Die Galoschen des Glücks

von Johann Wilhelm Wolf

~14 Min

In einem der Häuser der Ost­straße zu Kopen­hagen unweit des Königsneu­mark­tes war ein­mal eine große Gesellschaft. Die Unter­hal­tung war ziem­lich leb­haft. Unter anderem kam auch die Rede auf das Mit­te­lal­ter. Einige hiel­ten es für ungle­ich bess­er als unsere Zeit, ja der Jus­tizrat Knap glaubte, daß die Zeit des dänis­chen Königs Hans die schön­ste und glück­lich­ste gewe­sen sei. Während all diesem Hin- und Herre­den hat­ten sich zwei Mäd­chengestal­ten, eine junge und eine alte, im Vorz­im­mer niederge­lassen, wo die Überzieher, Stöcke, Regen­schirme und Über­schuhe ihr Unterkom­men gefun­den hat­ten. Es waren zwei Fee’n; die jüng­ste war die Glücks­göt­tin, die andere aber, welche unendlich ernst aus­sah, war die Trauer. Ich muß Dir nun erzählen,“ sagte die Junge zur Alten, daß mir zu meinem heuti­gen Geburt­stage ein Paar Galoschen anver­traut sind, die ich der Men­schheit über­brin­gen soll. Die Galoschen haben die Eigen­schaft, daß jed­er, der sie trägt, augen­blick­lich sich an die Stelle oder in die Zeit ver­set­zt sieht, wo er am lieb­sten leben möchte, der Men­sch hie­nieden also endlich ein­mal glück­lich sein wird. Jet­zt stelle ich sie hier an die Tür her; ein­er ver­greift sich wohl und wird somit der Glück­liche.“ Mit­tler­weile war es spät gewor­den. Der Jus­tizrat Knap, ganz in die Zeit des Königs Hans ver­tieft, wollte nach Hause, und der Zufall lenk­te es so, daß er statt sein­er Galoschen die des Glücks erhielt und mit ihnen auf die Ost­straße hin­aus­trat; aber durch die Zauberkraft der Galoschen fand er sich in die Zeit des Königs Hans zurück­ver­set­zt und deshalb fand er auf der Straße nichts als Schlamm und Morast, da es in jenen Zeit­en noch kein Steinpflaster gab. Ein paar Leute in der Tra­cht der dama­li­gen Zeit gin­gen an ihm vorüber. – Wie sahen denn die aus? Die kom­men wohl von einem Masken­ball!“ Plöt­zlich ließ sich Trom­melschlag und Pfeifen­klang vernehmen. Der Jus­tizrat stutzte und sah nun einen selt­samen Zug vorüberziehen. Der Vornehm­ste im Zuge war ein hoher Geistlich­er, welchen man ihm auf seine erstaunte Frage als den Bischof von See­land beze­ich­nete. Her­rgott, das muß ein Spuk sein! Der Bischof von See­land lebte doch vor 300 Jahren!“ stellte der Jus­tizrat fest. In tiefes Grü­beln darüber ver­sunken ging er durch die Ost­straße und über den Hohen­brück­en­platz. Die Brücke jedoch, die über den Schloßbach führte, war nicht zu find­en. Er sah nur ein flach­es Ufer. Am besten ist – ich nehme mir eine Droschke! dachte er; aber wo mocht­en die Droschken hal­ten? Keine war zu sehen. Ich muß mich entschließen, bis nach dem Königsneu­markt zurück­zuge­hen; dort wer­den wohl Wagen ste­hen. Son­st komme ich nie nach Chris­tian­shafen hin­aus! Während er wieder in die Straße ein­bog, betra­chtete er sich die Häuser genauer; die meis­ten waren von Fach­w­erk und viele hat­ten nur ein Stro­hdach. – Ich trank doch nur ein einziges Glas Pun­sch; aber ich kann ihn schein­bar nicht ver­tra­gen! Ob ich nun zu unser­er Frau Wirtin zurück­kehre und ihr erzäh­le, wie elend ich mich befinde? – Es ist doch entset­zlich! Ich kann die Ost­straße nicht wieder­erken­nen! Alte, elende, baufäl­lige Hüt­ten erblicke ich! Ich muß wirk­lich sehr krank sein! Aber wo in aller Welt ist mein­er Wirtin Haus geblieben? Es ist nicht mehr das­selbe! Aber drin­nen sind wenig­stens noch Leute wach.“ Endlich stieß er auf eine angelehnte Tür, aus der das Licht durch eine Ritze fiel. Es war eine der in alter Zeit üblichen Her­ber­gen. Den besseren Stän­den ange­hörige Leute, Seeleute, Kopen­hagen­er Bürg­er und auch einige Gelehrte saßen in leb­haftem Gespräche bei ihren Krü­gen und gaben auf den Ein­tre­tenden nur wenig acht. – Verzei­hen Sie!“ sagte der Jus­tizrat zu der Wirtin, die ihm ent­ge­genkam, es ist mir plöt­zlich sehr unwohl gewor­den. Wollen Sie nicht die Güte haben, mir eine Droschke nach Chris­tian­shafen hin­aus zu besor­gen?“ Die Frau maß ihn von Kopf bis zu den Füßen und zuck­te nur mit den Achseln. Der Jus­tizrat meinte, daß sie nicht Dänisch ver­stände, und wieder­holte seinen Wun­sch deshalb auf deutsch. Dies, sowie seine Klei­der bestärk­ten die Frau nun darin, daß er ein Aus­län­der wäre. Daß er krank war, merk­te sie bald und brachte ihm deshalb einen Krug Wass­er, das einen Beigeschmack nach See­wass­er hat­te. – Ist das die heutige Abendzeitungl“ fragte er, als er sah, daß die Frau ein großes Stück Papi­er fortlegte. Sie ver­stand nicht, was er meinte, reichte ihm aber das Blatt hinüber. Es war ein Holzschnitt, der eine Lufter­schei­n­ung, die sich In der Stadt Köln gezeigt hat­te, darstellte. Das ist sehr alt!“ sagte der Jus­tizrat. Wie sind Sie nur zu diesem sel­te­nen Blat­te gekom­men? Es ist sehr inter­es­sant, obgle­ich es nur eine Fabel darstellt. Man erk­lärt näm­lich der­gle­ichen Lufter­schei­n­un­gen heuti­gen­tags mit dem Leucht­en des Nordlichts; wahrschein­lich entste­ht dieses beim Durch­drin­gen der elek­trischen Atmo­sphäre.“ – Da erhob sich ein­er vom näch­sten Tisch, der seine Rede gehört hat­tet machte dem Jus­tizrat eine tiefe Ver­beu­gung und sagte mit ehrfurchtsvoller Miene: Ihr seid gewiß ein höchst gelahrter Mann!“ – Wir wollen Met und Wein trinken!“ rief jet­zt ein­er der Gäste, und Ihr, gelahrter Herr, müßt mit­trinken!“ Der Jus­tizrat war ganz verzweifelt, und als er eine Stunde lang mit ihnen getrunk­en und viel Gelahrtes“ gere­det hat­te, sagte ihm ein­er, er wäre betrunk­en. Wenn er aber bat, ein­er möge ihm eine Droschke ver­schaf­fen, so glaubten alle, er spräche Rus­sisch. Doch der Wun­sch heimzukehren, regte sich leb­haft in ihm; er ließ sich unter den Tisch fall­en, um so entrin­nen zu kön­nen. Aber man bemerk­te sein Vorhaben, ergriff ihn bei den Füßen, und zu seinem Glücke fie­len dabei die Galoschen ab und – mit diesem war die ganze Zauberei ver­schwun­den. – Du mein Schöpfer. habe ich hier auf der Straße gele­gen und geträumt?“ fragte sich der Jus­tizrat, als er wieder ganz bei Besin­nung war. Er schaute sich um; nun war ihm wieder alles wohlbekan­nt. Ihm ger­ade gegenüber saß ein Wächter und schlief; dem waren die Galoschen vor die Füße gefall­en. Zwei Minuten später saß er in ein­er Droschke und pries laut unsere heutige Zeit, die doch weit bess­er wäre, als das Mittelalter.

Doch nun höret, wie es dem Wächter erg­ing! Als er die Augen auf­schlugt schaute er ger­ade in den her­rlichen Nachthim­mel hin­auf. Eine Stern­schnuppe zog in glänzen­dem Streifen den Him­mel ent­lang. – Dort ging sie hin!“ sagte er noch schlaftrunk­en. Her­rlich müßte es sein, sich solche Dinge mal aus der Nähe anzuse­hen, vorzüglich den Mond. Sollte es wirk­lich wahr sein, das wir, wenn wir gestor­ben sind, von einem Him­mel­skör­p­er zum anderen fliegen? Es ist sich­er nicht so; aber es müßte famos sein. Ach, kön­nte ich nur einen kleinen Satz hin­aus­machen; dann kön­nte mein Kör­p­er meinetwe­gen auf der Treppe liegen bleiben!“ Der Wächter machte eine Anstren­gung, um aufzuste­hen. – Potz­tausend, da liegen ja ein Paar Galoschen!“ – und schon hat­te er die Glück­ga­loschen über seine Füße gezo­gen. Was uns Men­schen anlangt, so ken­nen wir ja alle die Geschwindigkeit der Dampfreisen; wir haben sie entwed­er auf den Eisen­bah­nen oder auf einem Schiffe über das Meer hin erprobt. Allein dieses Reisen ist wie die Wan­derung des Fault­iers oder der Gang der Sch­necke im Ver­gle­ich zu der Geschwindigkeit der Elek­triz­ität; mit der Schnell­post der Elek­triz­ität bedarf die Seele nur weniger Minuten, um von einem Weltkör­p­er zum anderen zu fliegen. So hat­te der Wächter, der eben erst gewün­scht hat­te, ein­mal den Mond besuchen zu kön­nen, mit den Galoschen an den Füßen, in eini­gen Sekun­den die 52 000 Meilen bis zum Monde zurück­gelegt, der wie bekan­nt aus einem leichteren Stoffe als unsere Erde geschaf­fen und weich, wie frischge­fal­l­en­er Schnee ist. Er befand sich auf einem der unzäh­lig vie­len Ringge­birge; darin lag eine Stadt von eigen­tüm­lichem Ausse­hen. Unsere Erde aber schwebte wie eine große feuer­rote Kugel über seinem Haupte. Da gab es gar viele Geschöpfe, die Men­schenähn­lich­es hat­ten; aber sie sahen doch ganz anders aus als wir. Sie hat­ten auch eine Sprache, welche die Seele des Wächters gar wohl ver­stand. Sie unter­hiel­ten sich über unsere Erde und bezweifel­ten, daß sie bewohnt sei; denn die Luft müßte daselb­st viel zu dicht sein, als daß ein vernün­ftiges Mondgeschöpf darauf leben kön­nte. Nur den Mond hiel­ten sie für fähig, als Wohn­platz lebendi­ger Wesen zu dienen; er wäre im All der eigentliche Kör­p­er, auf dem die alten Welt­bürg­er wohnten.

Aber wir dür­fen die Ost­straße nicht vergessen und wollen nach­se­hen, wie es dem Kör­p­er des Wächters erg­ing. Leb­los saß der­selbe auf der Treppe. Wie spät ist es, Wächter?“ fragte ein Vorüberge­hen­der. Aber wer nicht antwortete, war der Wächter; deshalb zupfte ihn der Mann ganz sachte an der Nase; und nun war es vor­bei mit dem Gle­ichgewichte. Der Kör­p­er lag, so lang er war, da; der Men­sch war tot. Man machte Mel­dung davon, und am Mor­gen trug man ihn nach dem Kranken­hause. Das erste, was man dort tat, war ihm die Galoschen auszuziehen, und flugs kehrte die Seele zurück in die ver­lassene Men­schen­hülle. Es kam wieder Leben in den Mann. Er ver­sicherte, es wäre die schreck­lich­ste Nacht seines Lebens gewe­sen; allein nun sei ja alles glück­lich über­standen. Noch den näm­lichen Tag durfte er das Kranken­haus ver­lassen; aber die Galoschen blieben in dem­sel­ben zurück, all­wo sie einem jun­gen Arzt zu den selt­sam­sten Aben­teuern ver­helfen soll­ten. – Der junge Arzt, der die Galoschen ange­zo­gen hat­te, war mit ihnen zu seinem Abend­vergnü­gen gegan­gen. Er wohnte der Vorstel­lung in einem bekan­nten Lieb­haberthe­ater bei. Durch ein bei diesem Feste vor­ge­tra­genes Gedicht angeregt, beschäftigte er sich leb­haft mit dem Gedanken, welche Vorteile es böte, eine Brille zu besitzen, die es ges­tat­tete, den Leuten in das Herz hineinzuschauen. – Ach!“ so seufzte er, Kön­nte ich doch sehen, wie es in den Herzen dieser Men­schen, die hier vor mir sitzen, aussieht!“ Seht, das genügte für die Galoschen. Sogle­ich hat­te der Mann eine Brille vor den Augen und trat mit seinen Blick­en eine höchst ungewöhn­liche Reise mit­ten durch die Herzen der Zuschauer an. Das erste Herz, das er durch­wan­derte und das ein­er Dame ange­hörte, erschien ihm wie ein großer wun­der­schön­er Blu­men­garten. Aber weit­er mußte er in das näch­ste Herz hinein, das ihm eine dürftige Giebel­stube zeigte, in der – trotz Armut Sauberkeit und Zufrieden­heit herrscht­en. Doch nun schlüpfte er ins Herz ein­er bejahrten Matrone, das einem alten, ver­fal­l­enen Tauben­schlag gle­ichkam. Ihr Mann stellte oben drauf den Wet­ter­hahn dar; er war nur eine Zier­fig­ur und hat­te nichts zu krähen. So durch­wan­derte er die Herzen aller Anwe­senden und mußte oft heftig erschreck­en. Als der Mann seine Blicke aus dem let­zten Herzen zurück­zog, riß er wie betäubt die Brille von sein­er Nase! – Her­rgott!“ seufzte er, man darf nicht in die Herzen sein­er Mit­men­schen sehen; man kön­nte schi­er verzweifeln“. Lange kon­nte er den Gedanken an dieses Erleb­nis nicht loswer­den und es kam ihm plöt­zlich in den Sinn, die Galoschen kön­nten an dem Zauber Schuld haben; darum lieferte er sie sofort im Fund­büro der Polizei ab.

Hier im Fund­büro geschah es nun, daß einem Schreiber der Irrtum unter­lief, seine Galoschen mit denen des Glücks zu ver­tauschen; warum sollte sich nicht auch ein­mal ein Polizeis­chreiber irren kön­nen?! Auf dem Heimwege begeg­nete er einem jun­gen Dichter, der ihm von ein­er wun­der­schö­nen Som­mer­reise vorschwärmte. – Sie haben es doch am besten!“ sagte der Schreiber, Reisen und Dicht­en, das muß doch ein her­rlich­es Vergnü­gen sein!“ Der Dichter und der Schreiber schüt­tel­ten sich die Hände, darauf tren­nten sie sich.“Es ist doch ein eigenes Völkchen, diese Dichter!“ meinte der Schreiber. Ich möchte wohl solch Dichter sein!“ – Sofort began­nen die Zauber­ga­loschen zu wirken: Ein köstlich lauer Duft aus frem­den südlichen Län­dern umwe­hte seine von der dumpfen Polizeis­tube blassen Wan­gen. – Mein Gott! Das ist Früh­lingsluft, lachende Sonne! Ich bekomme eine unbändi­ge Lust, zu reisen!“ Er griff in sein­er Ekstase nach den Papieren in der Tasche. Doch was er her­vor zog, set­zte ihn vol­lends in Erstaunen. Frau Sigbrith, Trauer­spiel in fünf Akten“, las er – was ist denn das? Habe ich denn dieses Trauer­spiel ver­faßt? Nein, es muß mir ein Dichter in die Tasche gesteckt haben! Hier ist ja noch ein Brief!“ Ein Schaus­pieldirek­tor schrieb – der Brief war dur­chaus nicht höflich gehal­ten -, daß das Trauer­spiel ver­wor­fen sei. Hm, hm!“ sagte der Schreiber, und sank auf eine Bank nieder. Ich schlafe und träume wohl!“ Sein Blick fiel auf die zwitsch­ern­den Vögel, die munter und lustig von Zweig zu Zweig hüpften. – Ach,“ seufzte er – der Inhalt des Briefes drück­te ihn nieder -, kön­nte ich mich doch aus dieser Erden­schwere emporschwin­gen, wie diese niedliche Lerche dort!“ In dem­sel­ben Augen­blick bre­it­eten sich seine Rockschöße und Armel als Flügel aus, die Klei­der wur­den zu Fed­ern und die Galoschen zu Krallen. Er bemerk­te es sehr wohl und lachte inner­lich über seinen komis­chen Traum. Nun schwang sich der Schreiber als Lerche mit jauchzen­dem Gezwitsch­er in die Luft empor.Als er sich wieder auf eine Wiese hin­abließ, kamen ihm die Grashalme vor wie hohe Pal­men­blät­ter. Das währte nur einen kurzen Augen­blick; dann wurde es plöt­zlich kohlschwarze Nacht um ihn her; ein Knabe hat­te seine große Mütze über ihn gewor­fen. Eine Hand faßte darunter und griff den Schreiber an den Flügeln, so daß er laut piepte: Unver­schämter Ben­gel! Ich bin Polizeibeamter!“ Allein dem Knaben klang es nur wie: Piepiep!“ Schnell lief der Knabe mit dem Vogel in das näch­ste Haus der Goten­straße. – Es ist gut, daß ich träume!“ zwitscherte der Schreiber, son­st würde ich jet­zt wirk­lich grob wer­den! Erst war ich ein Dichter und jet­zt falle ich als Lerche in die Hände eines Lause­jun­gen.“ Doch ehe er sich’s ver­sah, saß er in einem leeren Vogel­bauer, das an einem Fen­ster hing. Neben ihm saßen ein großer grün­er Papagei und ein Kanarien­vo­gel, auch in ihren Käfi­gen. Der Papagei, der Papchen hieß, kon­nte recht drol­lig, plaud­ern. Nein!“ krächzte er immer zwis­chen vielem Gerede, laßt uns doch Men­schen sein!“ Das Gezwitsch­er des Kanarien­vo­gels aber war unver­ständlich; doch der Schreiber, der jet­zt selb­st ein Vogel war, ver­stand jedes Wort. Du klein­er, grauer ein­heimis­ch­er Vogel!“ trillerte der Kanarien­vo­gel, Du bist also auch ein Gefan­gener! In den Wäldern draußen ist es sich­er kalt, aber dort wohnt die Frei­heit; fliege hin­aus! Man hat dein Bauer zu schließen vergessen; das ober­ste Fen­ster ste­ht offen. Fliege, fliege!“ Und das tat der Schreiber; husch war er aus dem Bauer. Ger­ade sprang eine schwarze Katze ins Zim­mer here­in und machte sofort auf den Schreiber Jagd. Der Kanarien­vo­gel im Bauer flat­terte, der Papagei schlug mit den Flügeln und rief end­los: Laßt uns doch Men­schen sein!“ Der Schreiber fühlte einen tödlichen Schreck und flog zum Fen­ster hin­aus, über Häuser und Straßen. Endlich mußte er ein wenig aus­ruhen. Das gegenüber­liegende Haus hat­te etwas Heimis­ches für ihn; ein Fen­ster stand offen, er flog hinein – es war sein eigenes Zim­mer; er set­zte sich auf den Tisch. – Da bewegten sich zwei Gestal­ten im Raum; wir ken­nen sie bei­de: Es war die Fee der Trauer und die Botin des Glücks. Siehst Du“, sagte die Fee der Trauer und zeigte auf den Schreiber, der in sein graues Gefieder geduckt, auf dem Tis­che saß, Was für ein Glück, Schwest­er, bracht­en Deine Galoschen wohl diesem Men­schen?“ – Du hast recht; es wäre eine trau­rige Geschichte, wenn dieser Polizeis­chreiber mor­gen nicht zeit­ig auf seinem Büro wäre!“ Damit kamen die bei­den, Trauer“ und Glück“, übere­in, den Schreiber zu befreien, und zogen ihm die Galoschen von den Füßen. Der erlöste Schreiber, wieder in men­schI­ich­er Gestalt, sprang vom Tisch und wollte sich auf die Galoschen stürzen, um sie zum Fen­ster hin­auszuw­er­fen. Aber die Galoschen des Glücks“ waren verschwunden.