Der arme Müllerbursch und das Kätzchen

von Brüder Grimm

~6 Min

In ein­er Müh­le lebte ein alter Müller. der hat­te wed­er Frau noch Kinder, und drei Müller­burschen dien­ten bei ihm. Wie sie nun etliche Jahre bei ihm gewe­sen waren, sagte er eines Tages zu ihnen: Ich bin alt und will mich hin­ter den Ofen set­zen; zieht aus, und wer mir das beste Pferd nach Haus bringt, dem will ich die Müh­le geben, und er soll mich dafür bis an meinen Tod verpfle­gen.“ Der dritte von den Burschen war aber der Kleinknecht, der ward von den andern für albern gehal­ten, dem gön­nten sie die Müh­le nicht; und er wollte sie her­nach nicht einmal.

Da zogen alle drei miteinan­der aus, und wie sie vor das Dorf kamen, sagten die zwei zu dem alber­nen Hans: Du kannst nun hier bleiben, du kriegst dein Leb­tag keinen Gaul.“ Hans aber ging doch mit, und als Nacht war, kamen sie an eine Höh­le, da hinein legten sie sich schlafen. Die zwei Klu­gen warteten, bis Hans eingeschlafen war, dann stiegen sie auf, macht­en sich fort und liessen Hän­schen liegen und meinten’s recht fein gemacht zu haben; ja, es wird euch doch nicht gut gehen!

Wie nun die Sonne kam und Hans aufwachte Gag er in ein­er tiefen Höh­le; er guck­te sich über­all um und rief: Ach Gott wo bin ich!“ Da erhob er sich und krabbelte die Höh­le hin­auf, ging in den Wald und dachte: Ich bin hier ganz allein und ver­lassen, wie soll ich nun zu einem Pferd kom­men! Indem er so in Gedanken dahing­ing, begeg­nete ihm ein kleines, buntes Kätzchen, das sprach ganz fre­undlich: Hans, wo willst du hin?“ – Ach, du kannst mir doch nicht helfen.“ – Was dein Begehren ist weiss ich wohl,“ sprach das Kätzchen, du willst einen hüb­schen Gaul haben. Komm mit mir und sei sieben Jahre lang mein treuer Knecht, so will ich dir einen geben, schön­er, als du dein Leb­tag einen gese­hen hast“ Nun, das ist eine wun­der­liche Katze, dachte Hans, aber sehen will ich doch, ob das wahr ist, was sie sagt. Da nahm sie ihn mit in ihr ver­wün­scht­es Schlöss­chen und hat­te da lauter Kätzchen, die ihr dien­ten: Die sprangen flink die Treppe auf und ab, waren lustig und guter Dinge. Abends, als sie sich zu Tisch set­zten, mussten drei Musik machen, eins strich den Bass, das andere die Geige, das dritte set­zte die Trompete an und blies die Back­en auf, so sehr es nur kon­nte. Als sie gegessen hat­ten, wurde der Tisch wegge­tra­gen, und die Katze sagte: Nun komm, Hans, und tanze mit mir!“ – Nein,“ antwortete er, mit ein­er Miezekatze tanze ich nicht, das habe ich noch niemals getan.“ – So bringt ihn ins Bett!“ sagte sie zu den Kätzchen. Da leuchtete ihm eins in seine Schlafkam­mer, eins zog ihm die Schuhe aus, eins die Strümpfe, und zulet­zt blies eins das Licht aus. Am andern Mor­gen kamen sie wieder und halfen ihm aus dem Bett: Eins zog ihm die Strümpfe an, eins band ihm die Strumpf­bän­der, eins holte die Schuhe, eins wusch ihn und eins trock­nete ihm mit dem Schwanz das Gesicht ab. Das tut recht san­ft,“ sagte Hans. Er musste aber auch der Katze dienen und alle Tage Holz klein­machen; dazu kriegte er eine Axt von Sil­ber, und die Keile und Säge von Sil­ber, und der Schläger war von Kupfer. Nun, da machte er’s klein, blieb da im Haus, hat­te ein gutes Essen und Trinken, sah aber nie­mand als die bunte Katze und ihr Gesinde.

Ein­mal sagte sie zu ihm: Geh hin und mähe meine Wiese und mache das Gras trock­en!“ und gab ihm von Sil­ber eine Sense und von Gold einen Wet­zstein, hiess ihn aber auch alles wieder richtig abliefern. Da ging Hans hin und tat, was ihm geheis­sen ward nach voll­brachter Arbeit trug er Sense, Wet­zstein und Heu nach Haus und fragte, ob sie ihm noch nicht seinen Lohn geben wollte. Nein,“ sagte die Katze, du sollst mir noch ein­er­lei tun, da ist Bauholz von Sil­ber, Zim­mer­axt, Winkeleisen und was nötig ist, alles von Sil­ber, daraus baue mir erst ein kleines Häuschen!“ Da baute Hans das Haus fer­tig und sagte, er hätte nun alles getan und hätte noch kein Pferd. Da waren ihm die sieben Jahre herumge­gan­gen wie ein halbes. Fragte die Katze, ob er ihre Pferde sehen wollte? Ja,“ sagte Hans. Da machte sie ihm das Häuschen auf, und wie sie die Türe so auf­machte, da ste­hen zwölf Pferde, ach! die waren gewe­sen ganz stolz, die hat­ten geblänkt und gespiegelt, dass sich sein Herz im Leibe freute. Nun gab sie ihm zu essen und zu trinken und sprach: Geh heim, dein Pferd gebe ich dir nicht mit; in drei Tagen aber komm ich und bringe dir’s nach.“

Also machte Hans sich auf, und sie zeigte ihm den Weg zur Müh­le. Sie hat­te ihm aber nicht ein­mal ein neues Kleid gegeben, son­dern er musste sein altes lumpiges Kit­telchen behal­ten, das er mit­ge­bracht hat­te und das ihm in den sieben Jahren über­all zu kurz gewor­den war. Wie er nun heimkam, so waren die bei­den andern Müller­burschen auch wieder da; jed­er hat­te zwar sein Pferd mit­ge­bracht, aber des einen seins war blind, des andern seins lahm. Sie fragten: Hans, wo hast du dein Pferd?“ – In drei Tagen wird’s nachkom­men.“ Da lacht­en sie und sagten: Ja, du Hans, wo willst du ein Pferd herkriegen, das wird was Recht­es sein!“ Hans ging in die Stube, der Müller sagte aber, er sollte nicht an den Tisch kom­men, er wäre so zer­ris­sen und zer­lumpt, man müsste sich schä­men, wenn jemand hereinkäme. Da gaben sie ihm ein biss­chen Essen hin­aus, und wie sie abends schlafen gin­gen, woll­ten ihm die zwei andern kein Bett geben, und er musste endlich ins Gäns­es­tällchen kriechen und sich auf ein wenig hartes Stroh leg­en. Am andern Mor­gen, wie er aufwacht, sind schon die drei Tage herum, und es kommt eine Kutsche mit sechs Pfer­den, ei, die glänzten, dass es schön war, und ein Bedi­en­ter, der brachte noch ein siebentes, das war für den armen Müller­bursch. Aus der Kutsche aber stieg eine prächtige Königstochter und ging in die Müh­le hinein, und die Königstochter war das kleine bunte Kätzchen, dem der arme Hans sieben Jahre gedi­ent hat­te. Sie fragte den Müller, wo der Mahlbursch, der Kleinknecht, wäre? Da sagte der Müller: Den kön­nen wir nicht in die Müh­le nehmen, der ist so ver­ris­sen und liegt im Gäns­es­tall.“ Da sagte die Königstochter, sie soll­ten ihn gle­ich holen. Also holten sie ihn her­aus, und er musste sein Kit­telchen zusam­men­pack­en, um sich zu bedeck­en. Da schnallte der Bedi­ente prächtige Klei­der aus und musste ihn waschen und anziehen, und wie er fer­tig war, kon­nte kein König schön­er aussehen.

Danach ver­langte die Jungfrau die Pferde zu sehen, welche die andern Mahlburschen mit­ge­bracht hat­ten, eins war blind, das andere lahm. Da liess sie den Bedi­en­ten das siebente Pferd brin­gen; wie der Müller das sah, sprach er, so eins wär‘ ihm noch nicht auf den Hof gekom­men. Und das ist für den drit­ten Mahlbursch,“ sagte sie. Da muss er die Müh­le haben,“ sagte der Müller. Die Königstochter aber sprach, da wäre das Pferd, er sollte seine Müh­le auch behal­ten; und nimmt ihren treuen Hans und set­zt ihn in die Kutsche und fährt mit ihm fort. Sie fahren zuerst nach dem kleinen Häuschen, das er mit dem sil­ber­nen Werkzeug gebaut hat; da ist ein gross­es Schloss, und ist alles darin von Sil­ber und Gold; und da hat sie ihn geheiratet, und war er reich, so reich, dass er für sein Leb­tag genug hat­te. Darum soll kein­er sagen, dass wer albern ist, deshalb nichts Recht­es wer­den könne.