Der junge Riese

von  Brüder Grimm

~15 Min

Ein Bauers­mann hat­te einen Sohn, der war so gross wie ein Dau­men und ward gar nicht gröss­er und wuchs in etlichen Jahren nicht ein Haar­bre­it. Ein­mal wollte der Bauer ins Feld gehen und pflü­gen, da sagte der Kleine ​‚Vater, ich will mit hin­aus.‘ ​‚Du willst mit hin­aus?‘ sprach der Vater, ​‚bleib du hier, dort bist du zu nichts nutz; du kön­ntest mir auch ver­loren gehen.‘ Da fing der Däum­ling an zu weinen, und um Ruhe zu haben, steck­te ihn der Vater in die Tasche und nahm ihn mit. Draussen auf dem Felde holte er ihn wieder her­aus und set­zte ihn in eine frische Furche. Wie er da so sass, kam über den Berg ein gross­er Riese daher. ​‚Siehst du dort den grossen Butze­mann?‘ sagte der Vater, und wollte den Kleinen schreck­en, damit er artig wäre, ​‚der kommt und holt dich.‘ Der Riese aber hat­te mit seinen lan­gen Beinen kaum ein paar Schritte getan, so war er bei der Furche. Er hob den kleinen Däum­ling mit zwei Fin­gern behut­sam in die Höhe, betra­chtete ihn und ging, ohne ein Wort zu sprechen, mit ihm fort. Der Vater stand dabei, kon­nte vor Schreck­en keinen Laut her­vor­brin­gen und dachte nicht anders als sein Kind für ver­loren, also dass ers sein Leb­tag nicht wieder mit Augen sehen würde.

Der Riese aber trug es heim und liess es an sein­er Brust saugen, und der Däum­ling wuchs und ward gross und stark nach Art der Riesen. Nach Ver­lauf von zwei Jahren ging der Alte mit ihm in den Wald, wollte ihn ver­suchen und sprach ​‚zieh dir eine Gerte her­aus.‘ Da war der Knabe schon so stark, dass er einen jun­gen Baum mit den Wurzeln aus der Erde riss. Der Riese aber meinte ​‚das muss bess­er kom­men,‘ nahm ihn wieder mit und säugte ihn noch zwei Jahre. Als er ihn ver­suchte, hat­te seine Kraft schon so zugenom­men, dass er einen alten Baum aus der Erde brechen kon­nte. Das war dem Riesen noch immer nicht genug, er säugte ihn aber­mals zwei Jahre, und als er dann mit ihm in den Wald ging und sprach ​’nun reiss ein­mal eine ordentliche Gerte aus,‘ so riss der Junge den dick­sten Eichen­baum aus der Erde, dass er krachte, und war ihm nur ein Spass. ​‚Nun ists genug,‘ sprach der Riese, ​‚du hast aus­gel­ernt,‘ und führte ihn zurück auf den Ack­er, wo er ihn geholt hat­te. Sein Vater stand da hin­ter dem Pflug, der junge Riese ging auf ihn zu und sprach ​’sieht er wohl, Vater, was sein Sohn für ein Mann gewor­den ist.‘ Der Bauer erschrak und sagte ​’nein, du bist mein Sohn nicht, ich will dich nicht, geh weg von mir.‘ ​‚Freilich bin ich sein Sohn, lass er mich an die Arbeit, ich kann pflü­gen so gut als er und noch bess­er.‘ ​‚Nein, nein, du bist mein Sohn nicht, du kannst auch nicht pflü­gen, geh weg von mir.‘ Weil er sich aber vor dem grossen Mann fürchtete, liess er den Pflug los, trat zurück und set­zte sich zur Seite ans Land. Da nahm der Junge das Geschirr und drück­te bloss mit ein­er Hand darauf, aber der Druck war so gewaltig, dass der Pflug tief in die Erde ging. Der Bauer kon­nte das nicht mit anse­hen und rief ihm zu ​‚wenn du pflü­gen willst, musst du nicht so gewaltig drück­en, das gibt schlechte Arbeit.‘ Der Junge aber span­nte die Pferde aus, zog sel­ber den Pflug und sagte ​‚geh er nur nach Haus , Vater, und lass er die Mut­ter eine grosse Schüs­sel voll Essen kochen; ich will der­weil den Ack­er schon umreis­sen.‘ Da ging der Bauer heim und bestellte das Essen bei sein­er Frau: der Junge aber pflügte das Feld, zwei Mor­gen gross, ganz allein, und dann span­nte er sich auch sel­ber vor die Egge und eggte alles mit zwei Eggen zugle­ich. Wie er fer­tig war, ging er in den Wald und riss zwei Eichen­bäume aus, legte sie auf die Schul­tern, und hin­ten und vorn eine Egge darauf, und hin­ten und vorn auch ein Pferd, und trug das alles, als wär es ein Bund Stroh, nach sein­er Eltern Haus. Wie er in den Hof kam, erkan­nte ihn seine Mut­ter nicht und fragte ​‚wer ist der entset­zliche grosse Mann?‘ Der Bauer sagte ​‚das ist unser Sohn.‘ Sie sprach ​’nein, unser Sohn ist das nim­mer­mehr, so gross haben wir keinen gehabt, unser war ein kleines Ding.‘ Sie rief ihm zu ​‚geh fort, wir wollen dich nicht.‘ Der Junge schwieg still, zog seine Pferde in den Stall, gab ihnen Hafer und Heu, alles wie sichs gehörte. Als er fer­tig war, ging er in die Stube, set­zte sich auf die Bank und sagte ​‚Mut­ter, nun hätte ich Lust zu essen, ists bald fer­tig?‘ Da sagte sie ​‚ja, und brachte zwei grosse grosse Schüs­seln voll here­in, daran hät­ten sie und ihr Mann acht Tage lang satt gehabt. Der Junge aber ass sie allein auf und fragte, ob sie nicht mehr vorset­zen kön­nte. ​‚Nein,‘ sagte sie, ​‚das ist alles, was wir haben.‘ ​‚Das war ja nur zum Schmeck­en, ich muss mehr haben.‘ Sie getraute nicht, ihm zu wider­ste­hen, ging hin und set­zte einen grossen Schweinekessel voll übers Feuer, und wie es gar war, trug sie es here­in. ​‚Endlich kom­men noch ein paar Brock­en,‘ sagte er und ass alles hinein; es war aber doch nicht genug, seinen Hunger zu stillen. Da sprach er ​‚Vater, ich sehe wohl, bei ihm werd ich nicht satt, will er mir einen Stab von Eisen ver­schaf­fen, der stark ist und den ich vor meinen Knien nicht zer­brechen kann, so will ich fort in die Welt gehen.‘ Der Bauer war froh, span­nte seine zwei Pferde vor den Wagen und holte bei dem Schmied einen Stab so gross und dick, als ihn die zwei Pferde nur fortschaf­fen kon­nten. Der Junge nahm ihn vor die Knie und ratsch! brach er ihn wie eine Bohnen­stange in der Mitte entzwei und warf ihn weg. Der Vater span­nte vier Pferde vor und holte einen Stab so gross und dick, als ihn die vier Pferde fortschaf­fen kon­nten. Der Sohn knick­te auch diesen vor dem Knie entzwei, warf ihn hin und sprach ​‚Vater, der kann mir nicht helfen, er muss bess­er vorspan­nen und einen stärk­ern Stab holen.‘ Da span­nte der Vater acht Pferde vor und holte einen so gross und dick, als ihn die acht Pferde her­beifahren kon­nten. Wie der Sohn den in die Hand nahm, brach er gle­ich oben ein Stück davon ab und sagte ​‚Vater, ich sehe, er kann mir keinen Stab anschaf­fen, wie ich ihn brauche, ich will nicht länger bei ihm bleiben.‘

Da ging er fort und gab sich für einen Schmiedege­sellen aus.

Er kam in ein Dorf, darin wohnte ein Schmied, der war ein Geiz­mann, gön­nte keinem Men­schen etwas und wollte alles allein haben; zu dem trat er in die Schmiede und fragte, ob er keinen Gesellen brauchte. ​‚Ja,‘ sagte der Schmied, sah ihn an und dachte ​‚das ist ein tüchtiger Kerl, der wird gut vorschla­gen und sein Brot ver­di­enen.‘ Er fragte ​‚wieviel willst du Lohn haben?‘ ​‚Gar keinen will ich haben,‘ antwortete er, ​’nur alle vierzehn Tage, wenn die andern Gesellen ihren Lohn bezahlt kriegen, will ich dir zwei Stre­iche geben, die musst du aushal­ten.‘ Das war der Geiz­mann von Herzen zufrieden und dachte damit viel Geld zu sparen. Am andern Mor­gen sollte der fremde Geselle zuerst vorschla­gen, wie aber der Meis­ter den glühen­den Stab brachte und jen­er den ersten Schlag tat, so flog das Eisen voneinan­der und der Amboss sank in die Erde, so tief, dass sie ihn gar nicht wieder her­aus­brin­gen kon­nten. Da ward der Geiz­mann bös und sagte ​‚ei was, dich kann ich nicht brauchen, du schlägst gar zu grob, was willst du für den einen Zuschlag haben?‘ Da sprach er ​‚ich will dir nur einen ganz kleinen Stre­ich geben, weit­er nichts.‘ Und hob seinen Fuss auf und gab ihm einen Tritt, dass er über vier Fud­er Heu hin­aus­flog. Darauf suchte er sich den dick­sten Eisen­stab aus, der in der Schmiede war, nahm ihn als einen Stock in die Hand und ging weiter.

Als er eine Weile gezo­gen war, kam er zu einem Vor­w­erk und fragte den Amt­mann, ob er keinen Grossknecht nötig hätte. ​‚Ja,‘ sagte der Amt­mann, ​‚ich kann einen brauchen: du siehst aus wie ein tüchtiger Kerl, der schon was ver­mag, wieviel willst du Jahrslohn haben?‘ Er antwortete wiederum, er ver­langte gar keinen Lohn, aber alle Jahre wollte er ihm drei Stre­iche geben, die müsste er aushal­ten. Das war der Amt­mann zufrieden, denn er war auch ein Geizhals. Am andern Mor­gen, da soll­ten die Knechte ins Holz fahren, und die andern Knechte waren schon auf, er aber lag noch im Bett. Da rief ihn ein­er an ​’steh auf, es ist Zeit, wir wollen ins Holz, und du musst mit.‘ ​‚Ach,‘ sagte er ganz grob und trotzig, ​‚geht ihr nur hin, ich komme doch eher wieder als ihr alle miteinan­der.‘ Da gin­gen die andern zum Amt­mann und erzählten ihm, der Grossknecht läge noch im Bett und wollte nicht mit ins Holz fahren. Der Amt­mann sagte, sie soll­ten ihn noch ein­mal weck­en und ihn heis­sen die Pferde vorspan­nen. Der Grossknecht sprach aber wie vorher ​‚geht ihr nur hin, ich komme doch eher wieder als ihr alle miteinan­der.‘ Darauf blieb er noch zwei Stun­den liegen, da stieg er endlich aus den Fed­ern, holte sich aber erst zwei Schef­fel voll Erb­sen vom Boden, kochte sich einen Brei und ass den mit guter Ruhe, und wie das alles geschehen war, ging er hin, span­nte die Pferde vor und fuhr ins Holz. Nicht weit vor dem Holz war ein Hohlweg, wo er durch musste, da fuhr er den Wagen erst vor­wärts, dann mussten die Pferde stille hal­ten, und er ging hin­ter den Wagen, nahm Bäume und Reisig und machte da eine grosse Hucke (Ver­hack), so dass kein Pferd durchkom­men kon­nte. Wie er nun vors Holz kam, fuhren die andern eben mit ihren belade­nen Wagen her­aus und woll­ten heim, da sprach er zu ihnen ​‚fahrt nur hin, ich komme doch eher als ihr nach Haus.‘ Er fuhr gar nicht weit ins Holz, riss gle­ich zwei der aller­grössten Bäume aus der Erde, warf sie auf de n Wagen und drehte um. Als er vor der Hucke anlangte, standen die andern noch da und kon­nten nicht durch. ​‚Seht ihr wohl,‘ sprach er, ​‚wärt ihr bei mir geblieben, so wärt ihr eben­so schnell nach Haus gekom­men und hät­tet noch eine Stunde schlafen kön­nen.‘ Er wollte nun zufahren, aber seine Pferde kon­nten sich nicht dur­char­beit­en, da span­nte er sie aus, legte sie oben auf den Wagen, nahm sel­ber die Deich­sel in die Hand, und hüf! zog er alles durch, und das ging so leicht, als hätt er Fed­ern geladen. Wie er drüben war, sprach er zu den andern ​’seht ihr wohl, ich bin schneller hin­durch als ihr,‘ fuhr weit­er, und die andern mussten ste­hen bleiben. In dem Hof aber nahm er einen Baum in die Hand, zeigte ihn dem Amt­mann und sagte ​‚ist das nicht ein schönes Klafter­stück?‘ Da sprach der Amt­mann zu sein­er Frau ​‚der Knecht ist gut; wenn er auch lang schläft, er ist doch eher wieder da als die andern.‘

Nun diente er dem Amt­mann ein Jahr: wie das herum war und die andern Knechte ihren Lohn kriegten, sprach er, es wäre Zeit, er wollte sich auch seinen Lohn nehmen. Dem Amt­mann ward aber angst vor den Stre­ichen, die er kriegen sollte, und bat ihn inständig, er möchte sie ihm schenken, lieber wollte er selb­st Grossknecht wer­den, und er sollte Amt­mann sein. ​‚Nein,‘ sprach er, ​‚ich will kein Amt­mann wer­den, ich bin Grossknecht und wills bleiben, ich will aber austeilen, was bedun­gen ist.‘ Der Amt­mann wollte ihm geben, was er nur ver­langte, aber es half nichts, der Grossknecht sprach zu allem ​’nein.‘ Da wusste sich der Amt­mann nicht zu helfen und bat ihn um vierzehn Tage Frist, er wollte sich auf etwas besin­nen. Der Grossknecht sprach, die Frist sollte er haben. Der Amt­mann berief alle seine Schreiber zusam­men, sie soll­ten sich bedenken und ihm einen Rat geben. Die Schreiber besan­nen sich lange, endlich sagten sie, vor dem Grossknecht wäre nie­mand seines Lebens sich­er, der schlüge einen Men­schen wie eine Mücke tot. Er sollte ihn heis­sen in den Brun­nen steigen und ihn reini­gen, wenn er unten wäre, woll­ten sie einen von den Müh­len­steinen, die da lägen, her­beirollen und ihm auf den Kopf wer­fen, dann würde er nicht wieder an des Tages Licht kom­men. Der Rat gefiel dem Amt­mann, und der Grossknecht war bere­it, in den Brun­nen hin­abzusteigen. Als er unten auf dem Grund stand, roll­ten sie den grössten Müh­len­stein hinab, und mein­ten, der Kopf wäre ihm eingeschla­gen, aber er rief ​‚jagt die Hüh­n­er vom Brun­nen weg, die kratzen da oben im Sand und wer­fen mir die Körn­er in die Augen, dass ich nicht sehen kann.‘ Da rief der Amt­mann ​‚husch! husch!‘ und tat, als scheuchte er die Hüh­n­er weg. Als der Grossknecht mit sein­er Arbeit fer­tig war, stieg er her­auf und sagte ​’seht ein­mal, ich habe doch ein schönes Hals­band um,‘ da war es der Müh­len­stein, den er um den Hals trug. Der Grossknecht woll te jet­zt seinen Lohn nehmen, aber der Amt­mann bat wieder um vierzehn Tage Bedenkzeit. Die Schreiber kamen zusam­men und gaben den Rat, er sollte den Grossknecht in die ver­wün­schte Müh­le schick­en, um dort in der Nacht Korn zu mahlen: von da wäre noch kein Men­sch mor­gens lebendig her­aus­gekom­men. Der Anschlag gefiel dem Amt­mann, er rief den Grossknecht noch densel­ben Abend und hiess ihn acht Mal­ter Korn in die Müh­le fahren und in der Nacht noch mahlen; sie hät­tens nötig. Da ging der Grossknecht auf den Boden und tat zwei Mal­ter in seine rechte Tasche, zwei in die linke, vier nahm er in einem Quer­sack halb auf den Rück­en, halb auf die Brust, und ging also beladen nach der ver­wün­scht­en Müh­le. Der Müller sagte ihm, bei Tag kön­nte er recht gut da mahlen, aber nicht in der Nacht, da wäre die Müh­le ver­wün­scht, und wer da noch hineinge­gan­gen wäre, den hätte man am Mor­gen tot darin gefun­den. Er sprach ​‚ich will schon durchkom­men, macht Euch nur fort und legt Euch aufs Ohr.‘ Darauf ging er in die Müh­le und schüt­tete das Korn auf. Gegen elf Uhr ging er in die Müller­stube und set­zte sich auf die Bank. Als er ein Weilchen da gesessen hat­te, tat sich auf ein­mal die Tür auf und kam eine grosse grosse Tafel here­in, und auf die Tafel stellte sich Wein und Brat­en und viel gutes Essen, alles von sel­ber, denn es war nie­mand da, ders auftrug. Und danach rück­ten sich die Stüh­le her­bei, aber es kamen keine Leute, bis auf ein­mal sah er Fin­ger, die hantierten mit den Messern und Gabeln und legten Speisen auf die Teller, aber son­st kon­nte er nichts sehen. Da er hun­grig war und die Speisen sah, so set­zte er sich auch an die Tafel, ass mit und liess sichs gut schmeck­en. Als er satt war und die andern ihre Schüs­seln auch ganz leer gemacht hat­ten, da wur­den die Lichter auf ein­mal alle aus­geputzt, das hörte er deut­lich, und wies nun stock­fin­ster war, so kriegte er so etwas wie eine Ohrfei ge ins Gesicht. Da sprach er ​‚wenn noch ein­mal so etwas kommt, so teil ich auch wieder aus.‘ Und wie er zum zweit­en­mal eine Ohrfeige kriegte, da schlug er gle­ich­falls mit hinein. Und so ging das fort die ganze Nacht, er nahm nichts umson­st, son­dern gab reich­lich zurück und schlug nicht faul um sich herum: bei Tage­san­bruch aber hörte alles auf. Wie der Müller aufge­s­tanden war, wollte er nach ihm sehen und ver­wun­derte sich, dass er noch lebte. Da sprach er ​‚ich habe mich satt gegessen, habe Ohrfeigen gekriegt, aber ich habe auch Ohrfeigen aus­geteilt.‘ Der Müller freute sich und sagte, nun wäre die Müh­le erlöst, und wollt ihm gern zur Beloh­nung viel Geld geben. Er sprach aber ​‚Geld will ich nicht, ich habe doch genug.‘ Dann nahm er sein Mehl auf den Rück­en, ging nach Haus und sagte dem Amt­mann, er hätte die Sache aus­gerichtet und wollte nun seinen bedun­genen Lohn haben. Wie der Amt­mann das hörte, da ward ihm erst recht angst: er wusste sich nicht zu lassen, ging in der Stube auf und ab, und die Schweis­stropfen liefen ihm von der Stirne herunter. Da machte er das Fen­ster auf nach frisch­er Luft, ehe er sichs aber ver­sah, hat­te ihm der Grossknecht einen Tritt gegeben, dass er durchs Fen­ster in die Luft hine­in­flog, immer fort, bis ihn nie­mand mehr sehen kon­nte. Da sprach der Grossknecht zur Frau des Amt­manns ​‚kommt er nicht wieder, so müsst Ihr den anderen Stre­ich hin­nehmen.‘ Sie rief ​’nein, nein, ich kanns nicht aushal­ten,‘ und machte das andere Fen­ster auf, weil ihr die Schweis­stropfen die Stirne herun­ter­liefen. Da gab er ihr einen Tritt, dass sie gle­ich­falls hin­aus­flog, und da sie leichter war, noch viel höher als ihr Mann. Der Mann rief ​‚komm doch zu mir,‘ sie aber rief ​‚komm du zu mir, ich kann nicht zu dir.‘ Und sie schwebten da in der Luft, und kon­nte keins zum andern kom­men, und ob sie da noch schweben, das weiss ich nicht; der junge Riese aber nahm seine Eisen­stange und ging weiter.

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