Die beiden Prahler und der Bescheidene

von Josef Haltrich

~5 Min

Drei Stu­den­ten, die aus einem Dorfe waren, kamen nach Hause und hiel­ten bei dem Pfar­rer um die erledigte Lehrerstelle an. Der Pfar­rer aber sagte: Er müsse erst wis­sen, was jed­er von ihnen gel­ernt hätte, um die Stelle dann dem Würdig­sten zu ver­lei­hen. Da sprach der erste ganz stolz: Herr Pfar­rer! Ich habe so viel gel­ernt, daß ich in zehn Jahren das nicht erzählen kön­nte, was ich weiß!“ Der zweite sprach noch hochmütiger: Das ist alles blutwenig; ich aber habe so viel gel­ernt, daß man’s nicht nieder­schreiben kön­nte, wenn das Meer lauter Tinte und der ganze Him­mel Papi­er wäre.“ Der dritte sagte ganz beschei­den: Herr Pfar­rer! Ich habe zwar immer gel­ernt, aber das, was ich weiß, ist so wenig gegen das, was man wis­sen kann, daß es fast nichts ist!“ Da antwortete der Pfar­rer: Ihr, die ihr alles gel­ernt habt, kön­nt über­all in der Welt euer Fortkom­men find­en; es ist aber nur recht und bil­lig, daß wir für den sor­gen, der das nicht kann!“

So wurde der Beschei­dene Schul­meis­ter; die Prahler aber zogen mit Schande ab und hal­ten noch immer in der Welt ihre Gelehrsamkeit feil.