Das Märchen von den sieben Schwaben

von Ludwig Bechstein

~27 Min

Es waren ein­mal sieben Schwaben, die woll­ten große Helden sein und auf Aben­teuer wan­dern durch die ganze Welt. Damit sie aber eine gute Bewaffnung hät­ten, zogen sie zunächst in die welt­berühmte Stadt Augs­burg und gin­gen sogle­ich zu dem geschick­testen Meis­ter all­da, um sich mit Wehr und Waf­fen zu verse­hen. Denn sie hat­ten nichts Gerin­geres im Sinne, als das gewaltige Ungetüm zu erlegen, das zur sel­ben Zeit in der Gegend des Bodensees gar übel hausete. Der Meis­ter staunte schi­er, als er die sieben sah, öffnete aber flugs seine Waf­fenkam­mer, die für die wack­eren Gesellen eine tre­f­fliche Auswahl bot. »Bygott!« rief der All­gäuer, »send des au Spieß? So oan­er wär mer grad reacht zume Zahn­stihrer. For mi ischt e Spieß von siebe Mannslen­gen noh net lang genueg. « Drob schaute ihn der Meis­ter wiederum an mit einem Blick, der den All­gäuer beina­he ver­droß. Denn dieser lugte zurück mit grim­mi­gen Augen, und bei einem Haar hätt’s was gegeben, wenn der Blitzschwab nicht just zur recht­en Zeit sich ins Mit­tel gelegt. »Hotz Blitz!« rief er, »du hoscht Reacht und i merk doin Main­ing: Wie älle siebe­for oin, sofor älle siebe noh oin Spieß. « Dem All­gäuer war dies nicht ganz klar, aber weil’s den andern just eben recht, so sagte er: »Joh.« Und der Meis­ter fer­tigte in weniger als ein­er Stunde den Spieß, der sieben Mannslän­gen maß.

Ehe sie aber die Werk­statt ver­ließen, kaufte sich jed­er noch etwas Apartes, der Knöpf­less­chwab einen Brat­spieß, der All­gäuer einen Sturmhut mit ein­er Fed­er drauf, der Gelbfüßler aber Sporen für seine Stiefel, indem er bemerk­te: solche seien nicht nur gut zum Reit­en, son­dern auch zum Hin­te­nauss­chla­gen. Als der See­haas sich endlich einen Har­nisch gewählt, pflichtete ihm der Spiegelschwab in solch­er Vor­sicht vol­lkom­men bei, meinte aber, es sei bess­er, den Har­nisch hin­ten als vorn anzule­gen. Und kaufte sich ein altes Bar­bi­er­beck­en aus der Rumpelka­m­mer des Meis­ters, groß genug, um seine untere Kehr­seite zu bedeck­en. »Merk’s: han i Curasche und gang i voran, noh brauch i koan Har­nisch, goht’s aber hin­ter­sche und fällt mer d’Curasche ander­swohnah, noh ischt der Har­nisch an seinn reachte Blatz.«

Und nach­dem die sieben Schwaben wie ehrliche Leute alles richtig bis auf Heller und Pfen­nig bezahlt, auch als gute Chris­ten bei St. Ulrich eine Messe gehört und zulet­zt noch beim Met­zger am Göp­pinger Tore gute Augs­burg­er Würste eingekauft hat­ten, so zogen sie zum Tor hin­aus ihres Weges weit­er. Den Spieß aber hiel­ten sie alle sieben und gin­gen in ein­er Rei­he hin­tere­inan­der, daß sie schi­er aus­sa­hen wie ange­spielte Lerchen. Voran ging der Herr Schulz, der All­gäuer, als der mannlich­ste unter ihnen, dann kam der Jock­ele, genan­nt der See­haas, hier­auf der Mar­le, genan­nt der Nes­telschwab, dem fol­gte der Jerkle, war der Blitzschwab geheißen, her­nach ging der Michel, Spiegelschwab zube­nam­set, dann kam der Hans, Knöpf­less­chwab, und zulet­zt kam Vei­tle, das war der Gelbfüßler. Der Herr Schulz wurde der All­gäuer geheißen, weil er aus All­gau gebür­tig war; der See­haas hat­te am Bodensee gesessen; der Nes­telschwab führte darum seinen Namen, weil er statt der Knöpfe Nesteln hat­te, er mußte aber bei den Hosen fast immer mit der Hand nach­helfen und hal­ten, dieweil die Nesteln oft­malen abgeris­sen waren. Der Blitzschwab hieß also, weil er sich die Reden­sart: »Hotz Blitz!« angewöh­nt hat­te. Der Spiegelschwab hat­te die Gewohn­heit, seine Nase allezeit an dem Vorderteil sein­er Jacke abzuputzen, die davon einen gewis­sen Spiegel­glanz annahm; das schaffte jen­em den saubern Namen. Knöpf­less­chwab war ein Mann, der ver­stand, gute Knöpfle oder Spät­zle zu kochen, das ist im bay­erischen Deutsch Knö­tel und im säch­sis­chen Deutsch Klöße. Der Gelbfüßler endlich war aus der Bopfin­ger Land­schaft, deren Ein­wohn­er die Umwohn­er Gehlfießler schimpfen. Darum, daß sie ein­st­mals einen Wagen voll Eier, den sie ihrem Her­zog als Abgabe brin­gen müssen, recht voll stampfen wollen, und die Eier mit den Füßen fest­ge­treten, davon denn die Eier etwas weniges zer­brochen und die Füße der Bopfin­ger gegilbt hätten.

Zogen nun die sieben alle­samt gutes Mutes mit ihrem Spieß dahin, kamen eines Heumond­tages in der späten Däm­merung über eine grüne Wiese, da hob sich eine Hor­nisse nicht weit von ihnen mit feindlichem Gebrum­mel hin­ter ein­er Domhecke her­vor und flog vorüber. Darob erschrak der Schulz, All­gäuer, mächtiglich und begann Angstschweiß zu schwitzen und schrie seinen Kriegs­ge­sellen zu: »Horchet! Der Feind drom­melt schoh!« Da schmeck­te der Jock­ele, der dicht hin­ter dem Schulzen ging, einen üblen Geruch und rief: »Wohl! Wohl! s ist ebbes in der Näche! I schmeck schaun’s Pul­ver!« Da nahm der Herr Schulz Reißaus, ließ den Spieß fahren und sprang über einen Zaun, kam aber ger­ade auf die Zinken eines Rechens zu sprin­gen, und da fuhr ihm der Stiel ins Gesicht und gab ihm einen unge­wasch­enen Schlag. Der Schulz ver­meinte, der Feind haue auf ihn ein, und schrie: »Gieb Bar­dohn! i ergeb me.« Die andern sechs waren nachge­sprun­gen über den Zaun, und da sie ihren Anführer also schreien hörten, so schrien sie alle: »Ergib­scht du de, noh ergeb i me au! Ergib­scht du de, noh ergeb i me au!« Aber es war nie­mand vorhan­den, der die sieben Schwaben gefan­gen­nehmen wollte; und da sie das merk­ten, schämten sie sich ihrer weni­gen Herzhaftigkeit und ver­schwuren sich, diese ihre erste Helden­tat nicht weiterzuerzählen.

Weit­er so kamen die sieben Schwaben auf ihrem Zuge in einen Hohlweg, und wie sie so tapfer darauf los­marschierten, merk­ten sie nicht, daß ein großmächtiger Bär im Wege lag, bis der All­gäuer fast mit der Nase an ihn stieß. Als er ihn nun sah, war er hin vor Schreck, stolperte und stieß mit dem Spieße ger­adezu auf den Bären los, wozu er aber nichts kon­nte, und schrie dazu gottsjäm­mer­lich: »E Bär! E Bär!« Ver­meinte, sein let­ztes Brot wäre geback­en und bere­its verzehrt. Doch rührte sich der Bär nicht, dieweil er maus­tot war. Des war der All­gäuer hoch erfreut, schaute nun nach seinen Brüdern und sah mit Schreck, daß alle mäusle­in­still für tot auf dem Boden lagen, meinte, er habe sie gar mit dem Spieße hin­ter­rücks erstochen, und erhub ein Wehegeschrei. Als die am Boden Liegen­den ver­merk­ten, daß der Bär den All­gäuer nicht aufge­fressen, denn sie waren nur vor Schreck dahin gepurzelt, lugten sie vor­sichtig in die Höh, und wie sie sahen, daß der Bär tot war, erhoben sie sich frisch und gesund, trat­en um den Bären herum und auf ihn und unter­sucht­en, wie tief wohl die Wunde sei, die der Spieß ihm beige­bracht, fan­den aber keine, und der Blitzschwab sagte: »Hotz Blitz! Der Bär ischt ver­reckt und schoh lang tot!«

»Joh Joh«, sprach der Jock­ele, »mer schmeckt de Bro­hde.« Wur­den eins, dem Bär das Fell abzuziehen und als Siegesze­ichen mit sich zu führen, das Aas aber liegen zu lassen. »Jet­zt ken­net d’Schoof de Bäre fresse, wie er d’Schoof gefresse hod!« sprach ein­er unter ihnen, und so zogen sie für­baß mit ihrem Bären­fell und ihrem Spieß.

Kamen nun just in einen Wald und geri­eten tiefer und tiefer in die Stau­den hinein, bis sie darin steck­en blieben. Die Bäume standen zulet­zt so dicht, daß des Fortkom­mens kein Gedanke war, bis der All­gäuer endlich vor einem der­ben Stamme ste­hen blieb, den Spieß erhob und wie ein Löw brüllte: »Bygott! Durch muß e.« Sprach’s und ran­nte den Spieß mit solch­er Gewalt zur Seite des Baums in den Boden, daß der Knöpf­less­chwab zwis­chen Baum und Spieß eingek­lemmt wurde, wie ein Treibkeil, und sich wed­er rühren noch regen kon­nte . Und das war eben kein Kinder­spiel, denn jet­zt stock­te der Zug vol­lends, kon­nte kein­er vor- noch rück­wärts. Zwar macht­en die Gesellen einige mächtige Ver­suche, den Knöpf­less­chwab aus der Klemme her­auszuziehen, aber es war eit­el Mühen: der Hans saß fest und wank­te nicht. Da war es plöt­zlich, als ob dem All­gäuer ein großer Gedanke durch das Hirn däm­merte; er lugte um sich und rief: »]Bygott! i mießt’s Teufels sei, wenn mer Gott et helfe tät!« Und er sagte: »Hui Ochs!« und pack­te den Baum mit gewaltiger Faust und riß ihn her­aus samt Wurzel, Stumpf und Stiel . Der Knöpf­less­chwab, mehr tot als lebendig, schnellte her­aus just wie der Ball beim Pritschen­schla­gen, flog sechs Klafter him­me­lan­wärts und plump­ste hernieder, daß die Erde drob wack­elte. Die fünf andern aber schaut­en gar ehrerbi­etig zu dem All­gäuer empor, denn erst jet­zt ging ihnen ein Licht auf, welchen Fund sie an dem Her­rn Schulz getan.

Um ein weniges weit­er, zeigte sich’s aber­mals, daß der All­gäuer das Herz nicht im Springriemen trug, denn als die sieben sich aus den Stau­den her­aus­ge­fun­den, kam ein Bräuer aus München des Wegs, der trieb ein Rudel Borsten­vieh vor sich her, und man konnt’s ihm auf hun­dert Schritt anse­hen, wes Lan­des Kind er war. Blieb groß und bre­it ste­hen, als er die sieben mit dem Spieß erblick­te, und zog ein Gesicht, als wollt er die wack­ern Leut aus­lachen. Gle­ich war der Blitzschwab vor ihn her und fragte protzig: »Was luegscht Gsell? Hoscht du noh koan Schwohbe geseah?«

»O genug«, gab jen­er zurück, »bei mir daheim auf der Malz­darre laufen sie zu Tausenden herum.« Meinte spot­tweise die schwarzen Käfer, also geheißen, weiß keine Men­schenseele warum. Das war genug, um dem Blitzschwab, der zu Zeit­en giftig war wie ein Maifrosch, die Laus über den Grind laufen zu lassen. Machte sich an den Bay­er her­an und gab ihm flugs eine Watschel, daß jen­em die Augen hell auf­blitzten und die Ohren summten just eben so wie die große Hor­nisse. Der Bay­er, nicht faul, langte mit den Armen weit­mächtig aus, um dem Schwäblein auch eine zu ver­set­zen; und es wär auch eine gewe­sen, an die er sein Leb­tag gedacht hätte. Nun war aber der Blitzschwab ein putziges Kerlchen, drehte sich auf einem Beine sieben­mal herum und hat­te sein Leb­tag nichts bess­er gel­ernt als das Aus­reißen. So kam es, daß der Bay­er gar mächtiglich in die Luft schlug, sich um und um drehte wie ein Kreisel, stolperte und zu Boden stürzte wie ein Wies­baum. Das half ihm zum Garaus; der Blitzschwab stürzte über ihn her wie ein Queck­en­ham­ster und pack­te ihn an der Gurgel, während die andern Hände und Füße hiel­ten und lustig darauf lostrom­melten. Er wäre ihrer aber doch let­ztlich noch Herr gewor­den, weil er ein großer stark­er Kerl war, wäre nicht auch der All­gäuer über ihn herge­fall­en wie ein Mal­ter­sack. Da mußte er Abbitte tun, wohl oder übel, denn das Häu­flein ließ nicht eher lock­er und ledig.

Und es geschah, daß die guten Gesellen auf ihrer Weit­er­reise an einen weit­en blauen See kamen, so dünk­te es ihnen, denn es war alleweil etwas däm­merig gewor­den, der schlug Wellen im Wind, und droben an seinem Abhang standen die sieben Schwaben und lugten hin­unter, wie sie wohl am geschwindesten über diesen See kom­men möcht­en. Es war aber kein Wass­er da drun­ten, son­dern ein Feld voll Flach­ses, der so recht in sein­er schön­sten blauen Blüte stand.

»Hotz Blitz!« rief der Blitzschwab, »was ischt doh z’tuan? Über des wild Wass­er müßet mer nüber. «

»All­gäuer, trag du es nüber, wie der hoilich Krischd­of ed Pil­ger­sleut«, sagte der Seehaas.

»Bygott!« antwortete der All­gäuer, »ins Wass­er gieng i wohl, wenn’s net tiefer gieng als an de Hals.« Der Nes­telschwab griff mit der Hand an seinen Hosen­bund, das edle Klei­dungsstück festzuhal­ten, daß es ihm nicht ent­falle, während er mit der andern Hand schwim­men täte; dem Knöpf­less­chwab war das Ding gar nicht ein­er­lei, er lugte scharf, ob kein Haifisch, Wal­fisch oder Krokodil im Wass­er brause; und so standen auch die andern ganz ver­legen da, bis der Blitzschwab sich hin­ter ihnen herum­drück­te und ein Paar hin­un­ter­stieg, indem er aus­rief: »Frisch gewohgt ischt halb gschwomme.« Da die nicht unter­sanken, faßte sich auch der Gelbfüßler ein Herz und tat einen Hupf hin­unter; ihm fol­gten der Blitzschwab und der Nes­telschwab mit besserem Ver­trauen, und zulet­zt ritt der All­gäuer auf dem Spieße hinab, und plump­ste drun­ten ein­er auf den andern, bis sie merk­ten, daß sie mit der Nase ins Feld gefall­en waren, und all­gemach mit etwas gequetscht­en Rip­pen sich wieder auf­macht­en, den Spieß auff­is­cht­en und an ihm wiederum für­baß schrit­ten. Bis zur Stunde hat­ten die sieben ein­trächtig an dem Spieße gehal­ten, war wed­er Unrecht noch Unfried zwis­chen ihnen vorgekom­men. Da kam der böse Feind und säete Zwi­etra­cht zwis­chen dem Blitzschwab und dem Spiegelschwab mit­ten hinein. Das trug sich fol­gen­der­maßen zu. Als die Schar ein gut Stück weit­er kam, war es schon Nacht und der Mond ging eben auf. Da wurde es dem Spiegelschwab wun­der­lich zumute, just wie daheim, und er meinte: »Jet­zt hent mehrs gwonne, Mein­menge ischt nemme weit.« Lugt ihn der Blitzschwab ver­wun­dert an und fragt, wie er das wis­sen könne. Der Spiegelschwab lachte pfif­fig: »Werd joh doch de Mem­menger Mond kenne.«

Drob lachte jen­er, daß ihm das Wass­er aus den Augen ran­nte, und schrie: »Hotz Blitz! Gsell, wie bis­cht du so blitz­dumm!« Nun vertrug zwar der Spiegelschwab einen der­ben Puff, hat­ten ihn oft schon kurz und lang geheißen, aber für dumm gel­ten wollte er nicht. Das war so eben seine empfind­liche Seite. Dies kaum gesagt, hat­te der Blitzschwab daher auch schon seine Dachtel. Fuhren nun zusam­men die bei­den, ger­ade wie ein paar Met­zger­hunde, und draschen sich schi­er um die Wette, den andern zur Kurzweil, bis endlich der See­haas den All­gäuer bat, Frieden zu stiften. Der ließ sich nicht lange bit­ten, son­dern pack­te sogle­ich den Blitzschwaben am Hosen­bün­del und hielt ihn in der Luft wie einen Frosch; er mochte zap­peln, wie er wollte. Inzwis­chen ließ der Spiegelschwab nicht nach, den Blitzschwaben aufs Brett zu klopfen; daher ergriff der All­gäuer auch diesen und hielt ihn am Leibe unter der Gurgel so steif und fest, daß er bock­starr das­tand und nicht muck­sen kon­nte. »Bygott!« rief der Herr Schulz, »i will euch Mores lehre, ihr don­nder­schlechtige Strohlk­er­le.« Schüt­telte den einen und drosselte den andern immer ärg­er und ärg­er, bis sie endlich einan­der das Wort gegeben, daß sie wieder gut Fre­und sein woll­ten, was sie denn auch geblieben von der Zeit an bis an ihren Tod.

Es wies sich auch bald aus, daß der Spiegelschwab gar nicht so dumm gewe­sen wie der Blitzschwab aller­meist geglaubt, denn als sie zwei Vier­tel­stun­den Weges gegan­gen, kamen sie richtig nach Mem­min­gen, wie jen­er aus dem Monde prophezeit. Aber als ob just dieses Städtlein dem Spiegelschwaben heut nur Unglück brin­gen sollte, so geschah es als­bald wieder, daß es dem Armen zu Haut und Haaren ging. »Durch Mem­menge ganget mer net«, hat­te er gesagt, und als man ihn ob der Ursache gefragt, hat­te er den Kopf geschüt­telt und gemeint, er wisse das selb­st am besten! Gin­gen deshalb rings um die Stadt­mauer, die sieben, um just am andern Ende wieder die Heer­straße zu gewin­nen. Aber da hat sich’s denn wiederum augen­fäl­lig gezeigt, daß der Men­sch seinem Schick­sal nicht ent­ge­hen könne. Denn ehe sich’s der Spiegelschwab verse­hen, sprang aus einem Hopfen­garten ein Weib auf ihn zu, eine rechte Runk­unkel, und schrie in einem Ton, der durch Mark und Bein ging: »Bis­cht endlich wieder doh, du Schlin­gel? Wo bis­cht so lang rumkalfak­tert, du Gal­gen­strick?« Dem Spiegelschwab wurde es grün und gelb vor den Augen, und er ver­meinte, sein Ende sei gekom­men, denn die Alte war nie­mand anders als seine lieb­w­erte Ehe­hälfte, die er mir nichts dir nichts sitzen­ge­lassen, als er hin­aus­ge­zo­gen war mit den andern Gesellen auf die Wan­der­schaft. Hier galt’s, nicht lange zu über­legen, war daher flugs mit einem Satze hinüber in die Hopfengärten zum großen Jubel der andern, die schi­er bersten woll­ten vor Lachen. Aber die Alte, schnell wie eine Bach­stelze auf den spin­deldür­ren Füßen, war hur­tig hin­ten­drein, und es hätte wohl einen argen Strauß gegeben zwis­chen den bei­den, wenn dem Spiegelschwaben nicht ger­ade zu guter Stunde ein Schel­men­stückchen einge­fall­en wäre. Er hat­te nichts zu tra­gen, weil er nichts hat­te als das Bären­fell; das tat ihm nun guten Dienst. Eilig warf er es über den Kopf, schlüpfte behend in die Tatzen und lief nun auf allen vieren, nicht anders als ein leib­haftiger Bär, ran­nte brum­mend auf die Frau zu, umf­ing sie mit den schar­fen Krallen und drück­te und herzte sie, daß ihr Hören und Sehen verg­ing. Die Alte war froh, als sie dem Schalk entron­nen, der nun freudig mit den andern von dan­nen zog. Von Stund an aber schreibt sich der Brauch, daß böse Män­ner von ihren Ehe­hälften gar häu­fig Brumm­bären genan­nt werden.

»Uf Leid fol­gt Freid!« rief der All­gäuer und zeigte nach dem Leutkircher Tor, wo ein Wirtshaus stand, über dessen Tür zu lesen war: »Hier schenkt man Märzen­bier aus!« War kein­er unter den sieben, der nicht gern einen Trunk Bier geschenkt genom­men hätte, richteten daher im Nu ihre Schritte nach dem Wirtshaus und langten mit dem Spieße in der Haus­flur an, in dem­sel­ben Augen­blick, als der dicke Bräuer vor die Tür trat, nach dem Wet­ter auszu­lu­gen. Als der die Schar erblick­te mit dem furcht­baren Spieß, wurde es ihm eben nicht warm ums Herz, er zog aber schnell sein Käp­pchen und fragte höflich nach ihrem Begehr. »Se wellet e bißle sei Bier bro­biere«, sagte der All­gäuer und schritt schnurstracks mit den Gesellen in die Zech­stube. Da ward’s dem Wirt klar, daß die Gesandtschaft mit dem Spieße abgeschickt sei von der schwäbis­chen Kreis­regierung, wie wohl zu Zeit­en geschieht, um das Bier zu kosten und zu prüfen, ob es preiswürdig sei. Ran­nte daher sporn­stre­ichs in den Keller und holte ein Kör­ble vom Besten her­auf, wie er nur für sich und seine Leute gebraut. Das Kör­ble war leer im Umse­hen, das zweite in noch kürz­er­er Zeit, und als die sieben in weniger als zwei Stun­den nahe an einen hal­ben Eimer getrunk­en, meinte der Wirt, er sehe, daß es ihnen schmecke. Der Blitzschwab aber, der immer das Maul vor­weg hat­te, sagte: »’s ken­nt bess­er sei, wenn net z’wenig Malz und Hopfe drin wär.« »Das ist nicht wahr«, ver­set­zte der Wirt, der ein Schalk war, »Hopfen und Malz ist nicht zu wenig darin, aber zu viel Wasser.«

Da merk­te der Blitzschwab, daß er seinen Mann gefun­den, trank noch ein Mäßle und sagte den Spruch, der ihm einfiel:

»In Lange­salz, in Lange­salz (ken­nt au Mem­menge hoiße, sagte er) Braut mer drui Bier aus oinem Malz, Es erschte hoißet se de Kern, Des drin­ket d’Burgemoischter gern, Es andre hoißt es Mit­tel­bier, Des set­zt mer de gmoane Leud fir; Es dritt des hoißt Covent, Drink di potz Sapperment!«

Zogen dann alle­samt für­baß, und der Wirt in Mem­min­gen schwört heute noch Stein und Bein, daß das Häu­flein nichts anders gewe­sen als des Mem­minger Kreis­es Oberbierbeschauer.

»Uf Leid fol­gt Freid!« hat­te der All­gäuer gesagt, ohne zu bedenken, daß das weise Sprüch­lein umgekehrt sich noch bei weit­em häu­figer bewahrheit­et. Es sollte nun ein­mal Regen und Son­nen­schein auf der aben­teuer­lichen Fahrt der sieben Gesellen fast immer abwech­seln, drum war’s eben kein Wun­der, daß das arme Häu­flein gar bald wieder in die Tinte geri­et. Noch drehte und wirbelte es in ihren Köpfen von dem über­re­ich­lich genosse­nen Märzen­bier, da har­rte ihrer schon wieder das tück­ische Geschick. Zogen eben bei Kro­n­burg vorüber, da lauschte der gestrenge Herr Junker aus dem Fen­ster. Mochte ihm nicht recht geheuer vorkom­men mit der lusti­gen Schar, die auch dem Äußeren nach nicht eben allzu reputier­lich ein­her­zog. Er rief deshalb seinen Scher­gen und sagte: »Lug ein­mal nach den Land­stre­ich­ern da drüben – scheint mir eine saubere Sipp­schaft zu sein.«

Der Scherg nahm sieben Bul­len­beißer mit sich, jed­er groß genug, um zur Not mit einem Bären kämpfen zu kön­nen, und stieg hinab, Jagd auf die unglück­lichen Schwaben zu machen. Hat­te sie bald ereilt, und da der Blitzschwab schnip­pisch war, wie immer, machte der Halt­mich­fest kurze Sache und nahm das Häu­flein mit sich. Zwar wollte der All­gäuer nicht so ohne weit­eres mit­ge­hen, als aber die Hunde gar grim­mig knur­rten, da senk­te er den Spieß mit den Ohren zugle­ich und tra­bte hin­ten­drein. Wur­den nun sämtlich vor den Junker von Kro­n­burg geführt, der ein strenges Ver­hör begann. Der See­haas machte den Sprech­er für alle und erzählte getreulich: Wie in der Gegend am Bodensee ein schreck­lich­es Tier hause, und da hät­ten sie sich denn als brave Land­sleute und biedere Män­ner zusam­menge­tan aus allen schwäbis­chen Gauen, um das Land vom Unge­heuer zu befreien.

Das aber glaubte der Junker nicht, son­dern blieb bei sein­er Mei­n­ung, sie seien Strolche und Dieb­s­gesin­del, und ließ sie in das Häusle, das ist ins Gefäng­nis stecken.

»So geht’s in Schnit­zle­butz Heusle, Doh singet und tanzet die Meusle Und bel­let die Sch­neck­en im Heusle -«

hat der Blitzschwab im Häusle gesun­gen, aber ganz still, wie ein Mäusle.

Es hat­te aber der Junker erst Tags zuvor, da ihn das Zip­per­lein plagte, den löblichen Entschluß gefaßt, ein Zuchthaus zu stiften zum Schreck­en aller Gauner und Tagediebe, zu Nutz und From­men der Bürg­er­schaft und zur Aufk­lärung des gemeinen Volkes. Da kamen ihm die sieben Schwaben eben recht. Son­st war er ein gar from­mer und milder Herr, der sog­ar seinen eige­nen Bauern nicht mehr Wolle abschor, als er eben nötig hat­te, um sich selb­st warm zu klei­den. Befahl daher auch, daß man den Gefan­genen Nahrung reichen solle, so weit sie des bedürften. Der Spiegelschwab aber, der ihn wohl kan­nte und wußte, daß Schmal­hans in dessen Küche und Keller hauste, legte seinen Plan darauf an, welchen er den Gesellen mit­teilte. Wie also der Scherg mit­tags eine große Pfanne voll klein­er Klöße, die sie Milch­spät­zle nen­nen, brachte, sprach der Blitzschwab zum Knöpf­less­chwaben: »Die ghairet wohl for di?« Der Scherg meinte, das sei wohl für alle genug. Der Knöpf­less­chwab aber sagte, er wolle lugen, ob’s für ihn lange, set­zte sich und aß die Pfanne allein aus, so daß kein Krüm­chen noch Bröckchen übrig­blieb. Der Scherg erschrak und lief zum Junker, meinend, man müsse für die Land­stre­ich­er eine ganze Braup­fanne voll Spät­zle auf ein­mal kochen, und das sei, dünke ihn, noch nicht genug. Da ging der Junker von und auf Kro­n­burg in sich und meinte, er sei dem schwäbis­chen Kreis und der Men­schheit kein so großes Opfer schuldig, daß er sich aushungern lassen sollte in seinem Schloß um einiger weniger Strolche willen. Stracks wur­den die sieben in Frei­heit geset­zt, nur daß ihnen der Junker noch einen Steck­brief mit auf den Weg gab, um andere Behör­den und Kerk­erknechte pflichtschuldigst vor des Knöpf­less­chwaben großer Freß­sucht zu warnen.

Nach mehr als einem andern Aben­teuer, das zu viel wäre zu erzählen, gelangten die Schwaben an einen großen See, und da sagte der See­haas, der ihn gle­ich erkan­nte: »Des ischt der Bode­see.« An dessen Ufer sollte, wie die Sage ging, das gefährliche Unge­heuer hausen, welch­es zu bekämpfen und zu erlegen die sieben Schwaben sich bekan­ntlich fest vorgenom­men hat­ten. Da sie nun des Sees ansichtig gewor­den und zugle­ich des Waldes, in dem das Unge­heuer sich aufhielt, man wußte nicht, war es ein greulich­er Lind­wurm oder ein feuer­speien­der Drache, so fiel ihnen zumeist das Herz in die Hosen, sie macht­en Halt und zün­de­ten ein Feuer­lein an, auf daß der Knöpf­less­chwab noch zu guter Let­zt (denn wer kon­nte wis­sen, ob das Untier sie nicht alle­samt mit Haut und Haar ver­schlin­gen werde, mit oder ohne Spieß) eine Mahlzeit, Knöpfle oder Spät­zle bere­ite, und sie stell­ten während dem Essen Todes­be­tra­ch­tun­gen an. »Joh«, sagte der All­gäuer und seufzte recht von unten rauf, »’s ischt e Sach, wenn mer bei sich so recht bedenkt, daß mer zum let­zten Mohl in seim Leben z’Mittag ißt.« Und wieder seufzte er und sagte: »’s ischt e Sach! « und der Knöpf­less­chwab fing an, still vor sich hin zu flen­nen, wobei er jedoch des Essens nicht ver­gaß. Als aber der All­gäuer zum drit­ten Mal ganz erschreck­lich tief seufzte und sagte: »’s ischt e Sach!« da fin­gen sie alle an, so erbärm­lich zu flen­nen und zu heulen, daß es einen wilden Hei­den hätte erbar­men kön­nen. Der Nes­telschwab allein ließ sich das Ster­ben nicht zu Herzen gehen; denn, sagte er, mein Mut­ter hat mir oft gesagt, daß mein Stündlein gar niemals kom­men würde. Heulte aber den­noch aus gutem Willen zur Gesellschaft mit. Als sie aber endlich nicht mehr kon­nten, fiel’s ihnen doch ein, daß es Zeit sei, ihre Schlach­tord­nung herzuricht­en; dabei gab es aber aller­lei Span und Zwi­etra­cht. Der All­gäuer sagte, er sei bis­lang emmer der vorder­scht gwe, s wär jet­zt Zeit, daß er au emohl der hen­ter­scht sei, und es soll der Blitzschwob voran. Der meinte aber:

»Curasche han i gnueg ein Leib, aber net Leib gnueg for d’Curasche und dehs Bescht von Ongheuer.« Der Spiegelschwab wis­chte sich die Nase am Ärmel und tat den Vorschlag, es solle doch wohl bess­er sein, wenn ein­er für alle sterbe, und meinte, der Knöpf­less­chwab könne ihnen diesen kleinen Gefall­en tun; der aber schrie Zeter­mor­dio, als habe ihn das Unge­heuer schon am Schlafit­tich. Und so sprachen und strit­ten sie noch eine Weile hin und her, bis sie sich fried­sam einigten und hur­tiglich mit ihrem Spieße vor­wärts schrit­ten, ger­ade auf den Wald zu, wo das Untier hausen sollte. Ehe sie den erre­icht­en, kamen sie an einen Rain davor, da saß ein Has und machte ein Männlein und streck­te die lan­gen Löf­fel in die Höh; das war den Schwaben grauentlich anzuschauen, sie hemmten darum ihren Schritt, hiel­ten Rat und besan­nen sich, ob sie vor­wärts rück­en und aufs Untier ein­rück­en soll­ten mit lang vorgestreck­tem Spieß, oder ob sie sich zur Flucht wen­den soll­ten; doch hielt jed­er fest am Spieß. Da nun der Vei­tle hin­ten am meis­ten in Numero Sich­er war, schwoll ihm der Kamm, und er schrie dem Schulzen zu, der vorne stand:

»Stoßt zue in älter Schwobe Name, Son­scht wün­scht i, daß ihr möcht erlahme!«

Der Hans, des Vei­tle Gehlfießlers Vor­der­mann, Knöpf­less­chwab, spot­tete der Curasche des Vei­tle, indem er sagte:

»Beim Ele­ment, du hoscht guat schwätze, Du bis­cht der letscht beim Drachahetze!«

Dem Michel sträubte die Herzhaftigkeit das Haar empor, er blick­te gar nicht hin nach dem Unge­heuer, son­dern sprach mit abge­wandtem Gesicht, indem er den Ärmel seinem Gesicht näherte:

»Es wird net fehle um a Hoar, So ist es wohl der Teufel gar!«

Jer­gle lugte dem Michel ins Gesicht und schauete auch gar nicht hin nach dem Bescht von Unge­heuer, indem er zaghaft beistimmte:

»Blitz! Ischt er’s net, so ischt’s sei Mued­der, Oder’s Teufels sei Stiefbrueder!«

Dem Mar­le Nes­telschwab, der sich schon ziem­lich weit vorn am Spieß befand, daran die Schwaben gin­gen, gefiel sein Platz nicht, und er hat­te einen guten Ein­fall; er kehrte sich auch um, da er nicht für nötig fand, das Unge­heuer anzuse­hen, und rief dem Veit zu:

»Gang, Vei­tle, gang, gang du vorahn, I will dohente for di stahn!«

Vei­tle drück­te aber seine Ohren auf und tat, als hörte er nicht, worauf der Mar­le zu Jock­ele sagte:

»Gang, Jock­ele, gang, gang du vorahn Du hoscht Sporn und Stiefel ahn, Daß di der Drach net beiße kahn!«

Aber Jock­ele fand seinen Trost. darin­nen, daß der All­gäuer an der Spitze des Spießes der sieben Schwaben und des zu beste­hen­den Aben­teuers stand, und sagte:

»Der Schulz, der mueß der erschte sei, Denn ehm gebiehrt die Ehr allei.«

Schulz All­gäuer faßte sich ein Herz und sprach mutig, da es nun ein­mal in die unver­mei­dliche Gefahr ging:

»So zieht denn herzhaft in de Stre­it, Dohran erken­nt mer tapfre Leut.«

Und so ging es in Gottes Namen und im Sturm­schritt auf das Unge­heuer los, und als dem Schulzen das Herz pfupferte, kon­nte er sich sein­er Angst nicht erwehren und schrie: »Hau huel­hau! Hau, hauhau!« Da erschrak der Has und gab sporn­stre­ichs Fersen­geld quer­feldein, und lief, was er laufen kon­nte. Jet­zt rief Schulz All­gäuer freudiglich:

»Potz Vei­tle, luag, luag, was ischt das? Es Ohnge­heuer ischt noh e Haas!«

»Hoschts gse­he? Hoschts gse­he?« fragten sich nun die andern untere­inan­der. »Hotz Blitz! E Ding wie né Kalb!« rief der Blitzschwab.

Der Nes­telschwab tat seinen größten Fluch: »Mit Ver­laub! Daß dih es Meusle beiß‘! E Tier wie né Mastochs!«

»Oho!« rief der Knöpf­less­chwab: »En Ele­fand ischt noh e Katz gegen des Ohntier.«

»Bygott!« erwiderte der All­gäuer, »wenn des koa Haas gweh ischt, noh woiß i de Dreimän­ner-Wei vom Rachep­utzer net z‘ unterscheide!«

»Noh, Noh!« ver­mit­telte der See­haas: »Haas her! Haas hen! E See­haas ischt halt greßer und grem­miger als älle Haase im heilige remis­che Reich.«

»Wie der Seewei seur­er und her­ber als älle Wei im heilige remis­che Reich«, sagte hin­ten der Gehlfüßler, und über diese Anzüglichkeit hätte ihm der See­haas fast ein paar Watscheln gegeben, denn es kränk­te ihn schw­er, daß der Vei­tle über den Seewein spot­tete, der ihm von Kindes­beinen an geschmeckt. Mit den Seeweinen ver­hält es sich aber also: es gibt ihrer drei Arten, zum ersten der Sauer­ampfer, schmeckt nur ein weniges bess­er als Essig und verzieht das Maul nur ein bißchen, zumal wenn man sich daran gewöh­nt hat. Die zweite Gat­tung ist Dreimän­ner­wein geheißen, ste­ht im Geschmack nach zehn Grad unter Essig und wurde so getauft, weil man behauptet, daß der­jenige, so ihn zu trinken verurteilt, von zweien gehal­ten wer­den muß, während ihn ein drit­ter eingießt. Die dritte Sorte ist der Rachen­putzer, hat die rühm­liche Eigen­schaft, daß er Schleim und alles andere abführt, tut aber dabei not, daß wer sich mit dem Wein im Leib schlafen legt, in der Nacht sich weck­en lasse, damit er sich umkehren möge, son­st möchte ihm der Rachen­putzer ein Loch in den Magen fressen.

Da nun das Aben­teuer mit dem Unge­heuer von den sieben Schwaben so glück­haft bestanden war, so wur­den sie eins, nun­mehr von ihren Tat­en auszu­ruhen und wieder friedlich heimzuziehen. Zuvor aber tat not, ein Siegesze­ichen zu erricht­en, das der Mit- und Nach­welt ihren Tri­umph auf ewige Zeit­en ver­mei­de. Da nun unmöglich war, wie vor Zeit­en tapfere Rit­ter getan, die Drachen­haut in ein­er Kirche aufzuhän­gen, dieweil kein Drache sein Fell zu Mark­te getra­gen und der Has in seinem Balg wohlbe­hal­ten entkom­men war, so wur­den die guten Gesellen dahin eins, ihr Bären­fell und ihren Spieß als eine Trophäe in die näch­st­gele­gene Kapelle zu stiften, die hieß man her­nach die Kapell zum schwäbis­chen Hei­land. Dort wird wohl der Spieß noch hän­gen, das Bären­fell aber haben die Mot­ten verzehrt, und die Sper­linge haben die Haare in ihre Nester getragen.