Das Zauberross

von Josef Haltrich

~15 Min

Der Vater war gestor­ben und hat­te seinem Jun­gen nichts als ein Schw­ert hin­ter­lassen. Damit zog der Junge nun fort, um einen Her­rn zu find­en, dem er Dien­ste leis­ten konnte.

Eines Tages begeg­nete ihm ein alter Mann, der auf einem Auge blind war und mit dem anderen auch nicht viel bess­er sah. Der Alte fragte: Wo gehst du hin, Junge?” Ich will einem Her­rn dienen”, sprach der Junge. Dich schickt der Him­mel”, erwiderte der Alte, willst du meine Schafe wei­den?” Das war dem Jun­gen recht.

Als der Alte ihm die Herde über­gab, sprach er: Hüte dich davor, dort, in jenen Wald zu gehen, denn kein­er mein­er Knechte ist lebendig her­aus­gekom­men.” Der Junge hielt sich einige Zeit daran, doch dann dachte er bei sich: Du musst ein­mal nach­schauen, was dort ist. Was kön­nte dir schon schaden, wo du ja ein gutes Schw­ert hast!”

Kaum hat­te er den Wald betreten und die große Her­rlichkeit darin gese­hen, kam ein drei­häuptiger Drache auf ihn zu und brüllte: Men­schenkind, was tust du hier? Kein Vöglein wagt es, meinen Wald zu verun­reini­gen. Willst du ihn mit deinen Schafen ver­schan­deln? — Wie dem auch sei, jet­zt musst du dich schla­gen oder rin­gen. Was willst du lieber?” Rin­gen!”, erwiderte der Junge. Da fasste der Drache ihn mit seinem schup­pi­gen Schweif und rammte ihn bis zu den Knien in die Erde. Der Junge aber pack­te sein Schw­ert und hieb dem Drachen alle drei Häupter ab, als dieser sich ger­ade umdrehen wollte. Der Junge befre­ite sich aus der Erde, trug die drei Häupter nach Hause und hing sie auf die Zaunpfähle.

Was hast du da?”, fragte der Alte, denn er kon­nte es nicht recht sehen. Drei Häupter von einem Bock, den ich im Walde erschla­gen fand”, antwortete der Junge. Habe ich es nicht gesagt”, sprach der Alte, du sollst doch nicht in den Wald gehen!”

Am anderen Tag ging der Junge noch tiefer in den Wald hinein. Es war ganz still und friedlich, da brach plöt­zlich ein sechshäuptiger Drache aus dem Dic­kicht: Ha, Men­schenkind, kein Vöglein kommt in diesen Wald. Du willst ihn wohl mit deinen Schafen verun­reini­gen und hast auch noch meinen Brud­er umge­bracht. Das alles sollst du mir büßen. Du kannst dich jet­zt schla­gen oder rin­gen. Was ist dir lieber?” Rin­gen!”, sprach der Junge, worauf der Drache ihn mit seine Pranken pack­te und bis an die Brust in die Erde rammte. Der Junge hat­te aber schon sein Schw­ert erhoben und hieb dem Drachen alle Häupter ab. Dann befre­ite er sich aus Erde, trug die Häupter nach Hause und steck­te sie auf die Zaunpfähle.

Was hast du da?”, fragte der Alte. Sechs Häupter von einem Bock, den ich im Wald erschla­gen fand!” Ich warne dich zum let­zten Male”, sprach der Alte, gehe nicht mehr in den Wald!”

Am fol­gen­den Tag drang der Junge aber noch tiefer in den Wald, und stand schon bald einem neun­häupti­gen Drachen gegenüber: Ha, Men­schenkind”, rief dieser, kein Vöglein wagt sich in den Wald, aber du willst ihn mit deinen Schafen verun­reini­gen und schlägst auch noch meine Brüder tot. Jet­zt musst du dich schla­gen oder rin­gen. Was willst du lieber?” Schla­gen!”, rief der Junge dieses Mal, denn er fürchtete, der Drache werde ihn bis über den Kopf in den Erd­bo­den stoßen. Der listige Drache schlug ihn aber mit seinem lan­gen Peitschen­schweif, worauf er im hohen Bogen durch den Wald flog. Der Junge rap­pelte sich auf und kam nun mit gezück­tem Schw­ert zurück und hieb dem Drachen acht Häupter auf ein­mal ab. Beim zweit­en Hieb fiel dann auch das neunte Haupt in den Staub, doch die acht anderen waren schon wieder nachgewach­sen. Und wenn er diese acht wieder abschlug, war das neunte wieder nachgewach­sen. So ging es bis in den Abend hinein.

Dann, als die Sonne schon unterg­ing, gelang es dem Jun­gen endlich, alle neun Häupter mit einem Schlag abzuhauen. Er nahm sie mit nach Hause und steck­te sie zu den anderen auf die Zaunpfäh­le. Nun waren alle Pfäh­le rund um den Hof mit den Häuptern beset­zt. Da kam der Alte und fragte: Was hast du da?” neun Häupter von einem Bock, den ich im Wald erschla­gen fand!”, sprach der Junge und der Alte sah ihn nur mitlei­dig an.
Die Neugierde des Jun­gen war aber nicht erloschen, darum ging am fol­gen­den Tage noch weit­er in den Wald hinein. Auf ein­mal sah er in der Ferne ein Häuschen und davor eine steinalte Frau. Es war die Buschmut­ter. Der Junge ging auf sie zu und grüßte fre­undlich. Komm here­in!”, sprach die Alte. Da führte sie ihn in ein Zim­mer, worin ein Tot­er lag. Das ist mein jüng­ster Sohn”, sprach sie, den du zuerst erschla­gen hast!” Dann kamen sie in ein anderes Zim­mer und die Alte sagte: Hier liegt der ältere Brud­er, den du beim zweit­en Mal erschla­gen hast!” Sie gin­gen in das näch­ste Zim­mer und die Alte sprach: Hier liegt der älteste Brud­er, den du beim drit­ten Mal erschla­gen hast!” Sie öffnete eine weit­ere Türe und rief: Und da kommst du hinein!”

Schon wollte sie ihn pack­en, doch der Knabe erhob sein Schw­ert und schlug sie zu Boden. Aber wie sehr er auch schlug, die Alte ließ sich nicht ver­wun­den und lachte. Der Junge spürte nun, dass seine rechte Hand ermüdete, deshalb nahm er das Schw­ert in die linke: Oh weh”, schrie die Alte sogle­ich, schlage mich nicht, und ich will dir auch etwas ver­rat­en!” Dann sprich”, rief der Junge und hielt das Schw­ert dro­hend über sie. Die alte Hexe zit­terte und sprach: Hin­ter diesem Hause ste­ht ein Baum. Unter der Wurzel ist ein mächtiger Stein, und darauf liegt eine Kröte. Nimm sie und stre­iche sie dreimal über die Augen des alten Mannes. Dann schleud­ere sie ihm gegen die Stirne, dass sie zer­platzt, und der Alte wird wieder sehen!” Ist das alles?”, fragte der Junge. Ja!”, sprach die Hexe. Kaum hat­te sie es gesagt, ließ der Junge das Schw­ert nieder­fahren, und der Kopf der Hexe fiel zu Boden.

Nun grub der Junge unter dem Baum, bis er die Kröte fand. Er nahm sie an sich und eilte damit nach Hause. Dort strich er dem Alten die Kröte dreimal über die Augen und schleud­erte sie ihm an die Stirne, dass sie in tausend Stücke flog. Der Alte öffnete nun langsam die Augen und kon­nte endlich wieder alles sehen.

Aus der zer­schmetterten Kröte war aber eine kleine Gestalt gesprun­gen. Diese rief: Ich danke dir, dass du mich erlöst hast. Die alte Hexe hat dir aber nicht alles gesagt. Ich musste in der Kröte auf dem Schatz der Drachen­brüder liegen und ihn bewachen!” — Damit schlüpfte die kleine Gestalt in eine Bergspalte.

Der Junge eilte zusam­men mit dem Alten zu dem Baum zurück, wo er die Kröte gefun­den hat­te. Und siehe da, unter dem mächti­gen Stein lag ein uner­messlich­er Schatz. Lass den Schatz ruhig da, wo er ist”, sprach der Alte, den kannst du jed­erzeit heben. Ich will dir aber etwas geben. Nimm das Ross aus meinem Stall und reite damit in die Welt, solange du noch jung bist.”

Das Ross aber war kein gewöhn­lich­es. Es war wun­der­schön, doch das Beste an ihm war, dass es sprechen kon­nte und große Weisheit besaß. Der Junge war sehr froh, set­zte sich gle­ich darauf und ritt in die Welt.

Wie er ein Stück weit fort war, sah er auf der Erde eine kupferne Fed­er liegen. Die musst du aufheben”, sprach das Ross. Der Junge tat es. Ein wenig weit­er lag eine sil­berne Fed­er auf dem Boden und noch ein wenig weit­er eine gold­ene. Auch diese hob der Junge auf, sobald das Ross es sagte.

Nun gelangten sie in eine große Stadt, wo der König wohnte. Der Junge ging zum Schloss und fragte, ob man nicht einen Knecht gebrauchen könne. Er wolle gerne mit seinem Ross dienen. Der König war einverstanden.

Nach einiger Zeit machte man eine große Jagd. Der Junge erjagte eine große Menge Wild, denn sein Ross kon­nte es mit jedem flinken Hirsch und jedem Eber aufnehmen. Das gefiel dem König, und er mochte den Jun­gen mehr als alle anderen Knechte. Diese waren sehr nei­disch und über­legten, wie man dem Kam­er­aden Verder­ben brin­gen könne.

Nun hat­te der Junge seine kupferne, sil­berne und gold­ene Fed­er einst dem König geschenkt. Da gin­gen die anderen Knechte zu ihrem Her­rn und sagten: Der Junge hat sich gerühmt, dass er auch die drei Vögel bekom­men könne, von denen er die Fed­ern habe.” Der König war voller Neugierde und wollte diese Vögel besitzen. Er ließ den Jun­gen rufen und sagte: Wenn du mir die Vögel nicht in drei Tagen ver­schaffst, ist es mit deinem Leben aus!”

Da war der Junge sehr trau­rig und wusste sich nicht zu helfen. Als er aber in den Stall trat, fragte ihn sein Ross: Warum bist du so trau­rig?” Da erzählte der Junge es. Gehe zum König”, sprach das Ross, und ver­lange von ihm einen kupfer­nen, sil­ber­nen und gold­e­nen Vogelko­rb.” Der Junge tat es und bekam die Käfige. Da sprach das Ross weit­er: Jet­zt set­ze dich auf mich und reite ins Feld.” Und wie sie dort ange­langt waren, sprach es wieder: Nun rufe in alle Him­mel­srich­tun­gen: Vögel her!”

Kaum war das geschehen, kamen Vögel in großen Scharen von allen Seit­en her­bei, und auch der Vogelkönig erschien und fragte den Jun­gen, was er befehle. Kannst du mir nicht sagen, wo die drei Vögel zu find­en sind, von denen ich die Fed­ern habe.” Die sind nicht aus meinem Reich”, sprach der Vogelkönig, ich werde aber bei meinem Volke fra­gen.” Doch kein einziger Vogel kon­nte die rechte Auskun­ft geben. Fehlt denn auch nie­mand?”, fragte der König. Da wurde nachgezählt und es fehlten am Ende wahrhaftig drei Vögel.

Die kamen aber ger­ade her­beige­flo­gen und waren sehr müde. Wir hörten wohl den Ruf, nur wir kon­nten nicht so leicht kom­men”, sagten sie, denn sie waren am Ende der Welt gewe­sen. Dann erzählten sie von den Wun­derdin­gen, die sie gese­hen hat­ten. Der eine sprach vom kupfer­nen Drachen und kupfer­nen Vogel, der andere vom sil­ber­nen Drachen und sil­ber­nen Vogel und der dritte vom gold­e­nen Drachen und vom gold­e­nen Vogel. Und sie erzählten auch, dass sie die Drachen in den Schlum­mer gesun­gen hät­ten, als diese sich in der Abend­sonne räkelten.

Das hörte der Junge sehr gerne, und der Vogelkönig befahl, dass die drei ihm den Weg zeigen soll­ten. Auf seinem schnellen Ross war er bald an Ort und Stelle, wo er schon bald den kupferne, sil­ber­nen und gold­e­nen Vogel fing. Der König freute sich sehr, als der Junge ihm die Vögel brachte, und mochte ihn von nun an noch viel mehr.

Die anderen Knechte wur­den um so nei­dis­ch­er und sucht­en Wege, wie sie den Jun­gen verder­ben kon­nten. Da sprachen sie eines Tages wieder zum König: Der Junge hat sich gerühmt, es sei ihm ein leicht­es, dem König die schöne Meer­jungfrau zu verschaffen.”

Der König hat­te großes Ver­lan­gen, das schöne Weib zu besitzen. Er ließ den Knaben vor sich treten und sprach: Wenn du mir in drei Tagen nicht die schöne Meer­jungfrau bringst, wird es dich das Leben kosten.

Bringst du sie aber doch, so sollst du mein halbes Kön­i­gre­ich und meine Schwest­er zum Weibe haben!” Das erzählte der Junge wieder seinem Ross im Stall. Es sprach: Gehe zum König und ver­lange von ihm ein weißes Brot und eine Flasche vom besten Wein.”

Als der Junge das Brot und den Wein brachte, sagte das Ross: Nun set­ze dich auf mich und reite zum Meer!” Sie kamen dort an und das Ross befahl dem Jun­gen, das Brot und den Wein ans Ufer zu leg­en. Dann sagte das Ross: Wenn das Meer anfängt zu steigen, wird die Meeresjungfrau kom­men. Sie wird das Brot essen und von dem Wein trinken. Ist es geschehen, kommst du aus deinem Ver­steck. Rufe: Gese­hen, gefan­gen’, dann ist sie geban­nt und muss uns folgen.”

Der Junge machte es so. Die Jungfrau kam langsam aus dem Meer, sah sich genau um und horchte. Endlich trat sie aus dem Wass­er ans Ufer, nahm von dem Brot und trank von dem Wein. Da sprang der Junge her­vor und rief: Gese­hen, gefan­gen!” Die Jungfrau stand wie geban­nt da, und der Junge erzählte ihr, dass sie die Gemahlin des Königs wer­den sollte. Die Jungfrau musste ihm nun fol­gen, aber sie trug großen Zorn in ihrem Herzen.

Als der König sie sah, grüßte er sie fre­undlich und war im Gedanken schon bei der Hochzeit. Die Meer­jungfrau blick­te aber fin­ster drein und sprach: Zuerst musst du mir mein Lieblings­fohlen und meine Stuten hier­her schaf­fen.” Da ging der König wieder zu dem Jun­gen und sagte: Hast du mir die Meer­jungfrau gebracht, so musst du mir auch ihr Pferde brin­gen, son­st ist dein Leben zu Ende. Wenn du es aber voll­bringst, will ich nichts mehr von dir ver­lan­gen, und du sollst deinen Lohn erhalten!”

Der Junge ging wieder in den Stall und erzählte es seinem Ross. Gehe zum König und ver­lange von ihm zwölf Büf­fel­häute und zwölf Pfund Harz”, sprach das Ross. Dann klebe die Häute zusam­men und überziehe meinen ganzen Kör­p­er damit.” Als das geschehen war, sprach das Ross weit­er: Jet­zt reite mich zum Meer!”

Dort sprach das Ross wieder: Nimm mein Halfter und verkrieche dich. Ich will das Lieblings­fohlen der Meer­jungfrau her­beilock­en und mit ihm kämpfen. Wenn du siehst, dass es zur Erde fällt, so komme her­bei und lege ihm das Halfter an.” Kaum hat­te sich der Junge ver­steckt, stampfte das Ross und wieherte. Auf ein­mal kam das Fohlen her­beig­er­an­nt und schnaubte Feuer und Flam­men. Da begann der Kampf. Das Fohlen biss ein Büf­felfell nach dem anderen durch, sank dann aber ermat­tet nieder. Jet­zt lief der Junge hinzu und legte ihm das Halfter an. Schnell auf und davon”, flüsterte ihm sein Ross zu. Der Junge schwang sich auf, und das Fohlen musste ihm nun folgen.

Da stampfte das Fohlen ein­mal gewaltig auf und wieherte so laut, dass es dem Jun­gen durch Mark und Bein ging. Kurz darauf sprach der Junge zu seinem Ross: Sieh nur, es steigen Wolken hin­ter uns auf.” Das sind die Stuten der Meer­jungfrau”, erwiderte das Ross. Wenn sie uns erre­ichen, sind wir ver­loren, denn wir wer­den von ihnen zertreten!”

Da stampfte das Fohlen noch ein­mal auf und wieherte. Sieh zurück”, sprach das Ross, ich sehe schon die vie­len Pferdehäupter!”

Nun ritt der Junge noch schneller, und als sie durchs Schlosstor stürmten, stampfte das Fohlen zum drit­ten Mal auf und wieherte. Da kamen die Stuten wie ein Wirbel­wind in den Schlosshof gedonnert.

Der Junge hat­te sein Ross schnell in den Stall geführt und dem König die Nachricht über­bracht, dass der Auf­trag aus­ge­führt sei. Der König war zufrieden, doch die Meer­jungfrau sah jet­zt noch viel wilder und entset­zlich­er aus als früher. Ich werde erst dein Weib, wenn du alle Stuten gemolken und dich in der sieden­den Milch gebadet hast”, sagte sie zum König.

Da kam er wieder zum Knaben und sprach: Melke die Stuten sogle­ich in einen großen Kessel, und wenn du es nicht tust, so ist dein Leben zu Ende.” Oh König”, sprach der Junge, denke doch an dein Ver­sprechen.” Der König wollte es aber nicht hören. Da ging der Junge wieder zu seinem Ross in den Stall und erzählte, was geschehen war. Führe mich in den Hof”, sprach das Ross, dann wirst du gle­ich melken kön­nen!” Kaum war das geschehen, blies das Ross aus seinem linken Nasen­flügel eine solche Kälte her­aus, dass die Füße der Stuten an die Erde froren. Nun kon­nte der Junge sie mit Leichtigkeit melken, denn die Stuten standen ruhig wie Lämmer.

Als der Kessel voll war, machte man Feuer darunter. Doch als die Milch siedete, zit­terte der König, denn er merk­te, dass es um sein Leben ging. Da rief die Meer­jungfrau: Der Knecht soll zuerst baden, der hat mich ja hier­her gebracht!” Denn sie has­ste ihn und wollte ihn deshalb zuerst verder­ben. Der König sprach: So sei es.”

Der Junge war ganz niedergeschla­gen und dachte: Nun ist es aus mit dir.” Er bat darum, noch ein let­ztes mal sein Ross sehen zu dür­fen, was man ihm auch gewährte. Als er hinkam, sagte das Ross: Führe mich zum Rande des Kessels und fürchte dich nicht.” Der Junge tat es, und wie er in den Kessel stieg, blies das Ross auf ein­mal mit dem linken Nasen­flügel so viel Kälte hinein, dass die Milch lauwarm wurde. Das gefiel dem Jun­gen sehr und er rief: Ah, was für eine Wohltat!”

Als der König sah, dass sein Knecht unversehrt blieb, bekam er Mut und befahl: Her­aus mit dir, jet­zt bin ich an der Rei­he.” Der König stieg in das Bad, und es schien ihm recht angenehm. Doch nun blies das Ross aus dem recht­en Nasen­flügel, und auf ein­mal war so viel Glut in den Kessel, dass die Milch hoch auf­siedete und der König verbrannte.

Da lächelte die Meer­jungfrau schaden­froh und dachte, der Junge wolle nun sie zur Gemahlin nehmen. Der Junge aber nahm die Schwest­er des Königs und machte die stolze Meer­jungfrau zur Dienstmagd.

Als dieses geschehen war, sprach das Ross: Von nun an brauchst du mich nicht mehr”, und ver­schwand auf immer und ewig.