Das goldene Königreich

von Johann Wilhelm Wolf

~19 Min

Ein reich­er Herr hat­te einen einzi­gen Sohn. Als dieser zwanzig Jahre alt war, sprach er: Vater, ich will reisen und die Welt sehn.“ Der Alte war damit zufrieden, gab ihm einen Wagen und Pferde, einen Bedi­en­ten, viel Geld und noch mehr gute Lehren und der Jüngling zog dahin.

Eines Abends kamen sie in einen großen Wald, und weil es dunkel war geri­eten sie vom Wege ab und gelangten zu einem kleinen Hause. Der Jüngling trat hinein und da saß eine Frau beim Feuer und kochte sich ihr Abend­brot. Kann ich bei euch über­nacht­en?“ fragte er. Ei mit Freuden“, sprach die Frau, set­zet euch hin und tut als ob ihr zu Hause wäret.“ Das war dem Jüngling ger­ade recht, er aß und trank nach Herzenslust, denn er hat­te den ganzen Tag noch nichts in den Magen bekom­men, und schlief wie ein Prinz bis die Sonne schon hoch am Him­mel stand. Er sprang empor und schaute durch das Fen­ster in den schö­nen grü­nen Wald; da liefen Hirsche und Rehe und Hasen in ganzen Her­den herum und wilde Vögel aller Arten flo­gen von Baum zu Baum; dazu san­gen die Lerchen und Finken und Nachti­gallen, dass es ihm so wohl ward wie ihm nie gewe­sen war und er beschloss, den schö­nen Wald nicht so bald zu verlassen.

Beim Früh­stück fragte der Jüngling die Frau, wem der Wald gehöre? Der Wald gehört mein“, sprach sie. Da fragte er weit­er ob er wohl darin jagen dürfe, denn die Jagd sei seine größte Lust und Freude. Das mögt ihr, soviel euch beliebt, doch ich rate euch, tut es nicht“, erwiderte die Frau. Er schlug den Rat aber in den Wind, denn er sah keinen Grund dazu, ergriff eine Büchse und sprang fröh­lich in den Wald hinein. Da rief die Frau seinen Diener und sprach: Geh und folge deinem Her­rn schnell, so lieb dir sein Leben ist. Wenn ihr auf den freien Wald­platz kommt, dann sprin­gen drei weiße Hirsche vor euch her, doch darf dein Herr keinen schießen, übri­gens mag er töten, was ihm vor den Lauf kommt. Du darf­st deinem Her­rn aber nicht sagen, dass ich dir dies ver­rat­en habe, son­st ist es um dich geschehen.“ Der Diener dank­te der Frau von Herzen für ihren Rat, denn er liebte seinen Her­rn über alles.

Kaum waren Bei­de einige hun­dert Schritte im Walde fort­ge­gan­gen, da wurde es lichter und immer lichter und sie kamen auf eine große Wiese, da sprang ein Bäch­lein lustig über weiße Kiesel und die Vögel san­gen, dass dem Jüngling das Herz im Leibe hüpfte. Da raschelte es plöt­zlich im Gebüsch und drei prächtige schneeweiße Hirsche mit stolzem Geweih sprangen her­aus und liefen quer über die Wiese hin. Der Jüngling legte an, aber ehe der Schuss noch fiel, schlug der treue Diener ihm die Flinte in die Höhe, so dass die Kugel in einen Baum fuhr und die Hirsche unversehrt davon­sprangen. Der Jüngling fuhr den Diener hart an, warum er das getan habe, doch dieser entschuldigte sich und sprach, eine Biene habe ihn in die Hand gestochen und darüber sei er aufgefahren.

Sie gin­gen weit­er und der Jüngling schoss noch aller­lei Wild, aber die Freude war ihm ver­dor­ben, denn die drei weißen Hirsche woll­ten ihm nicht aus dem Kopfe. In dem Wald­häuschen nahm die Frau den Diener bei Seite und lobte ihn, er habe seinem Her­rn das Leben gerettet. Sie trug in ihrer Freude die köstlich­sten Speisen aller Art auf, schenk­te Wein aus aller Her­ren Län­dern ein und dem Jüngling gefiel es immer bess­er bei ihr.

Am andern Mor­gen griff er wieder zur Flinte und ging in den Wald. Da sprach die Frau zu dem Diener: Geh und folge schnell deinem Her­rn; wenn ihr auf den freien Wald­platz kommt, dann sprin­gen drei braune Hirsche daher, aber ver­hüte, dass dein Herr sie schießt, so lieb dir sein Leben ist, und ver­rate nicht, dass ich dir dies gesagt habe, son­st ist es um dich geschehen.“ Der Jüngling ging ganz densel­ben Weg, wie Tags vorher, wie sehr auch der Diener suchte, ihn ander­swohin zu führen. Bald kamen sie auf die schöne Wald­wiese mit dem muntern Bäch­lein und all den tausend Vögeln. Da raschelte es wieder im Gebüsch und drei braune Hirsche mit prächtigem stolzem Geweih set­zten quer über die Wiese hin. Der Jüngling schlug an, aber zugle­ich gab der Diener ihm einen Stoß, dass die Kugel in die Luft pfiff. Da fuhr der Jüngling zornig auf und rief: Wenn du dies noch ein­mal wagst, dann schieße ich dich nieder“; und was der treue Diener auch sagen und wie er sich auch entschuldigen mochte, Alles half nichts, sein Herr blieb dabei. Er kon­nte nicht ver­schmerzen, dass die drei Hirsche ihm durchge­gan­gen waren, denn schönere hat­te er sein Leben lang nicht gesehen.

Die Frau in dem Wald­häuschen trug heute noch viel köstlicheres Essen auf als am Tage vorher und die guten Weine aller Art standen die Hülle und Fülle auf dem Tis­che. Zum Diener aber sprach sie heim­lich, er habe seine Sache gut gemacht und sein Herr gehe einem großen Glück entgegen.

Als der Jüngling am fol­gen­den Mor­gen wieder in den Wald sprang, sprach die Frau zu dem Diener: Gehe und folge deinem Her­rn und lass ihn nur nicht schießen, wenn er heute drei schwarze Hirsche auf dem Wald­platz sieht; heute ist der gefährlich­ste Tag und sein Leben hängt daran; ver­rate mich aber nicht, so dir dein Leben lieb ist.“ Der Diener ver­sprach ihr es willig und eilte seinem Her­rn nach. Aber heute war es ihm so trau­rig zu Mute, er wusste selb­st nicht wie und warum; der Wald schien ihm nicht mehr so schön und die Vöglein nicht mehr so lustig und das Bäch­lein nicht mehr so munter. Er ver­suchte wohl seinen Her­rn einen andern Weg zu führen, aber der Jüngling wollte nicht, er hat­te die drei Hirsche im Kopf und dro­hte dem treuen Diener: Heute rate ich dir aber gut, stoße mich nicht, son­st geht es dir schlimm.“ Also kamen sie an die Wald­wiese und kaum standen sie da, da brachen drei schwarze Hirsche mit mächtigem Geweih aus den Büschen und sprangen quer über die Wiese daher. Der Jüngling schlug an, da gab ihm der treue Diener einen Ruck, die Kugel sauste in den Wald und die drei Hirsche entsprangen. Das sollst du mir büßen“, schrie der Jüngling und lud von Neuem. Wie sehr der treue Diener auch jam­merte und um sein Leben bat, Alles half nichts, der Jüngling schoss ihn in seinem Zorne nieder.
Als die blasse Leiche aber so vor ihm lag, da ver­rauchte der Zorn bald und die Reue kam. Vergebens rief er den treuen Diener mit hun­dert schö­nen Namen, er weinte und rang die Hände, er war tot und blieb tot. Da stürzte er wild und wie ein wahnsin­niger Mann durch den Wald zurück zu dem Wald­häuschen, doch es war öd und ein­sam, die fre­undliche Frau war ver­schwun­den. Er sat­telte im Stall eins sein­er Pferde, sprang darauf und ritt verzwei­flungsvoll weg, wohin, das wusste er sel­ber nicht.

Also war er in tief­ster Betrüb­nis Stunde an Stunde dahinge­sprengt auf wilden Wald­we­gen. Die Sonne stand im Mit­tag und sie ging zur Rüste und der Wald wurde immer dichter; wed­er Dorf noch Haus war zu sehen, Hunger und noch mehr Durst quäl­ten ihn. Die ganze Nacht ritt er fort bis an den Wipfeln der Bäume der Schein des Mor­gen­rots wieder­strahlte, da öffnete sich der Wald und er kam auf eine große Wiese, darauf sprang eine klare frische Quelle. Er bück­te sich zu ihr, um seinen bren­nen­den Gau­men zu let­zen und trank lange Züge. Als er sich aber wieder erhob, da siehe standen drei wun­der­schöne Jungfrauen vor ihm.

Er zog seinen Hut zum Gruße ab, doch sie schaut­en ihn fin­ster und zornig an und sprachen: Du hast in deinem bösen Zorne dein Glück ver­scherzt und unsere Erlö­sung auf lange Zeit ver­schoben. Jet­zt wärest du im gold­nen Kön­i­gre­ich, wenn du gutem Rate und fre­undlichen Bit­ten gefol­gt hättest, nun aber musst du noch lange wan­dern und viel kämpfen, bis du dahin kom­men kannst.“ Da stürzte der Jüngling vor ihnen auf die Knie und rief voll Reue: Ich will gern Alles dulden und ertra­gen, wenn ich nur meine Tat wieder gut machen kann, saget mir nur was ich tun soll.“ Das ist uns nicht gegeben“, sprachen die Jungfrauen, doch wollen wir dir beis­te­hen, so viel uns erlaubt ist.“

Da gab die Älteste ihm ein Schw­ert, dem kon­nte nichts wider­ste­hen und wer von ihm getrof­fen wurde, der sank tot zu Boden. Die zweite gab ihm eine Börse, die blieb immer mit blanken Gold­stück­en gefüllt, wie viel man auch her­aus­nehmen mochte. Die Jungfrau aber, welche die Schön­ste war und zu der er sogle­ich in Liebe ent­bran­nte, gab ihm einen gold­nen Ring, dass er ihrer nicht vergesse. Dann ver­schwan­den sie.

Jet­zt fiel dem Jüngling wie ein Stein vom Herzen, er fasste sich einen frischen Mut und dachte an weit­er nichts, als an das goldne Kön­i­gre­ich und die drei Jungfrauen, beson­ders an die Jüng­ste. Er schwang sich auf sein Pferd und ritt ruhigern Sinnes in den Wald hinein. Noch war er keine hun­dert Schritte weit, als er ein schreck­lich­es Zis­chen und jäm­mer­lich­es Brüllen in dem Gebüsch hörte. Er sprang darauf zu und da war es ein scheußlich­er Lind­wurm, der seinen lan­gen Schweif um einen Löwen geschla­gen hat­te und ihm sein Gift ent­ge­gen­spie. Kurz entschlossen fasste der Jüngling sein Schw­ert und tat einen schw­eren Schlag, so dass er dem Lind­wurm den Schweif abschlug und das abge­hauene Stück fuhr mit solch­er Gewalt in die Bäume hinein, dass es ganze Äste zer­brach. Mit einem zweit­en Schlage traf er den Kopf des Drachen, so dass das Untier hin­stürzte und die Zunge arm­slang aus dem Halse streck­te. Der Löwe aber schüt­telte sich und sprang vor Freuden, wie ein getreuer Hund zu seinem Befreier, drück­te seinen zot­ti­gen Kopf an ihn und suchte ihm auf jede Art seinen Dank zu beweisen, fol­gte ihm auch seit dem Augen­blicke über­all hin. Da wuchs dem Jüngling der Mut, denn nun erkan­nte er die Kraft seines Schw­ertes und er ritt heit­er manche Woche lang seines Weges fort bis er endlich an das Wass­er Irrewellen kam, welch­es so groß und bre­it ist, dass man sein Ende gar nicht abse­hen kann.

Da lag am Ufer ein Schiff vor Anker und nicht weit davon stand des Schif­fers Haus. Der trat her­aus, grüßte den Jüngling und bot ihm Speise und Trank. Das nahm der Jüngling dankbar an, denn er hat­te seit vie­len Tagen nur von Wurzeln und Kräutern gelebt. Dann fragte er den Schif­fer, ob er nicht wisse, wo das goldne Kön­i­gre­ich liege? Der Schif­fer sprach: Wenn ihr dahin wollt, dann seid ihr schlecht berat­en; das liegt weit, weit jen­seits des Wassers und der Riesen­län­der und der Weg dahin ist schw­er und gefährlich, denn die Riesen fordern von jedem, der durch ihr Land will, eine Hand oder einen Fuß als Zoll.“ Ich fürchte mich nicht vor den Riesen“, erwiderte der Jüngling, wenn ich nur in das goldne Kön­i­gre­ich kom­men kann.“ Wenn ihr nicht anders wollt, dann fahre ich euch über“, sprach der Schif­fer. Der Jüngling trat mit seinem Pferde und dem Löwen in das Schiff, der Wind blies in die weißen Segel und es flog über die Wellen dahin. Bald aber verfin­sterte sich der Him­mel, der Sturm erhob sich und warf das Schiff auf und nieder, wie einen Spiel­ball, so dass man jeden Augen­blick meinte, es müsse versinken, doch der Jüngling behielt seinen Mut und verza­gte nicht. Nach einiger Zeit ließ der Sturm nach, es wurde wieder hell und heit­er und das Schiff lan­dete bei fre­undlichem Son­nen­schein. Der Jüngling lohnte dem Fährmann reich­lich, dank­te ihm und stieg ans Land.

Noch ehe er sich recht umschauen kon­nte, hörte er einen entset­zlichen Lärm und sah drei Riesen, welche mit eis­er­nen Stan­gen auf ihn zuliefen und schrieen, sie müssten seine rechte Hand zum Zoll haben. Gemach, gemacht“ sprach der Jüngling, das hat nicht so große Eile“ und er trat ihnen fest ent­ge­gen, schwang sein Schw­ert und schlug in einem Hui zweien den Kopf ab, den drit­ten zer­riss sein Löwe und nahm ihn als Früh­stück ein, aber nicht ganz, denn der Riese hat­te hand­dick­es Fett auf den Knochen und war wohl genährt. Dann sprang der Jüngling auf sein Pferd und ritt fro­hen Sinnes weit­er durch Wald und Hei­de, Wiese und Wei­de, bis er wiederum an ein großes Wass­er kam. Am Strande stand ein Haus und vor dem Hause lag ein Schiff.

Der Schif­fer trat aus dem Hause als er den Tritt des Pfer­des hörte, grüßte den Jüngling und bot ihm Obdach und Lab­sal in seinem Hause an. Der Jüngling nahm dies dankbar an, denn er hat­te seit seinem Kampfe mit den Riesen nichts mehr genossen. Nach dem Essen fragte er den Schif­fer, wie das Wass­er heiße und wo das goldne Kön­i­gre­ich liege? Das Wass­er heißt Grausam“, sprach der Schif­fer, weil es alles ver­schlin­gen möchte, was auf ihm schwimmt und schwebt. Aber wenn ihr in das goldne Kön­i­gre­ich wollt, dann habt ihr schlimme Wege. Das liegt weit jen­seits des Wassers und der Riesen­län­der. Die Riesen fordern aber von jedem, der durch ihr Land will, eine Hand oder einen Fuß und ihrer sind viel, darum rate ich euch, bleibt lieber hier.“ Ich frage nichts nach den Riesen und kämen sie auch zu Dutzen­den“, sprach der Jüngling. Wie ihr wollt, ich fahre euch gern über.“ Da stiegen sie alle in das Schiff, der Fährmann zog die Segel auf und der Wind blies so gün­stig, dass es eine Lust war. Er blies aber mit der Zeit immer stärk­er und stärk­er, der Him­mel verfin­sterte sich und ein schreck­lich­er Sturm mit heftigem Gewit­ter brach los. Das Wass­er wurde stets wilder, die Wellen pack­ten ordentlich das Schiff wie mit weißen Fäusten und war­fen es herum, dass dem Fährmann Hören und Sehen verg­ing. Aber da stellte sich der Jüngling ans Steuer­rud­er und stand fest und aufrecht da und je wilder das Wass­er wurde, um so mehr Freude machte es ihm. Endlich legte sich der Sturm, die Wellen wur­den immer zah­mer und klein­er und zulet­zt waren sie ganz still und friedlich und das Schiff glitt nur so über sie dahin. Am Lande stieg der Jüngling mit seinen Tieren aus und gab dem Schif­fer über­re­ichen Lohn. Da sprangen sechs plumpe Riesen mit schw­eren Eisen­stan­gen her­bei, die schrieen ihm zu, er müsse ihnen seine linke Hand als Zoll geben, wenn er durch ihr Land wolle. Sogle­ich sollt ihr sie haben“ rief der Jüngling, hob sein Schw­ert und hui sagte es, da wussten vier von den Riesen nicht mehr, wo ihnen der Kopf stand; die zwei andern nahm der Löwe zum Früh­stück und fraß als ob er in acht Tagen nichts mehr bekom­men sollte.

Immer weit­er ging nun die Reise über Berg und Tal, bis sie an ein drittes Wass­er kamen. Da lag ein mächtig großes Schiff vor Anker und am Strande stand des Schif­fers Haus. Der trat her­aus, grüßte den Jüngling und bot ihm Obdach und Lab­sal. Das ließ er sich gefall­en, denn in den Bergen und Tälern war er keinem Wirtshaus begeg­net und sein Magen knur­rte. Nach­dem er sich gestärkt hat­te, fragte er den Schif­fer, wie das Wass­er heiße und wie weit es bis zum gold­nen Kön­i­gre­ich sei? Das Wass­er heißt das Aller­schlimm­ste“, sprach der Schif­fer, weil noch kein Schiff hat hinüber fahren kön­nen. Aber wenn man auch drüben wäre, dann hat man immer noch nicht gewon­nen, denn da liegen neun Riesen, die lassen nicht mit sich spaßen; sie fordern von jedem die Füße als Zoll, der in das goldne Kön­i­gre­ich will, und mit denen wird Nie­mand so leicht fer­tig.“ Die Riesen küm­mern mich nicht, wenn ihr mich nur über­fahren wollt.“ Dazu ist mir mein Schiff und mein Leben zu lieb“ erwiderte der Schif­fer, aber als der Jüngling anf­ing, aus der Börse blanke Gold­taler auf den Tisch zu zählen, wurde der Fährmann immer mutiger und als der Tisch voll­gezählt lag, sprach er: Nun ich will’s wagen.“

Da stieg der Jüngling mit seinen Tieren in das Schiff, der Fährmann fol­gte und die Segel schwollen im frischen Winde. Plöt­zlich aber brach der Sturm los. Das Wass­er wurde wie ganz schwarz, die Wellen gin­gen turmhoch und pack­ten das Schiff, als ob sie es zer­mal­men woll­ten. Dazu zis­cht­en die Blitze, so dass der Him­mel wie ein Feuer­meer schien, der Don­ner fol­gte sich Schlag auf Schlag, kurz es war als solle die Welt unterge­hen. Der Schif­fer jam­merte und schrie, die Tiere wim­merten vor Angst, nur der Jüngling war ruhig und kalt. Als der Schif­fer zulet­zt gar Alles ver­loren gab, als die Segel ris­sen, der Mast brach, und keine Ret­tung mehr möglich schien, da fasste er das Steuer­rud­er und hielt an dem­sel­ben aus, bis die Wut des Sturmes sich legte, die wilden Wass­er sich ebneten und die Sonne wieder hin­ter den Wolken her­vor­trat. Da lag das Riesen­land vor ihnen, der Jüngling beschenk­te den Fährmann noch ein­mal reich­lich und machte sich mit seinen Tieren auf den Weg.

Er war nicht weit gegan­gen, da kamen die neun Riesen schon herange­poltert, schwenk­ten ihre dick­en Eisen­stan­gen über den Köpfen und schrieen alle durcheinan­der: Deine Füße müssen wir als Zoll haben! Her deine Füße! Deine Füße her!“ Ei schre­it nicht so toll, ich höre es ja schon“, rief der Jüngling. Wer will meine Füße haben?“ Wir wollen sie haben“, schrieen die vier Ersten und woll­ten über ihn her­fall­en, aber hui sagte das Schw­ert und da waren sie alle vier mäuschen­still. Dann lief er zu den fünf andern, die nicht so schnell gelaufen waren, hui pfiff das Schw­ert und da lagen wieder drei da, die zwei let­zten nahm der Löwe zum Mit­tags­brot und fraß, dass er nicht mehr von der Stelle konnte.

Voller Freude schaute der Jüngling um sich und da lag in der Ferne eine wun­der­schöne Stadt, die strahlte und leuchtete in der Sonne wie reines Gold. Er ruhte einen Augen­blick aus, dann spornte er sein Ross und sprengte auf die Stadt zu, aber je näher er kam um so weniger kon­nte er den Glanz aushal­ten. Das muss das goldne Kön­i­gre­ich sein“ sprach er, oder ich finde es nie“, und er hat­te Recht, denn es war die Haupt­stadt vom gold­nen Königreich.

Als er hinein kam, suchte und fragte er zuerst nach dem Königss­chloss; dann kehrte er in einem Wirtshaus ein, welch­es dem Schlosse grade gegenüber lag. Da hörte er von dem Wirt, dass im Schlosse drei schöne Prinzessin­nen seien, sie wären aber ver­wün­scht und kön­nten nur durch den Bräutigam der Jüng­sten erlöst wer­den; der wohne noch jen­seits der drei Meere und der Riesen­län­der und es sei eine große Frage, wann er komme. Der Jüngling fragte weit­er, wie der Bräutigam die Erlö­sung voll­bringe, das Schloss sei ja immer geschlossen und man sähe ihm nicht an, dass ein leben­des Wesen darin wohne. Sprach der Wirt, wenn der Bräutigam im recht­en Wagen und mit den recht­en Pfer­den zu dem Schlosse fahre, dann werde es sich öff­nen, weit­er wisse er nichts.

Nun wusste der Jüngling genug, denn es war klar, dass nur er der Bräutigam sein kon­nte. Am fol­gen­den Tage tat die Börse ihre Schuldigkeit, er kaufte einen schwarzen Wagen und sechs schwarze Rosse, nahm viele Diener an und klei­dete alle schwarz; also fuhr er auf das Schloss zu. Als der Wagen in die Nähe des Tores kam, sprang es auf und da kam er in den großen Schlosshof. Der war aber öde und ein­sam und alle Türen und Fen­ster ges­per­rt; nur dem Tor gegenüber war ein zweites Tor, das war auch offen. Der Jüngling befahl dem Kutsch­er hin­durch zu fahren, denn er glaubte in einen zweit­en Hof zu kom­men, aber er fand sich auf der Straße und das Tor schlug hin­ter ihm zu.

Da sah er, dass dies der rechte Wagen und die recht­en Pferde nicht waren. Er kaufte sich nun einen prächti­gen braunen Wagen mit sechs braunen Pfer­den, klei­dete auch alle seine Diener braun und fuhr wieder auf das Schloss zu. Das große Tor sprang vor dem Wagen auf und der Wagen rollte in den Schlosshof. Da war es wiederum ganz still und ein­sam, nur waren die Fen­ster alle offen, so dass man in die prächti­gen Zim­mer sehen kon­nte, doch die Türen blieben geschlossen und keine lebende Seele zeigte sich. Da befahl er dem Kutsch­er, durch das zweite Tor zu fahren und als er kaum hin­durch war, schlug es hin­ter dem Wagen zu.

Am fol­gen­den Tage kaufte er sich einen schneeschloßen­weißen Wagen mit sechs Schim­meln, klei­dete alle seine Diener weiß und fuhr also nach dem Schlosse. Da sah er von weit­em schon das große Tor sper­rangel­weit offen, auf dem Dache flat­terten die Fah­nen und die Kanonen schossen als er näher kam, dass der Erd­bo­den zit­terte. Als er hine­in­fuhr scholl ihm Musik ent­ge­gen von Pauken und Trompe­ten und der ganze Hof stand voll prächtig gek­lei­de­ter Her­ren und Frauen und Diener; die schlossen seinen Wagen auf und empfin­gen ihn ehrerbi­etig, um ihn ins Schloss zu führen. Da stand an der Treppe der König mit sein­er Kro­ne auf dem Haupte, drei wun­der­schöne Jungfrauen zu sein­er Seite. Die Jüng­ste und schön­ste aber eilte dem Jüngling ent­ge­gen und sprach: Sei gegrüßt, mein Erlös­er und Geliebter!“ Sie küssten sich und wur­den zur Stunde mit einan­der ver­mählt und waren in treuer Liebe glück­lich ihr Leben lang.