Des Teufels russiger Bruder

von Brüder Grimm

~6 Min

Ein abgedank­ter Sol­dat hat­te nichts zu leben und wusste sich nicht mehr zu helfen. Da ging er hin­aus in den Wald, und als er ein Weilchen gegan­gen war, begeg­nete ihm ein kleines Män­nchen, doch das war der Teufel. Das Män­nchen sagte zu ihm: Was fehlt dir? Du siehst so trüb­selig aus.“ Da sprach der Sol­dat: Ich habe Hunger, aber kein Geld.“ Der Teufel sagte: Willst du dich bei mir ver­mi­eten und mein Knecht sein, so sollst du für dein Leb­tag genug haben; sieben Jahre sollst du mir dienen, her­nach bist du wieder frei. Aber eins sag ich dir, du darf­st dich nicht waschen, nicht käm­men, nicht schnip­pen, keine Nägel und Haare abschnei­den und kein Wass­er aus den Augen wis­chen.“ Der Sol­dat sprach: Frisch dran, wenn’s nicht anders sein kann,“ und ging mit dem Män­nchen fort, das führte ihn ger­adewegs in die Hölle hinein. 

Dann sagte es ihm, was er zu tun hätte: er müsste das Feuer schüren unter den Kesseln, wo die Höl­len­brat­en drin­sässen, das Haus rein­hal­ten, den Kehrdreck hin­ter die Türe tra­gen und über­all auf Ord­nung sehen; aber guck­te er ein einziges Mal in den Kessel hinein, so würde es ihm schlimm erge­hen. Der Sol­dat sprach: Es ist gut, ich will’s schon besor­gen.“ Da ging nun der alte Teufel wieder hin­aus auf seine Wan­derung, und der Sol­dat trat seinen Dienst an, legte Feuer zu, kehrte und trug den Kehrdreck hin­ter die Türe, alles, wie es befohlen war. Wie der alte Teufel wiederkam, sah er nach, ob alles geschehen war, zeigte sich zufrieden und ging zum zweit­en­mal fort. Der Sol­dat schaute sich nun ein­mal recht um, da standen die Kessel ring­sherum in der Hölle, und bran­nte ein gewaltiges Feuer darunter, und es kochte und brutzelte darin. 

Er hätte für sein Leben gerne hineingeschaut, wenn es ihm der Teufel nicht so streng ver­boten hätte; endlich kon­nte er sich nicht mehr anhal­ten, hob vom ersten Kessel ein klein biss­chen den Deck­el auf und guck­te hinein. Da sah er seinen ehe­ma­li­gen Unterof­fizier darin sitzen. Aha, Vogel,“ sprach er, tre­ff ich dich hier? Du hast mich gehabt, jet­zt hab ich dich,“ liess geschwind den Deck­el fall­en, schürte das Feuer und legte noch frisch zu. Danach ging er zum zweit­en Kessel, hob ihn auch ein wenig auf und guck­te, da sass sein Fäh­n­rich darin. Aha, Vogel, tre­ff ich dich hier? Du hast mich gehabt, jet­zt hab ich dich,“ machte den Deck­el wieder zu und trug noch einen Klotz her­bei, der sollte ihm recht heiss machen. Nun wollte er auch sehen, wer im drit­ten Kessel sässe; da war’s gar ein Gen­er­al. Aha, Vogel, tre­ff ich dich hier? Du hast mich gehabt, jet­zt hab ich dich,“ holte den Blase­balg und liess das Höl­len­feuer recht unter ihm flack­ern. Also tat er sieben Jahr seinen Dienst in der Hölle, wusch sich nicht, kämmte sich nicht, schnippte sich nicht, schnitt sich die Nägel und Haare nicht und wis­chte sich kein Wass­er aus den Augen; und die sieben Jahre waren ihm so kurz, dass er meinte, es wäre nur ein halbes Jahr gewesen. 

Als nun die Zeit vol­lends herum war, kam der Teufel und sagte: Nun, Hans, was hast du gemacht?“ – Ich habe das Feuer unter den Kesseln geschürt, ich habe gekehrt und den Kehrdreck hin­ter die Türe getra­gen.“ – Aber du hast auch in die Kessel geguckt; dein Glück ist, dass du noch Holz zugelegt hast, son­st wäre dein Leben ver­loren; jet­zt ist deine Zeit herum. Willst du wieder heim?“ – Ja,“ sagte der Sol­dat, ich wollt auch gerne sehen, was mein Vater daheim macht.“ Sprach der Teufel: Damit du deinen ver­di­en­ten Lohn kriegst, geh und raffe dir einen Ranzen voll Kehrdreck und nimm’s mit nach Haus. Du sollst auch gehen unge­waschen und ungekämmt, mit lan­gen Haaren am Kopf und am Bart, mit ungeschnit­te­nen Nägeln und mit trüben Augen, und wenn du gefragt wirst, woher du kämst, sollst du sagen, aus der Hölle‘, und wenn du gefragt wirst, wer du wärst, sollst du sagen, des Teufels rus­siger Brud­er und mein König auch‘.“ Der Sol­dat schwieg still und tat, was der Teufel sagte, aber er war mit seinem Lohn gar nicht zufrieden.

Sobald er nun wieder oben im Wald war, hob er seinen Ranzen vom Rükken und wollte ihn auss­chüt­ten. Wie er ihn aber öffnete, so war der Kehrdreck pures Gold gewor­den. Das hätte ich mir nicht gedacht,“ sprach er, war vergnügt und ging in die Stadt hinein. Vor dem Wirtshaus stand der Wirt, und wie ihn der her­ankom­men sah, erschrak er, weil Hans so entset­zlich aus­sah, ärg­er als eine Vogelscheuche. Er rief ihn an und fragte: Woher kommst du?“ – Aus der Hölle!“ – Wer bist du?“ – Dem Teufel sein rus­siger Brud­er und mein König auch!“ Nun wollte der Wirt ihn nicht ein­lassen, wie er ihm aber das Gold zeigte, ging er und klink­te sel­ber die Türe auf. Da liess sich Hans die beste Stube geben und köstlich aufwarten, ass und trank sich satt, wusch sich aber nicht und kämmte sich nicht, wie ihm der Teufel geheis­sen hat­te, und legte sich endlich schlafen. Dem Wirt aber stand der Ranzen voll Gold vor Augen und liess ihm keine Ruhe, bis er in der Nacht hin­schlich und ihn stahl.

Wie nun Hans am andern Mor­gen auf­s­tand, den Wirt bezahlen und weit­erge­hen wollte, da war sein Ranzen weg. Er fasste sich aber kurz, dachte: Du bist ohne Schuld unglück­lich gewe­sen, und kehrte wieder um, ger­adezu in die Hölle. Da klagte er dem alten Teufel seine Not und bat ihn um Hil­fe. Der Teufel sagte: Setz dich, ich will dich waschen, käm­men, schnip­pen, die Haare und Nägel schnei­den und die Augen auswis­chen,“ und als er mit ihm fer­tig war, gab er ihm den Ranzen wieder voll Kehrdreck und sprach: Geh hin und sage dem Wirt, er sollte dir dein Gold wieder her­aus­geben, son­st wollt ich kom­men und ihn abholen, und er sollte an deinem Platz das Feuer schüren.“ Hans ging hin­auf und sprach zum Wirt: Du hast mein Gold gestohlen, gib­st du’s nicht wieder, so kommst du in die Hölle an meinen Platz und sollst ausse­hen so greulich wie ich.“ Da gab ihm der Wirt das Gold und noch mehr dazu und bat ihn, nur still davon zu sein; und Hans war nun ein reich­er Mann.

Hans machte sich auf den Weg heim zu seinem Vater, kaufte sich einen schlecht­en Lin­nenkit­tel auf den Leib, ging herum und machte Musik, denn das hat­te er beim Teufel in der Hölle gel­ernt. Es war ein alter König im Land, vor dem musst er spie­len, und der geri­et darüber in solche Freude, dass er dem Hans seine älteste Tochter zur Ehe ver­sprach. Als die aber hörte, dass sie so einen gemeinen Kerl im weis­sen Kit­tel heirat­en sollte, sprach sie: Eh ich das tat, wollt ich lieber ins tief­ste Wass­er gehen!“ Da gab ihm der König die jüng­ste, die wollt’s ihrem Vater zuliebe gerne tun; und also bekam des Teufels rus­siger Brud­er die Königstochter und, als der alte König gestor­ben war, auch das ganze Reich.