Der süsse Brei

von Brüder Grimm

~3 Min

Es war ein­mal ein armes, frommes Mäd­chen, das lebte mit sein­er Mut­ter allein, und sie hat­ten nichts mehr zu essen. Da ging das Kind hin­aus in den Wald, und begeg­nete ihm da eine alte Frau, die wusste seinen Jam­mer schon und schenk­te ihm ein Töpfchen, zu dem sollt es sagen: Töpfchen, koche,“ so kochte es guten, süssen Hirse­brei, und wenn es sagte: Töpfchen, steh,“ so hörte es wieder auf zu kochen.

Das Mäd­chen brachte den Topf sein­er Mut­ter heim, und nun waren sie ihrer Armut und ihres Hungers ledig und assen süssen Brei, sooft sie wollten.

Auf eine Zeit war das Mäd­chen aus­ge­gan­gen, da sprach die Mut­ter: Töpfchen, koche,“ da kocht es, und sie isst sich satt; nun will sie, dass das Töpfchen wieder aufhören soll, aber sie weiss das Wort nicht. Also kocht es fort, und der Brei steigt über den Rand hin­aus und kocht immerzu, die Küche und das ganze Haus voll und das zweite Haus und dann die Strasse, als wollt’s die ganze Welt satt machen, und ist die grösste Not, und kein Men­sch weiss sich da zu helfen. Endlich, wie nur noch ein einziges Haus übrig ist, da kommt das Kind heim und spricht nur: Töpfchen, steh,“ da ste­ht es und hört auf zu kochen, und wer wieder in die Stadt wollte, der musste sich durchessen.