Das Märchen vom Schlaraffenland

von Brüder Grimm

~3 Min

In der Schlau­raf­fen­zeit, da ging ich und sah, an einem kleinen Sei­den­faden hing Rom und der Lat­er­an, und ein fus­s­los­er Mann, der über­lief ein schnelles Pferd, und ein bit­ter­schar­fes Schw­ert, das durch­hieb eine Brücke. Da sah ich einen jun­gen Esel mit ein­er sil­ber­nen Nase, der jagte hin­ter zwei schnellen Hasen her, und eine Linde, die war bre­it, auf der wuch­sen heisse Fladen. Da sah ich eine alte dürre Geiss, trug wohl hun­dert Fud­er Schmalzes an ihrem Leibe und sechzig Fud­er Salzes. Ist das nicht gel­o­gen genug? 

Da sah ich zack­ern einen Pflug ohne Ross und Rinder, und ein jähriges Kind warf vier Müh­len­steine von Regens­burg bis nach Tri­er und von Tri­er hinein in Strass­burg, und ein Habicht schwamm über den Rhein: das tat er mit vollem Recht. Da hört ich Fis­che miteinan­der Lärm anfan­gen, dass es in den Him­mel hin­auf­scholl, und ein süss­er Honig floss wie Wass­er voll einem tiefen Tal auf einen hohen Berg; das waren selt­same Geschicht­en. Da waren zwei Krähen, mäht­en eine Wiese, und ich sah zwei Mück­en an ein­er Brücke bauen, und zwei Tauben zer­rupften einen Wolf, zwei Kinder, die wur­fen zwei Zick­lein, aber zwei Frösche droschen miteinan­der Getreid aus. 

Da sah ich zwei Mäuse einen Bischof wei­hen, zwei Katzen, die einem Bären die Zunge auskratzten. Da kam eine Sch­necke ger­an­nt und erschlug zwei wilde Löwen. Da stand ein Bartscher­er, schor ein­er Frauen ihren Bart ab, und zwei säu­gende Kinder hiessen ihre Mut­ter stillschweigen. Da sah ich zwei Wind­hunde, bracht­en eine Müh­le aus dem Wass­er getra­gen, und eine alte Schind­mähre stand dabei, die sprach, es wäre recht. Und im Hof standen vier Rosse, die droschen Korn aus allen Kräften, und zwei Ziegen, die den Ofen heizten, und eine rote Kuh schoss das Brot in den Ofen. Da krähte ein Huhn kik­eri­ki, das Märchen ist auserzählt, kikeriki.‘