Der Hahnenbalken

von Brüder Grimm

~3 Min

Es war ein­mal ein Zauber­er, der stand mit­ten in ein­er grossen Menge Volks und voll­brachte seine Wun­derdinge. Da liess er auch einen Hahn ein­her­schre­it­en, der hob einen schw­eren Balken und trug ihn, als wäre er fed­er­le­icht. Nun war aber ein Mäd­chen, das hat­te eben ein vierblät­triges Klee­blatt gefun­den und war dadurch klug gewor­den, so dass kein Blendw­erk vor ihm beste­hen kon­nte, und sah, dass der Balken nichts war als ein Stro­hhalm. Da rief es ihr Leute, seht ihr nicht, das ist ein bloss­er Stro­hhalm und kein Balken, was der Hahn da trägt.‘ Als­bald ver­schwand der Zauber, und die Leute sahen, was es war, und jagten den Hex­en­meis­ter mit Schimpf und Schande fort. 

Er aber, voll inner­lichen Zornes, sprach ich will mich schon rächen.‘ Nach einiger Zeit hielt das Mäd­chen Hochzeit, war geputzt und ging in einem grossen Zug über das Feld nach dem Ort, wo die Kirche stand. Auf ein­mal kamen sie an einen stark angeschwol­lenen Bach, und war keine Brücke und kein Steg, darüber zu gehen. Da war die Braut flink, hob ihre Klei­der auf und wollte durch­wa­t­en. Wie sie nun eben im Wass­er so ste­ht, ruft ein Mann, und das war der Zauber­er, neben ihr ganz spöt­tisch ei! wo hast du deine Augen, dass du das für ein Wass­er hältst?, Da gin­gen ihr die Augen auf, und sie sah, dass sie mit ihren aufge­hobe­nen Klei­dern mit­ten in einem blaublühen­den Flachs­feld stand. Da sahen es die Leute auch alle­samt und jagten sie mit Schimpf und Gelächter fort.