Der gute Handel

von Brüder Grimm

~8 Min

Ein Bauer, der hat­te seine Kuh auf den Markt getrieben und für sieben Taler verkauft. Auf dem Heimweg musste er an einem Teich vor­bei, und da hörte er schon von weit­em, wie die Frösche riefen ak, ak, ak, ak.“ – Ja,“ sprach er für sich, die schreien auch ins Haber­feld hinein: sieben sind’s, die ich gelöst habe, keine acht.“ Als er zu dem Wass­er her­ankam, rief er ihnen zu: Dummes Vieh, das ihr seid! Wisst ihr’s nicht bess­er? Sieben Taler sind’s und keine acht.“ Die Frösche blieben aber bei ihrem ak, ak, ak, ak.“ – Nun, wenn ihr’s nicht glauben wollt, ich kann’s euch vorzählen,“ holte das Geld aus der Tasche und zählte die sieben Taler ab, immer vierundzwanzig Groschen auf einen. Die Frösche aber kehrten sich nicht an seine Rech­nung, und riefen aber­mals: Ak, ak, ak, ak.“ – Ei,“ rief der Bauer ganz bös, wollt ihr’s bess­er wis­sen als ich, so zählt sel­ber,“ und warf ihnen das Geld miteinan­der ins Wass­er hinein. Er blieb ste­hen und wollte warten, bis sie fer­tig wären und ihm das Seinige wieder­brächt­en, aber die Frösche behar­rten auf ihrem Sinn, schrieen immer­fort ak, ak, ak, ak“ und war­fen auch das Geld nicht wieder her­aus. Er wartete noch eine gute Weile, bis der Abend anbrach und er nach Haus musste. Da schimpfte er die Frösche aus und rief: Ihr Wasser­patsch­er, ihr Dick­köpfe, ihr Glotza­u­gen, ein gross Maul habt ihr und kön­nt schreien, dass einem die Ohren weh tun, aber sieben Taler kön­nt ihr nicht zählen. Meint ihr, ich wollte daste­hen bis ihr fer­tig wärt?“ Damit ging er fort, aber die Frösche riefen noch ak, ak, ak, ak“ hin­ter ihm her, dass er ganz ver­driesslich heimkam.

Über eine Zeit erhan­delte er sich wieder eine Kuh, die schlachtete er und machte die Rech­nung, wenn er das Fleisch gut verkaufte, kön­nte er so viel lösen, als die bei­den Kühe wert wären, und das Fell hätte er oben­drein. Als er nun mit dem Fleisch zu der Stadt kam, war vor dem Tore ein ganzes Rudel Hunde zusam­men­ge­laufen, voran ein gross­er Wind­hund. Der sprang um das Fleisch, schnup­perte und bellte: Was, was, was, was.“ Als er gar nicht aufhören wollte, sprach der Bauer zu ihm: Ja, ich merke wohl, du sagst ›was, was‹, weil du etwas von dem Fleis­che ver­langst, da sollt ich aber schön ankom­men, wenn ich dir’s geben wollte.“ Der Hund antwortete nichts als was, was.“ – Willst du’s auch nicht wegfressen und für deine Kam­er­aden da gut­ste­hen?“ – Was, was,“ sprach der Hund. Nun, wenn du dabei beharrst, so will ich dir’s lassen, ich kenne dich wohl und weiss, bei wem du dienst. Aber das sage ich dir, in drei Tagen muss ich mein Geld haben, son­st geht dir’s schlimm. Du kannst mir’s nur hin­aus­brin­gen.“ Darauf lud er das Fleisch ab und kehrte wieder um. Die Hunde macht­en sich darüber her und bell­ten laut, was, was.“ Der Bauer, der es von weit­em hörte, sprach zu sich: Horch, jet­zt ver­lan­gen sie alle was, aber der grosse muss mir einstehen.“

Als drei Tage herum waren, dachte der Bauer: Heute abend hast du dein Geld in der Tasche, und war ganz vergnügt. Aber es wollte nie­mand kom­men und auszahlen. Es ist kein Ver­lass mehr auf jemand,“ sprach er, und endlich riss ihm die Geduld, dass er in die Stadt zu dem Fleis­ch­er ging und sein Geld forderte. Der Fleis­ch­er meinte, es wäre ein Spass, aber der Bauer sagte: Spass bei­seite, ich will mein Geld. Hat der grosse Hund Euch nicht die ganze geschlachtete Kuh vor drei Tagen heimge­bracht?“ Da ward der Fleis­ch­er zornig, griff nach einem Besen­stiel und jagte ihn hin­aus. Wart,“ sprach der Bauer, es gibt noch Gerechtigkeit auf der Welt!“ und ging in das königliche Schloss und bat sich Gehör aus. Er ward vor den König geführt, der da sass mit sein­er Tochter und fragte, was ihm für ein Leid wider­fahren wäre? Ach,“ sagte er, die Frösche und die Hunde haben mir das Meinige genom­men, und der Met­zger hat mich dafür mit dem Stock bezahlt,“ und erzählte weitläu­fig, wie es zuge­gan­gen war. Darüber fing die Königstochter laut an zu lachen, und der König sprach zu ihm: Recht kann ich dir hier nicht geben, aber dafür sollst du meine Tochter zur Frau haben. Ihr Leb­tag hat sie noch nicht gelacht als eben über dich, und ich habe sie dem ver­sprochen, der sie zum Lachen brächte. Du kannst Gott für dein Glück danken.“ – O,“ antwortete der Bauer, ich will sie gar nicht, ich habe daheim nur eine einzige Frau, und die ist mir schon zuviel. Wenn ich nach Haus komme, so ist mir nicht anders, als ob in jedem Winkel eine stände.“ Da ward der König zornig und sagte: Du bist ein Gro­bian.“ – Ach, Herr König,“ antwortete der Bauer, was kön­nt Ihr von einem Ochsen anders erwarten als Rind­fleisch!“ – Warte,“ erwiderte der König, du sollst einen andern Lohn haben. Jet­zt pack dich fort, aber in drei Tagen komm wieder, so sollen dir fünfhun­dert voll­gezählt werden.“

Wie der Bauer hin­aus vor die Tür kam, sprach die Schildwache: Du hast die Königstochter zum Lachen gebracht, da wirst du was Recht­es bekom­men haben.“ – Ja, das mein ich,“ antwortete der Bauer, fünfhun­dert wer­den mir aus­gezahlt.“ – Hör,“ sprach der Sol­dat, gib mir etwas davon! Was willst du mit all dem Geld anfan­gen!“ – Weil du’s bist,“ sprach der Bauer, so sollst du zwei­hun­dert haben, melde dich in drei Tagen beim König, und lass dir’s aufzählen.“ Ein habgieriger Kauf­mann, der in der Nähe ges­tanden und das Gespräch mit ange­hört hat­te, lief dem Bauer nach, hielt ihn beim Rock und sprach: Gotteswun­der, was seid Ihr ein Glück­skind! Ich will’s Euch wech­seln, ich will’s Euch umset­zen in Schei­demünz, was wollt Ihr mit den harten Talern?“ – Mauschel,“ sagte der Bauer, drei­hun­dert kannst du noch haben, gib mir’s gle­ich in Münze, heute über drei Tage wirst du dafür beim König bezahlt wer­den.“ Der Kauf­mann freute sich über das Prof­itchen und brachte die Summe in schlecht­en Groschen, wo drei so viel wert sind als zwei gute. Nach Ver­lauf der drei Tage ging der Bauer, dem Befehl des Königs gemäss, vor den König. Zieht ihm den Rock aus,“ sprach dieser, er soll seine fünfhun­dert haben.“ – Ach,“ sagte der Bauer, sie gehören nicht mehr mein, zwei­hun­dert habe ich an die Schildwache ver­schenkt, und drei­hun­dert hat mir der Kauf­mann eingewech­selt, von Rechts wegen gebührt mir gar nichts.“ Indem kamen der Sol­dat und der Kauf­mann here­in, ver­langten das Ihrige, das sie dem Bauer abge­won­nen hät­ten, und erhiel­ten die Schläge richtig angemessen. Der Sol­dat ertrug’s geduldig und wusste schon, wie’s schmeck­te. Der Kauf­mann aber tat jäm­mer­lich: Au weih geschrien! Sind das die harten Taler?“ Der König musste über den Bauer lachen, und da aller Zorn ver­schwun­den war, sprach er: Weil du deinen Lohn schon ver­loren hast, bevor er dir zuteil ward, so will ich dir einen Ersatz geben. Gehe in meine Schatzkam­mer und hol dir Geld, soviel du willst.“ Der Bauer liess sich das nicht zweimal sagen, und füllte in seine weit­en Taschen, was nur hinein wollte. Danach ging er ins Wirtshaus und überzählte sein Geld. Der Kauf­mann war ihm nachgeschlichen und hörte, wie er mit sich allein brummte: Nun hat mich der Spitzbube von König doch hin­ters Licht geführt! Hätte er mir nicht selb­st das Geld geben kön­nen, so wüsste ich, was ich hätte. Wie kann ich nun wis­sen, ob das richtig ist, was ich so auf gut Glück eingesteckt habe!“ – Gott bewahre,“ sprach der Kauf­mann für sich, der spricht despek­tier­lich von unserm Her­rn! Ich lauf und geb’s an, da krieg ich eine Beloh­nung, und er wird oben­drein noch bestraft.“ Als der König von den Reden des Bauern hörte, geri­et er in Zorn und hiess den Kauf­mann hinge­hen und den Sün­der her­bei­holen. Der Kauf­mann lief zum Bauer: Ihr sollt gle­ich zum Her­rn König kom­men, wie Ihr geht und ste­ht.“ – Ich weiss bess­er, was sich schickt,“ antwortete der Bauer, erst lass ich mir einen neuen Rock machen. Meinst du, ein Mann, der so viel Geld in der Tasche hat, sollte in dem alten Lumpen­rock hinge­hen?“ Der Kauf­mann, als er sah, dass der Bauer ohne einen andern Rock nicht wegzubrin­gen war, und weil er fürchtete, wenn der Zorn des Königs ver­raucht wäre, so käme er um seine Beloh­nung und der Bauer um seine Strafe, so sprach er: Ich will Euch für die kurze Zeit einen schö­nen Rock lei­hen aus bloss­er Fre­und­schaft; was tut der Men­sch nicht alles aus Liebe!“ Der Bauer liess sich das gefall­en, zog den Rock vom Kauf­mann an und ging mit ihm fort. Der König hielt dem Bauer die bösen Reden vor, die der Kauf­mann hin­ter­bracht hat­te. Ach,“ sprach der Bauer, was ein Kauf­mann sagt, ist immer gel­o­gen, dem geht kein wahres Wort aus dem Munde; der Kerl da ist imstand und behauptet, ich hätte seinen Rock an.“ – Was soll mir das?“ schrie der Kauf­mann, ist der Rock nicht mein? Hab ich ihn Euch nicht aus bloss­er Fre­und­schaft geborgt, damit Ihr vor den Her­rn König treten kon­ntet?“ Wie der König das hörte, sprach er: Einen hat der Kauf­mann gewiss bet­ro­gen, mich oder den Bauer,“ und liess ihm noch etwas in harten Talern nachzahlen. Der Bauer aber ging in dem guten Rock und mit dem guten Geld in der Tasche heim und sprach: Dies­mal hab ich’s getroffen.“