Der Fuchs und das Pferd

von Brüder Grimm

~3 Min

Es hat­te ein Bauer ein treues Pferd, das war alt gewor­den und kon­nte keine Dien­ste mehr tun, da wollte ihm sein Herr nichts mehr zu fressen geben und sprach brauchen kann ich dich freilich nicht mehr, indes mein ich es gut mit dir, zeigst du dich noch so stark, dass du mir einen Löwen hier­her bringst, so will ich dich behal­ten, jet­zt aber mach dich fort aus meinem Stall,‘ und jagte es damit ins weite Feld. Das Pferd war trau­rig und ging nach dem Wald zu, dort ein wenig Schutz vor dem Wet­ter zu suchen. Da begeg­nete ihm der Fuchs und sprach was hängst du so den Kopf und gehst so ein­sam herum?‘ Ach,‘ antwortete das Pferd, Geiz und Treue wohnen nicht beisam­men in einem Haus, mein Herr hat vergessen, was ich ihm für Dien­ste in so vie­len Jahren geleis­tet habe, und weil ich nicht recht mehr ack­ern kann, will er mir kein Fut­ter mehr geben, und hat mich fort­ge­jagt.‘ Ohne allen Trost?‘ fragte der Fuchs. Der Trost war schlecht, er hat gesagt, wenn ich noch so stark wäre, dass ich ihm einen Löwen brächte, wollt er mich behal­ten, aber er weiss wohl, dass ich das nicht ver­mag.‘ Der Fuchs sprach da will ich dir helfen, leg dich nur hin, strecke dich aus und rege dich nicht, als wärst du tot.‘ Das Pferd tat, was der Fuchs ver­langte, der Fuchs aber ging zum Löwen, der seine Höh­le nicht weit davon hat­te, und sprach da draussen liegt ein totes Pferd, komm doch mit hin­aus, da kannst du eine fette Mahlzeit hal­ten.‘ Der Löwe ging mit, und wie sie bei dem Pferd standen, sprach der Fuchs hier hast dus doch nicht nach dein­er Gemäch­lichkeit, weisst du was? ich wills mit dem Schweif an dich binden, so kannst dus in deine Höh­le ziehen und in aller Ruhe verzehren.‘ Dem Löwen gefiel der Rat, er stellte sich hin, und damit ihm der Fuchs das Pferd fes­tknüpfen kön­nte, hielt er ganz still. Der Fuchs aber band mit des Pfer­des Schweif dem Löwen die Beine zusam­men und drehte und schnürte alles so wohl und stark, dass es m it kein­er Kraft zu zer­reis­sen war. Als er nun sein Werk vol­len­det hat­te, klopfte er dem Pferd auf die Schul­ter und sprach zieh, Schim­mel, zieh.‘ Da sprang das Pferd mit ein­mal auf und zog den Löwen mit sich fort. Der Löwe fing an zu brüllen, dass die Vögel in dem ganzen Wald vor Schreck­en auf­flo­gen, aber das Pferd liess ihn brüllen, zog und schleppte ihn über das Feld vor seines Her­rn Tür. Wie der Herr das sah, besann er sich eines Bessern und sprach zu dem Pferd du sollst bei mir bleiben und es gut haben,‘ und gab ihm satt zu fressen, bis es starb.