Der Spielhansl

von Brüder Grimm

~5 Min

Da ist ein­mal ein Mann gewe­sen, der hat nichts anderes getan als gespielt; und da haben ihn die Leute nur den Spiel­hansl geheis­sen, und weil er gar nicht aufge­hört hat zu spie­len, so hat er sein Haus und alles ver­spielt. Jet­zt, eben am let­zten Tag, als ihm sein Haus weggenom­men wer­den sollte, ist unser Her­rgott und der heilige Petrus gekom­men und haben gesagt, er solle sie über Nacht bei sich behal­ten. Da hat der Spiel­hansl gesagt: Wegen mein­er kön­nt ihr dableiben zur Nacht; aber ich kann euch kein Bett und nichts zu essen geben.“ Da hat unser Her­rgott gesagt, er solle sie nur aufnehmen, und sie woll­ten sich selb­st etwas zu essen kaufen; das ist dem Spiel­hansl recht gewe­sen. Da hat ihm der heilige Petrus drei Groschen gegeben, und damit sollte er zum Bäck­er gehen und ein Brot holen. Jet­zt ist halt der Spiel­hansl gegan­gen. Wie er aber zu dem Haus gekom­men ist, wo die andern Spiel­lumpen drin gewe­sen sind, die ihm alles abge­won­nen hat­ten, haben sie gerufen und geschrien: Hansl, komm nur here­in!“ – Ja,“ hat er gesagt, wollt’s mir die drei Groschen auch noch abgewin­nen.“ Sie haben aber nicht aus­ge­lassen. Jet­zt ist er halt hinein und hat die drei Groschen auch noch ver­spielt. Der heilige Petrus und unser Her­rgott aber haben immer gewartet, und wie er so lang nicht gekom­men ist, sind sie ihm ent­ge­genge­gan­gen. Der Spiel­hansl aber, wie er sie hat kom­men sehen, hat so getan, als wären ihm die drei Groschen in eine Wasser­lache gefall­en, und hat eifrig darin herumgestochert: aber unser Her­rgott hat schon gewusst, dass er sie ver­spielt hat. Da hat ihm der heilige Petrus noch ein­mal drei Groschen gegeben. Jet­zt hat er sich aber nicht mehr ver­führen lassen und hat ihnen das Brot gebracht. Da hat ihn unser Her­rgott gefragt, ob er keinen Wein nicht hat; da hat er gesagt: O Herr, die Fäss­er sind alle leer.“ Da hat unser Her­rgott gesagt, er solle nur in den Keller hin­abge­hen, es sei noch der beste Wein drun­ten. Er hat’s lange nicht glauben wollen, aber zulet­zt hat er gesagt: Ich will doch hin­un­terge­hen, aber ich weiss, dass kein­er drun­ten ist.“ Wie er aber das Fass angezapft hat, ist der beste Wein her­aus­gekom­men. Jet­zt hat er ihnen den Wein gebracht und die zwei sind über Nacht geblieben. Am andern Tag, in der Frühe, hat unser Her­rgott zum Spiel­hansl gesagt, er solle sich drei Gnaden aus­bit­ten. Er hat gemeint, er würde sich den Him­mel aus­bit­ten, aber der Spiel­hansl hat um Karten gebeten, mit denen er alles gewin­nt, und um Wür­fel, mit denen er alles gewin­nt, und um einen Baum, auf dem alles Obst wächst, und wenn ein­er hin­auf­steigt, dass er nicht mehr herab kann, bis er es ihm befiehlt. Jet­zt hat ihm unser Her­rgott alles gegeben, was er ver­langt hat, und ist mit dem heili­gen Petrus wieder fort.

Jet­zt hat der Spiel­hansl erst recht zu spie­len ange­fan­gen und hätte bald die halbe Welt zusam­menge­won­nen. Da hat der heilige Petrus zu unserem Her­rgott gesagt: Herr, das Ding tut nicht gut, er gewin­nt schliesslich noch die ganze Welt; wir müssen ihm den Tod schick­en.“ Und da haben sie ihm den Tod geschickt. Wie der Tod gekom­men ist, hat der Spiel­hansl natür­lich beim Spiel gesessen; da hat der Tod gesagt: Hansl, komm mal ein bis­sei her­aus!“ Der Spiel­hansl aber sagte: Wart nur ein bis­sei, bis das Spiel aus ist und steig der­weil auf den Baum da draussen und brich uns ein bis­sei was ab, damit wir auf dem Wege was zu naschen haben.“ Ist also der Tod auf den Baum gestiegen, und wie er wieder hat herun­ter­wollen, hat er es nicht gekon­nt, und der Spiel­hansl hat ihn sieben Jahre droben­ge­lassen und der­weil ist kein Men­sch mehr gestorben.

Da hat der heilige Petrus zu unserem Her­rgott gesagt: Herr, das Ding tut nicht gut; es stirbt ja kein Men­sch mehr; wir müssen uns schon sel­ber auf­machen.“ Jet­zt sind sie also schon sel­ber gekom­men und da hat unser Her­rgott dem Spiel­hansl befohlen, dass er den Tod herun­ter­lassen sollte. Da ist er nun gle­ich gegan­gen und hat zum Tod gesagt: Geh herunter,“ und der hat ihn gle­ich genom­men und hat ihn erwürgt. Da sind sie nun miteinan­der fort und sind in die andere Welt gekom­men. Da ist nun mein Spiel­hansl zum Him­mel­stor gegan­gen und hat da angek­lopft. Wer ist draussen?“ – Der Spiel­hansl.“ – Ach, den brauchen wir nicht, geh nur wieder fort.“ Da ist er zum Fege­feuer gegan­gen und hat wieder angek­lopft. Wer ist draussen?“ – Der Spiel­hansl.“ – Ach, es ist schon Jam­mer und Not genug bei uns, wir wollen nicht spie­len. Geh nur wieder fort.“ Da ist er zum Höl­len­tor gegan­gen, und da haben sie ihn herein­ge­lassen; es ist aber nie­mand daheim gewe­sen als der alte Luz­ifer und ein paar krumme Teufel (die ger­aden haben auf der Welt zu tun gehabt), und da hat er sich gle­ich niederge­set­zt und hat wieder zu spie­len ange­fan­gen. Da hat aber der Luz­ifer nichts gehabt als seine krum­men Teufel. Die hat ihm der Spiel­hansl abge­won­nen, weil er mit seinen Karten alles hat gewin­nen müssen. Jet­zt ist der Spiel­hansl mit seinen krum­men Teufeln fort, und da sind sie nach Hohen­fürt und haben die Hopfen­stan­gen aus­geris­sen und sind damit zum Him­mel hin­auf und haben zu stossen ange­fan­gen, und jet­zt hat der Him­mel schon gekracht. Da hat der heilige Petrus wieder gesagt: Herr, das Ding tut nicht gut, wir müssen ihn herein­lassen, son­st wirft er uns den Him­mel herab.“ Jet­zt haben sie ihn halt herein­ge­lassen. Aber der Spiel­hansl hat gle­ich wieder zu spie­len ange­fan­gen, und da ist dann ein solch­er Lärm und so ein Getöse gewor­den, dass man sein eigenes Wort nicht ver­standen hat. Da hat der heilige Petrus wieder gesagt: Herr, das Ding tut nicht gut, wir müssen ihn hin­auswer­fen, er macht uns son­st den ganzen Him­mel rebel­lisch.“ Jet­zt sind sie über ihn her und haben ihn hin­aus­ge­wor­fen, und da hat sich seine Seele zerteilt und ist in all die Spiel­lumpen gefahren, die noch bis heute leben.