Der Eisenhans

von Brüder Grimm

~16 Min

Es war ein­mal ein König, der hat­te einen grossen Wald bei seinem Schloss; darin lief Wild aller Art herum. Zu ein­er Zeit schick­te er einen Jäger hin­aus, der sollte ein Reh schiessen, aber er kam nicht wieder. Vielle­icht ist ihm ein Unglück zugestossen,“ sagte der König und schick­te den fol­gen­den Tag zwei andere Jäger hin­aus, die soll­ten ihn auf­suchen; aber die blieben auch weg. Da liess er am drit­ten Tag alle seine Jäger kom­men und sprach: Streift durch den ganzen Wald und lasst nicht ab, bis ihr sie alle drei gefun­den habt!“ Aber auch von diesen kam kein­er wieder heim, und von der Meute Hunde, die sie mitgenom­men hat­ten, liess sich kein­er wieder sehen. Von der Zeit an wollte sich nie­mand mehr in den Wald wagen, und er lag da in tiefer Stille und Ein­samkeit, und man sah nur zuweilen einen Adler oder Habicht darüber hin­wegfliegen. Das dauerte viele Jahre; da meldete sich ein fremder Jäger bei dem König, suchte eine Ver­sorgung und erbot sich, in den gefährlichen Wald zu gehen. Der König aber wollte seine Ein­willi­gung nicht geben und sprach: Es ist nicht geheuer darin, ich fürchte, es geht dir nicht bess­er als den andern, und du kommst nicht wieder her­aus.“ Der Jäger antwortete: Herr, ich will’s auf meine Gefahr wagen; von Furcht weiss ich nichts.“ Der Jäger begab sich also mit seinem Hund in den Wald. Es dauerte nicht lange, so geri­et der Hund einem Wild auf die Fährte und wollte hin­ter ihm her; kaum aber war er ein paar Schritte gelaufen, so stand er vor einem tiefen Pfuhl, kon­nte nicht weit­er, und ein nack­ter Arm streck­te sich aus dem Wass­er, pack­te ihn und zog ihn hinab. Als der Jäger das sah, ging er zurück und holte drei Män­ner, die mussten mit Eimern kom­men und das Wass­er auss­chöpfen. Als sie auf den Grund sehen kon­nten so lag da ein wilder Mann, der braun am Leib war wie ros­tiges Eisen und dem die Haare über das Gesicht bis zu den Knien her­ab­hin­gen. Sie ban­den ihn mit Strick­en und führten ihn fort in das Schloss. Da war grosse Ver­wun­derung über den wilden Mann; der König aber liess ihn in einen eis­er­nen Käfig auf seinen Hof set­zen und ver­bot bei Lebensstrafe, die Türe des Käfigs zu öff­nen, und die Köni­gin musste den Schlüs­sel selb­st in Ver­wahrung nehmen. Von nun an kon­nte ein jed­er wieder mit Sicher­heit in den Wald gehen.

Der König hat­te einen Sohn von acht Jahren, der spielte ein­mal auf dem Hof, und bei dem Spiel fiel ihm sein gold­en­er Ball in den Käfig. Der Knabe lief hin und sprach: Gib mir meinen Ball her­aus!“ – Nicht eher,“ antwortete der Mann, als bis du mir die Türe aufgemacht hast.“ – Nein,“ sagte der Knabe, das tue ich nicht, das hat der König ver­boten,“ und lief fort. Am andern Tag kam er wieder und forderte seinen Ball. Der wilde Mann sagte: Öffne meine Türe!“ Aber der Knabe wollte nicht. Am drit­ten Tag war der König auf Jagd gerit­ten, da kam der Knabe nochmals und sagte:“Wenn ich auch wollte, ich kann die Türe nicht öff­nen, ich habe den Schlüs­sel nicht.“ Da sprach der wilde Mann: Er liegt unter dem Kopfkissen dein­er Mut­ter, da kannst du ihn holen.“ Der Knabe, der seinen Ball wieder haben wollte, schlug alles Bedenken in den Wind und brachte den Schlüs­sel her­bei. Die Türe ging schw­er auf, und der Knabe klemmte sich den Fin­ger. Als sie offen war, trat der wilde Mann her­aus, gab ihm den gold­e­nen Ball und eilte hin­weg. Dem Knaben war angst gewor­den, er schrie und rief ihm nach: Ach, wilder Mann, gehe nicht fort, son­st bekomme ich Schläge.“ Der wilde Mann kehrte um, hob ihn auf, set­zte ihn auf seinen Nack­en und ging mit schnellen Schrit­ten in den Wald hinein. Als der König heimkam, bemerk­te er den leeren Käfig und fragte die Köni­gin, wie das zuge­gan­gen wäre. Sie wusste nichts davon, suchte den Schlüs­sel, aber er war weg. Sie rief den Knaben, aber nie­mand antwortete. Der König schick­te Leute aus, die ihn auf dem Felde suchen soll­ten, aber sie fan­den ihn nicht. Da kon­nte er leicht errat­en, was geschehen war, und es herrschte grosse Trauer an dem königlichen Hof.

Als der wilde Mann wieder in dem fin­stern Wald ange­langt war, so set­zte er den Knaben von den Schul­tern herab und sprach zu ihm: Vater und Mut­ter siehst du nicht wieder, aber ich will dich bei mir behal­ten, denn du hast mich befre­it, und ich habe Mitleid mit dir. Wenn du alles tust, was ich dir sage, so sollst du’s gut haben. Schätze und Gold habe ich genug und mehr als jemand in der Welt. “ Er machte dem Knaben ein Lager von Moos, auf dem er ein­schlief; und am andern Mor­gen führte ihn der Mann zu einem Brun­nen und sprach: Siehst du, der Gold­brun­nen ist hell und klar wie Kristall, du sollst dabeisitzen und achthaben, dass nichts hine­in­fällt, son­st ist er verunehrt. Jeden Abend komme ich und sehe, ob du mein Gebot befol­gt hast.“ Der Knabe set­zte sich an den Rand des Brun­nens, sah, wie manch­mal ein gold­en­er Fisch, manch­mal eine gold­ene Schlange sich darin zeigte, und hat­te acht, dass nichts hine­in­fiel. Als er so sass, schmerzte ihn ein­mal der Fin­ger so heftig, dass er ihn unwillkür­lich in das Wass­er steck­te. Er zog ihn schnell wieder her­aus, sah aber, dass er ganz ver­gold­et war, und wie grosse Mühe er sich gab, das Gold wieder abzuwis­chen, es war alles verge­blich. Abends kam der Eisen­hans zurück, sah den Knaben an und sprach: Was ist mit dem Brun­nen geschehen?“ – Nichts, nichts,“ antwortete er und hielt den Fin­ger auf den Rück­en, dass er ihn nicht sehen sollte. Aber der Mann sagte: Du hast den Fin­ger in das Wass­er getaucht. Dies­mal mag’s hinge­hen, aber hüte dich, dass du nicht wieder etwas hine­in­fall­en lässt!“ Am früh­esten Mor­gen sass er schon bei dem Brun­nen und bewachte ihn. Der Fin­ger tat ihm wieder weh, und er fuhr damit über seinen Kopf, da fiel unglück­licher­weise ein Haar herab in den Brun­nen. Er nahm es schnell her­aus, aber es war schon ganz ver­gold­et. Der Eisen­hans kam und wusste schon, was geschehen war. Du hast ein Haar in den Brun­nen fall­en lassen,“ sagte er, ich will dir’s noch ein­mal nach­se­hen; aber wenn’s zum drit­ten­mal geschieht, so ist der Brun­nen entehrt, und du kannst nicht länger bei mir bleiben.“ Am drit­ten Tag sass der Knabe am Brun­nen und bewegte den Fin­ger nicht, wenn er ihm noch so weh tat. Aber die Zeit ward ihm lang und er betra­chtete sein Angesicht, das auf dem Wasser­spiegel stand. Und als er sich dabei immer mehr beugte und sich recht in die Augen sehen wollte, so fie­len ihm seine lan­gen Haare von den Schul­tern herab in das Wass­er. Er richtete sich schnell in die Höhe, aber das ganze Haupthaar war schon ver­gold­et und glänzte wie eine Sonne. Ihr kön­nt euch denken, wie der arme Knabe erschrak. Er nahm sein Taschen­tuch und band es um den Kopf, damit es der Mann nicht sehen sollte. Als er kam, wusste er schon alles und sprach: Binde das Tuch auf!“ Da quollen die gold­e­nen Haare her­vor, und der Knabe mochte sich entschuldigen wie er wollte, es half ihm nichts. Du hast die Probe nicht bestanden und kannst nicht länger hier bleiben. Geh hin­aus in die Welt, da wirst du erfahren, wie die Armut tut. Aber weil du kein bös­es Herz hast und ich’s mit dir gut meine, so will ich dir eins erlauben. Wenn du in Not gerätst, so geh zu dem Wald und rufe: Eisen­hans!‘, dann will ich kom­men und dir helfen. Meine Macht ist gross, gröss­er als du denkst, und Gold und Sil­ber habe ich im Überfluss.“

Da ver­liess der Königssohn den Wald und ging über gebah­nte und unge­bah­nte Wege immerzu, bis er zulet­zt in eine grosse Stadt kam. Er suchte da Arbeit, aber er kon­nte keine find­en und hat­te auch nichts erlernt, wom­it er sich hätte forthelfen kön­nen. Endlich ging er in das Schloss und fragte, ob sie ihn behal­ten woll­ten. Die Hofleute wussten nicht, wozu sie ihn brauchen soll­ten, aber sie hat­ten Wohlge­fall­en an ihm und hiessen ihn bleiben. Zulet­zt nahm ihn der Koch in Dienst und sagte, er kön­nte Holz und Wass­er tra­gen und die Asche zusam­menkehren. Ein­mal, als ger­ade kein ander­er zur Hand war, hiess ihn der Koch die Speisen zur königlichen Tafel tra­gen, da er aber seine gold­e­nen Haare nicht wollte sehen lassen, so behielt er sein Hütchen auf. Dem König war so etwas noch nicht vorgekom­men, und er sprach: Wenn du zur königlichen Tafel kommst, musst du deinen Hut abziehen!“ – Ach Herr,“ antwortete er, ich kann nicht, ich habe einen bösen Grind auf dem Kopf.“ Da liess der König den Koch her­beirufen, schalt ihn und fragte, wie er einen solchen Jun­gen hätte in seinen Dienst nehmen kön­nen; er sollte ihn gle­ich fort­ja­gen. Der Koch aber hat­te Mitlei­den mit ihm und ver­tauschte ihn mit dem Gärtnerjungen.

Nun musste der Junge im Garten pflanzen und begiessen hack­en und graben und Wind und bös­es Wet­ter über sich erge­hen lassen. Ein­mal im Som­mer, als er allein im Garten arbeit­ete, war der Tag so heiss, dass er sein Hütchen abnahm und die Luft ihn kühlen sollte. Wie die Sonne auf das Haar schien, glitzte und blitzte es, dass die Strahlen in das Schlafz­im­mer der Königstochter fie­len und sie auf­sprang, um zu sehen, was da wäre. Da erblick­te sie den Jun­gen und rief ihn an: Junge, bring mir einen Blu­men­strauss!“ Er set­zte in aller Eile sein Hütchen auf, brach wilde Feld­blu­men ab und band sie zusam­men. Als er damit die Treppe hin­auf­stieg, begeg­nete ihm der Gärt­ner und sprach: Wie kannst du der Königstochter einen Strauss von schlecht­en Blu­men brin­gen? Geschwind hole andere und suche die schön­sten und sel­tensten aus!“ – Ach nein,“ antwortete der Junge, die wilden riechen kräftiger und wer­den ihr bess­er gefall­en.“ Als er in ihr Zim­mer kam, sprach die Königstochter: Nimm dein Hütchen ab, es ziemt sich nicht, dass du ihn vor mir auf­be­hältst.“ Er antwortete wieder: Ich darf nicht, ich habe einen grindi­gen Kopf.“ Sie griff aber nach dem Hütchen und zog es ab, da roll­ten seine gold­e­nen Haare auf die Schul­tern herab, dass es prächtig anzuse­hen war. Er wollte fort­sprin­gen, aber sie hielt ihn am Arm und gab ihm eine Hand­voll Dukat­en. Er ging damit fort, achtete aber des Goldes nicht, son­dern er brachte es dem Gärt­ner und sprach: Ich schenke es deinen Kindern, die kön­nen damit spie­len.“ Den andern Tag rief ihm die Königstochter aber­mals zu, er sollte ihr einen Strauss Feld­blu­men brin­gen, und als er damit ein­trat, grap­ste sie gle­ich nach seinem Hütchen und wollte es ihm weg­nehmen; aber er hielt es mit bei­den Hän­den fest. Sie gab ihm wieder eine Hand­voll Dukat­en, aber er wollte sie nicht behal­ten und gab sie dem Gärt­ner zum Spiel­w­erk für seine Kinder. Den drit­ten Tag ging’s nicht anders: Sie kon­nte ihm sein Hütchen nicht weg­nehmen, und er wollte ihr Gold nicht.

Nicht lange danach ward das Land mit Krieg über­zo­gen. Der König sam­melte sein Volk und wusste nicht, ob er dem Feind, der über­mächtig war und ein gross­es Heer hat­te, Wider­stand leis­ten kön­nte. Da sagte der Gärt­ner­junge: Ich bin herangewach­sen und will mit in den Krieg ziehen; gebt mir nur ein Pferd!“ Die andern lacht­en und sprachen: Wenn wir fort sind, so suche dir eins; wir wollen dir eins im Stall zurück­lassen.“ Als sie aus­ge­zo­gen waren, ging er in den Stall und zog das Pferd her­aus; es war an einem Fuss lahm und hick­elte hun­kepu­us, hun­kepu­us. Den­noch set­zte er sich auf und ritt fort nach dem dunkeln Wald. Als er an den Rand des­sel­ben gekom­men war, rief er dreimal Eisen­hans‘ so laut, dass es durch die Bäume schallte. Gle­ich darauf erschien der wilde Mann und sprach: Was ver­langst du?“ – Ich ver­lange ein starkes Ross, denn ich will in den Krieg ziehen.“ – Das sollst du haben und noch mehr als du ver­langst.“ Dann ging der wilde Mann in den Wald zurück, und es dauerte nicht lange, so kam ein Stal­lknecht aus dem Wald und führte ein Ross her­bei, das schnaubte aus den Nüstern und war kaum zu bändi­gen. Und hin­ter­her fol­gte eine Schar Kriegsvolk, ganz in Eisen gerüstet, und ihre Schw­ert­er blitzten in der Sonne. Der Jüngling über­gab dem Stal­lknecht sein dreibeiniges Pferd, bestieg das andere und ritt vor der Schar her. Als er sich dem Schlacht­feld näherte, war schon ein gross­er Teil von des Königs Leuten gefall­en, und es fehlte nicht viel, so mussten die übri­gen weichen. Da jagte der Jüngling mit sein­er eis­er­nen Schar her­an, fuhr wie ein Wet­ter über die Feinde und schlug alles nieder, was sich ihm wider­set­zte. Sie woll­ten fliehen, aber der Jüngling sass ihnen auf dem Nack­en und liess nicht ab, bis kein Mann mehr übrig war. Statt aber zu dem König zurück­zukehren, führte er seine Schar auf Umwe­gen wieder zu dem Wald und rief den Eisen­hans her­aus. Was ver­langst du?“ fragte der wilde Mann. Nimm dein Ross und deine Schar zurück und gib mir mein dreibeiniges Pferd wieder!“ Es geschah alles, was er ver­langte, und er ritt auf seinem dreibeini­gen Pferd heim. Als der König wieder in sein Schloss kam, ging ihm seine Tochter ent­ge­gen und wün­schte ihm Glück zu seinem Siege. Ich bin es nicht, der den Sieg davonge­tra­gen hat,“ sprach er, son­dern ein fremder Rit­ter, der mir mit sein­er Schar zu Hil­fe kam.“ Die Tochter wollte wis­sen, wer der fremde Rit­ter wäre, aber der König wusste es nicht und sagte: Er hat die Feinde ver­fol­gt, und ich habe ihn nicht wiederge­se­hen.“ Sie erkundigte sich bei dem Gärt­ner nach dem Jun­gen; der lachte aber und sprach: Eben ist er auf seinem dreibeini­gen Pferde heimgekom­men, und die andern haben gespot­tet und gerufen: Da kommt unser Hun­kepu­us wieder an.‘ Sie fragten auch: Hin­ter welch­er Hecke hast du der­weil gele­gen und geschlafen?‘ Er sprach aber: Ich habe das Beste getan, und ohne mich wäre es schlecht gegan­gen.‘ Da ward er noch mehr ausgelacht.“

Der König sprach zu sein­er Tochter: Ich will ein gross­es Fest ansagen lassen, das drei Tage währen soll, und du sollst einen gold­e­nen Apfel wer­fen. Vielle­icht kommt der Unbekan­nte her­bei.“ Als das Fest verkündigt war, ging der Jüngling hin­aus zu dem Wald und rief den Eisen­hans. Was ver­langst du?“ fragte er. Dass ich den gold­e­nen Apfel der Königstochter fange.“ – Es ist so gut, als hättest du ihn schon,“ sagte Eisen­hans, du sollst auch eine rote Rüs­tung dazu haben und auf einem stolzen Fuchs reit­en.“ Als der Tag kam, sprengte der Jüngling her­an, stellte sich unter die Rit­ter und ward von nie­mand erkan­nt. Die Königstochter trat her­vor und warf den Rit­tern einen gold­e­nen Apfel zu, aber kein­er fing ihn als er allein; aber sobald er ihn hat­te, jagte er davon. Am zweit­en Tag hat­te ihn Eisen­hans als weis­sen Rit­ter aus­gerüstet und ihm einen Schim­mel gegeben. Aber­mals fing er allein den Apfel, ver­weilte aber keinen Augen­blick, son­dern jagte damit fort. Der König war bös und sprach: Das ist nicht erlaubt, er muss vor mir erscheinen und seinen Namen nen­nen.“ Er gab den Befehl, wenn der Rit­ter, der den Apfel gefan­gen habe, sich wieder davon­machte, so sollte man ihm nach­set­zen, und wenn er nicht gutwillig zurück­kehrte, auf ihn hauen und stechen. Am drit­ten Tag erhielt er vom Eisen­hans eine schwarze Rüs­tung und einen Rap­pen und fing auch wieder den Apfel. Als er aber damit fort­jagte, ver­fol­gten ihn die Leute des Königs, und ein­er kam ihm so nahe, dass er mit der Spitze des Schw­ertes ihm das Bein ver­wun­dete. Er entkam ihnen jedoch; aber sein Pferd sprang so gewaltig, dass der Helm ihm vom Kopf fiel, und sie kon­nten sehen, dass er gold­ene Haare hat­te. Sie rit­ten zurück und melde­ten dem König alles.

Am andern Tag fragte die Königstochter den Gärt­ner nach seinem Jun­gen. Er arbeit­et im Garten; der wun­der­liche Kauz ist auch bei dem Fest gewe­sen und erst gestern abend wiedergekom­men; er hat auch meinen Kindern drei gold­ene Äpfel gezeigt, die er gewon­nen hat.“ Der König liess ihn vor sich fordern, und er erschien und hat­te wieder sein Hütchen auf dem Kopf. Aber die Königstochter ging auf ihn zu und nahm es ihm ab, und da fie­len seine gold­e­nen Haare über die Schul­tern, und es war so schön, dass alle erstaunten. Bist du der Rit­ter gewe­sen, der jeden Tag zu dem Fest gekom­men ist, immer in ein­er andern Farbe, und der die drei gold­e­nen Äpfel gefan­gen hat?“ fragte der König. Ja,“ antwortete er, und da sind die Äpfel,“ holte sie aus sein­er Tasche und reichte sie dem König. Wenn Ihr noch mehr Beweise ver­langt, so kön­nt Ihr die Wunde sehen, die mir Eure Leute geschla­gen haben, als sie mich ver­fol­gten. Aber ich bin auch der Rit­ter, der Euch zum Sieg über die Feinde ver­holfen hat.“ – Wenn du solche Tat­en ver­richt­en kannst, so bist du kein Gärt­ner­junge. Sage mir, wer ist dein Vater?“ – Mein Vater ist ein mächtiger König, und Goldes habe ich die Fülle und soviel ich nur ver­lange.“ – Ich sehe wohl,“ sprach der König, ich bin dir Dank schuldig, kann ich dir etwas zu Gefall­en tun?“ – Ja,“ antwortete er, das kön­nt Ihr wohl, gebt mir Eure Tochter zur Frau.“ Da lachte die Jungfrau und sprach: Der macht keine Umstände! Aber ich habe schon an seinen gold­e­nen Haaren gese­hen, dass er kein Gärt­ner­junge ist,“ ging dann hin und küsste ihn. Zu der Ver­mäh­lung kam sein Vater und seine Mut­ter und waren in gross­er Freude, denn sie hat­ten schon alle Hoff­nung aufgegeben, ihren lieben Sohn wiederzuse­hen. Und als sie an der Hochzeit­stafel sassen, da schwieg auf ein­mal die Musik, die Türen gin­gen auf, und ein stolz­er König trat here­in mit grossem Gefolge. Er ging auf den Jüngling zu, umarmte ihn und sprach: Ich bin der Eisen­hans und war in einen wilden Mann ver­wün­scht, aber du hast mich erlöst. Alle Schätze, die ich besitze, die sollen dein Eigen­tum sein.“