Der goldene Vogel

von Brüder Grimm

~15 Min

Es war vor Zeit­en ein König, der hat­te einen schö­nen Lust­garten hin­ter seinem Schloss, darin stand ein Baum, der gold­ene Äpfel trug. Als die Äpfel reiften, wur­den sie gezählt, aber gle­ich den näch­sten Mor­gen fehlte ein­er. Das ward dem König gemeldet, und er befahl, dass alle Nächte unter dem Baume Wache sollte gehal­ten wer­den. Der König hat­te drei Söhne, davon schick­te er den ältesten bei ein­brechen­der Nacht in den Garten. Wie es aber Mit­ter­nacht war, kon­nte er sich des Schlafes nicht erwehren, und am näch­sten Mor­gen fehlte wieder ein Apfel. In der fol­gen­den Nacht musste der zweite Sohn wachen, aber dem erg­ing es nicht bess­er. Als es zwölf Uhr geschla­gen hat­te, schlief er ein, und mor­gens fehlte ein Apfel. Jet­zt kam die Rei­he zu wachen an den drit­ten Sohn; der war auch bere­it, aber der König traute ihm nicht viel zu und meinte, er würde noch weniger aus­richt­en als seine Brüder; endlich aber ges­tat­tete er es doch. Der Jüngling legte sich also unter den Baum, wachte und liess den Schlaf nicht Herr wer­den. Als es zwölf schlug, so rauschte etwas durch die Luft, und er sah im Mond­schein einen Vogel daher­fliegen, dessen Gefieder ganz von Gold glänzte. Der Vogel liess sich auf dem Baume nieder und hat­te eben einen Apfel abgepickt, als der Jüngling einen Pfeil nach ihm abschoss. Der Vogel ent­floh, aber der Pfeil hat­te sein Gefieder getrof­fen, und eine sein­er gold­e­nen Fed­ern fiel herab. Der Jüngling hob sie auf, brachte sie am andern Mor­gen dem König und erzählte ihm, was er in der Nacht gese­hen hat­te. Der König ver­sam­melte seinen Rat, und jed­er­mann erk­lärte, eine Fed­er wie diese sei mehr wert als das gesamte Kön­i­gre­ich. Ist die Fed­er so kost­bar,“ erk­lärte der König, so hil­ft mir die eine auch nichts, son­dern ich will und muss den ganzen Vogel haben.“

Der älteste Sohn machte sich auf den Weg, ver­liess sich auf seine Klugheit und meinte den gold­e­nen Vogel schon zu find­en. Wie er eine Strecke gegan­gen war, sah er an dem Rande eines Waldes einen Fuchs sitzen, legte seine Flinte an und zielte auf ihn. Der Fuchs rief: Schiess mich nicht, ich will dir dafür einen guten Rat geben. Du bist auf dem Weg nach dem gold­e­nen Vogel und wirst heute abend in ein Dorf kom­men, wo zwei Wirtshäuser einan­der gegenüber­ste­hen. Eins ist hell erleuchtet, und es geht darin lustig her; da kehr aber nicht ein, son­dern geh ins andere, wenn es dich auch schlecht ansieht.“ Wie kann mir wohl so ein albernes Tier einen vernün­fti­gen Rat erteilen! dachte der Königssohn und drück­te los, aber er fehlte den Fuchs, der den Schwanz streck­te und schnell in den Wald lief. Darauf set­zte er seinen Weg fort und kam abends in das Dorf, wo die bei­den Wirtshäuser standen. In dem einen ward gesun­gen und gesprun­gen, das andere hat­te ein arm­seliges betrübtes Anse­hen. Ich wäre wohl ein Narr, dachte er, wenn ich in das lumpige Wirtshaus gin­ge und das schöne liegen liess. Also ging er in das lustige ein, lebte da in Saus und Braus und ver­gass den Vogel, seinen Vater und alle guten Lehren.

Als eine Zeit ver­strichen und der älteste Sohn immer und immer nicht nach Haus gekom­men war, so machte sich der zweite auf den Weg und wollte den gold­e­nen Vogel suchen. Wie dem Ältesten begeg­nete ihm der Fuchs und gab ihm den guten Rat, den er nicht achtete. Er kam zu den bei­den Wirtshäusern, wo sein Brud­er am Fen­ster des einen stand, aus dem der Jubel erschallte, und ihn anrief. Er kon­nte nicht wider­ste­hen, ging hinein und lebte nur seinen Lüsten.

Wiederum ver­strich eine Zeit, da wollte der jüng­ste Königssohn ausziehen und sein Heil ver­suchen, der Vater aber wollte es nicht zulassen. Es ist verge­blich,“ sprach er, der wird den gold­e­nen Vogel noch weniger find­en als seine Brüder, und wenn ihm ein Unglück zustösst, so weiss er sich nicht zu helfen, es fehlt ihm am Besten.“ Doch endlich, wie keine Ruhe mehr da war, liess er ihn ziehen. Vor dem Walde sass wieder der Fuchs, bat um sein Leben und erteilte den guten Rat. Der Jüngling war gut­mütig und sagte: Sei ruhig, Füch­slein, ich tue dir nichts zuleid!“ – Es soll dich nicht gereuen,“ antwortete der Fuchs, und damit du schneller fortkommst, so steig hin­ten auf meinen Schwanz.“ Und kaum hat er sich aufge­set­zt, so fing der Fuchs an zu laufen und ging’s über Stock und Stein, dass die Haare im Winde pfif­f­en. Als sie zu dem Dorf kamen, stieg der Jüngling ab, befol­gte den guten Rat und kehrte, ohne sich umzuse­hen, in das geringe Wirtshaus ein, wo er ruhig über­nachtete. Am andern Mor­gen, wie er auf das Feld kam, sass da schon der Fuchs und sagte: Ich will dir weit­er sagen, was du zu tun hast. Geh du immer ger­ade aus, endlich wirst du an ein Schloss kom­men, vor dem eine ganze Schar Sol­dat­en liegt; aber kümm­re dich nicht darum, denn sie wer­den alle schlafen und schnar­chen: geh mit­ten­durch und ger­adewegs in das Schloss hinein, und geh durch alle Stuben. Zulet­zt wirst du in eine Kam­mer kom­men, wo ein gold­en­er Vogel in einem hölz­er­nen Käfig hängt. Nebe­nan ste­ht ein leer­er Gold­kä­fig zum Prunk, aber hüte dich, dass du den Vogel nicht aus seinem schlecht­en Käfig her­aus­nimmst und in den prächti­gen tust, son­st möchte es dir schlimm erge­hen.“ Nach diesen Worten streck­te der Fuchs wieder seinen Schwanz aus, und der Königssohn set­zte sich auf. Da ging’s über Stock und Stein, dass die Haare im Winde pfif­f­en. Als er bei dem Schloss ange­langt war, fand er alles so, wie der Fuchs gesagt hat­te. Der Königssohn kam in die Kam­mer, wo der gold­ene Vogel in einem hölz­er­nen Käfig stand, und ein gold­en­er stand daneben; die drei gold­e­nen Äpfel aber lagen in der Stube umher. Da dachte er, es wäre lächer­lich, wenn er den schö­nen Vogel in dem gemeinen und hässlichen Käfig lassen wollte, öffnete die Türe, pack­te ihn und set­zte ihn in den gold­e­nen. In dem Augen­blick aber tat der Vogel einen durch­drin­gen­den Schrei. Die Sol­dat­en erwacht­en, stürzten here­in und führten ihn ins Gefäng­nis. Den andern Mor­gen wurde er vor ein Gericht gestellt und, da er alles bekan­nte, zum Tode verurteilt. Doch sagte der König, er wollte ihm unter ein­er Bedin­gung das Leben schenken, wenn er ihm näm­lich das gold­ene Pferd brächte, welch­es noch schneller liefe als der Wind, und dann sollte er oben­drein zur Beloh­nung den gold­e­nen Vogel erhalten.

Der Königssohn machte sich auf den Weg, seufzte aber und war trau­rig, denn wo sollte er das gold­ene Pferd find­en? Da sah er auf ein­mal seinen alten Fre­und, den Fuchs, an dem Wege sitzen. Siehst du,“ sprach der Fuchs, so ist es gekom­men, weil du mir nicht gehört hast! Doch sei guten Mutes, ich will mich dein­er annehmen und dir sagen, wie du zu dem gold­e­nen Pferd gelangst. Du musst ger­ades Weges fort­ge­hen, so wirst du zu einem Schloss kom­men, wo das Pferd im Stalle ste­ht. Vor dem Stall wer­den die Stal­lknechte liegen, aber sie wer­den schlafen und schnar­chen, und du kannst geruhig das gold­ene Pferd her­aus­führen. Aber eins musst du in acht nehmen: leg ihm den schlecht­en Sat­tel von Holz und Led­er auf und ja nicht den gold­e­nen, der dabei­hängt, son­st wird es dir schlimm erge­hen.“ Dann streck­te der Fuchs seinen Schwanz aus, der Königssohn set­zte sich auf, und es ging über Stock und Stein, dass die Haare im Winde pfif­f­en. Alles traf so ein, wie der Fuchs gesagt hat­te, er kam in den Stall, wo das gold­ene Pferd stand. Als er ihm aber den schlecht­en Sat­tel aufle­gen wollte, so dachte er: Ein so schönes Tier wird ver­schän­det, wenn ich ihm nicht den guten Sat­tel auflege, der ihm gebührt. Kaum aber berührte der gold­ene Sat­tel das Pferd, so fing es an laut zu wiehern. Die Stal­lknechte erwacht­en, ergrif­f­en den Jüngling und war­fen ihn ins Gefäng­nis. Am andern Mor­gen wurde er vom Gerichte zum Tode verurteilt, doch ver­sprach ihm der König das Leben zu schenken und dazu das gold­ene Pferd, wenn er die schöne Königstochter vom gold­e­nen Schlosse her­beis­chaf­fen könnte.

Mit schw­erem Herzen machte sich der Jüngling auf den Weg, doch zu seinem Glück fand er bald den treuen Fuchs. Ich sollte dich nur deinem Unglück über­lassen,“ sagte der Fuchs, aber ich habe Mitlei­den mit dir und will dir noch ein­mal aus dein­er Not helfen. Dein Weg führt dich ger­ade zu dem gold­e­nen Schlosse. Abends wirst du anlan­gen, und nachts, wenn alles still ist, dann geht die schöne Königstochter ins Bade­haus, um da zu baden. Und wenn sie hineinge­ht, so spring auf sie zu und gib ihr einen Kuss, dann fol­gt sie dir, und kannst sie mit dir fort­führen; nur dulde nicht, dass sie vorher von ihren Eltern Abschied nimmt, son­st kann es dir schlimm erge­hen.“ Dann streck­te der Fuchs seinen Schwanz, der Königssohn set­zte sich auf, und so ging es über Stock und Stein, dass die Haare im Winde pfif­f­en. Als er beim gold­e­nen Schloss ankam, war es so, wie der Fuchs gesagt hat­te. Er wartete bis um Mit­ter­nacht, als alles in tiefem Schlaf lag und die schöne Jungfrau ins Bade­haus ging, da sprang er her­vor und gab ihr einen Kuss. Sie sagte, sie wollte gerne mit ihm gehen, sie bat ihn aber fle­hentlich und mit Trä­nen, er möchte ihr erlauben, vorher von ihren Eltern Abschied zu nehmen. Er wider­stand anfangs ihren Bit­ten, als sie aber immer mehr weinte und ihm zu Füssen fiel, so gab er endlich nach. Kaum war die Jungfrau zu dem Bette ihres Vaters getreten, so wachte er und alle andern, die im Schlosse waren, auf, und der Jüngling ward fest­ge­hal­ten und ins Gefäng­nis gesetzt.

Am andern Mor­gen sprach der König zu ihm: Dein Leben ist ver­wirkt, und du kannst bloss Gnade find­en, wenn du den Berg abträgst, der vor meinen Fen­stern liegt und über welchen ich nicht hin­ausse­hen kann, und das musst du bin­nen acht Tagen zus­tande brin­gen. Gelingt dir das, so sollst du meine Tochter zur Beloh­nung haben.“ Der Königssohn fing an, grub und schaufelte ohne abzu­lassen, als er aber nach sieben Tagen sah, wie wenig er aus­gerichtet hat­te und alle seine Arbeit so gut wie nichts war, so fiel er in grosse Trau­rigkeit und gab alle Hoff­nung auf. Am Abend des sieben­ten Tages aber erschien der Fuchs und sagte: Du ver­di­enst nicht, dass ich mich dein­er annehme, aber geh nur hin und lege dich schlafen, ich will die Arbeit für dich tun.“ Am andern Mor­gen, als er erwachte und zum Fen­ster hin­aus­sah, so war der Berg ver­schwun­den. Der Jüngling eilte voll Freude zum König und meldete ihm, dass die Bedin­gung erfüllt wäre, und der König mochte wollen oder nicht, er musste Wort hal­ten und ihm seine Tochter geben.

Nun zogen die bei­den zusam­men fort, und es währte nicht lange, so kam der treue Fuchs zu ihnen. Das Beste hast du zwar,“ sagte er, aber zu der Jungfrau aus dem gold­e­nen Schloss gehört auch das gold­ene Pferd.“ – Wie soll ich das bekom­men?“ fragte der Jüngling. Das will ich dir sagen,“ antwortete der Fuchs, zuerst bring dem Könige, der dich nach dem gold­e­nen Schlosse geschickt hat, die schöne Jungfrau. Da wird uner­hörte Freude sein, sie wer­den dir das gold­ene Pferd gerne geben und wer­den dir’s vor­führen. Setz dich als­bald auf und reiche allen zum Abschied die Hand herab, zulet­zt der schö­nen Jungfrau, und wenn du sie gefasst hast, so zieh sie mit einem Schwung hin­auf und jage davon, und nie­mand ist imstande, dich einzu­holen, denn das Pferd läuft schneller als der Wind.“

Alles wurde glück­lich voll­bracht, und der Königssohn führte die schöne Jungfrau auf dem gold­e­nen Pferde fort. Der Fuchs blieb nicht zurück und sprach zu dem Jüngling: Jet­zt will ich dir auch zu dem gold­e­nen Vogel ver­helfen. Wenn du nahe bei dem Schlosse bist, wo sich der Vogel befind­et, so lass die Jungfrau absitzen, und ich will sie in meine Obhut nehmen. Dann reit mit dem gold­e­nen Pferd in den Schlosshof; bei dem Anblick wird grosse Freude sein, und sie wer­den dir den gold­e­nen Vogel her­aus­brin­gen. Wie du den Käfig in der Hand hast, so jage zu uns zurück und hole dir die Jungfrau wieder ab.“ Als der Anschlag geglückt war und der Königssohn mit seinen Schätzen heim­re­it­en wollte, so sagte der Fuchs: Nun sollst du mich für meinen Bei­s­tand belohnen.“ – Was ver­langst du dafür?“ fragte der Jüngling. Wenn wir dort in den Wald kom­men, so schiess mich tot und hau mir Kopf und Pfoten ab.“ – Das wäre eine schöne Dankbarkeit!“ sagte der Königssohn, das kann ich dir unmöglich gewähren.“ Sprach der Fuchs: Wenn du es nicht tun willst, so muss ich dich ver­lassen; ehe ich aber fort­ge­he, will ich dir noch einen guten Rat geben. Vor zwei Stück­en hüte dich, kauf kein Gal­gen­fleisch und set­ze dich an keinen Brun­nen­rand!“ Damit lief er in den Wald.

Der Jüngling dachte: Das ist ein wun­der­lich­es Tier, das selt­same Grillen hat. Wer wird Gal­gen­fleisch kaufen! Und die Lust, mich an einen Brun­nen­rand zu set­zen, ist mir noch niemals gekom­men.“ Er ritt mit der schö­nen Jungfrau weit­er, und sein Weg führte ihn wieder durch das Dorf, in welchem seine bei­den Brüder geblieben waren. Da war gross­er Auflauf und Lär­men, und als er fragte, was da los wäre, hiess es, es soll­ten zwei Leute aufge­hängt wer­den. Als er näher hinzukam, sah er, dass es seine Brüder waren, die aller­hand schlimme Stre­iche verübt und all ihr Gut ver­tan hat­ten. Er fragte, ob sie nicht kön­nten freigemacht wer­den. Wenn Ihr für sie bezahlen wollt,“ antworteten die Leute, aber was wollt Ihr an die schlecht­en Men­schen Euer Geld hän­gen und sie loskaufen.“ Er besann sich aber nicht, zahlte für sie, und als sie freigegeben waren, so set­zten sie die Reise gemein­schaftlich fort.

Sie kamen in den Wald, wo ihnen der Fuchs zuerst begeg­net war, und da es darin kühl und lieblich war und die Sonne heiss bran­nte, so sagten die bei­den Brüder: Lasst uns hier an dem Brun­nen ein wenig aus­ruhen, essen und trinken!“ Er willigte ein, und während des Gespräch­es ver­gass er sich, set­zte sich an den Brun­nen­rand und ver­sah sich nichts Arges. Aber die bei­den Brüder war­fen ihn rück­wärts in den Brun­nen, nah­men die Jungfrau, das Pferd und den Vogel, und zogen heim zu ihrem Vater. Da brin­gen wir nicht bloss den gold­e­nen Vogel,“ sagten sie, wir haben auch das gold­ene Pferd und die Jungfrau von dem gold­e­nen Schlosse erbeutet.“ Da war grosse Freude, aber das Pferd frass nicht, der Vogel pfiff nicht, und die Jungfrau, die sass und weinte.

Der jüng­ste Brud­er aber war nicht umgekom­men. Der Brun­nen war zum Glück trock­en, und er fiel auf weich­es Moos, ohne Schaden zu nehmen, kon­nte aber nicht wieder her­aus. Auch in dieser Not ver­liess ihn der treue Fuchs nicht, kam zu ihm her­abge­sprun­gen und schalt ihn, dass er seinen Rat vergessen hätte. Ich kann’s aber doch nicht lassen,“ sagte er, ich will dir wieder an das Tages­licht helfen.“ Er sagte ihm, er sollte seinen Schwanz anpack­en und sich fest daran hal­ten, und zog ihn dann in die Höhe. Noch bist du nicht aus aller Gefahr,“ sagte der Fuchs, deine Brüder waren deines Todes nicht gewiss und haben den Wald mit Wächtern umstellt, die sollen dich töten, wenn du dich sehen liess­est.“ Da sass ein armer Mann am Weg, mit dem ver­tauschte der Jüngling die Klei­der und gelangte auf diese Weise an des Königs Hof. Nie­mand erkan­nte ihn, aber der Vogel fing an zu pfeifen, das Pferd fing an zu fressen, und die schöne Jungfrau hörte Weinens auf. Der König fragte ver­wun­dert: Was hat das zu bedeuten?“ Da sprach die Jungfrau: Ich weiss es nicht, aber ich war so trau­rig und nun bin ich so fröh­lich. Es ist mir, als wäre mein rechter Bräutigam gekom­men.“ Sie erzählte ihm alles, was geschehen war, obgle­ich die andern Brüder ihr den Tod ange­dro­ht hat­ten, wenn sie etwas ver­rat­en würde. Der König hiess alle Leute vor sich brin­gen, die in seinem Schlosse waren, da kam auch der Jüngling als ein armer Mann in seinen Lumpen­klei­dern, aber die Jungfrau erkan­nte ihn gle­ich und fiel ihm um den Hals. Die got­t­losen Brüder wur­den ergrif­f­en und hin­gerichtet, er aber ward mit der schö­nen Jungfrau ver­mählt und zum Erben des Königs bestimmt.

Aber wie ist es dem armen Fuchs ergan­gen? Lange danach ging der Königssohn ein­mal wieder in den Wald. Da begeg­nete ihm der Fuchs und sagte: Du hast nun alles, was du dir wün­schen kannst, aber mit meinem Unglück will es kein Ende nehmen, und es ste­ht doch in dein­er Macht, mich zu erlösen,“ und aber­mals bat er fle­hentlich, er möchte ihn totsch­iessen und ihm Kopf und Pfoten abhauen. Also tat er’s, und kaum war es geschehen, so ver­wan­delte sich der Fuchs in einen Men­schen und war nie­mand anders als der Brud­er der schö­nen Königstochter, der endlich von dem Zauber, der auf ihm lag, erlöst war. Und nun fehlte nichts mehr zu ihrem Glück, solange sie lebten.