Die beiden Fleischhauer in der Hölle

von Josef Haltrich

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Es waren ein­mal zwei Brüder, bei­de Fleis­chhauer, der eine reich, der andere arm, der reiche bösar­tig, der arme gut­mütig. Weil aber der arme nicht selb­st schlacht­en kon­nte, so half er seinem Brud­er und empf­ing dafür immer einen kleinen Lohn. Ein­mal hat­te der reiche wieder geschlachtet, und zwar sehr viel, und der arme Brud­er hat­te sich müde gear­beit­et; doch der reiche gab ihm wieder nur eine kleine Wurst. Gib mir noch ein Würstchen, ich habe es wohl ver­di­ent!“ sprach der Arme. Nu so nimm“, rief der Reiche unwillig und warf ihm eins hin, und geh damit zum Teufel!“ Der Arme ging ruhig nach Hause und schlief bis zum andern Mor­gen, dann bri­et er eine Wurst, um sie auf den Weg zu nehmen, hing die andere an einen Stab, so wie es die Zige­uner machen, wenn sie sich vom Mark­te Fleisch holen, nahm diesen auf den Rück­en und ging ger­adeswegs zum Teufel. Aber weil die Hölle, wie ihr euch denken kön­nt, sehr weit ist, so langte er erst am andern Mor­gen an; die Teufel waren ger­ade zur Arbeit ins Holz gefahren, nur die Teufels­groß­mut­ter war zu Hause geblieben, und diese schaute eben zum Fen­ster her­aus. Da grüßte der Fleis­chhauer fre­undlich: Guten Mor­gen, alte Groß­mut­ter, na wie geht es Euch noch?“ — Gut, mein Sohn, aber was hat denn dich herge­führt; son­st kommt kein Men­schenkind aus freien Stück­en hieher!“ — Auch ich wäre nicht gekom­men!“ sprach der Fleis­chhauer, allein mein Brud­er schick­te mich mit dieser Wurst!“ Damit langte er mit seinem Stabe hin, und die Teufels­groß­mut­ter nahm die Wurst zum Fen­ster hinein und dank­te dafür und rief ihn hinein in die Hölle. O wie gerne“, sprach der Arme, will ich das tun; bei Eurem großen Feuer kann ich mich und meine Wurst erwär­men, denn hier draußen ist es ver­teufelt kalt!“

Die Teufels­groß­mut­ter tat ihm alles mögliche zu Gefall­en, und gegen Abend ver­barg sie ihn unters Bett, damit die hun­gri­gen Teufel, wenn sie heimkä­men, ihn nicht find­en soll­ten. Bald kamen diese und schrien: Essen her, Essen her! oh weh, welch‘ eine Pein ist doch der Hunger! — Ha, hier riecht es nach Men­schen­fleisch, nicht?“ Da schnup­perten alle im Zim­mer herum. Die alte Groß­mut­ter beschwichtigte sie aber gle­ich, denn sie stellte die dampfende Schüs­sel auf den Tisch und sagte, es sei wohl ein Men­sch dagewe­sen, allein der sei entwischt, davon rieche es noch. Damit waren sie zufrieden. Sie aßen sich nun satt, wälzten sich darauf nach ihren Bet­ten und schliefen bis an den Mor­gen und fuhren dann wieder ins Holz. Jet­zt rief die alte Groß­mut­ter den Fleis­chhauer unterm Bett her­vor und sprach: Nun kannst du unbe­sorgt nach Hause gehen!“ Da nahm sie ein Haar, das in der Nacht von einem der Teufel auf den Pol­ster gefall­en war, schenk­te es ihrem Gast und sprach: Wenn du zu Hause bist, wirst du erst sehen, was für einen Schatz du daran hast!“ Der Fleis­chhauer dank­te für die fre­undliche Auf­nahme und das Geschenk, sagte in sein­er Gut­mütigkeit noch zur guten Let­zt: Gott seg­ne dich, alte Groß­mut­ter!“ und zog dann heim. Als er zu Hause anlangte, wurde das Haar plöt­zlich so groß wie ein Heubaum und war von purem Golde. Dadurch wurde er ein reich­er Mann, viel, viel reich­er als sein Brud­er, schlachtete von nun an für sich und hielt noch viele Gesellen.

Da wurde sein Brud­er nei­disch und kon­nte es nicht länger ver­winden, daß er ärmer sein sollte; er hat­te aber erfahren, wie sein Brud­er reich gewor­den. Da nahm er eines Tages eine große, große Wurst und zog damit in die Hölle; er langte auch erst am anderen Mor­gen an und sah die Teufels­groß­mut­ter im Fen­ster. Was machst du denn hier, du alte Hexe?“ rief er spöt­tisch, ohne ihr einen guten Mor­gen zu bieten. Ich warte auf deine Wurst, her damit!“ — Daran wirst du deine grü­nen Wack­elzähne nicht wet­zen, die bringe ich für die Teufel, und ich will dafür einen gold­nen Heubaum.“ — Gut denn, so komme here­in und warte hier; auf den Abend kom­men die Teufel aus dem Holz nach Hause.“ Der Fleis­chhauer ging hinein und set­zte sich auf einen Stuhl hin­ter die Türe. Als am Abend die Teufel wieder hun­grig nach Hause kamen, schrien sie: Essen her, Essen her, o weh, welch‘ eine Pein ist doch der Hunger!“ Bald aber wit­terten sie den Frem­den und riefen: Es riecht nach Men­schen­fleisch!“ — Hin­ter der Tür ist der Brat­en!“ sprach die Teufels­groß­mut­ter. Da fie­len die hun­gri­gen Teufel über den Fleis­chhauer her und zer­ris­sen ihn auf ein­mal in tausend Stücke. 

Der früher so arme, jet­zt aber reiche Fleis­chhauer erbte nun auch das Ver­mö­gen seines geizigen und hab­süchti­gen Brud­ers. So geht es oft in der Welt; wenn es nur immer so ginge!