Die drei Feldscherer

von Brüder Grimm

~5 Min

Drei Feld­scher­er reis­ten in der Welt, die mein­ten, ihre Kun­st aus­gel­ernt zu haben, und kamen in ein Wirtshaus, wo sie über­nacht­en woll­ten. Der Wirt fragte, wo sie her wären und hin­aus woll­ten. Wir ziehen auf unsere Kun­st in der Welt herum.‘ Zeigt mir doch ein­mal, was ihr kön­nt,‘ sagte der Wirt. Da sprach der erste, er wollte seine Hand abschnei­den und mor­gen früh wieder anheilen: der zweite sprach, er wollte sein Herz aus­reis­sen und mor­gen früh wieder anheilen: der dritte sprach, er wollte seine Augen ausstechen und mor­gen früh wieder ein­heilen. Kön­nt ihr das,‘ sprach der Wirt, so habt ihr aus­gel­ernt.‘ Sie hat­ten aber eine Salbe, was sie damit bestrichen, das heilte zusam­men, und das Fläschchen, wo sie drin war, tru­gen sie beständig bei sich. Da schnit­ten sie Hand, Herz und Auge vom Leibe, wie sie gesagt hat­ten, legtens zusam­men auf einen Teller und gabens dem Wirt: der Wirt gabs einem Mäd­chen, das sollts in den Schrank stellen und wohl aufheben. Das Mäd­chen aber hat­te einen heim­lichen Schatz, der war ein Sol­dat. Wie nun der Wirt, die drei Feld­scher­er und alle Leute im Haus schliefen, kam der Sol­dat und wollte was zu essen haben. Da schloss das Mäd­chen den Schrank auf und holte ihm etwas, und über der grossen Liebe ver­gass es, die Schrank­türe zuzu­machen, set­zte sich zum Lieb­sten an Tisch, und sie schwätzten miteinan­der. Wie es so vergnügt sass und an kein Unglück dachte, kam die Katze hereingeschlichen, fand den Schrank offen, nahm die Hand, das Herz und die Augen der drei Feld­scher­er und lief damit hin­aus. Als nun der Sol­dat gegessen hat­te und das Mäd­chen das Gerät aufheben und den Schrank zuschliessen wollte, da sah es wohl, dass der Teller, den ihm der Wirt aufzuheben gegeben hat­te, ledig war. Da sagte es erschrock­en zu seinem Schatz ach, was will ich armes Mäd­chen anfan­gen! Die Hand ist fort, das Herz und die Augen sind auch fort, wie wird mirs mor­gen früh erge­hen!, Sei still,‘ sprach der Sol­dat, ich will dir aus der Not helfen: es hängt ein Dieb draussen am Gal­gen, dem will ich die Hand abschnei­den; welche Hand wars denn?, Die rechte.‘ Da gab ihm das Mäd­chen ein schar­fes Mess­er, und er ging hin, schnitt dem armen Sün­der die rechte Hand ab und brachte sie her­bei. Darauf pack­te er die Katze und stach ihr die Augen aus; nun fehlte nur noch das Herz. Habt ihr nicht geschlachtet und liegt das Schweine­fleisch nicht im Keller?‘ Ja,‘ sagte das Mäd­chen. Nun, das ist gut,‘ sagte der Sol­dat, ging hin­unter und holte ein Schweine­herz. Das Mäd­chen tat alles zusam­men auf den Teller und stellte ihn in den Schrank, und als ihr Lieb­ster darauf Abschied genom­men hat­te, legte es sich ruhig ins Bett.

Mor­gens, als die Feld­scher­er auf­s­tanden, sagten sie dem Mäd­chen, es sollte ihnen den Teller holen, darauf Hand, Herz und Augen lägen. Da brachte es ihn aus dem Schrank, und der erste hielt sich die Dieb­s­hand an und bestrich sie mit sein­er Salbe, als­bald war sie ihm angewach­sen. Der zweite nahm die Katzenau­gen und heilte sie ein: der dritte machte das Schweine­herz fest. Der Wirt aber stand dabei, bewun­derte ihre Kun­st und sagte, der­gle­ichen hätt er noch nicht gese­hen, er wollte sie bei jed­er­mann rüh­men und empfehlen. Darauf bezahlten sie ihre Zeche und reis­ten weiter.

Wie sie so dahingin­gen, so blieb der mit dem Schweine­herzen gar nicht bei ihnen, son­dern wo eine Ecke war, lief er hin und schnüf­felte darin herum, wie Schweine tun. Die andern woll­ten ihn an dem Rockschlip­pen zurück­hal­ten, aber das half nichts, er riss sich los und lief hin, wo der dick­ste Unrat lag. Der zweite stellte sich auch wun­der­lich an, rieb die Augen und sagte zu dem andern Kam­er­ad, was ist das? das sind meine Augen nicht, ich sehe ja nichts, leite mich doch ein­er, dass ich nicht falle.‘ Da gin­gen sie mit Mühe fort bis zum Abend, wo sie zu ein­er andern Her­berge kamen. Sie trat­en zusam­men in die Wirtsstube, da sass in ein­er Ecke ein reich­er Herr vorm Tisch und zählte Geld. Der mit der Dieb­s­hand ging um ihn herum, zuck­te ein paar­mal mit dem Arm, endlich, wie der Herr sich umwen­dete, griff er in den Haufen hinein und nahm eine Hand­voll Geld her­aus. Der eine sahs und sprach Kam­er­ad, was machst du? stehlen darf­st du nicht, schäm dich!‘ Ei,‘ sagte er, was kann ich dafür! es zuckt mir in der Hand‘ ich muss zugreifen, ich mag wollen oder nicht.‘ Sie legten sich danach schlafen, und wie sie daliegen, ists so fin­ster, dass man keine Hand vor Augen sehen kann. Auf ein­mal erwachte der mit den Katzenau­gen, weck­te die andern und sprach Brüder, schaut ein­mal auf, seht ihr die weis­sen Mäuschen, die da herum­laufen?, Die zwei richteten sich auf, kon­nten aber nichts sehen. Da sprach er es ist mit uns nicht richtig, wir haben das Unsrige nicht wiedergekriegt, wir müssen zurück nach dem Wirt, der hat uns bet­ro­gen.‘ Also macht­en sie sich am andern Mor­gen dahin auf und sagten dem Wirt, sie hät­ten ihr richtig Werk nicht wiedergekriegt, der eine hätte eine Dieb­s­hand, der zweite

Katzenau­gen und der dritte ein Schweine­herz. Der Wirt sprach, daran müsste das Mäd­chen schuld sein, und wollte es rufen, aber wie das die drei hat­te kom­men sehen, war es zum Hin­terpförtchen fort­ge­laufen, und kam nicht wieder. Da sprachen die drei, er sollte ihnen viel Geld geben, son­st liessen sie ihm den roten Hahn übers Haus fliegen: da gab er, was er hat­te und nur auf­brin­gen kon­nte, und die drei zogen damit fort. Es war für ihr Leb­tag genug, sie hät­ten aber doch lieber ihr richtig Werk gehabt.