Bruder Lustig

von Brüder Grimm

~21 Min

Es war ein­mal ein gross­er Krieg, und als der Krieg zu Ende war, beka­men viele Sol­dat­en ihren Abschied. Nun bekam der Brud­er Lustig auch seinen Abschied und son­st nichts als ein kleines Laibchen Kom­miss­brot und vier Kreuzer an Geld; damit zog er fort. Der heilige Petrus aber hat­te sich als ein armer Bet­tler an den Weg geset­zt, und wie der Brud­er Lustig daherkam, bat er ihn um ein Almosen. Er antwortete: Lieber Bet­tel­mann, was soll ich dir geben? Ich bin Sol­dat gewe­sen und habe meinen Abschied bekom­men, und habe son­st nichts als das kleine Kom­miss­brot und vier Kreuzer Geld, wenn das all ist, muss ich bet­teln, so gut wie du. Doch geben will ich dir was.“ Darauf teilte er den Laib in vier Teile und gab davon dem Apos­tel einen und auch einen Kreuzer. Der heilige Petrus bedank­te sich, ging weit­er und set­zte sich in ein­er andern Gestalt wieder als Bet­tel­mann dem Sol­dat­en an den Weg, und als er zu ihm kam, bat er ihn, wie das vorige­mal, um eine Gabe. 

Der Brud­er Lustig sprach wie vorher und gab ihm wieder ein Vier­tel von dem Brot und einen Kreuzer. Der heilige Petrus bedank­te sich und ging weit­er, set­zte sich aber zum drit­ten­mal in ein­er andern Gestalt als ein Bet­tler an den Weg und sprach den Brud­er Lustig an. Der Brud­er Lustig gab ihm auch das dritte Vier­tel Brot und den drit­ten Kreuzer. Der heilige Petrus bedank­te sich, und der Brud­er Lustig ging weit­er und hat­te nicht mehr als ein Vier­tel Brot und einen Kreuzer. Damit ging er in ein Wirtshaus, ass das Brot und liess sich für den Kreuzer Bier dazu geben. Als er fer­tig war, zog er weit­er, und da ging ihm der heilige Petrus gle­ich­falls in der Gestalt eines ver­ab­schiede­ten Sol­dat­en ent­ge­gen und redete ihn an: Guten Tag, Kam­er­ad, kannst du mir nicht ein Stück Brot geben und einen Kreuzer zu einem Trunk?“ – Wo soll ichs hernehmen,“ antwortete der Brud­er Lustig, ich habe meinen Abschied und son­st nichts als einen Laib Kom­miss­brot und vier Kreuzer an Geld bekom­men. Drei Bet­tler sind mir auf der Land­strasse begeg­net, davon hab ich jedem ein Vier­tel von meinem Brot und einen Kreuzer Geld gegeben. Das let­zte Vier­tel habe ich im Wirtshaus gegessen und für den let­zten Kreuzer dazu getrunk­en. Jet­zt bin ich leer, und wenn du auch nichts mehr hast, so kön­nen wir miteinan­der bet­teln gehen.“ – Nein,“ antwortete der heilige Petrus, das wird just nicht nötig sein: ich ver­ste­he mich ein wenig auf die Dok­tor­ei, und damit will ich mir schon so viel ver­di­enen, als ich brauche.“ – Ja,“ sagte der Brud­er Lustig, davon ver­ste­he ich nichts, also muss ich allein bet­teln gehen.“ – Nun komm nur mit,“ sprach der heilige Petrus, wenn ich was ver­di­ene, sollst du die Hälfte davon haben.“ – Das ist mir wohl recht,“ sagte der Brud­er Lustig. Also zogen sie miteinan­der fort.

Nun kamen sie an ein Bauern­haus und hörten darin gewaltig jam­mern und schreien, da gin­gen sie hinein, so lag der Mann darin auf den Tod krank und war nah am Ver­schei­den, und die Frau heulte und weinte ganz laut. Lasst Euer Heulen und Weinen,“ sprach der heilige Petrus, ich will den Mann wieder gesund machen,“ nahm eine Salbe aus der Tasche und heilte den Kranken augen­blick­lich, so dass er auf­ste­hen kon­nte und ganz gesund war. Sprachen Mann und Frau in gross­er Freude: Wie kön­nen wir Euch lohnen? Was sollen wir Euch geben?“ Der heilige Petrus aber wollte nichts nehmen, und je mehr ihn die Bauer­sleute bat­en, desto mehr weigerte er sich. Der Brud­er Lustig aber stiess den heili­gen Petrus an und sagte: So nimm doch was, wir brauchens ja.“ Endlich brachte die Bäuerin ein Lamm und sprach zu dem heili­gen Petrus, das müsste er annehmen, aber er wollte es nicht. Da stiess ihn der Brud­er Lustig in die Seite und sprach: Nimms doch, dum­mer Teufel, wir brauchens ja.“ Da sagte der heilige Petrus endlich: Ja, das Lamm will ich nehmen, aber ich trags nicht: wenn dus willst, so musst du es tra­gen.“ – Das hat keine Not,“ sprach der Brud­er Lustig, das will ich schon tra­gen,“ und nahms auf die Schul­ter. Nun gin­gen sie fort und kamen in einen Wald, da war das Lamm dem Brud­er Lustig schw­er gewor­den, er aber war hun­grig, also sprach er zu dem heili­gen Petrus: Schau, da ist ein schön­er Platz, da kön­nten wir das Lamm kochen und verzehren.“ – Mir ists recht,“ antwortete der heilige Petrus, doch kann ich mit der Kocherei nicht umge­hen: willst du kochen, so hast du da einen Kessel, ich will der­weil auf- und abge­hen, bis es gar ist. Du musst aber nicht eher zu essen anfan­gen, als bis ich wieder zurück bin; ich will schon zu rechter Zeit kom­men.“ – Geh nur,“ sagte Brud­er Lustig, ich ver­ste­he mich aufs Kochen, ich wills schon machen.“ Da ging der heilige Petrus fort, und der Brud­er Lustig schlachtete das Lamm, machte Feuer an, warf das Fleisch in den Kessel und kochte. Das Lamm war aber schon gar und der Apos­tel immer noch nicht zurück, da nahm es der Brud­er Lustig aus dem Kessel, zer­schnitt es und fand das Herz.

Das soll das Beste sein,“ sprach er und ver­suchte es, zulet­zt aber ass er es ganz auf. Endlich kam der heilige Petrus zurück und sprach: Du kannst das ganze Lamm allein essen, ich will nur das Herz davon, das gib mir.“ Da nahm Brud­er Lustig Mess­er und Gabel, tat, als suchte er eifrig in dem Lamm­fleisch herum, kon­nte aber das Herz nicht find­en; endlich sagte er kurzweg: Es ist keins da.“ – Nun, wo solls denn sein?, sagte der Apos­tel. Das weiss ich nicht,“ antwortete der Brud­er Lustig, aber schau, was sind wir alle bei­de für Nar­ren, suchen das Herz vom Lamm, und fällt keinem von uns ein, ein Lamm hat ja kein Herz!“ – Ei,“ sprach der heilige Petrus, das ist was ganz Neues, jedes Tier hat ja ein Herz, warum sollt ein Lamm kein Herz haben?“ – Nein, gewisslich, Brud­er, ein Lamm hat kein Herz, denk nur recht nach, so wird dirs ein­fall­en, es hat im Ernst keins.“ – Nun, es ist schon gut,“ sagte der heilige Petrus, ist kein Herz da, so brauch ich auch nichts vom Lamm, du kannsts allein essen.“ – Was ich halt nicht aufessen kann, das nehm ich mit in meinem Ranzen,“ sprach der Brud­er Lustig, ass das halbe Lamm und steck­te das übrige in seinen Ranzen.

Sie gin­gen weit­er, da machte der heilige Petrus, dass ein gross­es Wass­er quer über den Weg floss und sie hin­durch mussten. Sprach der heilige Petrus: Geh du nur voran.“ – Nein,“ antwortete der Brud­er Lustig, geh du voran,“ und dachte, wenn dem das Wass­er zu tief ist, so bleib ich zurück.“ Da schritt der heilige Petrus hin­durch, und das Wass­er ging ihm nur bis ans Knie. Nun wollte Brud­er Lustig auch hin­durch, aber das Wass­er wurde gröss­er und stieg ihm an den Hals. Da rief er: Brud­er, hilf mir.“ Sagte der heilige Petrus: Willst du auch geste­hen, dass du das Herz von dem Lamm gegessen hast?“ – Nein,“ antwortete er, ich hab es nicht gegessen.“ Da ward das Wass­er noch gröss­er und stieg ihm bis an den Mund, hilf mir, Brud­er,“ rief der Sol­dat. Sprach der heilige Petrus noch ein­mal: Willst du auch geste­hen, dass du das Herz vom Lamm gegessen hast?“ – Nein,“ antwortete er, ich hab es nicht gegessen.“ Der heilige Petrus wollte ihn doch nicht ertrinken lassen, liess das Wass­er wieder fall­en und half ihm hinüber.

Nun zogen sie weit­er, und kamen in ein Reich, da hörten sie, dass die Königstochter tod­krank läge. Hal­lo, Brud­er,“ sprach der Sol­dat zum heili­gen Petrus, da ist ein Fang für uns, wenn wir die gesund machen, so ist uns auf ewige Zeit­en geholfen.“ Da war ihm der heilige Petrus nicht geschwind genug, nun, heb die Beine auf, Bruder­herz,“ sprach er zu ihm, dass wir noch zu rechter Zeit hinkom­men.“ Der heilige Petrus ging aber immer langsamer, wie auch der Brud­er Lustig ihn trieb und schob, bis sie endlich hörten, die Königstochter wäre gestor­ben. Da haben wirs,“ sprach der Brud­er Lustig, das kommt von deinem schläfrigen Gang.“ – Sei nur still,“ antwortete der heilige Petrus, ich kann noch mehr als Kranke gesund machen, ich kann auch Tote wieder ins Leben erweck­en.“ – Nun, wenn das ist,“ sagte der Brud­er Lustig, so lass ich mirs gefall­en, das halbe Kön­i­gre­ich musst du uns aber zum wenig­sten damit ver­di­enen.“ Darauf gin­gen sie in das königliche Schloss, wo alles in gross­er Trauer war: der heilige Petrus aber sagte zu dem König, er wolle die Tochter wieder lebendig machen. Da ward er zu ihr geführt, und dann sprach er: Bringt mir einen Kessel mit Wass­er,“ und wie der gebracht war, hiess er jed­er­mann hin­aus­ge­hen, und nur der Brud­er Lustig durfte bei ihm bleiben. Darauf schnitt er alle Glieder der Toten los und warf sie ins Wass­er, machte Feuer unter den Kessel und liess sie kochen. Und wie alles Fleisch von den Knochen her­abge­fall­en war, nahm er das schöne weisse Gebein her­aus und legte es auf eine Tafel, und rei­hte und legte es nach sein­er natür­lichen Ord­nung zusam­men. Als das geschehen war, trat er davor und sprach dreimal: Im Namen der aller­heilig­sten Dreifaltigkeit, Tote, steh auf.“ Und beim drit­ten­mal erhob sich die Königstochter lebendig, gesund und schön. Nun war der König darüber in gross­er Freude und sprach zum heili­gen Petrus: Begehre deinen Lohn, und wenns mein halbes Kön­i­gre­ich wäre, so will ich dirs geben.“ Der heilige Petrus aber antwortete: Ich ver­lange nichts dafür.“ – O, du Hans Narr!, dachte der Brud­er Lustig bei sich, stiess seinen Kam­er­aden in die Seite und sprach: Sei doch nicht so dumm, wenn du nichts willst, so brauch ich doch was.“ Der heilige Petrus aber wollte nichts; doch weil der König sah, dass der andere gerne was wollte, liess er ihm vom Schatzmeis­ter seinen Ranzen mit Gold anfüllen.

Sie zogen darauf weit­er, und wie sie in einen Wald kamen, sprach der heilige Petrus zum Brud­er Lustig: Jet­zt wollen wir das Gold teilen.“ – Ja,“ antwortete er, das wollen wir tun.“ Da teilte der heilige Petrus das Gold, und teilte es in drei Teile. Dachte der Brud­er Lustig: Was er wieder für einen Spar­ren im Kopf hat! Macht drei Teile, und unser sind zwei.“ Der heilige Petrus aber sprach: Nun habe ich genau geteilt, ein Teil für mich, ein Teil für dich, und ein Teil für den, der das Herz vom Lamm gegessen hat.“ – O, das hab ich gegessen,“ antwortete der Brud­er Lustig und strich geschwind das Gold ein, das kannst du mir glauben.“ – Wie kann das wahr sein,“ sprach der heilige Petrus, ein Lamm hat ja kein Herz.“ – Ei, was, Brud­er, wo denkst du hin! Ein Lamm hat ja ein Herz, so gut wie jedes Tier, warum sollte das allein keins haben?, Nun, es ist schon gut,“ sagte der heilige Petrus, behalt das Gold allein, aber ich bleibe nicht mehr bei dir und will meinen Weg allein gehen.“ – Wie du willst, Bruder­herz,“ antwortete der Sol­dat, leb wohl.‘

Da ging der heilige Petrus eine andere Strasse, Brud­er Lustig aber dachte: Es ist gut, dass er abtra­bt, es ist doch ein wun­der­lich­er Heiliger.“ Nun hat­te er zwar Geld genug, wusste aber nicht mit umzuge­hen, ver­tats, ver­schenk­ts, und wie eine Zeit herum war, hat­te er wieder nichts. Da kam er in ein Land, wo er hörte, dass die Königstochter gestor­ben wäre. Hol­la!, dachte er, das kann gut wer­den, die will ich wieder lebendig machen und mirs bezahlen lassen, dass es eine Art hat.“ Ging also zum König und bot ihm an, die Tote wieder zu erweck­en. Nun hat­te der König gehört, dass ein abgedank­ter Sol­dat herumziehe und die Gestor­be­nen wieder lebendig mache, und dachte, der Brud­er Lustig wäre dieser Mann, doch weil er kein Ver­trauen zu ihm hat­te, fragte er erst seine Räte, die sagten aber, er kön­nte es wagen, da seine Tochter doch tot wäre. Nun liess sich der Brud­er Lustig Wass­er im Kessel brin­gen, hiess jed­er­mann hin­aus­ge­hen, schnitt die Glieder ab, warf sie ins Wass­er und machte Feuer darunter, ger­ade wie er es beim heili­gen Petrus gese­hen hat­te. Das Wass­er fing an zu kochen, und das Fleisch fiel herab, da nahm er das Gebein her­aus und tat es auf die Tafel; er wusste aber nicht, in welch­er Ord­nung es liegen musste, und legte alles verkehrt durcheinan­der. Dann stellte er sich davor und sprach: Im Namen der aller­heilig­sten Dreifaltigkeit, Tote, steh auf,“ und sprachs dreimal, aber die Gebeine rührten sich nicht. Da sprach er es noch dreimal, aber­gle­ich­falls umson­st. Du Blitzmädel, steh auf,“ rief er, steh auf, oder es geht dir nicht gut.“ Wie er das gesprochen, kam der heilige Petrus auf ein­mal in sein­er vorigen Gestalt, als ver­ab­schiede­ter Sol­dat, durchs Fen­ster hereinge­gan­gen und sprach: Du got­t­los­er Men­sch, was treib­st du da, wie kann die Tote aufer­ste­hen, da du ihr Gebein so untere­inan­der gewor­fen hast?“ – Bruder­herz, ich habs gemacht, so gut ich kon­nte,“ antwortete er. Dies­mal will ich dir aus der Not helfen, aber das sag ich dir, wo du noch ein­mal so etwas untern­immst, so bist du unglück­lich, auch darf­st du von dem König nicht das Ger­ing­ste dafür begehren oder annehmen.“ Darauf legte der heilige Petrus die Gebeine in ihre rechte Ord­nung, sprach dreimal zu ihr: Im Namen der aller­heilig­sten Dreifaltigkeit, Tote, steh auf,“ und die Königstochter stand auf, war gesund und schön wie vorher. Nun ging der heilige Petrus wieder durchs Fen­ster hin­aus: der Brud­er Lustig war froh, dass es so gut abge­laufen war, ärg­erte sich aber doch, dass er nichts dafür nehmen sollte. Ich möchte nur wis­sen,“ dachte er, was der für Muck­en im Kopf hat, denn was er mit der einen Hand gibt, das nimmt er mit der andern: da ist kein Ver­stand drin.“ Nun bot der König dem Brud­er Lustig an, was er haben wollte, er durfte aber nichts nehmen, doch brachte er es durch Anspielung und Listigkeit dahin, dass ihm der König seinen Ranzen mit Gold füllen liess, und damit zog er ab. Als er hin­auskam, stand vor dem Tor der heilige Petrus und sprach: Schau, was du für ein Men­sch bist, habe ich dir nicht ver­boten, etwas zu nehmen, und nun hast du den Ranzen doch voll Gold.“ – Was kann ich dafür,“ antwortete Brud­er Lustig, wenn mirs hineingesteckt wird.“ – Das sag ich dir, dass du nicht zum zweit­en­mal solche Dinge untern­immst, son­st soll es dir schlimm erge­hen.“ – Ei, Brud­er, sorg doch nicht, jet­zt hab ich Gold, was soll ich mich da mit dem Knochen­waschen abgeben.“ – Ja,“ sprach der heilige Petrus, das Gold wird lang dauern! Damit du aber her­nach nicht wieder auf uner­laubten Wegen gehst, so will ich deinem Ranzen die Kraft geben, dass alles, was du dir hinein­wün­schest, auch darin sein soll. Leb wohl, du siehst mich nun nicht wieder.“ – Gott befohlen,“ sprach der Brud­er Lustig und dachte: Ich bin froh, dass du fort­gehst, du wun­der­lich­er Kauz, ich will dir wohl nicht nachge­hen.“ An die Wun­derkraft aber, die seinem Ranzen ver­liehen war, dachte er nicht weiter.

Brud­er Lustig zog mit seinem Gold umher, und ver­tats und ver­fum­feits wie das erstemal. Als er nun nichts mehr als vier Kreuzer hat­te, kam er an einem Wirtshaus vor­bei und dachte: Das Geld muss fort,“ und liess sich für drei Kreuzer Wein und einen Kreuzer Brot geben. Wie er da sass und trank, kam ihm der Geruch von gebrate­nen Gänsen in die Nase. Brud­er Lustig schaute und guck­te, und sah, dass der Wirt zwei Gänse in der Ofen­röhre ste­hen hat­te. Da fiel ihm ein, dass ihm sein Kam­er­ad gesagt hat­te, was er sich in seinen Ranzen wün­schte, das sollte darin sein. Hol­la, das musst du mit den Gänsen ver­suchen!“ Also ging er hin­aus, und vor der Türe sprach er: So wün­sch ich die zwei gebrate­nen Gänse aus der Ofen­röhre in meinen Ranzen.“ Wie er das gesagt hat­te, schnallte er ihn auf und schaute hinein, da lagen sie bei­de darin. Ach, so ists recht,“ sprach er, nun bin ich ein gemachter Kerl,“ ging fort auf eine Wiese und holte den Brat­en her­vor. Wie er so im besten Essen war, kamen zwei Handw­erks­burschen daher und sahen die eine Gans, die noch nicht angerührt war, mit hun­gri­gen Augen an. Dachte der Brud­er Lustig: Mit ein­er hast du genug,“ rief die zwei Burschen her­bei und sprach: Da nehmt die Gans und verzehrt sie auf meine Gesund­heit.“ Sie bedank­ten sich, gin­gen damit ins Wirtshaus, liessen sich eine Halbe Wein und ein Brot geben, pack­ten die geschenk­te Gans aus und fin­gen an zu essen. Die Wirtin sah zu und sprach zu ihrem Mann: Die zwei essen eine Gans, sieh doch nach, obs nicht eine von unsern aus der Ofen­röhre ist.“ Der Wirt lief hin, da war die Ofen­röhre leer. Was, ihr Dieb­s­gesin­del, so wohlfeil wollt ihr Gänse essen! Gle­ich bezahlt, oder ich will euch mit grünem Hasel­saft waschen.“ Die zwei sprachen: Wir sind keine Diebe, ein abgedank­ter Sol­dat hat uns die Gans draussen auf der Wiese geschenkt.“ – Ihr sollt mir keine Nase drehen, der Sol­dat ist hier gewe­sen, aber als ein ehrlich­er Kerl zur Tür hin­aus gegan­gen, auf den hab ich acht gehabt: ihr seid die Diebe und sollt bezahlen.“ Da sie aber nicht bezahlen kon­nten, nahm er den Stock und prügelte sie zur Türe hinaus.

Brud­er Lustig ging sein­er Wege und kam an einen Ort, da stand ein prächtiges Schloss und nicht weit davon ein schlecht­es Wirtshaus. Er ging in das Wirtshaus und bat um ein Nacht­lager, aber der Wirt wies ihn ab und sprach: Es ist kein Platz mehr da, das Haus ist voll vornehmer Gäste.“ – Das nimmt mich wun­der,“ sprach der Brud­er Lustig, dass sie zu Euch kom­men und nicht in das prächtige Schloss gehen.“ – Ja,“ antwortete der Wirt, es hat was an sich, dort eine Nacht zu liegen, wers noch ver­sucht hat, ist nicht lebendig wieder her­aus­gekom­men.“ – Wenns andere ver­sucht haben,“ sagte der Brud­er Lustig, will ichs auch ver­suchen.“ – Das lasst nur bleiben,“ sprach der Wirt, es geht Euch an den Hals.“ – Es wird nicht gle­ich an den Hals gehen,“ sagte der Brud­er Lustig, gebt mir nur die Schlüs­sel und brav Essen und Trinken mit.“ Nun gab ihm der Wirt die Schlüs­sel und Essen und Trinken, und damit ging der Brud­er Lustig ins Schloss, liess sichs gut schmeck­en, und als er endlich schläfrig wurde, legte er sich auf die Erde, denn es war kein Bett da. Er schlief auch bald ein, in der Nacht aber wurde er von einem grossen Lärm aufgeweckt, und wie er sich ermunterte, sah er neun hässliche Teufel in dem Zim­mer, die hat­ten einen Kreis um ihn gemacht und tanzten um ihn herum. Sprach der Brud­er Lustig: Nun tanzt, solang ihr wollt, aber komm mir kein­er zu nah.“ Die Teufel aber drangen immer näher auf ihn ein und trat­en ihm mit ihren garsti­gen Füssen fast ins Gesicht. Habt Ruh, ihr Teufels­ge­spen­ster,“ sprach er, aber sie triebens immer ärg­er. Da ward der Brud­er Lustig bös und rief: Hol­la, ich will bald Ruhe stiften!“ kriegte ein Stuhlbein und schlug mit­ten hinein. Aber neun Teufel gegen einen Sol­dat­en war doch zuviel, und wenn er auf den vordern zuschlug, so pack­ten ihn die andern hin­ten bei den Haaren und ris­sen ihn erbärm­lich. Teufelspack,“ rief er, jet­zt wird mirs zu arg: wartet aber! Alle neune in meinen Ranzen hinein!“ Husch, steck­ten sie darin, und nun schnallte er ihn zu und warf ihn in eine Ecke. Da wars auf ein­mal still, und Brud­er Lustig legte sich wieder hin und schlief bis an den hellen Mor­gen. Nun kamen der Wirt und der Edel­mann, dem das Schloss gehörte, und woll­ten sehen, wie es ihm ergan­gen wäre; als sie ihn gesund und munter erblick­ten, erstaunten sie und fragten: Haben Euch denn die Geis­ter nichts getan?“ – Warum nicht gar,“ antwortete Brud­er Lustig, ich habe sie alle neune in meinem Ranzen. Ihr kön­nt Euer Schloss wieder ganz ruhig bewohnen, es wird von nun an kein­er mehr darin umge­hen!“ Da dank­te ihm der Edel­mann, beschenk­te ihn reich­lich und bat ihn, in seinen Dien­sten zu bleiben, er wollte ihn auf sein Leb­tag ver­sor­gen. Nein,“ antwortete er, ich bin an das Herumwan­dern gewöh­nt, ich will weit­erziehen.“ Da ging der Brud­er Lustig fort, trat in eine Schmiede und legte den Ranzen, worin die neun Teufel waren, auf den Amboss, und bat den Schmied und seine Gesellen zuzuschla­gen. Die schlu­gen mit ihren grossen Häm­mern aus allen Kräften zu, dass die Teufel ein erbärm­lich­es Gekreisch erhoben. Wie er danach den Ranzen auf­machte, waren achte tot, ein­er aber, der in ein­er Falte gesessen hat­te, war noch lebendig, schlüpfte her­aus und fuhr wieder in die Hölle.

Darauf zog der Brud­er Lustig noch lange in der Welt herum, und wers wüsste, kön­nte viel davon erzählen. Endlich aber wurde er alt und dachte an sein Ende, da ging er zu einem Ein­siedler, der als ein from­mer Mann bekan­nt war, und sprach zu ihm: Ich bin das Wan­dern müde und will nun tra­cht­en, in das Him­mel­re­ich zu kom­men.“ Der Ein­siedler antwortete: Es gibt zwei Wege, der eine ist bre­it und angenehm und führt zur Hölle, der andere ist eng und rauh und führt zum Him­mel.“ – Da müsst ich ein Narr sein,“ dachte der Brud­er Lustig, wenn ich den engen und rauhen Weg gehen sollte.“ Machte sich auf und ging den bre­it­en und angenehmen Weg, und kam endlich zu einem grossen schwarzen Tor, und das war das Tor der Hölle. Brud­er Lustig klopfte an, und der Tor­wächter guck­te, wer da wäre. Wie er aber den Brud­er Lustig sah, erschrak er, denn er war ger­ade der neunte Teufel, der mit in dem Ranzen gesteckt hat­te und mit einem blauen Auge davongekom­men war. Darum schob er den Riegel geschwind wieder vor, lief zum Ober­sten der Teufel und sprach draussen ist ein Kerl mit einem Ranzen und will here­in, aber lasst ihn beileibe nicht here­in, er wün­scht son­st die ganze Hölle in seinen Ranzen. Er hat mich ein­mal garstig darin häm­mern lassen.“ Also ward dem Brud­er Lustig hin­aus­gerufen, er sollte wieder abge­hen, er käme nicht here­in. Wenn sie mich da nicht wollen,“ dachte er, will ich sehen, ob ich im Him­mel ein Unterkom­men finde, irgend­wo muss ich doch bleiben.“ Kehrte also um und zog weit­er, bis er vor das Him­mel­stor kam, wo er auch anklopfte. Der heilige Petrus sass ger­ade dabei als Tor­wächter: Der Brud­er Lustig erkan­nte ihn gle­ich und dachte: Hier find­est du einen alten Fre­und, da wirds bess­er gehen.“ Aber der heilige Petrus sprach: Ich glaube gar, du willst in den Him­mel?“ – Lass mich doch ein, Brud­er, ich muss doch wo einkehren; hät­ten sie mich in der Hölle aufgenom­men, so wär ich nicht hier­her gegan­gen.“ – Nein,“ sagte der heilige Petrus, du kommst nicht here­in.“ – Nun, willst du mich nicht ein­lassen, so nimm auch deinen Ranzen wieder: dann will ich gar nichts von dir haben,“ sprach der Brud­er Lustig. So gib ihn her,“ sagte der heilige Petrus. Da reichte er den Ranzen durchs Git­ter in den Him­mel hinein, und der heilige Petrus nahm ihn und hing ihn neben seinen Ses­sel auf. Da sprach der Brud­er Lustig: Nun wün­sch ich mich selb­st in meinen Ranzen hinein.“ Husch, war er darin, und sass nun im Him­mel, und der heilige Petrus musste ihn darin lassen.