Der alte Hildebrand

von Brüder Grimm

~7 Min

Es war amahl a Baur und a Bäurin, und dö Bäurin, dö hat der Pfar­ra im Dorf gern gesegn, und da hat er alleweil gwun­schen, wann er nur amahl an ganzen Tag mit der Bäurin allan recht vergnügt zubringa kun­nt, und der Bäurin, der wars halt a recht gwesn. No, da hat er amahl zu der Bäurin gsagt hanz, mei liebi Bäurin, hiet­zt hab i was ausstudiert, wie wir halt amahl an ganzen Tag recht vergnügt mitanan­der zubringa kun­nten. Wis­sts was, ös legts eng aufm Mittwoch ins Bett und sagts engern Mon, ös seits krang, und lamatierts und übelts nur recht, und das treibts fort bis aufm Sun­ta, wann i die Pre­di halt, und da wir (werde) i predi­gen, dass wer z‘ Haus a krangs Kind, an krangen Mon, a krangs Weib, an krangen Vad­er, a krange Muad­er, a krange Schwest­er, Bru­ad­er, oda wers sun­st nacha is, hat, und der tut a Woll­fart aufm Göcher­liberg in Wälis­ch­land, wo ma um an Kreuzer an Met­zen Lor­berbladen kriegt, dem wirds krange Kind, der krange Mon, s krange Weib, der krange Vad­er, d‘ krange Muad­er, d‘ krange Schwest­er, oda wers sun­st nacha is, auf der Stell gsund.‘

Dös wir i schon machen,‘ hat die Bäurm drauf gsagt. No, drauf, aufm Mittwoch hat sie halt d‘ Bäurin ins Bett glegt und hat g,lamatiert und g’übelt als wie, und ihr Mon hat ihr alles braucht, was er nur gwisst hat, s hat aber halt nix gholfn. Wie denn der Sun­ta kuma is, hat d‘ Bäurin gsagt mir is zwar so mis­er­abel, als ob i glei ver­schaden sollt, aber ans möcht i do no vor mei End, i möcht halt in Her­rn Pfar­ra sei Pre­di hörn, dö er heund hal­ten wird.‘ A, mei Kind,‘ sagt der Baur drauf, tu du dös nit, du kun­ntst schlechter wern, wann auf­s­tundst. Schau, es wir i in d‘ Pre­di gehn und wir recht acht gebe und wir dir alles wieder derzöhln, was der Herr Pfar­ra gsagt hat.‘ No,‘ hat d‘ Bäurin gsagt, so geh halt und gibt recht acht und derzöhl mir alles, was d‘ gehört hast.‘ No, und da is der Baur halt in d‘ Pre­di gan­ga, und da hat der Herr Pfar­ra also angfangt zun predi­gen und hat halt gsagt, wann ans a krangs Kind, an krangen Mon, a krangs Weib, an krangen Vad­er, a krange Muad­er, a krange Schwest­er, Bru­ad­er, oda wers sun­st nacha war, z‘ Haus hät, und der wollt a Woll­fart machen aufm Göck­er­liberg in Wälis­ch­land, wo der Met­zen Lor­berbladen an Kreuzer kost, dem wird s krange Kind, der krange Mon, s krange Weib, der krange Vater, d‘ krange Muad­er, d‘ krange Schwest­er, Bru­ad­er, oda wers sun­st nacha war, auf der Stell gsund wern, und wer also dö Ras unternehma wollt, der soll nach der MeB zu ihm kuma, da wird er ihm den Lor­ber­sack gebn und den Kreuzer. Da war niem­bd fröher als der Bauer, und nach der Mess is er gle­ich zum Pfar­ra gan­ga, und der hat ihm also den Lor­ber­sack gebn und den Kreuzer. Drauf is er nach Haus kuma und hat schon bei der Haustür eini gschrien juche­sha, liebes Weib, hiet­zt is so viel, als obs gsund warst. Der Herr Pfar­ra hat heunt predigt, dass, wer a krangs Kind, an krangen Mon, a kranges Weib, an krangen Vad­er, a krange Muad­er, a krange Schwest­er, Bru­ad­er, oda wers sun­st nacha war, z‘ Haus hat, und der macht a Woll­fart aufm Göck­er­liberg in Wälis­ch­land, wo der Met­zen Lor­berbladen an Kreuzer kost, dem wird s krange Kind, der krange Mon, s krange Weib, der krange Vad­er, d‘ krange Muad­er, d‘ krange Schwest­er, Bru­ad­er, oda wers sun­st nacha war, auf der Stell gsund; und hiet­zt hab i mir schon den Lor­ber­sack gholt vom Her­rn Pfar­ra und den Kreuzer, und wir glei mein Wan­der­schaft antreten, dass d‘ desto ehen­der gsund wirst;, und drauf is er fort gan­ga. Er war aber kam fort, so is die Bäurin schon auf gwesn, und der Pfar­ra war a glei do. Hiet­zt lassen wir aber dö zwa indessen auf der Seit­en und gän­ga mir mit,n Baur. Der is halt alleweil drauf los gan­ga, damit er desto ehen­der aufm Göck­er­liberg kummt, und wie halt so geht, begeg­nt ihm sein Gvat­ter. Sein Gvat­ter, dös war an Armon (Eier­mann), und der is just von Mark kuma, wo er seine Ar verkauft hat. Globt seist,‘ sagt sein Gvat­ter, wo gehst denn so tra­bi hin, Gvat­ter?‘ In Ewigkeit, Gvat­ter,‘ sagt der Baur, mein Weib is krang worn, und da hab i heund in Her­rn Pfar­ra sein Pre­di ghört, und da hat er predigt, dass, wann aner z‘ Haus an krangs Kind, an krangen Mon, a krangs Weib, an krangen Vad­er, a krange Muad­er, a krange Schwest­er, Bru­ad­er, oda wers sun­st nacha war, hat, und er macht a Woll­fart aufm Göck­er­liberg in Wälis­ch­land, wo der Met­zen Lor­berbladen an Kreuzer kost, dem wird’s krange Kind, der krange Mon, s krange Weib, der krange Vad­er, d‘ krange Muad­er, d‘ krange Schwest­er, Bru­ad­er, oda wers sun­st nacha war, auf der Stell gsund, und da hab i mir von Her­rn Pfar­ra den Lor­ber­sack und den Kreuzer gholt, und hiet­zt trit i halt mein Wan­der­schaft an.‘ Aber hanz, Gvat­ter,‘ hat der Gvat­ter zum Baur gsagt, seits denn gar so dack­et (ein­fältig), dass so was glauben könts? Wis­sts, was is? der Pfar­ra möcht gern mit engern Weib an ganzen Tag allan recht vergnügt zubringa, drum habn’s eng den Bärn anbun­den, dass ihr,en aus,n Füssen kumts.‘ Mein ‚‘ hat der Baur gsagt, so möcht i do wis­sen, ob das wahr is.‘ No,‘ hat der Gvat­ter gsagt, wast was, setz di in mein Arko­rb eini, so will i di nach Haus tragn, und da wirst es sel­ber segn.‘ No, das is also geschegn, und den Baur hat sein Gvat­ter in sein Arko­rb eini gset­zt, und der hat,n nach Haus tragn. Wie’s nach Haus kuma san, hol­la, da is schon lusti zugan­ga. Da hat die Bäurin schon fast alles, was nur in ihren Hof war, abgstochen ghabt, und Krapfen hats bachen, und der Pfar­ra war a schon da und hat a sein Geige mit­bracht ghabt. Und da hat halt der Gvat­ter anklopft, und d‘ Bäurin hat gfragt, wer draussen war. I bins, Gvat­terin,‘ hat der Gvat­ter gsagt, mei, gebts mir heund nacht a Her­berg, i hab mei­ni Ar aufm Mark nit verkauft, und hiet­zt muss i’s wieder nach Haus trage, und sö san gar z‘ schwar, i bring’s nit fort, es is a schon fin­ster.‘ Ja, mein Gvat­ter,‘ sagt d‘ Bäurin drauf, ös kumts mir recht zur ungleg­na Zeit. No, weils halt her nit anders is, so kömts eina und set­zts eng dort auf d‘ Ofen­bank.‘ No hat sie der Gvat­ter also mit sein Buck­elko­rb auf d‘ Ofen­bank gset­zt. Der Pfar­ra aber und d‘ Bäurin, dö warn halt recht lusti. Endli fangt der Pfar­ra an und sagt hanz, mein liebi Bäurin, ös kön­nts ja so schön sin­ga, singts mir do ans.‘ A,‘ sagt die Bäurin, hiet­zt kann i nix mehr sin­ga, ja, in mein junge Jahren, da hab i’s wohl kön­na, aber hiet­zt is schon vor­bei.‘ Ei,‘ sagt wie der der Pfar­ra, singts do nur a bissl.‘ No, da fangt die Bäurin an und singt

i hab mein Mon wohl ausgesandt

aufm Göck­er­liberg in Wälischland‘

Drauf singt der Pfarra

i wollt, er blieb da a ganzes Jahr,

was fragt i nach dem Lorbersack.

Halleluja!‘

Hiet­zt fangt der Gvat­ter hin­ten an und singt (da muss i aber derzöhln, dass der Baur Hilde­brand ghas­sen hat), singt also der Gvatter

ei du, mein lieber Hildebrand,

was machst du auf der Ofenbank?

Halleluja!‘

Und hiet­zt singt der Baur in Korb drinna

hiet­zt kann i das Sin­ga nim­mer­mehr leiden,

hiet­zt muss i aus mein Buck­elko­rb steigen.‘

Und steigt aus’n Korb und prügelt den Pfaf­fen beim Haus hinaus.