Der Tod und der Gänsehirt

von Brüder Grimm

~3 Min

Es ging ein armer Hirt an dem Ufer eines grossen und ungestü­men Wassers, hütend einen Haufen weiss­er Gänse. Zu diesem kam der Tod über Wass­er und wurde von dem Hirten gefragt, wo er herkomme und wo er hin wolle. Der Tod antwortete, dass er aus dem Wass­er komme und aus der Welt wolle. Der arme Gänse­hirt fragte fern­ers, wie man doch aus der Welt kom­men könne. Der Tod sagte, dass man über das Wass­er in die neue Welt müsse, welche jen­seits gele­gen. Der Hirt sagte, dass er dieses Lebens müde, und bat den Tod, er sollte ihn mit über nehmen. Der Tod sagte, dass es noch nicht Zeit, und hätte er jet­zt son­st zu verrichten. 

Es war aber unferne davon ein Geizhals, der tra­chtete bei nachts auf seinem Lager, wie er doch mehr Geld und Gut zusam­men­brin­gen möchte, den führte der Tod zu dem grossen Wass­er und stiess ihn hinein. Weil er aber nicht schwim­men kon­nte, ist er zu Grunde gesunken, bevor er an das Ufer kon­nte. Seine Hunde und Katzen, so ihm nachge­laufen, sind auch mit ihm ersoffen. 

Etliche Tage her­nach kam der Tod auch zu dem Gänse­hirten, fand ihn fröh­lich sin­gen und sprach zu ihm: Willst du nun mit?“ Er war willig und kam mit seinen weis­sen Gänsen wohl hinüber, welche alle in weisse Schafe ver­wan­delt wor­den. Der Gänse­hirt betra­chtete das schöne Land und hörte, dass die Hirten derorten zu Köni­gen wür­den, und indem er sich recht umsah, kamen ihm die Erzhirten Abra­ham, Isaak und Jakob ent­ge­gen, set­zten ihm eine königliche Kro­ne auf und führten ihn in der Hirten Schloss, all­da er noch zu finden.