Die Hochzeit der Frau Füchsin

von Brüder Grimm

~5 Min

Erstes Märchen

Es war ein­mal ein alter Fuchs mit neun Schwänzen, der glaubte, seine Frau wäre ihm nicht treu, und wollte er sie in Ver­suchung führen. Er streck­te sich unter die Bank, regte kein Glied und stellte sich, als wenn er mause­tot wäre. Die Frau Füchsin ging auf ihre Kam­mer, schloss sich ein, und ihre Magd, die Jungfer Katze, sass auf dem Herd und kochte. Als es nun bekan­nt ward, dass der alte Fuchs gestor­ben war, so melde­ten sich die Freier. Da hörte die Magd, dass jemand vor der Haustüre stand und anklopfte; sie ging und machte auf, und da wars ein junger Fuchs, der sprach

was mache sie, Jungfer Katze? 
schläft se oder wacht se?‘

Sie antwortete

ich schlafe nicht, ich wache. 
Will er wis­sen, was ich mache? 
Ich koche warm Bier, tue But­ter hinein: 
will der Herr mein Gast sein?‘

Ich bedanke mich, Jungfer,‘ sagte der Fuchs, was macht die Frau Füchsin?‘ Die Magd antwortete

sie sitze auf ihrer Kammer, 
sie beklagt ihren Jammer, 
weint ihre Äuglein seidenrot, 
weil der alte Herr Fuchs ist tot.‘

Sag sie ihr doch, Jungfer, es wäre ein junger Fuchs da, der wollte sie gerne freien.‘ Schon gut, junger Herr.‘

Da ging die Katz die Tripp die Trapp, 
Da schlug die Tür die Klipp die Klapp. 
Frau Füchsin, sind Sie da?‘ 
Ach ja, mein Kätzchen, ja.‘ 
Es ist ein Freier draus.‘ 
Mein Kind, wie siehe er aus?

Hat er denn auch neun so schöne Zeiselschwänze wie der selige Herr Fuchs?‘ Ach nein,‘ antwortete die Katze, er hat nur einen.‘ So will ich ihn nicht haben.‘

Die Jungfer Katze ging hinab und schick­te den Freier fort. Bald darauf klopfte es wieder an, und war ein ander­er Fuchs vor der Türe, der wollte die Frau Füchsin freien; er hat­te zwei Schwänze; aber es ging ihm nicht bess­er als dem ersten. Danach kamen noch andere, immer mit einem Schwanz mehr, die alle abgewiesen wur­den, bis zulet­zt ein­er kam, der neun Schwänze hat­te wie der alte Herr Fuchs. Als die Witwe das hörte, sprach sie voll Freude zu der Katze

nun macht mir Tor und Türe auf, 
und kehrt den alten Her­rn Fuchs hinaus.‘

Als aber eben die Hochzeit sollte gefeiert wer­den, da regte sich der alte Herr Fuchs unter der Bank, prügelte das ganze Gesin­del durch und jagte es mit der Frau Füchsin zum Haus hinaus.

Zweites Märchen

Als der alte Herr Fuchs gestor­ben war, kam der Wolf als Freier, klopfte an die Türe, und die Katze, die als Magd bei der Frau Füchsin diente, machte auf. Der Wolf grüsste sie und sprach

guten Tag, Frau Katz von Kehrewitz, 
wie kommts, dass sie alleine sitzt? 
was macht sie Gutes da?‘

Die Katze antwortete

brock mir Wecke und Milch ein: 
will der Herr mein Gast sein?‘

Dank schön, Frau Katze,‘ antwortete der Wolf, die Frau Füchsin nicht zu Haus?‘

Die Katze sprach

sie sitzt droben in der Kammer, 
beweint ihren Jammer, 
beweint ihre grosse Not, 
dass der alte Herr Fuchs ist tot.‘

Der Wolf antwortete

will sie haben einen andern Mann, 
so soll sie nur herunter gan.‘ 
Die Katz, die lief die Trepp hinan‘ 
und liess ihr Zeilchen rum­mer gan, 
bis sie kam vor den lan­gen Saal: 
klopft an mit ihren fünf gold­e­nen Ringen. 
Frau Füchsin, ist sie drinnen? 
Will sie haben einen andern Mann, 
so soll sie nur herunter gan.‘

Die Frau Füchsin fragte

hat der Herr rote Höslein an, und hat er ein spitz Mäulchen?‘ Nein,‘ antwortete die Katze. So kann er mir nicht dienen.‘

Als der Wolf abgewiesen war, kam ein Hund, ein Hirsch, ein Hase, ein Bär, ein Löwe, und nacheinan­der alle Waldtiere. Aber es fehlte immer eine von den guten Eigen­schaften, die der alte Herr Fuchs gehabt hat­te, und die Katze musste den Freier jedes­mal wegschick­en. Endlich kam ein junger Fuchs. Da sprach die Frau Füchsin hat der Herr rote Höslein an, und hat er ein spitz Mäulchen?‘ Ja,‘ sagte die Katze, das hat er.‘ So soll er her­aufkom­men,‘ sprach die Frau Füchsin, und hiess die Magd das Hochzeits­fest bereiten.

Katze, kehr die Stube aus, 
und schmeiss den alten Fuchs zum Fen­ster hinaus. 
Bracht so manche dicke fette Maus, 
frass sie immer alleine, 
gab mir aber keine.‘

Da ward die Hochzeit gehal­ten mit dem jun­gen Her­rn Fuchs, und ward gejubelt und getanzt, und wenn sie nicht aufge­hört haben, so tanzen sie noch.