Der Wolf und der Mensch

von Brüder Grimm

~5 Min

Der Fuchs erzählte ein­mal dem Wolf von der Stärke des Men­schen, kein Tier kön­nte ihm wider­ste­hen, und sie müssten List gebrauchen, um sich vor ihm zu erhal­ten. Da antwortete der Wolf wenn ich nur ein­mal einen Men­schen zu sehen bekäme, ich wollte doch auf ihn los­ge­hen“ Dazu kann ich dir helfen,“ sprach der Fuchs, komm nur mor­gen früh zu mir, so will ich dir einen zeigen.“ 

Der Wolf stellte sich frühzeit­ig ein, und der Fuchs brachte ihn hin­aus auf den Weg, den der Jäger alle Tage ging. Zuerst kam ein alter abgedank­ter Sol­dat. Ist das ein Men­sch?“ fragte der Wolf. Nein,“ antwortete der Fuchs, das ist ein­er gewe­sen.“ Danach kam ein klein­er Knabe, der zur Schule wollte. Ist das ein Men­sch?“ Nein, das will erst ein­er wer­den.“ Endlich kam der Jäger, die Dop­pelflinte auf dem Rück­en und den Hirschfänger an der Seite. Sprach der Fuchs zum Wolf siehst du, dort kommt ein Men­sch, auf den musst du los­ge­hen, ich aber will mich fort in meine Höh­le machen.“ 

Der Wolf ging nun auf den Men­schen los, der Jäger, als er ihn erblick­te, sprach es ist schade, dass ich keine Kugel geladen habe,“ legte an und schoss dem Wolf das Schrot ins Gesicht. Der Wolf ver­zog das Gesicht gewaltig, doch liess er sich nicht schreck­en und ging vor­wärts: da gab ihm der Jäger die zweite Ladung. Der Wolf ver­biss den Schmerz und rück­te dem Jäger zu Leibe: da zog dieser seinen blanken Hirschfänger und gab ihm links und rechts ein paar Hiebe, dass er, über und über blu­tend, mit Geheul zu dem Fuchs zurücklief. 

Nun, Brud­er Wolf,“ sprach der Fuchs, wie bist du mit dem Men­schen fer­tig wor­den?“ ‚„Ach,“ antwortete der Wolf, so hab ich mir die Stärke des Men­schen nicht vorgestellt, erst nahm er einen Stock von der Schul­ter und blies hinein, da flog mir etwas ins Gesicht, das hat mich ganz entset­zlich gek­itzelt: danach pustete er noch ein­mal in den Stock, da flog mirs um die Nase wie Blitz und Hagel­wet­ter, und wie ich ganz nah war, da zog er eine blanke Rippe aus dem Leib, damit hat er so auf mich los­geschla­gen, dass ich beinah tot wäre liegen geblieben.“ Siehst du,“ sprach der Fuchs, was du für ein Prahlhans bist: du wirf­st das Beil so weit, dass dus nicht wieder holen kannst.“