Der Fuchs und die Frau Gevatterin

von Brüder Grimm

~3 Min

Die Wölfin brachte ein Junges zur Welt und liess den Fuchs zu Gevat­ter ein­laden. Er ist doch nahe mit uns ver­wandt,‘ sprach sie, hat einen guten Ver­stand und viel Geschick­lichkeit, er kann mein Söhn­lein unter­richt­en und ihm in der Welt forthelfen.‘ Der Fuchs erschien auch ganz ehrbar und sprach lieb­w­erte Frau Gevat­terin, ich danke Euch für die Ehre, die Ihr mir erzeigt, ich will mich aber auch so hal­ten, dass Ihr Eure Freude daran haben sollt.‘ 

Bei dem Fest liess er sichs schmeck­en und machte sich ganz lustig, her­nach sagte er liebe Frau Gevat­terin, es ist unsere Pflicht, für das Kindlein zu sor­gen, Ihr müsst gute Nahrung haben, damit es auch zu Kräften kommt. Ich weiss einen Schaf­stall, woraus wir leicht ein gutes Stück holen kön­nen.‘ Der Wölfin gefiel das Liedlein, und sie ging mit dem Fuchs hin­aus nach dem Bauern­hof. Er zeigte ihr den Stall aus der Ferne und sprach dort werdet Ihr unge­se­hen hineinkriechen kön­nen, ich will mich der­weil auf der anderen Seite umse­hen, ob ich etwa ein Hühn­lein erwis­che.‘ Er ging aber nicht hin, son­dern liess sich am Ein­gang des Waldes nieder, streck­te die Beine und ruhte sich. 

Die Wölfin kroch in den Stall, da lag ein Hund und machte Lärm, so dass die Bauern gelaufen kamen, die Frau Gevat­terin ertappten und eine scharfe Lauge von unge­bran­nter Asche über ihr Fell gossen. Endlich entkam sie doch und schleppte sich hin­aus: da lag der Fuchs, tat ganz kläglich und sprach ach, liebe Frau Gevat­terin, wie ist mirs schlimm ergan­gen! die Bauern haben mich über­fall­en und mir alle Glieder zer­schla­gen, wenn Ihr nicht wollt, dass ich auf dem Platz liegen bleiben und ver­schmacht­en soll, so müsst Ihr mich fort­tra­gen.‘ Die Wölfin kon­nte selb­st nur langsam fort, doch hat­te sie grosse Sorge für den Fuchs, dass sie ihn auf ihren Rück­en nahm, und den ganz gesun­den und heilen Gevat­ter langsam bis zu ihrem Haus trug. Da rief er ihr zu lebt woh l, liebe Frau Gevat­terin, und lasst Euch den Brat­en wohl bekom­men,‘ lachte sie gewaltig aus und sprang fort.