Der Dreschflegel vom Himmel

von Brüder Grimm

~3 Min

Es zog ein­mal ein Bauer mit einem Paar Ochsen zum Pflü­gen aus. Als er auf den Ack­er kam, da fin­gen den bei­den Tieren die Hörn­er an zu wach­sen, wuch­sen fort, und als er nach Haus wollte, waren sie so gross, dass er nicht mit zum Tor hinein kon­nte. Zu gutem Glück kam ger­ade ein Met­zger daher, dem über­liess er sie, und schlossen sie den Han­del dergestalt, dass er sollte dem Met­zger ein Mass Rüb­samen brin­gen, der wollt ihm dann für jedes Korn einen Bra­ban­ter Taler aufzählen. Das heiss ich gut verkauft! Der Bauer ging nun heim, und trug das Mass Rüb­samen auf dem Rück­en her­bei; unter­wegs ver­lor er aber aus dem Sack ein Körnchen. Der Met­zger bezahlte ihn, wie gehan­delt war, richtig aus; hätte der Bauer das Korn nicht ver­loren, so hätte er einen Bra­ban­ter Taler mehr gehabt. Indessen, wie er wieder des Wegs zurück­kam, war aus dem Korn ein Baum gewach­sen, der reichte bis an den Him­mel. Da dachte der Bauer weil die Gele­gen­heit da ist, musst du doch sehen, was die Engel da droben machen, und ihnen ein­mal unter die Augen guck­en.‘ Also stieg er hin­auf und sah, dass die Engel oben Hafer droschen, und schaute das mit an, wie er so schaute, merk­te er, dass der Baum, worauf er stand‘ anf­ing zu wack­eln, guck­te hin­unter und sah, dass ihn eben ein­er umhauen wollte. Wenn du da her­ab­stürztest, das wär ein bös­es Ding‘ dachte er, und in der Not wusst er sich nicht bess­er zu helfen, als dass er die Spreu vom Hafer nahm, die haufen­weis da lag, und daraus einen Strick drehte; auch griff er nach ein­er Hacke und einem Dreschflegel, die da herum im Him­mel lagen‘ und liess sich an dem Seil herunter. Er kam aber unten auf der Erde ger­ade in ein tiefes tiefes Loch, und da war es ein recht­es Glück, dass er die Hacke hat­te, denn er hack­te sich damit eine Treppe, stieg in die Höhe und brachte den Dreschflegel zum Wahrze­ichen mit, so dass nie­mand an sein­er Erzäh­lung mehr zweifeln konnte.