Die Haselrute

von Brüder Grimm

~3 Min

Eines Nach­mit­tags hat­te sich das Christkind in sein Wiegen­bett gelegt und war eingeschlafen, da trat seine Mut­ter her­an, sah es voll Freude an und sprach hast du dich schlafen gelegt, mein Kind? schlaf san­ft, ich will der­weil in den Wald gehen und eine Hand­voll Erd­beeren für dich holen; ich weiss wohl, du freust dich darüber, wenn du aufgewacht bist.‘ Draussen im Wald fand sie einen Platz mit den schön­sten Erd­beeren, als sie sich aber her­ab­bückt, um eine zu brechen, so springt aus dem Gras eine Nat­ter in die Höhe. 

Sie erschrickt, lässt die Beere ste­hen und eilt hin­weg. Die Nat­ter schiesst ihr nach, aber die Mut­ter Gottes, das kön­nt ihr denken, weiss guten Rat, sie ver­steckt sich hin­ter eine Hasel­staude und bleibt da ste­hen, bis die Nat­ter sich wieder verkrochen hat. Sie sam­melt dann die Beeren, und als sie sich auf den Heimweg macht, spricht sie wie die Hasel­staude dies­mal mein Schutz gewe­sen ist, so soll sie es auch in Zukun­ft andern Men­schen sein.‘ Darum ist seit den ältesten Zeit­en ein grün­er Haselzweig gegen Nat­tern, Schlangen, und was son­st auf der Erde kriecht, der sich­er­ste Schutz.