Des Teufels Hilfe

von Josef Haltrich

~5 Min

Ein armer Bauer brachte ein­mal Holz aus dem Walde und blieb in ein­er Pfütze steck­en, so daß er nicht von der Stelle fortkom­men kon­nte; da trat ein unbekan­nter Mann zu ihm hin und sprach: Ich möchte dir auf ein­mal aus der Not helfen, wenn du mir das Neueste, das jet­zt in deinem Hause sich find­et, zu geben ver­sprichst; nach zwanzig Jahren erst sollst du mir’s aus­liefern!“ Der Bauer dachte an die neuen hölz­er­nen Löf­fel, die er vor kurzem gekauft hat­te, und ver­sprach ohne weit­eres das Ver­langte, und sogle­ich wurde auch ein schriftlich­er Ver­trag aufge­set­zt. Darauf zog der Fremde den Wagen samt den Kühen her­aus und ging fort. Als der Bauer zu Hause ankam, erfuhr er zu seinem Schreck­en, es sei zu der und der Zeit ihm ein Sohn geboren. Er erkan­nte jet­zt gle­ich, daß er dem Bösen sein Kind ver­schrieben habe; sogle­ich ging er zu seinem Her­rn Pfar­rer und ges­tand ihm die Sünde. Der tröstete ihn und sprach: Erzieht nur Euern Sohn in aller Tugend und Fröm­migkeit, so wird ihm der Böse nichts anhab­en kön­nen!“ Das ver­sprach der Bauer und tat es auch gewis­senhaft; aber seine Trauer kon­nte er vor dem Kleinen nicht lange ver­ber­gen. Der bat und fragte immer: Vater, warum seid Ihr so trau­rig“ und da sagte ihm eines Tages der Alte alles. Küm­mert Euch nicht, Vater!“ sprach der Knabe, der Teufel wird mir nichts tun kön­nen; der Herr Pfar­rer wird mir schon sagen, wie ich mich bewahren soll!“

Als der Junge zwanzig Jahre alt war, ging er zum Pfar­rer und fragte ihn um Rat, wie er es mit dem Teufel anfan­gen solle. Der Pfar­rer sagte, er möge nur immer beten, denn das könne der Teufel nicht ausste­hen. Dann machte sich der Junge auf den Weg zur Hölle, denn er wollte nicht warten, bis ihn der Teufel abhole. Als er weit gegan­gen war, sah er nur ein­mal einen großen Baum mit gold­nen Frücht­en und darunter einen gehar­nischt­en und stark bewaffneten Mann. Anfangs erschrak er; als er aber sah, daß dieser sich nicht rührte, wagte er es näher zu gehen. Da erzählte ihm der Mann seine Lebens­geschichte : Er sei ein großer Räu­ber gewe­sen; dafür nun sei er unter diesen Baum geban­nt; jede der gold­nen Früchte sei eine von seinen Tod­sün­den; unter dem Baume aber seien die großen Schätze, die er durch Raub und Mord sich erwor­ben habe; nun müsse er da so lange Wache ste­hen und könne so lange nicht ster­ben, bis ein rein­er und unschuldiger Jüngling von zwanzig Jahren für seine Seele gebetet habe. Bist du der, so bete für mich, und wenn ich nicht mehr bin, so hebe von dieser Stelle die großen Schätze, die dann vom Fluche frei sind!“ Der Bauern­junge ver­sprach das alles zu tun mit willigem Herzen und wan­derte weit­er und gelangte endlich in die Hölle. Da fing er an zu beten und ging so betend in die Teufel­swerk­stätte. Als die Teufel das Gebet hörten, flo­hen alle davon, und wie der Junge ihnen näher kam, zogen sie sich in den hin­ter­sten Winkel der Hölle zurück, aber auch hier fühlten sie sich nicht mehr sich­er. Da hiel­ten sie einen Rat und fragten untere­inan­der: wer der gefährliche Fromme wohl sein könne und was sie weit­er tun soll­ten. Indem fiel einem alten Teufel der Kon­trakt ein, den er vor zwanzig Jahren mit dem Bauer[n] geschlossen, und er sprach: Der Fremde ist kein ander­er als ein dum­mer Bauern­junge, den ich seinem Vater vor zwanzig Jahren abbe­t­ro­gen hat­te; lei­der habe ich seit­dem nicht mehr daran gedacht, und so ist der­selbe in der Kraft Gottes aufgewach­sen; allein wartet, ich werde ihn uns gle­ich vom Halse schaf­fen!“ Damit nahm sich der alte Teufel ein Herz und ging dem Jun­gen ent­ge­gen, warf ihm den Kon­trakt zu und sprach: Du kannst damit gle­ich nach Hause gehen; ich schenke dich deinem Vater!“ Das ließ sich der Junge nicht zweimal sagen, denn ihn hat­te ein Graus überkom­men, als er die vie­len Marter­w­erkzeuge, die Zan­gen und Kessel voll sieden­den Öles und das höl­lis­che Feuer gese­hen und das Ächzen und Zäh­neklap­pern der Ver­dammten gehört hat­te. Er nahm schnell den Kon­trakt und kehrte zurück; die Teufel aber freuten sich, als sie sein­er los waren.

Als der Junge betend an den großen Baum zurück­kam, sank der nur ein­mal zusam­men, und der gehar­nischte Mann fiel zu Boden, und er sah an ihrer Stelle zwei Aschen­haufen! Er grub nun nach, wie ihm der Mann gesagt hat­te, und fand die großen Schätze. Damit zog er heim; seine Eltern freuten sich sehr, wie sie ihn wieder­sa­hen. Von den Schätzen gab er einen Teil dem Her­rn Pfar­rer zum Danke für die guten Lehren und einen andern schenk­te er der Kirche; nur den drit­ten Teil behielt er für sich und seine Eltern. Aber er war doch ein stein­re­ich­er Mann, und das Ver­mö­gen vergößerte sich immer mehr und vererbte sich fort auf Kinder und Kinde­skinder, denn die waren auch alle redliche und gottes­fürchtige Menschen.