gefeiert, dann schenk­te der alte König dem Jüngling sein Reich und set­zte sich in Ruh­e­s­tand. Das junge Paar lebte noch sehr lange und regierte glück­liche Men­schen; jet­zt wer­den sie wohl schon lange gestor­ben sein.