Der Berg-Geist

von Brüder Grimm

~3 Min

Der Berg-Geist, Meis­ter Häm­mer­ling, gemeiniglich Berg-Mönch genan­nt, zeigt sich zuweilen in der Tiefe, gewöhn­lich als ein Riese in ein­er schwarzen Mönchs-Kutte. In einem Berg­w­erk der Graubünd­ner Alpen erschien er oft und war beson­ders am Fre­itage geschäfftig, das aus­ge­grabene Erz aus einem Eimer in den andern zu schüt­ten; der Eigen­thümer des Berg­w­erks durfte sich das nicht ver­drießen lassen, wurde aber auch niemals von ihm belei­digt. Dage­gen als ein­mal ein Arbeit­er, zornig über dies verge­bliche Handthieren, den Geist schalt und ver­fluchte, faßte ihn dieser mit so großer Gewalt, daß er zwar nicht starb, aber das Antlitz sich ihm umkehrte. Im Annaberg, in der Höh­le, welche der Rosenkranz heißt, hat er zwölf Bergleute, während der Arbeit, ange­haucht, wovon sie todt liegen geblieben sind, und die Grube ist, obgle­ich sil­ber­re­ich, nicht fern­er ange­baut wor­den. Hier hat er sich in Gestalt eines Ross­es mit langem Hals gezeigt, furcht­bar blick­ende Augen auf der Stirne. Zu Schnee­berg ist er aber als ein schwarz­er Mönch in der St. Geor­gen-Grube erschienen und hat einen Bergk­nap­pen ergrif­f­en, von der Erde aufge­hoben und eben in die Grube, die vorzeit­en gar sil­ber­re­ich war, so hart niederge­set­zt, daß ihm seine Glieder ver­let­zt waren. Am Harz hat er ein­mal einen bösen Steiger, der die Bergleute quälte, bestraft. Denn als dieser zu Tage fuhr stellte er sich, ihm unsicht­bar, über die Grube und als er empor kam, drück­te ihm der Geist mit den Knien den Kopf zusammen.